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Helmut Mahr

Die heutige Kirche in Roßtal

Sehen wir ab von der nur vagen Erwähnung der Wallfahrt zum Grab der heiligen Irmingart in der Handschrift des Liedes von Herzog Ernst (Fassung D) im 13. Jahrhundert, so erhalten wir erste schriftliche Hinweise auf die Roßtaler Kirche sehr spät. 1314 wird vom Patronatsrecht der Burggrafen über die Kirche gesprochen (1), 1356 von einer Hofreit beim Kirchhof (2).

Dieser Kirchhof – der Name Friedhof setzt sich ja erst später durch – weist Roßtal eindeutig als Pfarrkirche aus, der allein das Begräbnisrecht innerhalb des ausgedehnten Pfarrsprengels zustand, mit Sicherheit nicht erst zu dieser Zeit, sondern wohl schon seit der Gründung vor der Jahrtausendwende, denn es läßt sich kaum vorstellen, daß dieser bedeutende Verwaltungs- und Militärstützpunkt, wie ihn die Forschung langsam erschließt, ohne Kirche gewesen sei. Begräbnisplätze um die Kirche galten als gefriedete Orte. Sie waren nicht selten Asylplätze bei Totschlagsdelikten, auch Versammlungsplätze der Gemeinde, denn in den Beratungen fühlte man sich nicht nur den Lebenden, sondern auch den Toten als Hüter ihres Werkes verpflichtet. Häufig wurde auf dem Friedhof auch nach dem Gottesdienst gehandelt, wie wir es für 1165 von Staffelstein (3) wissen, für Roßtal annehmen, wenn noch 1532 Bäcker ausdrücklich ermahnt werden müssen, ihre Waren vor dem Kirchhof feilzubieten (4).

Friedhöfe standen deshalb auch unter besonderem Rechtsschutz, d. h. unter ständigem Friedgebot, wie es schon das Rechtsbuch Sachsenspiegel 1234 ausdrückt (5), nach dem jede Gewalthandlung in diesem Bereich untersagt war. Wir dürfen annehmen, daß dies alles auch für Roßtal galt.

Neue Bedeutung gewinnen Friedhof und Kirche in Roßtal dann mit den aufkommenden Kämpfen zwischen den Burggrafen von Nürnberg, den späteren Markgrafen, und der Reichsstadt Nürnberg.

Herausgedrängt aus ihrem Burggrafenamt in einer Stadt, deren Bürger die Reichsaufsicht abgeschüttelt hatten, bemühten sich die Zollern nun von ihrer neuen Residenz in Cadolzburg aus um den konsequenten Ausbau ihrer Landesherrschaft in er- und vererbten, erheirateten, erkauften und verpfändeten Gebieten in Franken, so auch im Raum westlich der Rednitz.

Sie nützten ihre einflußreiche Stellung bei verschiedenen Herrschern des Reiches, Privilegien für ihr Territorium zu erlangen, die auf eine Hebung der Wirtschaftskraft und somit des Steueraufkommens abzielten.

So wurde auch Roßtal im Zuge dieser Bestrebungen 1328 von Kaiser Ludwig d. Bayern zur Stadt erhoben (6). Es erhielt das Recht zum Bau einer Mauer, zur Errichtung eines Wochenmarktes und eines Gerichtes. Es gibt aber Anzeichen dafür, daß der Ort, im Gegensatz zu anderen Märkten unseres Raumes, trotz der höheren Rechtsstufe als Stadt den Aufstieg nicht geschafft hat. Sechzig Jahre nach der Stadtrechtsverleihung scheint Roßtal in seiner Entwicklung noch nicht über den ursprünglichen Charakter eines Dorfes hinausgekommen zu sein. Die Nürnberger Kriegsberichte über die militärischen Aktionen der Reichsstadt gegen den burggräflichen Besitz im Jahre 1388 während des Städtekrieges erwähnen Roßtal nur am Rande (7). Es ist anzunehmen, daß die Nürnberger nicht versäumt hätten, ihre Erfolge auch hier herauszustreichen, so wie sie es bei Städten und Märkten ringsum getan haben. Roßtal scheint nicht oder nur sehr unvollkommen befestigt gewesen zu sein und wird in allen späteren Quellen bis herauf ins 19. Jahrhundert stets nur Dorf genannt, ohne Mauer, obwohl der Ort von der Rechtsstellung her eigentlich eine Stadt war, der eine Mauer zugestanden hätte. Da es aber keine Stadtmauer gab, und somit keinen ausreichenden Schutz der Bevölkerung, war es nötig, den überdurchschnittlich großen Friedhof um die Kirche zu einem starken Bollwerk auszubauen.

