Alfred Steinheimer

750 Jahre Großweismannsdorf

Aus der Großweismannsdorfer Geschichte

Vom 23.–26. Juli 1999 feiert der Ortsteil Großweismannsdorf der Marktgemeinde Roßtal das 750jährige Jubiläum seiner ersten urkundlichen Nennung.

In einem Schreiben des Papstes Innozenz IV. aus dem Jahre 1249 wird dem Kloster Heilsbronn, das im Jahre 1149 durch den Bamberger Bischof Otto (1060–1139) gegründet wurde, Besitz in „Wizmansdorf“ bestätigt.

Es sind in den folgenden Jahrhunderten fast ausschließlich Nachrichten und Schriftstücke über den Erwerb, Verkauf oder Tausch von Gütern, die über das Reichslehen Weismannsdorf berichten, wobei bereits im Jahre 1255 auch Kleinweismannsdorf genannt wird.

Im Archiv der Pfarrei St. Laurentius in Roßtal wird in einem Zehntverzeichnis, das der letzte katholische Pfarrer Johannes Neff im Jahre 1482 begann und das, wenn auch sehr lückenhaft, nach der Reformation weitergeführt wurde, einige Male der Ort Weismannsdorf erwähnt. So findet sich die Abschrift eines Vertrages aus dem Jahre 1448, in dem festgelegt wird, daß von einem Feld „bei einem sogenannten Trudenbaum“ jährlich ein Simra Korn (ca. 316 Liter) von dem Defersdorfer Bürgermeister nach Weismannsdorf zu liefern sei.

Weismannsdorf hatte in seiner Geschichte eine Reihe von Grundherren, und noch im Jahre 1792, also bereits nach der Abdankung des letzten Markgrafen Karl Alexander und nach der Übernahme des Fürstentums Ansbach durch den König von Preußen, waren drei Höfe, fünf Güter, Schmiede, Schenkstatt und Hirtenhaus dem preußischen Kastenamt Cadolzburg abgabenpflichtig, die übrigen Anwesen waren unter den nachstehend genannten Grundherren aufgeteilt:

Dem Almosenamt Nürnberg gehörte ein Hof, die Nürnberger Familie von Grundherr besaß ein Gütlein und eine Wirtschaft, der Familie von Volckamer, ebenfalls eine Nürnberger Patrizierfamilie, war ein Gut zinspflichtig, ebenso der Familie von Scheurl und auch eine Stiftung der Familie Schlüsselfelder besaß ein Gut im Ort. Aus diesem Besitz Nürnberger Bürger außerhalb der Reichsstadt ergab sich nach einem kaiserlichen „Freiheitsbrief“ das Kuriosum, daß die Ortseinwohner von Weismannsdorf, die einem Nürnberger Grundherrn unterstanden, ungeachtet dessen, daß sie im Gebiete des Ansbacher Markgrafen wohnten, Nürnberger „Hintersassen“, also Nürnberger Untertanen waren.

Aus dem „Reichssteuerregister“ von 1497 der Reichsstadt Nürnberg sind uns vier Großweismannsdorfer als Nürnberger „Hintersassen“ namentlich bekannt. Es sind dies: Hans Stoll, Jakob Schmider, Hans Schmidt und Herman Amon. Die Steuer, die von Kaiser Maximilian I. (1493-1519) anläßlich eines Reichstages in Worms im Februar 1495 unter Zustimmung der Reichsstände eingeführt wurde, sollte zur Unterhaltung des „Reichskammergerichts“ sowie eines „Reichsregiments“ und so der Erhaltung des Landfriedens dienen. Unter dem Begriff „Reichsregiment“ war die Einrichtung eines ständigen 20köpfigen Reichstagsausschusses zu verstehen, der in Abwesenheit des Kaisers die Regierungsgewalt sichern sollte.

Das genannte Steuerregister erfaßte alle Personen älter als 15 Jahre, wobei je „Kopf“ eine Steuer von 10 ½ Pfennigen zu zahlen war (Dieser Betrag entsprach etwa der Hälfte des Tagelohnes eines Bauhandwerkers oder der Hälfte des Preises für ein Paar Schuhe). Die Steuer wurde auch „der gemeine Pfennig“ genannt und dem Volk in der Stadt und auf dem Lande im gesamten Reich sollte von deren Einführung von den Kanzeln „Unterricht und Warnung“ gegeben werden.

Bei der Anlegung der Steuerlisten ging der Rat der Reichsstadt sehr genau vor. Er konnte auf die in Nürnberg und im Nürnberger Besitz bestehenden „Hauptmannschaften“ zurückgreifen, einer Art militärischer Organisation, die als Folge der Hussitengefahr in den Jahren 1439, 1444 und 1446 aufgebaut wurde.

