Jost Auler, Thomas Becker, Thomas Liebert und Ursula Tegtmeier

Nachuntersuchungen an einem Skelettbefund zur neuzeitlichen Strafrechtspflege aus Mittelfranken

Einleitung

Im Herbst 1988 wurde nahe des Marktes Roßtal (Kreis Fürth) eine spätestens ab dem ausklingenden Mittelalter belegte Richtstätte ergraben. Anlass war eine potentielle zusätzliche Gefährdung dieser Bodenurkunde. Die Untersuchung erfolgte – obgleich mit Billigung der zuständigen Behörden – nicht durch archäologisch geschultes Personal. Dies erklärt die problematische Grabungsmethodik, das Fehlen nahezu jeglicher verwertbarer Dokumentationen und naturwissenschaftlicher Analysen sowie in der Folgezeit den ebensolchen Umgang mit dem Fundstoff und auch eine recht freie Interpretation der Befunde durch den Grabungsleiter. Ergraben wurden die baulichen Relikte der Richtstätte sowie die Skelettreste eines Delinquenten mit Beifunden. Nach der Ausgrabung wurde dieses Skelett einer flüchtigen anthropologischen Untersuchung unterzogen; anschließend präsentierte man es in mehreren bayrischen Ausstellungshäusern der Öffentlichkeit.

Recht zügig nach der Grabung publizierte der Ausgräber seine Ergebnisse lokal (Leyh 1988) und dann auch – obgleich immer noch entlegen – überregional (Leyh 1991); andere archäologisch untersuchte Richtplätze waren ihm – der zitierten Literatur zufolge – nicht bekannt. Obwohl in den folgenden Jahren vermehrt Richtstätten im Interesse der archäologischen Forschung standen (z. B. Manser et al. 1992; Ulrich-Bochsler/Gutscher 1993), so auch in Franken (z. B. Arnold 1991), fanden die Funde und Befunde von Markt Roßtal dennoch keinerlei weitere Beachtung.

Eine neue Präsentation des Skelettes im Museumshof Roßtal durch den Markt Roßtal und den Heimatverein Markt Roßtal e.V. anlässlich der 1050-Jahrfeier im Frühjahr 2004 führte dann zu der Möglichkeit einer Nachuntersuchung (Liebert 2008) des humanen Knochenmaterials sowie der Holz- und Eisenreste. Die daraus resultierenden Ergebnisse sowie eine Neubewertung des gesamten Komplexes inklusive ihrer Datierung werden mit dieser Abhandlung vorgelegt. Dies scheint uns umso dringlicher, als die immer noch ausgesprochen selten durchgeführten archäologischen Untersuchungen von Richtstätten in den letzten Jahren ins Blickfeld (z. B. Auler 2008a) der archäologischen Bodenforschung gerückt wurden

J. A. - Th. B. - Th. L.

Historische Überlieferung

Die Geschichte des Gerichtsstandortes Roßtal beginnt mit der Anlage der frühmittelalter- lichen Befestigung auf dem sogenannten Oberen Markt, dem Ortskern des Marktes Roßtal. Auf diesem Bergsporn wurde in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts – noch vor 788 – ein Befestigungsring errichtet, der eine Fläche von rund 5,2 ha umschloss (Liebert 2004, 2). Diese Großburg oder urbs horsadal, wie sie Widukind von Corvey in seiner Sachsenchronik erstmals für das Jahr 954 n. Chr. schriftlich bezeugte, bildete den administrativen, politischen, militärischen, wirtschaftlichen und kirchlichen Mittelpunkt des östlichen Rangaus an der Grenze zum Sualafeld im Süden und dem Nordgau im Osten. Insofern wird Roßtal schon zu dieser Zeit als Ort der Rechtsprechung gedient haben. Für die Fortsetzung der Gerichtstradition im 10. Jahrhundert sprechen nicht nur der weiterhin bestehende Mittelpunktscharakter der Burganlage, sondern auch die Verfügung Heinrichs I. in seiner berühmten Burgenbauordnung, wonach Gerichtstage und alle übrigen Versammlungen in den Burgen abgehalten werden sollten (Heine 1990, I, 35.). Spätestens in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts verlor Roßtal einen Teil seiner Mittelpunktsfunktionen.

Der Gerichtssitz blieb dem Ort hingegen erhalten. Denn in einer Bamberger Urkunde aus der Zeit zwischen 1048 und 1050 erscheint die ehemalige urbs horsadal als prädium rossetal, als bischöflich-bambergischer Frohnhöfebezirk (Düthorn/Kreutzer 1979, 78 ff.). Die Vogteigewalt, und damit auch die richterlichen und polizeilichen Befugnisse, wurde zunächst von den Grafen von Abenberg ausgeübt. Im Jahre 1281 erhielten die Burggrafen von Nürnberg, die Zollern, die alte Vogtei des prädium rossetal. Wenig später, 1292 erwarben die Zollern das Schlossgut und dessen Besitzungen, so dass sich Roßtal nun zu 90% in deren Besitz befand (Düthorn/Kreutzer 1979, 94 f.; Gerlich/Machilek 1997, 584).

Das Interesse der Nürnberger Burggrafen an Roßtal zahlte sich nicht nur für den Ort als solchen aus, sondern es garantierte auch dessen weitere Entwicklung als Gerichtssitz. Denn schon 36 Jahre später erwirkten die Burggrafen bei Kaiser Ludwig dem Bayern die Erhebung Roßtals zur Stadt. Damit war natürlich ein eigenes Stadtrecht verbunden. „An dem gleichen Orte verleihen wir ihm die Gerichtsbarkeit samt den einzelnen sich daraus ergebenden Konsequenzen, nämlich ständig einen Richter zu haben und aufzustellen, der da in jeder Beziehung ermächtigt ist, in Stellvertretung und im Namen des oben erwähnten Burggrafen Friedrich, gestützt auf unsere kaiserliche Hoheit, im bezug wenigstens auf die weltliche Gerichtsbarkeit, Recht zu sprechen in einzelnen und allgemeinen Fällen und Vorkommnissen, die eine Körperverletzung, Eigentum oder damit zusammenhängende Dinge in sich schließen; (…)“; so der Text in der ersten Stadtrechtsverleihung vom 22. April 1328 (Rohn 1928, 17 f.). Den neuen Status Roßtals ließen sich die Burggrafen am 5. April 1355 von Kaiser Karl IV. in einer weiteren Urkunde bestätigen. „(…), und dass sie auch in genannten Städten und Orten vollkömmliche Gewalt des Blutgerichts, mit aller Zugehörung desselben haben sollen; Sollen ihnen auch einen Richter zu erwehlen, über alle Fälle zu richten und zu urtheilen, gute Macht haben“ (Rohn 1928, 18).