So weist die starke Ringmauer – teilweise aus Buckelquadern mit Zangenlöchern – den Roßtaler Friedhof als Befestigung aus. Auf ihrer Südseite deuten später abgemeißelte, früher aus der Mauer herausragende Trittstufen darauf hin, daß hier einmal ein Wehrgang aufgesetzt gewesen sein muß, von dem aus man den vor der Mauer liegenden einstigen Graben der ottonischen Befestigung, das Wal, einsehen und beschießen konnte. Das Gelände war damals wohl rings um die Mauer frei, damit die Verteidiger Schußfeld hatten. Erst nach dem Dreißigjährigen Krieg, als Befestigungen dieser Art militärisch wertlos wurden, rückte die Bebauung immer näher an die Befestigung heran, bis dann im 19. Jahrhundert die ehemalige Mauer völlig von Häusern umgeben war, die sich z. T. an ihr anlehnten.

Wann diese Ringmauer errichtet wurde, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Es spricht viel dafür, daß Teile schon Ende des 14. Jahrhunderts nach den schlimmen Erfahrungen der Nürnberger Plünderzüge des Städtekrieges von 1388 entstanden. Man hat sie dann später wahrscheinlich aufgestockt oder erneuert. Sicher ist, daß der Turm des frühen 15. Jahrhunderts als Verteidigungsanlage nur dann einen Sinn hatte, wenn er durch eine ringsum verlaufende Befestigungslinie ergänzt wurde, die demnach zu dieser Zeit schon vorhanden gewesen sein muß. Das an der Südwestecke liegende sog. Erste Pfarrhaus war als eine Art Eckbastion in den Ring integriert, wie die sehr starken Mauern im Untergeschoß dieses Gebäudes auf der Süd- und Westseite erkennen lassen. Unter diesen Umständen muß bezweifelt werden, ob die nach diesen Seiten gerichteten Fenster von Anfang an so groß waren wie heute. Ein Torhaus mit Schießscharten – Untergeschoß aus Sandstein mit aufgesetztem Fachwerkbau – sicherte den Zugang zum Friedhof nach der Ortsseite hin ab. Über dem Rundbogentor finden wir die Jahreszahl 1494 zusammen mit dem Hohenzollernwappen.

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Diese Befestigung erfuhr eine wesentliche Verstärkung durch den Bau des heutigen Kirchturms in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts, der nach dem Ausgrabungsbefund in die Mauer oder die Fundamente des Langhauses eingeschoben wurde, nachdem Teile des romanischen Westschiffes abgerissen worden waren. Spuren dieses Abbruches in unmittelbarer Nähe der nördlichen und südlichen Westecke des Langhauses sind heute noch sichtbar. Es ist jedoch zu vermuten, daß dieser Abbruch u. U. schon Jahrhunderte vor dem Turmneubau geschah, denn die wulstig gerundeten Kreuzrippen des Gewölbes im Turmuntergeschoß weisen auf ein älteres spätromanisches Bauwerk an dieser Stelle hin, vielleicht einen niedrigeren Vorläufer des gotischen Turmes, der bei dem Neubau möglicherweise in Teilen ummantelt wurde. Mehrere Hinweise – z. B. der Blendfries aus dreiteiligen Spitzbogen als äußerer Schmuck und das Wappen der Burggräfin Else auf der Südseite – sprechen dafür, daß der Roßtaler Turm in enger stilistischer und bautechnischer Verwandtschaft zum 1412 errichteten Zirndorfer Kirchturm steht. Er war nicht nur als Glockenträger, sondern auch als Bollwerk für die Friedhofsbefestigung gedacht. Bei einer Höhe von 29,50 m bis zum Dachansatz ist er durch Wasserabschlagsteine in vier unterschiedlich hohe Geschosse gegliedert, deren Mauerstärke von 2,40 m im untern Teil auf 1,75 m im obersten Geschoß abnimmt. Als Wehrturm hatte er ursprünglich keinen Zugang von außen und vom Untergeschoß aus, sondern von der Empore des Kirchenschiffes. Der heutige Einstieg durch das Deckengewölbe des Turmuntergeschosses wurde erst später eingebrochen.