In jeder „Hauptmannschaft“ waren die Namen aller wehrfähigen Männer und ihre Grundherren aufgezeichnet. Im Falle eines „Einsatzes“ war ein zentral gelegener Sammelplatz bestimmt, der für die Nürnberger Untertanen aus Großweismannsdorf, aber auch für die aus Roßtal, Clarsbach, Oedenreuth, Wimpas, Trettendorf, Raitersaich, Buchschwabach und Defersdorf, um nur die Ortsteile der heutigen Marktgemeinde Roßtal zu nennen, der Ort Rohr war.

Nach einer von dem Kupferstecher Matthäus Merian (1593–1650) im Jahre 1648 verfaßten Beschreibung Frankens gehörte „Weysmansdorf“ zur Pfarrei Regelsbach. Diese Aussage gilt auch heute noch nur für den Ortsteil Kleinweismannsdorf, denn bereits 1430 zählt „Waismanstorf“ zur Pfarrei St. Laurentius in Roßtal und es sind die Pfarrmatrikel dieser Pfarrei, die vermelden, daß im unheilvollen Jahr 1632 durch Kriegseinwirkungen 33 Personen in Weismannsdorf ums Leben kamen.

Wie weit durch dieses fast gegebene Auslöschen der Bevölkerung in den Dörfern die Kenntnis über das Eigentum an Grund und Boden verlorenging, ist aus einer Eintragung im schon genannten Zehntverzeichnis zu ersehen. Am 23. März 1695, also beinahe 50 Jahre nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, gab der 72jährige Bauer Thomas Gugel zu Protokoll, daß er einen Hof zu Defersdorf kaufte und mit einer Reihe von Defersdorfer Bauern dann die Flur abschritt (Der Pfarrer vermerkte wohl bewußt das Alter des Bauern, denn dieser war im Jahr 1632, als so viele Opfer zu beklagen waren, immerhin schon 23 Jahre alt und kannte somit sicher noch die früheren Flurgrenzen).

In dieser Niederschrift wird ein Waldstück in der Nähe einer Flur „Am Trudenbaum“ genannt, das sich offenbar ein Bauer bereits angeeignet hatte, zumindest aber nutzte, denn es wird in dem Bericht „von abgehauenen Birken“ gesprochen, die aber der Richter, wohl ebenso unkundig über die Zuständigkeit, nach Roßtal transportieren ließ. Es muß bei dieser Begehung recht temperamentvoll zugegangen sein, denn der Pfarrer Johann Georg Vogtherr (1674–1697 in Roßtal) schreibt ins Protokoll, daß der noch die Eigentumsverhältnisse kennende Bauer ausrief: „Hansa, Hansa bist du so irrisch, dieses Holz gehört nach Klein- oder Großweismannsdorf, ein Lehen“.

Mit diesem Vermerk wird bestätigt, was noch viele Jahre später ein Roßtaler Pfarrer beklagte, daß auch manches Feldstück, was der Kirche gehörte, von den wenigen Überlebenden des Kriegsgeschehens in den Dörfern genutzt, verkauft und, Generationen später, in gutem Glauben vererbt wurde.

Die Lage Großweismannsdorfs längs einer Handels-, aber auch Heerstraße war sicher nicht immer von Vorteil, besonders nicht in Kriegszeiten bei durchziehenden Truppen. Allerdings war diese Straße auch eine wichtige Verbindung für die Postreiter. Der Ort, der, wie Merian 1648 schrieb: „... an der Straße zwischen Nürnberg und Hailsbronn, zwei Meil von Nürnberg“ lag, wurde von der Post benutzt, um in einer Niederlassung den Austausch der Postgüter zwischen der Markgrafschaft Ansbach und der Reichsstadt Nürnberg zu bewerkstelligen. Bis zum Jahre 1780 geschah dies im Markgräflichen Gasthaus, heute „Gasthaus zur Post“ in Großweismannsdorf.

Großweismannsdorf war über hunderte von Jahren eine eigene Gemeinde, wobei von 1818 bis 1978 auch Defersdorf eingegliedert war, bis beide Orte nach der Gemeindeneugliederung 1978 Ortsteile der Marktgemeinde Roßtal wurden. Die kirchliche Bindung an Roßtal bestand schon seit mehr als 500 Jahren. Die Kirche „Zum Gottesfrieden“ konnte am 2. Advent des Jahres 1962 eingeweiht und ihrer Bestimmung übergehen werden.

Alfred Steinheimer
Juli 1999

Quellen:

Archiv der Evang.-Luth. Pfarrei St. Laurentius, Roßtal

Literatur:

Peter Fleischmann: „Das Reichssteuerregister von 1497 der Reichsstadt Nürnberg“, Gesellschaft für Familienforschung in Franken, Nürnberg 1993
Wolfgang Wiessner: „Historisches Ortsnamenbuch“ von Bayern-Mittelfranken. Kommission für Bayr. Landesgeschichte München, 1963
Adolf Rohn: „Heimatbuch von Roßtal und Umgebung“, Roßtal 1928
Siegfried Freiherr von Scheurl: Manuskript des Festvortrags: „650 Jahre Defersdorf“, Vortrag am 4. Juni 1989 in Defersdorf