Allerdings verpfändete Burggraf Friedrich V. bereits 1379 das Roßtaler Stadtgericht an die Nürnberger Patrizier Ulrich Haller und Konrad Prünster, das erst sein Enkel, der Markgraf Albrecht Achilles, 1445 wieder einlöste (Düthorn/Kreutzer 1979, 96). Den Komplex von zehn Ortschaften wandelte Peter Haller, ein Nachfahre Ulrichs, 1420 in ein Ehaftgericht um. Ihm stand ein bürgerlicher Richter vor (Düthorn/Kreutzer 1979, 101; Rohn 1928, 19 f.). Die Gerichtsordnung entsprach hierbei offensichtlich der vorhergehenden Stadtordnung Roßtals.

Description des Hochfürstl. Onoltzbachischen Richter- und Fraischambts Rossstall, J. G. Vetter 1710

Abb. 1: Ausschnitt aus der „Description des Hochfürstl. Onoltzbachischen Richter- und Fraischambts Rossstall, J. G. Vetter 1710“. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Staatsarchives Nürnberg.

Wie aus einer Beschreibung des Roßtaler Hochgerichtssprengeis vom 29. Oktober 1413 hervorgeht, blieb die Hochgerichtsbarkeit in dieser Zeit weiterhin in den Händen der Burggrafen von Nürnberg, die bald darauf auch Markgrafen von Brandenburg wurden. Denn die zehn verpfändeten Orte wurden in dieser Beschreibung mit aufgeführt. Darüber hinaus verdanken wir ihr die erste detaillierte Abgrenzung des Roßtaler Hochgerichtssprengels. Bemerkenswert ist sie außerdem noch in zwei weiteren Punkten. So zeigt die Auflistung der Orte, dass es sich bei den Grenzen des Hochgerichts um nasse Grenzen handelt. Flüsse markieren den Fraischbezirk. „Rostal das halssgericht geth nit vber die Bibert gen Cadoltzburg warts, auch nit vber die Rednitzt gen Nurmberg wartes und nit vber die Swabach an dem Wasser abe gen Swabach“ (Eigler 1990, 32 f.). Die südliche und östliche Abgrenzung des Fraischbezirks erweist sich wiederum als deutliches Indiz für die Schaffung des Roßtaler Hochgerichtsbezirks im frühen Mittelalter, da sich hier die alte Grenzsituation der ehemaligen urbs horsadal widerspiegelt. Die Rednitz bildete damals die Grenze zum Nordgau, die Schwabach die Grenze zum Sualafeld (Eigler 1990, 33; zur Langlebigkeit bestehender Gerichtsgrenzen vgl. Guttenberg 1943, 9).

Im Zuge einer Neuorganisation der Verwaltung wurden im Jahre 1465 sogenannte Oberämter eingerichtet. Eines dieser Oberämter hatte seinen Sitz im nördlich der Bibert gelegenen Cadolzburg, dem von nun an das Richteramt Roßtal angegliedert war. Das markgräfliche Richteramt vereinte die Verwaltungs- und Gerichtsfunktionen des bürgerlichen und des Kriminalgerichts. Bei der Durchsetzung der eigenen Rechtsansprüche kam es bis zur Auflösung des Roßtaler Richteramtes am 1. Juni 1797 jedoch immer wieder zu Streitigkeiten mit der Stadt Nürnberg. Sie sah ihre eigenen Rechtsansprüche gegenüber ihren Untertanen im Roßtaler Amtsbezirk oft genug verletzt (Düthorn/Kreutzer 1979, 101). Aber auch intern gab es wiederholt Differenzen mit den Oberämtern Cadolzburg und Schwabach um Kompetenzen und den Fraischbezirk. Im Ergebnis führten diese Auseinandersetzungen zu mehrmaligen Veränderungen der Fraischgrenzen, wie in der Karte dargestellt. Ferner erhielten der Roßtaler Richter und der Langenzenner Vogt 1730 nochmals die markgräfliche Zusicherung, dass sie nicht unter den Cadolzburger Unterbeamten stünden (Kress 1979, 234-238). Derartiges Gerangel war kennzeichnend für die allgemeinen Zustände bis zur Auflösung des Richteramtes Roßtal im Jahre 1797. Nach dem Übergang der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth zu Beginn des Jahres 1792 an Preußen erfolgte eine grundlegende Neuorganisation auf allen Ebenen der Verwaltung und Justiz (Düthorn/Kreutzer 1979, 159 f.; Endres 1997, 772–782). Ihr fiel auch das Richteramt Roßtal zum Opfer, womit der Ort seine rund tausend Jahre alte Funktion als Hochgerichtsstätte verlor.

Das Richteramt Roßtal beanspruchte über seine Amtseinwohner wie auch über die fremdherrischen Grundholden die allgemeine Landesherrschaft und natürlich die Hochgerichtsbarkeit. Sie kam bei Notzucht, Diebstahl, Brandstiftung und Mord, bei allen mit Leib- und Lebensstrafen bedrohten Freveln sowie bei allen Verstößen gegen die Sittlichkeit wie Selbstentleibungen, Fornikations- (Unzucht, Ehebruch und Leichtfertigkeit) und Fensterungsfällen zum Tragen. Über die brandenburg-ansbachischen Untertanen, auch die anderer Ämter, erhob das Roßtaler Richteramt die höhere Vogtei, über die Untertanen des eigenen Richteramtes zudem noch die Lehensvogtei. Über fremdherrische Untertanen im eigenen Amtsbereich beanspruchte das Richteramt außer der Fraisch auch den Rest der Strafgerichtsbarkeit, also die höhere Vogtei (Kress 1979, 233). Fraisch bedeutet Hoch- bzw. Blutgerichtsbarkeit; der Begriff stammt vom althochdeutschen Wort freisa (Verderben, Schrecken) (vgl. Schützeichel 2006, 118). Fraischurteile sind im heutigen Wortsinn also Schreckensurteile. Auf die Schwierigkeiten bei der Umsetzung dieser Rechtsansprüche wurde bereits hingewiesen.

Die Rechtsprechung des Roßtaler Hochgerichts fand auf Grundlage der 1516 erlassenen Brandenburgischen Halsgerichtsordnung statt. Diese wiederum stellt eine fast unveränderte Fassung der Bamberger Halsgerichtsordnung von 1507 dar, die Johann von Schwarzenberg unter Heranziehung römisch-rechtlicher und italienischer Strafrechtsliteratur schuf. Er nahm später auch entscheidenden Einfluss auf die Erstellung des bedeutendsten Strafgesetzbuches des Alten Reiches, die Constitutio Criminalis Carolina. Sie wurde 1532 unter Karl V. erlassen (Heydenreuter 2003, 57 ff.). 1582 erschien unter Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach eine erneuerte Fassung der Peinlichen Halsgerichtsordnung. Eine letztmalige Abänderung erfuhr die Halsgerichtsordnung 1753. In der Brandenburgischen Halsgerichtsordnung sind nicht nur die Delikte und Vorgaben zur peinlichen Befragung (Folter) enthalten, sondern sie legt über die Art der Bestrafung hinaus auch den genauen Ablauf der Gerichtssitzung und Aburteilung fest. Zeitgenössische Berichte, unter anderem aus Roßtal, spiegeln die Umsetzung der Halsgerichtsordnung in der „täglichen“ Praxis sehr gut wider.