Neben sehr engen Fenstern im unteren Teil des Turmes dienten vier Scharwachttürme am Dachansatz der Verteidigung. Sie wurden 1769 beseitigt, als der ehemals spitze Helm, seit vielen Jahrhunderten Anziehungspunkt für Blitzschläge und Ausgangspunkt wiederholter Brände, in eine welsche Haube umgewandelt wurde. Gleichmäßig über den Turm hin verteilt auftretende Steinmetzzeichen deuten auf durchgehende und rasche Bauausführung hin. Abbruchmaterial aus romanischer Zeit fand dabei Verwendung, so zum Beispiel ein vollständig erhaltenes romanisches Fenster auf der Ostseite in der Höhe des Langhausfirstes – was für einen bereits vorhandenen romanischen Turm spricht –, ein als Sturz der Türe zum Kirchenboden wieder verwendeter romanischer Grabstein, romanische Profilleisten als Sturzträger bei einer Reihe von Turmfenstern und ein eingemauertes Kapitellstück einer romanischen Säule.

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Bemerkenswert ist die künstlerische Qualität des Figurenschmuckes außen am Turm. Hier finden wir auf jeder Seite zwei zehnteilige Blendfriese, deren nach unten gezogene Stäbe zwischen den gotischen Spitzbogen durch figurengeschmückte Konsolen gehalten werden. Die Verwandtschaft zu Schmuckformen der gleichen Art an den Türmen zu Zirndorf und Buchschwabach ist unverkennbar.

Neben Pflanzenmotiven stehen Köpfe von Tieren und Fabelwesen, wildbewegte menschliche Fratzen, weibliche, männliche mit und ohne Bart, Neidköpfe und archaische Geistergesichter, wohl als Abwehrzauber gedacht, wie einige weit herausgestreckte Zungen vermuten lassen, dazwischen aber ein Haupt mit Heiligenschein. Aber auch realistische Männer- und Frauenporträts sind in der unteren Reihe der Südseite zu finden. Sicher handelt es sich um Figuren der Stifter und anderer hochgestellter Personen – die Ähnlichkeit zu einem Porträt des Kaisers Sigmund in Nürnberg ist in einem Fall frappierend –, doch wird es bei dem schlechten Erhaltungszustand heute kaum mehr möglich sein, sie zu identifizieren.

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Auffällig ist auch der reiche Schmuck an Wappen: auf der Südseite das der Burggräfin Elisabeth, der Bauherrin, in Großformat, oben links der Hohenzollernschild, der auch unter den Wappen oben auf der Ostseite zu finden ist, eingerahmt von bayerischen Rautenschilden, denn die Burggräfin kam aus Bayern (Landshut). Aber auch die Baumeister, einer auf der Südseite, der andere auf dem Wappenfries der Ostseite, haben sich mit ihren Meisterzeichen verewigt, nicht weniger die Zunft der Steinmetzen insgesamt mit Winkeleisen und Maßwerkzeug.

Hervorzuheben sind die Sonnenuhren der Turmsüdseite, weniger die große des Jahres 1897 als die kleine, mit ihrem in Stein gemeißelten achtteiligen Zifferblatt, die als eine der ganz seltenen ihrer Art dem Roßtaler Turm zur Berühmtheit in der Fachliteratur verhalf. Aus Berichten wissen wir, daß auf dem Turm bereits sehr früh, vermutlich schon im 16. Jahrhundert, zwei moderne Schlaguhren vorhanden waren, die 1627 beim großen Brand zerstört wurden. Diesem Feuer verdankt der Turm dann auch den großen, von unten nach oben verlaufenden Riss, der auf der Südseite besonders stark auffällt.

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Das heutige Aussehen des Langhauses ist geprägt durch eine Reihe von Umbauten, die – schon im 13. Jahrhundert beginnend – sich zeitlich nicht in allen Fällen klar einordnen lassen, auch wenn wir verschiedentlich Bauinschriften finden. Ins Auge fallen zunächst die mächtigen Stützpfeiler. Sie entstanden nach 1627, als das Mauerwerk infolge der Brandeinwirkung Schaden erlitt und aus dem Lot kam.

