Für das Jahr 954 n. Chr. wird Roßtal erstmals als urbs horsadal erwähnt. Der Mönch Widukind von Corvey berichtete darüber in seiner Sachsengeschichte. Am 17. Juni 954 fand eine heftige Schlacht um diesen Ort statt. König Otto I. versuchte damals vergeblich, die urbs horsadal einzunehmen. Mit über 5,2 ha Größe war sie eine der mächtigsten Befestigungen ihrer Zeit. Horsadal bildete das militärische, politische, kirchliche und wirtschaftliche Zentrum unserer Region.

Karte Ca. 700–1000 n. Chr.: Bekannte frühmittelalterliche Befestigungen (Punkte) und historisch bezeugte Befestigungen des frühen Mittelalters (Dreiecke) in Nordbayern.

Archäologische Ausgrabungen in Roßtal

Seit 1962 wurden im Ortskern von Roßtal bei verschiedensten Baumaßnahmen reguläre archäologische Ausgrabungen durchgeführt. Sie förderten wichtige Erkenntnisse zur Burganlage und deren Alter zu Tage. Zahlreiche Funde belegen die Nutzung der Burg zwischen der 2. Hälfte des 8. Jahrhunderts und dem frühen 11. Jahrhundert. Sie liefern uns wichtige Informationen zum Alltag in der urbs horsadal.

Eine frühmittelalterliche Großburg urbs horsadal

Burgen von der Größe horsadal waren vergleichsweise selten. Im Umkreis von über 40 km findet sich keine horsadal vergleichbare Anlage. Wie viele andere solcher Befestigungen errichtete man horsadal auf einem sogenannten Bergsporn, dem heutigen Oberen Markt. Dieser Bergrücken fällt nach drei Seiten über 12 m steil ins Tal ab. Nur von einer Seite, von Süden, war horsadal leicht zugängig.

Somit war die Burg durch die Geländesituation auf natürliche Weise geschützt, was deren Verteidigung wesentlich erleichterte. Die schwer zugängliche Nordseite der Wehranlage befestigte man dennoch mit einer massiven Sandsteinmauer. Ein an deren Rückseite angeschütteter Holz-Erde-Wall von mehreren Metern Breite erhöhte deren Wehrkraft.

Rekonstruktionsversuch der nördlichen Befestigung im Bauzustand der 1. Hälfte des 10. Jahrhunderts. Zeichnung