Nicht selten waren aber auch Prangerstrafen. Vom Roßtaler Pranger ist zwar nichts mehr erhalten, dank einer zeitgenössischen Quelle wissen wir jedoch über dessen Standort und den Zeitpunkt seiner Entfernung Bescheid. Denn am 23. Mai 1755 bedankt sich der damalige Besitzer des am Marktplatz gelegenen Roßtaler Schlosses Heistermann in einem Brief an den Beauftragten des Ansbacher Hofes für die Entfernung des Prangers. Der Pranger schien Heistermanns Ausblick aus dem Schloss erheblich gestört zu haben, so dass er sich zu diesem Schreiben veranlasst sah (Rohn 1928, 21).

Sollte hingegen eine beschuldigte oder verdächtigte Person bis zur weiteren Klärung des Falles inhaftiert werden, so brachte man sie in die Frohnfeste, die erst nach 1955 abgerissen wurde. Sie lag unweit des Marktplatzes am Rande des Friedhofes. In ihr befanden sich vier Lochgefängnisse, in denen die Arrestanten verwahrt wurden. Direkt daneben steht noch heute das Richterhaus aus dem frühen 18. Jahrhundert. An den ehemaligen Richtersitz erinnert darüber hinaus die im Altort gelegene Richtersgasse.

Konnte man eine beschuldigte Person anhand von Beweisen oder eines – oft unter Anwendung der Tortur – abgegebenen Geständnisses der Tat überführen, so wurde ein öffentlicher Prozess anberaumt. Dieser lief bis auf den Wortlaut genau nach den in der Peinlichen Halsgerichtsordnung festgesetzten Regeln ab (Peinliche Halsgerichtsordnung des Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach, 1582, Art. XCIIII–CXXII). Das eigentliche Urteil stand hierbei schon vor dem Prozess fest. Es wurde dem zuständigen Richteramt drei Tage vor dem Prozess vom Ansbacher Hof per Boten zugeschickt (Vocke 1864, 106). In Ansbach fällte man das Urteil jedoch anhand der Unterlagen, die man vom betreffenden Richteramt erhielt. Insofern hatte der Prozess die Aufgabe das von der Herrschaft festgesetzte Recht öffentlich und damit allgemeinverständlich zu inszenieren und gleichzeitig den Herrschaftsanspruch der Markgrafen für alle Anwesenden zu demonstrieren. Darüber hinaus dienten der Prozess wie auch die anschließende Hinrichtung, der die Bewohner des Richteramtes beizuwohnen hatten, der allgemeinen Abschreckung.

Die Ausgaben für Hinrichtungen in Roßtal finden sich in den Akten des Cadolzburger Rentamtes. Bedauerlicherweise wird in den Kostenaufstellungen für Fraischfälle stets auf weitere Angaben verzichtet. Es werden weder die Namen der Delinquenten noch deren Delikte genannt. Ebenso fehlen Informationen auf welche Art und Weise im Einzelfall hingerichtet wurde. Somit stehen die Angaben für Fraischfälle im Gegensatz zu den angeführten Ausgaben für sonstige Malefizfälle. Dort werden die Namen der Personen und deren Art der Bestrafung in der Regel genannt. Dieser Umstand erschwert auch die Klärung der Identität der 1988 an der ehemaligen Roßtaler Richtstätte geborgenen Delinquentin. Dass es sich bei ihr um eine, bereits von R. Leyh erwähnte, Kindsmörderin handeln könnte, die 1710 der Tortur unterzogen wurde, muss nun ausgeschlossen werden. Die erneute Durchsicht der Archivalien hat gezeigt, dass die betreffende Textstelle von R. Leyh unvollständig und unkorrekt wiedergegeben wurde. Der Hinweis auf die Anwendung der Tortur befindet sich in einer Aufstellung von „Hochfürstl. Befehln“, die beim Richteramt Roßtal im Zeitraum vom 14. Juli 1709 bis 6. Januar 1710 eingegangen sind. Darunter ein Befehl vom 26. November 1709, wonach eine inhaftierte Pfälzerin, die des Kindesmordes verdächtigt wurde „ad Torturam gebracht, und durch 3. gradus examiniert werden solle“. Wie andernorts auch, gab es in der Markgrafschaft Ansbach verschiedene Grade der Tortur (Folter), die zur peinlichen Befragung der Beschuldigten angewandt werden konnten. Über deren verschiedene Grade lassen sich die Ansbacher Räte 1721 auf Anfrage aus Würzburg wie folgt aus: „Lassen wir ohnverhalten, wie wir vor einiger zeit die gradus torturae dergestalt schärfen bemüßiget worden, dass man mehrernteils erstlich den daumenstock, dann zwei spanische stiefel (einen nach dem andern) und dann drittens den aufzug oder schnieren und zwar nach beschaffenheit des inquisiten auch mit ruthenpeitschen, (…), applicieren lassen; (…)“ (Burger 2005, 164). Bei dieser Frau muss es sich allerdings um eine sehr robuste Person gehandelt haben, denn sie hat die Tortur offensichtlich überstanden, ohne ein Schuldbekenntnis abzulegen. Darüber hinaus hat es wohl an entsprechenden Beweisen bzw. Zeugen für die ihr zur Last gelegte Tat gefehlt. Der gleichen Quelle können wir nämlich an anderer Stelle entnehmen, dass die Pfälzerin auf Befehl vom 20. Dezember 1709 „nach abgeschwornen Urphedt, des Hochfürstl. Landes verwießen werden soll, so auch exequirt worden“(StAN, Rep. 236/4 Landgericht ä. O. Nr. 67). Eine Hinrichtung dieser Frau fand demzufolge nicht statt.

Andererseits ist es dennoch möglich, dass unsere Delinquentin wegen Kindesmordes beschuldigt und verurteilt wurde. Allerdings scheint die Art ihrer Hinrichtung – Enthauptung und möglicherweise Abschlagen der rechten Hand (s. Bericht Th. B.) – dieser Vermutung zunächst zu widersprechen. Schließlich wurde in der Peinlichen Halsgerichtsordnung von 1582 für Kindsmörderinnen folgende Strafe festgelegt: „Item/Welches Weib ir Kind/das leben und gliedmaß empfangen hett/heimlicher/boßhafftiger/williger weiß ertödtet/die werden gewöhnlich lebendig vergraben und gepfählet. Aber darinnen verzweiffelung zuuerhüten/mögen dieselben Ubelthäterin/in welchem Gericht die bequemligkeit des Wassers darzu vorhanden ist/ertrenckt werden. Wo aber sollich Ubel offt geschehe/wöllen wir die gemelten gewohnheit des vergrabens und pfählens/umb mehrer forcht willen/solcher boßhafftigen Weiber/auch zulassen/Oder aber/daß vor dem ertrencken/die Ubelthäterin mit glüenden zangen gerissen werde/Alles nach Rath der Rechtverstendigen.“ Ein Bericht aus Leutershausen von 1747 zeigt hingegen, dass die Praxis bei Hinrichtungen von Kindsmörderinnen inzwischen anders aussah. Die Delinquentin wurde enthauptet. Anschließend heftete der Scharfrichter die abgehauene Hand und den Kopf an den Galgen, während man den Körper unter dem Galgen eingrub (Schuhmann 1980, 350). Enthauptungen von Kindsmörderinnen im 18. Jahrhundert belegt auch J. H. von Falckenstein für Schwabach (Falckenstein 1756, 308–311).