Die aus der Baufluchtlinie der Nordwand hervortretende Umrahmung (Risalit) des gotischen, wohl 1508 gestalteten und 1774 renovierten Nordportales ist gekennzeichnet durch ein spätromanisches Rundstabprofil. In Form und Bearbeitung steht es in Verbindung zu einem Rundstabprofil der Sockelleiste, die sich mit einer Ausnahme am östlichen Ende der Langhausnordwand um das ganze Schiff zieht. Dies läßt den Schluß zu, daß bei einem Umbau in spätromanischer Zeit der nördliche Teil des Querschiffes noch gestanden haben muß, ehe es später abgerissen wurde, nach einer Bauinschrift am Traufgesims vielleicht erst 1520. Dieser Zeit könnte auch die Steinfratze daneben angehören. Zugleich aber ist an der Stelle des heutigen Nordportales ein früheres romanisches zu vermuten.

Bearbeitungsformen des Südportales weisen auf eine Entstehung im frühen 15. Jahrhundert hin, so daß Arbeiten an diesem Teil gleichzeitig mit dem Turmbau möglich erscheinen, während die Spitzbogenfenster der Südwand wohl der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts zuzuordnen sind, als Chor und Sakristei errichtet wurden. Lage der gleichmäßig großen Quader, Form und Bearbeitung der Kreuzrippen in beiden Gebäuden und Schlußsteine derselben Rosettenform lassen darauf schließen, daß sie zur gleichen Zeit entstanden, wohl noch vor 1494, als Foto der Chor bereits erwähnt wird. An der Langhaus- und Chorsüdwand finden wir eine große Zahl von Wetzrillen für das Reiben des Osterfeuers in vorreformatorischer Zeit. Etwas später, den Kirchenrechnungen 1507 zufolge, kam es dann im Ostabschluß der Choraußenseite zur Errichtung des Ölberges, wie wir ihn in ähnlicher oder gleicher Form von anderen Kirchen unseres Raumes her kennen. Das Bauwerk war ursprünglich reich bemalt. Spuren finden sich noch überall, besonders deutlich bei einer Gestalt des hl. Petrus auf der rechten Seite außen, während innen auf der rechten Seitenwand in verblaßtem Fresko eine Ansicht Roßtals aus dieser Zeit zu erkennen ist, überragt von einem spitzbehelmten Kirchturm mit Scharwachttürmen.

Als am 10. August 1627 die Kirche durch Blitzschlag in fünf Stunden völlig ausbrannte, wurden sechs Schnitzaltäre, die Emporen, die Kanzel, der Taufstein, das Gestühl, die Gemälde und viele Epitaphien ein Raub der Flammen. So ist die Inneneinrichtung dieser Kirche noch heute von diesem Ereignis geprägt, denn der größte Teil des Bestandes stammt aus der Zeit nach dem Brand. Einige ältere Stücke dürften später dazugekommen sein, so vor allem die spätgotische Figur des Kirchenpatrons St. Laurentius im Chor (15. Jahrhundert) und der Taufstein aus derselben Zeit, der aber nach 1630 durch mehrfarbige Bemalung im Aussehen verändert wurde.

Von einem Renaissancegemälde des Jahres 1524 an der Chornordwand wissen wir, daß es 1663 durch Schenkung in die Kirche kam, während von den zahlreichen Bronzeepitaphien im Chor die beiden ältesten, eines für Pfarrer Joh. Lazarus, † 1546, und ein zweites für Margaretha Fürstin aus der Kernmühle, † 1574, den Brand überstanden haben dürften. Von allen Kunstwerken der Kirche ist dieses Renaissancebild das einzige mit symbolhafter theologischer Aussage. Alle Figuren auf Kandelabersäulen um die Kreuzgruppe stehen zur Herkunft Christi in Verbindung: Adam und Eva für die Menschheit vor Christus, der Hohepriester für die Juden, David für die Familie und die eherne Schlange für die Kreuzigung, die selbst wiederum zusammen mit dem Abendmahl als Stiftung des neuen Bundes gilt, geschehen für die Menschen nach Christus. Zwei weitere Gemälde, die Austeilung des Abendmahles durch Luther und Melanchthon, und ein Epitaphgemälde (1693), beide an der Langhaussüdwand, haben eher kultur- und kostümgeschichtlichen Wert.

