Alfred Steinheimer

Die Filialkirche Maria Königin in Clarsbach

Maria Königin

Filialkirche Maria Königin

Zur Pfarrei Christkönig Roßtal zählt auch die Filialkirche in Clarsbach, die, nach der Auflösung des Lagers für Heimatvertriebenen in Raitersaich im Jahre 1957, wenige Jahre später errichtet wurde.

Die Notwendigkeit für den Bau einer Filialkirche bestand deshalb, weil zahlreiche Familien, ehemals Lagerinsassen, sich im Laufe der Jahre in den umliegenden Orten ansiedelten und damit eine neue Heimat fanden; außerdem mußte mit der Auflösung des Lagers auch die bis 1957 bestehende Kirchenbaracke der jahrelangen Notunterkünfte in Raitersaich ebenfalls abgebrochen werden.

So war, neben der Pfarrkirche in Roßtal, ein weiterer Schwerpunkt für die Seelsorge der zahlreichen Katholiken in den Roßtaler Außenorten zu schaffen, und als zentraler Standort bot sich der Ort Clarsbach an.

Es ist nicht leicht, der zwischenzeitlich nachgewachsenen Generation die finanzielle Opferbereitschaft und den körperlichen Einsatz aller Männer, Frauen und selbst der Kinder zu schildern, bis dieser Kirchenbau zustande kam.

Im Oktober 1959 fand das Richtfest statt und am 20. Dezember 1959 die Einweihung dieses schlichten, von Architekt Leonhard in Nürnberg geplanten Kirchleins, das der Gottesmutter „Maria Königin“ geweiht wurde.

Maria Königin

Filialkirche Maria Königin im Jahr 2009

Mit der Erweiterung des Ortes im Laufe der Jahrzehnte bis heute ergab sich das Erfordernis, da die Wohnbebauung teilweise die Höhe des Kirchturms überragte, den Kirchturm aus Schallgründen zu erhöhen.

In einer in echt ökumenischem Geist getragenen Zusammenarbeit haben evangelische und katholische Christen im Jahre 1995/96 den alten Turm abgetragen und neu errichtet; im Zuge dieser Baumaßnahme wurde auch der Vorraum der Kirche vergrößert. Pfr. Josef Zottmann, der die Arbeit mit Hacke und Schaufel nicht scheute, stiftete eine dritte Glocke und nun ist das harmonisch abgestimmte Geläute im Ort wieder zu hören.

Das Innere des Kirchleins besticht durch seine Schlichtheit und gibt den versammelten Gläubigen das Gefühl der Unmittelbarkeit mit dem Altargeschehen. Das ist einfühlsam dadurch erreicht worden, daß Chor und Langhaus in gleicher Breite ausgeführt wurden und der Chor nur um zwei Stufen erhöht sich darbietet.

Die holzverkleidete Dachkonstruktion, als Decke des Kirchenraumes sichtbar, vermittelt durch ihre Rustikalität Geborgenheit.

Hinter dem Altar, an der Stirnseite des Chores, im Blickpunkt der Gottesdienstbesucher das Kreuz, während die Seitenwände des Kirchenraumes die in Bronze gegossenen Tafeln der Kreuzwegstationen zeigen.

erste kath. Kirche

Neubau der ersten kath. Kirche
an der oberen Felsenstraße 1927

Aus der ersten im Jahre 1927 in Roßtal errichteten Kapelle, die später, nach dem Bau der Pfarrkirche aufgegeben wurde, stammt ein Bild der Hl. Theresa von Lisieux, das in Clarsbach einen neuen Platz fand.

Eine barockgestaltete stehende Madonna mit dem Kinde erinnert an das Patrozinium „Maria Königin“.

Der ökumenische Geist, der das Werk des Umbaues mitgetragen hat, setzt sich in der Praxis fort: Die Filialkirche „Maria Königin“ steht auch den evangelischen Brüdern und Schwestern in den Außenorten für ihre Gottesdienste zur Verfügung.

Alfred Steinheimer, Dezember 1996