So bleibt jedoch die Frage nach der Identität unserer Delinquentin weiterhin offen. Dank der 14C-Analyse lässt sich immerhin der Zeitraum ihrer Hinrichtung eingrenzen (s. unten). Innerhalb dieser Zeitspanne verzeichnet das Rentamt Cadolzburg mehrfach Ausgaben wegen diverser Fraischfälle. So zum Beispiel für das Jahr 1679 oder auch 1765. Im letztgenannten Jahr wurde auf Spezialbefehl des Markgrafen am Vormittag des 31. August im Roßtaler Amtslazarett eine Fraisch vorgenommen. Den Kostenaufstellungen des Cadolzburger Rentamtes zufolge fand die letzte Fraisch in Roßtal im Jahr 1780/81 statt. Für die bei einer Generalfraisch angefallenen Unkosten wurden hier 24 fl. 55 kr. in Rechnung gestellt. Im Jahr 1714 fielen ebenfalls Fraischkosten an. Dem Bericht eines Nürnberger Beobachters können wir hierzu entnehmen, dass in diesem Jahr zwei Männer am selben Tag vor Gericht gestellt und anschließend enthauptet wurden (Düthorn/Kreutzer 1979, 137 f.). Den Abrechnungen von 1765 und 1780/81 zufolge, wurden die letzten Fraischfälle nicht 1714 – wie von Kreutzer angenommen – sondern eben erst 1780/81 abgeurteilt (vgl. Düthorn/Kreutzer 1979, 137).

Th. L.

Topographie

War ein Delinquent bzw. eine Delinquentin vom Gericht zum Tode verurteilt worden, so hatte er/sie zusammen mit den Gerichtspersonen, dem Pfarrer und den Richteramtsuntertanen den Weg vom Oberen Markt zur Galgenhöhe anzutreten. Im letzten Teilstück führte dieser durch den ehemals außerhalb des Ortes gelegenen Galgengraben und von dort hinauf zur Galgenhöhe, auf der sich die Richtstätte befand. Eine im Jahre 1620 vom damaligen Roßtaler Richter Gottfried Brunnemann erstellte Karte des Roßtaler Richteramtes belegt die lange Tradition dieses Richtplatzes. Die Karte zeigt die auf der Galgenhöhe gelegene Richtstätte in Form eines dreischläfrigen Galgens und eines aufgeständerten Rades (Abb. 14). Es handelt sich um die bislang älteste bekannte Darstellung der Roßtaler Richtstätte. In Luftlinie gemessen liegt sie ca. 1000 m südöstlich des Ortskernes (Abb. 1). Die tatsächliche Wegstrecke bis dorthin betrug jedoch rund 1,5 km. Dort befand sich der Richtplatz, inmitten des heutigen Flurstückes 715/2 auf rund 393 m über NN, womit er etwa 20 m höher lag als der Ortskern. Die Richtstätte war also weithin sichtbar. Heute grenzt die Bebauung unmittelbar an das betreffende Flurstück an (Abb. 2).

Kataster von 2006

Abb. 2: Kataster von 2006. Die graue Fläche markiert das ehemalige Richtstättenareal. Veröffentl. mit freundl. Genehmigung d. Bayer. Landesvermessungsamtes.

Über das Aussehen des Rabensteins ist dagegen nur wenig bekannt. Rohn schreibt 1928 in seinem Buch über Roßtal immerhin: „Die Stelle auf dem Galgenbuck, wo das Hochgericht stand, war noch vor wenigen Jahrzehnten sichtbar“ (Rohn 1928, 21). Diese Aussage wird indirekt durch ein Flurnamenverzeichnis gestützt, das der Roßtaler Oberlehrer Albert Kreiselmeyer 1924 erstellte. Laut dieser Aufstellung wurden die Flurstücke 715 und 716 von den Roßtalern noch in dieser Zeit als beim Galgen bezeichnet. Unter Bemerkungen findet sich bei ihm zu diesem Flurstück der Hinweis, dass aus den Steinen der Ummauerung des Richtplatzes das Wohnhaus Nr. 140 erbaut wurde. Wann genau die Richtstätte abgebaut wurde, gibt Kreiselmeyer jedoch nicht an. Für das inzwischen bebaute Gelände nördlich und nordwestlich des Flurstückes 715/2 war zu Kreiselmeyers Zeiten noch der Begriff in der Galgenleithe gebräuchlich (Kreiselmeyer 1924, Nr. 54). Wie der Katasterplan von 1834 zeigt, bestand die heutige Flureinteilung schon zu jener Zeit. Aus der Aufteilung des Flurstückes 715 in drei Teile wird zudem deutlich, dass es sich hierbei vormals um ein wesentlich größeres Flurstück handelte.

Kataster aus dem Jahre 1834

Abb. 3: Kataster aus dem Jahre 1834, ergänzt um die bei Kreiselmeyer angegebenen Flurbezeichnungen.
Veröffentl. mit freundl. Genehmigung d. Bayer. Landesvermessungsamtes.

Bemerkenswerterweise wurde im Katasterplan auch die ehemalige Richtstätte verzeichnet. Sie erscheint hier als kreisrunde Anlage mit einem kleineren, im Norden vorgelagerten rechteckigen Block (Abb. 3). In der sogenannten Vetterschen Landschaftsbeschreibung von 1710 wird die Richtstätte dagegen als dreischläfriger Galgen abgebildet (Abb. 1). Diese Darstellungen dürften jedoch eher symbolhaften Charakter haben. Für eine Rekonstruktion der Richtstätte scheinen sie für sich allein genommen daher nur bedingt geeignet zu sein.