Es scheint überhaupt lange gedauert zu haben, bis nach dem Brand die Ausstattung vervollständigt werden konnte. Stammt die Kanzel mit ihren bemalten Feldern: Arche Noah, Moses auf dem Sinai, Tanz um das goldene Kalb und Taufe Christi aus der Zeit unmittelbar nach 1627, so kam die heutige Kreuzigungsgruppe des Altares erst im späten 17. Jahrhundert dazu.

Von modernen Einrichtungsgegenständen sind der 1955 gestiftete große Leuchter, Nachfolger eines älteren aus dem Jahr 1826, die Glasgemälde im Chor und die neue Orgel bemerkenswert.

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Wie in einer Reihe von Friedhöfen nachweisbar, fand sich auch in Roßtal innerhalb der Wehrmauern neben der großen Pfarrkirche eine Kapelle. Ihr Schutzpatron war St. Jakob. Den Rechnungen der Kirchenstiftung zufolge wurde sie 1521 erbaut oder umgebaut. Nach dem großen Brand des Jahres 1627 wurden dort Emporen eingezogen, damit sie bis zur Wiederherstellung des niedergebrannten Gotteshauses als Ausweichkirche dienen konnte. Rohn bringt in seinem ausgezeichneten Heimatbuch von Roßtal weiteres Quellenmaterial (8), aus dem hervorgeht, daß diese Kapelle bereits 1760 als Registratur diente und 1804 abgebrochen wurde. Uns interessiert hier vor allem die Funktion dieser Kapelle auf dem Friedhof.

Eine Möglichkeit schließt von vornherein aus. Es ist wenig wahrscheinlich, daß sie als Aufbahrungsort oder Leichenhaus gedient hat. Tote wurden auch in Roßtal bis ins 19. Jahrhundert beim Fehlen einer Leichenhalle nach alter Tradition im Sterbehaus aufgebahrt und erst am Begräbnistag bei Sermon- oder Singleichen vor der Beerdigung in die Kirche, bei gewöhnlichen Trauerfällen direkt zum Grab gebracht. Wahrscheinlich handelte es sich eher um eine Beinhaus- oder Karnerkapelle, in der früher die Gebeine der geräumten Gräber aufbewahrt wurden, wie wir es von den Karnern in Perschen/Opf. und Hallstadt/Österreich her kennen.

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Wenn es diesen Brauch auch heute bei uns nicht mehr gibt, so kann es doch als Zeichen besonderer Pietät und Verbundenheit mit den verstorbenen Vorfahren bezeichnet werden, daß dieser Friedhof um die Kirche in Roßtal nicht wie bei anderen Orten aufgelassen, sondern neben einem neuen Friedhof außerhalb weiterbenützt und liebevoll gepflegt wird. Dies gilt besonders für das Ehrenmahl für die in der Heimat und in der Fremde in zwei Kriegen gefallenen Söhne der Gemeinde. Wie ihre Vorfahren auf den Mauern der Roßtaler Wehrgänge, taten sie die selbstverständlichste Sache der Welt, nämlich wie es im Makkabäerbuch I/9,10 heißt: Sie drehten der Gefahr nicht den Rücken zu und kämpften tapfer für ihre Brüder und Schwestern, auf daß ihre Ehre nicht zuschanden wurde.

Literatur

11314 Monumenta Zollerana 2,320
21365 Hans Kreutzer, Tausend Jahre Roßtal, 1955, S. 28
31165 23.5. Monumenta Boica 29/I S. 374 f.
4StA Nürnberg Rep. 122 Salbücher Nr. 88 v. 1532 Sal- und Lagerbuch des Richteramtes Roßtal, Gerichtsordnung
5Sachsenspiegel, Landrecht II. Buch Kap. 64 Reclam U B Nr. 3355/56, S. 94
61328 22.4. Monumenta Zollerana DCLII
7Chroniken der Fränkischen Städte, Nürnberg, Bd. I,13 Z. 30 f. v. 23.8.1388
8Adolf Rohn, Heimatbuch v. Roßtal, 1928, S. 47 f.

Quelle: Mahr, Helmut: Roßtal – Vergangenheit und Gegenwart, S. 313 ff.