Maximilian Gaul

Roßtal und sein Martinimarkt

Martinerla

Der Roßtaler Martinimarkt ist weit in der Region bekannt. Er findet alljährlich am Wochenende vor dem Volkstrauertag statt, also in der Regel vor dem 11. November. Im Jahre 1974 wurde der uralte Herbstmarkt in Roßtal mit einer zeitgemäßen Konzeption ausgestattet.

Unser Martinimarkt ist aber bedeutend älter. Er geht auf die Stadt- und Marktrechte zurück, die der Ort Roßtal im Jahre 1328 zu Rom auf die Bitte des Burggrafen von Nürnberg von Kaiser Ludwig dem Bayern verliehen bekam. Der Burggraf war nämlich damals Ortsherr von Roßtal. Von da an durften die Roßtaler Märkte abhalten.

Der Martinimarkt in Roßtal ist also der letzte übriggebliebene Markt aus den Marktrechten des Mittelalters. Und diese Rechte hat Roßtal nun seit dem Jahr 1328 ununterbrochen. So wie wir Roßtaler auf unseren Titel „Markt“ stolz sind, genauso stolz sind wir auf den Martinimarkt. Und das Ambiente dieses Marktes ist schon etwas Besonderes.

Marktgeschehen

Die kleine Budenstadt in Roßtals guter Stube, dem Marktplatz, hat ein besonderes Flair. Hierzu tragen die treuen Fieranten des Roßtaler Martinimarktes ebenso bei wie die vielen Stände der aktiven Roßtaler Vereine.
Natürlich darf der Stand für die Roßtaler Martinerli nicht fehlen, denn sie sind das Hauptgebäck des Martinimarktes in Roßtal. Essen und Trinken haben sowieso Saison am Martinsfest.

Marktgeschehen

Die Kulisse, die sich dem Besucher bietet, wurde einmal mit Recht als „eines der schönsten fränkischen Ortsbilder“ geschildert. Und das weiß jedes Schulkind in Roßtal, daß unser Ort als befestigte Stadt schon im Jahre 954 Reichsgeschichte schrieb, bevor von Nürnberg, das erst im nächsten Jahr seinen 950. Geburtstag feiert, überhaupt die Rede sein konnte.
Gerne besucht wird deshalb auch das älteste Bauwerk unserer Region, die romanische Krypta um das Jahre 1025, bevor man den Laurentiuskirchturm besteigt und weit in die fränkische Landschaft schaut.

Unser Museumshof ist ein besonderes Schmuckstück und präsentiert sich mit einer eigenen Ausstellung. Von ihm aus ist man schnell hinüber gewechselt zur Gewerbeschau in der Grundschule. Sie beweist, daß man in Roßtal nicht nur gut wohnen und leben, sondern auch hervorragende Qualität kaufen und Handwerker wie Dienstleistungen bekommen kann. Hier zeigt der Gewerbeverband, was Gewerbetreibende und Selbständige zur Lebensqualität in Roßtal beitragen können und wollen.

Pulzermärtel

Im Mittelpunkt des Martinimarktes steht das alte Brauchtum. Im protestantisch geprägten Roßtal kam in früheren Zeiten zu den Kindern der Pulzermärtel. Diese romantische Perchtgestalt kommt aus dem Wald und hat nichts gemein mit den vorgezogenen Weihnachtsmännern, die man leider auch als „Pelzmärtel“ bei uns antrifft. Der Martinimarkt ist also kein Weihnachtsmarkt, auch kein Vorweihnachtsmarkt, sondern ein echter Herbstmarkt.

Der echte Pulzermärtel kommt auch heute noch am Sonntagnachmittag um 14.00 Uhr auf den Roßtaler Marktplatz und beschenkt die Kinder mit den schmackhaften Martinerli.

Heute suchen wir, ob evangelisch oder katholisch, wieder mehr auch nach den christlichen Wurzeln des Martinifestes. Wir lassen heidnisches und christliches Brauchtum bewußt nebeneinander stehen.

Mit der Sozialmesse, einer Information über die sozialen Dienstleistungen im Markt, knüpfen wir im umgestalteten Rathaus an die alte Martinslegende an, die aufzeigt, daß man im Bedürftigen den Herrn selbst begegnet. Hier und auf dem Markt an den Ständen der Vereine und Organisationen wird auch deutlich, daß wir es in Roßtal mit einer Pflege der „Sozial- und Bürgerkultur“ ernst meinen: Vorrang hat die Eigenverantwortung und die Solidarität der Menschen. Das schafft eine kulturelle Identität in unserem liebens- und lebenswerten Roßtal, die auch die Besucher zu schätzen wissen. Die Kommune leistet Hilfe zur Selbsthilfe.

Von altersher wußten die Menschen: An Martini ist das bäuerliche Jahr um. Es beginnt eine stillere Zeit, eine Zeit zum Feiern, zum Danken und zum Auftanken. Mit Festgottesdiensten zeigen beide Kirchen den jahrhundertealten Grund zur Abhaltung unseres Herbstmarktes: das Fest des Heiligen Martin von Tours, eines der größten fränkischen Feste.

Und so kommen Sie nach Roßtal...

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