Um eine genauere Vorstellung von der ehemaligen Roßtaler Hochgerichtsstätte zu bekommen, sollten wir uns zunächst die Peinliche Halsgerichtsordnung ansehen. Laut dieser Verordnung konnten als Todesstrafen Erhängen, Ertränken, Enthaupten, Rädern, Verbrennen sowie lebendig Begraben praktiziert werden. Die Anwendung dieser Hinrichtungsarten setzten das Vorhandensein einer soliden Richtstätte mit einem wie auch immer gearteten Galgen voraus. Aus den Bauunterlagen des Rentamts Cadolzburg wissen wir über die 1739 in Cadolzburg neuerbaute Richtstätte sehr gut Bescheid. Sie wurde auf Betreiben des ehemaligen Roßtaler Amtsrichters Johann Gottfried Rötter, der kurz zuvor nach Cadolzburg versetzt worden war, errichtet. Es handelte sich um „einen ringförmigen, sieben Schuh hohen Unterbau bestehend aus 275 Quadern“. In ihn führte eine starke Tür hinein. Auf dem Unterbau standen drei 20 Schuh hohe Pfeiler, die einen dreischläfrigen Galgen bildeten (Burger 2005, 166). Insofern könnte die Darstellung bei Vetter doch zutreffend sein. Aber auch die Abbildung im Katasterplan von 1834 dürfte dem tatsächlichen Aussehen der Roßtaler Richtstätte sehr nahe kommen. Nach R. Leyh soll eine in 250–300m Höhe angefertigte Luftaufnahme des Flurstückes 715/2 bei der genauen Lokalisierung der Richtstätte hilfreich gewesen sein, da auf ihr der Richtkreis als dunkle kreisrunde Verfärbung im Feld deutlich zu sehen sein soll (Leyh 1988, 9; 1991, 135). Auf einer im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Dienststelle Nürnberg befindlichen Luftaufnahme des Flurstückes ist von der Richtstätte hingegen nichts zu erkennen (BLfD, Dienststelle Nürnberg, Ortsakten).

Th. L.

Grabung 1988

Weitere Erkenntnisse erbrachten dagegen Grabungen im Bereich der Richtstätte auf der Galgenhöhe. Im Herbst 1988 ergab sich hierzu kurzfristig die Gelegenheit, da der Grundstückseigentümer ankündigte, das Feld in Zukunft mit dem Tiefpflug zu bearbeiten. Mit der Grabung sollten daher mögliche archäologische Befunde vor ihrer endgültigen Vernichtung freigelegt und wichtige archäologisch-historische Erkenntnisse gewonnen werden. Die Ausgrabung stand unter der Leitung des Kunsthistorikers R. Leyh. Unterstützung erhielt R. Leyh von engagierten Roßtalern, die sich trotz der widrigen Umstände dankenswerterweise bereit fanden, sich ehrenamtlich und tatkräftig an der Rettungsaktion zu beteiligen. Als sehr hilfreich erwies sich auch die technische Unterstützung des Roßtaler Bauhofes.

Eine besondere Problematik bei der Beurteilung der Befundsituation ergibt sich hingegen bis heute aus dem Umstand, dass bei der Grabung kein Archäologe bzw. Grabungstechniker anwesend war, der für die Durchführung der Maßnahme nach aktuellem grabungstechnischen Standard hätte sorgen können. Erschwerend kommt hinzu, dass den Ausgräbern gerade mal zwei Tage Zeit zur Verfügung standen, da der Landwirt bereits während der Grabungen mit dem Umpflügen des Feldes begann und nicht bereit war, den Bereich der Grabung noch eine Zeitlang zu verschonen. So existiert außer einer triangulären Einmessung der Fundstelle mit einem Punkt, einigen Grabungsaufnahmen und einem kurzen Grabungsbericht des Grabungsleiters keine Grabungsdokumentation. Die Erläuterung von Befunden, Schichtzusammenhängen, Nivellements, Grabungszeichnungen etc. fehlen. Natürlich wäre es in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit äußerst schwierig, eine Grabung nach Standard durchzuführen. Bedauerlicherweise hat es der Grabungsleiter aber versäumt, zumindest das Fundament der Richtstätte sowie die Bestattung(en) und Funde ausreichend zu dokumentieren.

Die Grabung begann Mitte Oktober an einem regnerischen Tag. Das Grabungsteam legte zunächst einen 10 Meter langen und 1 m breiten Graben an, der rund 0,3 m tief war. Nachdem man auf erste Fundamentreste aus „rohen Sandsteinen“ stieß, wurden weitere „Stichgräben“ gezogen, in denen sich ebenfalls Fundamentreste befanden. Letztendlich legte man einen „ringförmigen“ Fundamentgürtel von 7,40 Meter Durchmesser und rund 1 m Breite frei, sowie „im nördlichen Bereich des Kreises das Treppenfundament“. Dank eines Hinweises des damaligen Roßtaler Pfarrers Körber wurden die Ausgräber während der Arbeiten auf Reste menschlicher Knochen aufmerksam. Daraufhin legte man im Mittelpunkt der Richtstätte einen weiteren Graben an, der zunächst zum Setzen eines Marksteines gedacht war. Hierbei stießen die Ausgräber in 0,60 m Tiefe auf weitere Knochen, die sich beim weiteren Freilegen als Teil eines nahezu vollständig erhaltenen Skeletts erweisen sollten.

Th. L.

Öffentliche Dekapitation auf einem gemauerten Rondell

Abb. 4: Öffentliche Dekapitation auf einem gemauerten Rondell (Schaubühne) mit dem Schwert.
Kupferstich von Daniel Chodowiecki 1774.

Richtstättenbefunde (Leyh 1988, 10 ff.)

Entwurf für eine Richtstatt

Abb. 5: Entwurf für eine „Schedel: oder Richtstatt“ (Rabenstein) anno 1702; die Treppe führte auf eine Plattform, auf der die Delinquenten enthauptet wurden. (Nach Piech 2005/06, 66 Abb. 76).

Die historische Überlieferung – neben Urkunden auch Kartenmaterial – belegen ein rundes Fundament, das im Norden einen Fortsatz hatte. Die Richtstätte scheint als dauerhafte Anlage in Form eines „ringförmigen Sandsteinkreis“ (Leyh 1988, 10) errichtet worden zu sein und wurde in einer geringen Tiefe von 0,30 m im braunen Lehmboden freigelegt. Der Kreis aus rohem roten Sandsteinen „ist ca. 1 Meter breit …. Sein Durchmesser beträgt 7,40 Meter“ (Leyh 1988, 10). „Als Füllmaterial des Zylinders dient ein Lehm-Sand-Gemisch, wie wir es auch in der näheren Umgebung des Grabungsareals vorfinden“ (Leyh 1991, 135). Auch das Fundament der Treppe wurde ergraben. Für das Fundament errechnet der Ausgräber „nach dem Grundrissmass des aufgefundenen Treppenfundamentes und mit daraus berechneten Steigungswinkel der Stufen … eine Höhe von ca. 1.40 Meter“ (Leyh 1991, 135).

Der Ausgräber interpretierte den Fundamentbefund „als Unterlage der darüber angeordneten runden Schaubühne“ und interpretiert das Aufgehende der Anlage auf der rundgemauerten Basis als einen „vermutlich dreischläfrigen oder vierstempligen Galgen, also aus vertikal emporstrebenden Balken, die oben durch Stangen verbunden waren“ (Leyh 1988, 10).

Rekonstruktionszeichnung des Hochgerichtes

Abb. 6: Rekonstruktionszeichnung des Hochgerichtes von Luban. Zeichnung R. Heś. Nach Wojtucki 2007, 75 Abb. 1).

Der archäologische Befund belegt zunächst nur ein rundes Steinfundament mit einem ebensolchen außen liegenden und wohl treppenartigen Zu- bzw. Aufgang. Demzufolge könnte es sich um eine erhöhte Schaubühne (Abb. 4–5) gehandelt haben; dieser Annahme widersprechen aber historische Topographien. Es scheint sich um einen Galgen mit Unterbau (Abb. 6), einen sog. ‘Brunnengalgen’, gehandelt zu haben; dieser Typ besteht aus einem „gemauerten brunnenartigen Schacht, auf dessen Krone man drei oder vier Pfeiler hochmauerte, die die Aufgabe hatten, die Exekutionsbalken, an denen die Seile angebracht waren, waagerecht zu halten“ (Wojtucki 2004, 108).

Fundament der Richtstätte Kanth

Abb. 7: Fundament der Richtstätte Kanth (Katy Wrocławlawskie) nahe Breslau (Wrocław). Grabung 1998. l = Ziegel, 2 = Bruchstein, 3 = Mörtel. (Nach: Nocuń/Paternoga/Tarasinski 1999, 523 Abb. 3). .

Hölzerne (Auler 2000, 2002; Busch 2002; Schwieger 1940) und auch steinerne Galgenfundamente aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit (Auler 2003a, 2003b) sind vereinzelt bekannt geworden. Unter den aus Stein errichteten Anlagen sind Fundamentauflagen, also Sockel für Säulen aus Natur- oder Backsteinen oder Pfosten aus Holz, und massive Bauten zu unterscheiden. Erstere wurden etwa von den Fundplätzen Ellwangen (Arnold 1991) oder dem schweizerischen Matten bei Interlaken (Ulrich-Bochsler/Gutscher 1993) gemeldet. Die komplexeren Anlagen wiederum unterscheiden sich grundlegend in ihrer geometrischen Form. Aus Stein gemauerte Fundamente weisen einen dreieckigen Grundriss wie etwa im Falle der hervorragend und interdisziplinär untersuchten und aufwändig publizierten Stätte Emmenbrücke bei Luzern (Manser et al.1992) auf. Der Basler Galgenplatz auf dem Galgenhügel am Gellert (Moosbrugger-Leu 1969) stellt sich als ein sorgfältig gemörteltes und massives Fundament eines dreieckigen Podiums mit abgerundeten Ecken aus dem 14. Jahrhundert dar. 1898 wurden das Schafott (‚Rondell’ oder ‚Rabenstein’), also eine Art erhöhte Schaubühne für öffentliche Hinrichtungen durch scharfe Gewalt, und unmittelbar daneben die dreieckige Galgenrichtstätte von Vidy-La Chamberonne im schweizerischen Kanton Waadt (Auler 2006, 2007; Naef 1899; siehe auch: Chronique des fouilles archéologiques 1981. Revue historique vaudoise 1982. Lausanne 1983, 182–183) untersucht. Im Innern waren in den drei Ecken grobe Fundamentsockel als Träger der senkrecht aufgehenden Säulen oder Balken eingebracht. Humanes Skelettmaterial fand sich in großen Mengen, wurde aber anscheinend nur im Galgeninnern beobachtet.

Freigelegtes rundes Galgenfundament

Abb. 8: Freigelegtes rundes Galgenfundament in Luban mit zentraler Knochengrube von Osten mit Schnitt A–B
(Foto: D. Wojtocki 2003).

Auch quadratische Anlagen wie vor dem Neusser Obertor (Auler 1995, 2001b) sind bekannt. Ergrabene runde Fundamente wurden bislang nur in Osteuropa untersucht: Wenig südwestlich von Kanth nahe Breslau (Wrocław) in Polen wurde 1998 ein Steinkranz mit drei inneren Vorsprüngen als Basis einer Richtstätte mit einem dreipfostigen hölzernen Aufbau (Nocuń/Paternoga/Tarasiński 1999, 2000) untersucht; beobachtet werden konnte hier ebenfalls ein Treppenfundament. Nahe Lauban (Lubań) östlich von Görlitz in der Oberlausitz wurde 2003/04 das Ringfundament (Dm. ca. 7,0 m) einer Richtstätte aus kalkgemörtelten Feldsteinen (Grenda et al. 2003, 2005) ergraben. In der unmittelbaren Nähe des Galgens (ca. 1500–1800) gab es einen Rabenstein sowie eine gemauerte Kapelle, wie aus Schriftquellen bekannt ist. In den Galgen führte eine Eingangsöffnung mit einer Tür. Im Innern der Anlage fanden sich drei Knochenanhäufungen sowie eine zentrale Feuerstelle und darunter eine größere Grube mit menschlichen Resten. Frühneuzeitlich (16.–18. Jahrhundert) datiert der Richtplatz von Bečově nad Teplou (Sokol 2003a, 2003b) in der Tschechischen Republik. Bei 0,85 m Mauerstärke betrug der innere Durchmesser des Fundamentringes 4,8 m. Es war etwa 1,2 m hoch erhalten; der Ausgräber geht davon aus, dass die ursprüngliche Höhe des Objektes bis zu 3 m betragen haben muss; „Die Gesamthöhe des Baues samt der gemauerten Pfeiler“ wird mit „etwa 6–7 m“ angegeben (Sokol 2003b, 126). An der nordwestlichen Seite wurde der Zutritt zur Richtstätte durch zwei steinerne Stufen – und eine ehemals in der Eingangswölbung eingesetzte Türe – gebildet. Innerhalb der Stätte fanden sich eine Grube mit Feuerspuren sowie vereinzelte menschliche Knochen von bis zu fünf Individuen. Der Ausgräber nimmt ein einige Meter hohes rundes Mauerwerk – Fundamentierung mit Aufgemauertem – an, auf dem hölzerne Säulen mit ebensolchen Querbalken angebracht waren. Das Innere war zugänglich und verschließbar.

Nur wenige Richtstätten haben sich bis in unsere Tage vollständig oder als Ruine erhalten (Auler 2008b); dabei handelt es sich zumeist um Galgen mit steinernen Säulen. Aber auch das obertägige Aussehen von Richtstätten mit rechteckigem oder rundem Fundament und insbesondere dem Eingangsbereich sowie den aufgehenden Säulen sind hinreichend bekannt. Unklar scheint dabei lediglich, ob und in welchen Fällen es in einiger Höhe über dem damaligen Laufhorizont eine eingezogene hölzerne Plattform gab; sicher ist, dass diese einen lukenartigen Durchlass gehabt haben muss. Zudem muss sie eine Höhe gehabt haben, die es ermöglichte, darunter Grabarbeiten zur Verlochung der Hingerichteten und anderer Tätigkeiten auszuführen.

J. A.

Hinrichtung eines Räubers

Abb. 10: Hinrichtung eines Räubers in Regensburg im Jahre 1739 (Chronik des Chr. Gottlieb Dimpfel 1740).

Skelettbefund

Durch einen Besucher wurde der Ausgräber Leyh bereits am ersten Grabungstag auf humanes Beinmaterial (u. a. einen Schienbeinknochen) und Zähne sowie einen eisernen Nagel im Abraum seiner Grabung aufmerksam gemacht (Leyh 1988, 10); diese Funde aus einer Tiefe von etwa 0,40 m (Leyh 1991, 136) belegen weitere Verlochungen von Hingerichteten in bzw. um die Richtstätte. Der Verbleib dieses Materials ist nicht bekannt und konnte somit nicht untersucht werden; es wird auch in dem anthropologischen Bericht vom November 1988 nicht erwähnt. Daraufhin grub Leyh im Zentrum des Fundamentes flächig weiter und „weitere Knochen kamen zum Vorschein“. Bei der Freilegung und Bergung des Skelettes (Abb. 11) soll der Grabungsleiter den mündlichen Angaben seiner Equipe zufolge nicht anwesend gewesen sein; mindestens einer der Grabungsteilnehmer (Heinz Kühler) bestätigte auf explizite Nachfrage von Th. Liebert im Frühjahr 2004, dass das Fehlen der Knochen der rechten Hand bereits während der Ausgrabungen beobachtet wurde. Diese wurden „in 0.60 Meter Tiefe“ (Leyh 1991, 136) angetroffen; dabei handelte es sich um ein „fast vollständig erhaltenes“ (Leyh 1991, 136) Skelett, das „exakt die Ost-West-Achse“ (Leyh 1988, 10) bildete; gemeint ist die Achse „des Kreises“ (Leyh 1991, 136). „Akribisch genau hatte man den Lendenwirbelansatz (ZNS) als Mittelpunkt des gesamten Rabensteins gewählt. Torso und Beine dienten hierbei im Sinne von Zeigern einer Uhr, wobei der Richtkreis das Zifferblatt bildete“ (Leyh 1991, 136–137). „Der Mann wurde enthauptet und nicht gehängt, da eine haarfeine Trennaht zwischen zwei Halswirbeln gefunden wurde“ (Leyh 1991, 137).

Grabungsaufnahme der enthaupteten Delinquentin

Abb. 11: Grabungsaufnahme der enthaupteten Delinquentin von 1988 (Foto H. Kühler, Roßtal, 1988).

Unter anderem bis zu 4 cm dicke Holzreste – unter der rechten Tibia (Leyh 1991, 137) beobachtet – führten den Ausgräber zu der Annahme, dass der Delinquent wahrscheinlich und zur Strafverschärfung „vor der Exekution auf einem Brett, das sich unter seinem Körper befand, von der Gerichtsverhandlung zum Galgenplatz ‚hinausgeschleift’“ (Leyh 1988, 10) worden war. Nach der Hinrichtung wurde die Leiche dann „von unten an das Brett“ (Leyh 1988, 10) genagelt. Denn: „Ein ca. 7 cm langer handgeschmiedeter Nagel, eine Art Hufnagel, steckte im oberen Halsbereich [„im abgeschlagenen Halsrumpf“ (Leyh 1988, 10)] des Mannes, ein weiterer im Lendenwirbelansatz, …. Die Nägel lassen auf ein Schaubrett schliessen, auf dem der Delinquent mit gekreuzten Armen angebunden und angenagelt wurde. … Den Schädel nagelte man ihm zwischen seine Füße, …“ (Leyh 1991, 137), und zwar mittels eines weiteren Nagels, der „unterhalb des linken Unterkiefers“ (Leyh 1991, 137) steckte. Dies ist angesichts der Dimensionen der drei Nägel schlechterdings unmöglich; der Nagel, mit dem der Schädel von Langenfeld (Henke 1981, 425-426; Pieper/Schlüter 2008, 399-409) gepfählt war, maß 47–48 cm. „Das Gesicht war zum Himmel gedreht“ (Leyh 1988, 10). „Das Gesicht war nach Osten gedreht“ (Leyh 1991, 137).

„Im abgeschlagenen Halsrumpf steckten stark verkohlte Tonscherben, die auf eine nachträgliche ‚Behandlung’ schliessen lassen. Vermutlich hatte man das Tongefäss mit Öl oder Pech gefüllt, es in den Hals des Delinquenten gesteckt und es nachträglich angezündet“ (Leyh 1991, 137). Die Keramikfragmente mit dem anhaftenden hydrophoben Stoff werden übrigens in der Erstpublikation des Ausgräbers (Leyh 1988) mit keinem Wort erwähnt. Eine Durchsicht der einschlägigen archäologischen und historischen Literatur (z. B. Hinckeldey 1987; Ohler 1990; Schild 1997; Wrede 2003) hat keine Hinweise auf die Verwendung von Pech oder ähnlichen Stoffen in Zusammenhang mit Hinrichtungen ergeben und auch Parallelen zu der Positionierung der Keramikscherben sind bislang nicht bekannt geworden.

Der archäologische Befund belegt zunächst nur ein Skelett in der Mitte der runden Richtstätte. Es wurde in Rückenlage angetroffen. Die Hände lagen im Beckenbereich; die Füße waren nach Osten orientiert. An der rechten Tibia wurden Reste von Holz festgestellt; drei kleine Nägel fanden sich an der oberen und unteren Wirbelsäule sowie im Schädelbereich. Der Schädel wurde zwischen den Füßen angetroffen. Der Befund lässt auf eine Enthauptung im Zusammenhang mit der Richtstätte schließen.

Solche Befunde sind typisch als sichere Belege für an Richtstätten erfolgten Strafvollzug mittels scharfer Gewalt, also Dekapitationen mittels Richtschwert bzw. -beil oder durch modernere Apparaturen. Beispielhaft seien einige einschlägige Befunde genannt; dabei beschränken wir uns auf Fundplätze aus Deutschland. Aus Hessisch-Lichtenau (Auler 2001a) und Steyenberg (Schwieger 1940) sind singuläre Skelette bekannt geworden, bei denen die Schädel zwischen den Knien deponiert worden waren. In Wulfen (Auler 2005) dagegen lag die Kalotte zwischen den Füßen des Richtopfers. In Salzhausen (Auler 2002; Busch 2002) lag in mehreren Fällen der abgeschlagene Schädel unter den angewinkelten Armen der Beigesetzten. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Befund von der dänischen Insel Seeland (Auler 2001c).

J. A.

Eisen

Drei eiserne Nägel liegen im erhaltenen Fundstoff vor. Alle sind rechteckig (nicht quadratisch!), sind stark korrodiert und unbehandelt. Nagel 1 wiegt noch 6 g, ist 8 cm lang und vollständig erhalten. Bei dem ebenfalls vollständigen Nagel 2 mit 5 g Gewicht und einer Gesamtlänge von 8 cm ist das untere Drittel umgebogen; der Nagelkopf lässt erkennen, dass er eckig ist. Das Artefakt stammt aus dem Beckenbereich des Skelettes. 3 g wiegt ein dritter Nagel aus dem Bereich der Schädelkalotte, dessen Spitzenpartie fehlt und der noch 5,5 cm Länge aufweist. Die Zuordnung der Nägel zur Lage am Skelett bezieht sich auf die Positionen dieser Artefakte, wie sie bei der Entnahme der Knochen (mit den Erd- und Holzresten sowie den Nägeln) für diese Nachuntersuchung durch zwei von uns (J. A. und Th. L.) am 27. April 2004 in der Museumsvitrine in Roßtal angetroffen wurden.

J. A.

Hölzer

Bei der Bergung des Skelettmaterials aus einer Holzkiste der Bodenvitrine des Heimatmuseums in Roßtal konnte anhaftendes Holzmaterial am rechten Unterschenkelknochen sicher beobachtet und geborgen werden. Gleiches gilt für einige wenige Klumpen des originalen grauen Lehmbodens von der Fundstelle, an denen ebenfalls Holzreste hafteten, und die sich deutlich von der übrigen Füllung der Kiste unterschieden. Diese bestand aus sandig-lockerem Waldboden mit zahlreichen Rinden- und Holzstückchen. Es wurden explizit nur die sicher zugehörigen Hölzer und Erdklumpen entnommen.

Diese wenigen erhaltenen Holzstücke wurden im Rahmen der aktuell erfolgten anthropologischen Untersuchungen ebenfalls determiniert werden. Von den ins Labor für Archäobotanik am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln eingereichten trockenen Holzfragmenten wurden zunächst winzige Splitter entfernt. Mit Hilfe eines Auflichtmikroskops konnten dann bei 60- 240fachen Vergrößerungen die für eine Holzartbestimmung diagnostisch relevanten Bestimmungsmerkmale auf den drei holzanatomischen Ebenen quer, tangential und radial gesucht werden. Die Bestimmung folgte den von Fritz H. Schweingruber erarbeiteten Kriterien (Schweingruber 1978).

Beschreibung der Hölzer:
I. „Holzreste vom rechten Unterschenkel mit anhaftendem originalen Erdreich“; in einem Filmdöschen fanden sich acht längliche Holzsplitter.

(1) Das 45 mm lange Holzstück weist am einen Ende eine Querschnittfläche von 7 x 4 mm auf, zum anderen Ende hin sind es 7 x 2 mm, vielleicht entstanden durch einen hier flächig abgerissenen Span(?). Auf der größeren Querfläche sind gerade Jahrringverläufe erkennbar. Des Weiteren stehen zwei Längsflächen eindeutig in einem rechten Winkel zueinander. Es handelt sich hierbei offensichtlich um ein bearbeitetes Stück. Es gehört zum Betula-Holztyp (Birke).

(2) An dem 25 x 5 x 2 mm großen Holzstück haften an zwei Stellen kleine Bodenklümpchen. Das Stück ist relativ spröde. Es handelt sich um den äußeren Bereich eines Zweigs. Holzanatomisch ist nur die Bestimmung vermutlich Laubholz möglich.

(3)–(6) Diese vier Holzstückchen sind zwischen 25 und 30 mm lang und haben Querflächen von 5–6 x 1–2 mm. Ein Stück ist etwas verbogen, was auf Austrocknungsvorgänge zurückzuführen sein wird. Alle vier Splitter stammen vom Picea-Holztyp (Fichte).

(7) und (8) Die zwei Hölzer von 25 bzw. 30 mm Länge und je einer Querfläche von 6 x 2 mm sind zweifelsfrei Nadelhölzer mit Harzkanälen. Die Art der Tüpfelungen in den sog. Kreuzungsfeldern ist jedoch nicht klar erkennbar; zwar finden sich dort große „Löcher“, die an sog. Fenstertüpfel – wie sie beim Pinus-Holztyp (Kiefer) vorkommen – erinnern, doch diese „Löcher“ sind im vorliegenden Fall offensichtlich dadurch entstanden, dass Zellwandbereiche zwischen mehreren kleinen Tüpfeln durch Spannungen, die beim Austrocknen des Holzes auftraten, zu fenstertüpfelähnlichen „Löchern“ aufgerissen sind. Dieses Phänomen ist bei den Picea-Bestimmungen (3) bis (6) partiell ebenfalls beobachtet worden. Da das holzanatomische Gesamtbild ansonsten mit den Picea-Bestimmungen (3) bis (6) übereinstimmt, dürfte es sich auch bei diesen zwei Nadelholzstücken um den Picea-Holztyp (Fichte) handeln.

II. Das etwa 5 cm lange, sehr leichte Holzstück ist ein – bezogen auf die Querfläche – wohl zur Hälfte erhaltener Ast mit einem kleinen Rest Rinde und anhaftendem Boden. Der Durchmesser beträgt etwa 4 cm. Es handelt sich um den Quercus-Holztyp (Eiche).

III. Auf einem maximal 11 x 6 cm großen und 3,5 cm dicken Bodenstück finden sich sowohl auf der „Oberseite“ als auch auf der „Unterseite“ sehr flache Holzreste – zum Teil nur hauchdünn –, die stellenweise über die gesamte Bodenblockbreite von 6 cm reichen und einst offensichtlich auch über die gesamte Länge von 11 cm. Die Holzreste liegen mit ihrer Radialfläche auf dem Boden. Einzelne bereits abgefallene Stücke sind vom Picea-Holztyp (Fichte).

Interpretationsversuch: Die im Zusammenhang mit dem menschlichen Skelett geborgenen und zum Teil am Unterschenkelknochen haftenden Holzstücke gehören zu den Holztypen Betula (Birke), Picea (Fichte) und Quercus (Eiche); außerdem ist ein Stück als „vermutlich Laubholz“ bestimmbar. Auf den ersten Blick widerspricht die Tatsache, dass hier drei verschiedene Holztypen belegt sind, der von Leyh (1991, 137) vorgeschlagenen Deutung der gefundenen Holzstücke als Reste eines Schaubretts, an das die geköpfte Person genagelt worden sein soll. Auch der Nachweis eines Eichen-Astes und eines „Laubholz“-Zweigs lässt sich nicht zwanglos mit einem Brett in Verbindung bringen. Das bearbeitete Birkenholzstück wirkt stiftartig und ließe sich gegebenenfalls in diese Richtung interpretieren, falls hier schmale Bretter verbunden worden sind. Hingegen sind an den Fichtenholzresten bei der Untersuchung der Fragmente Beobachtungen gemacht worden, die durchaus für ein Brett oder natürlich auch eine hölzerne Kiste (‚Sarg’) sprechen könnten: Die einst wohl auf der gesamten Fläche des Bodenblocks von ungefähr 11 x 6 cm vorhanden gewesenen flachen Fichtenstücke liegen mit der holzanatomischen Radialfläche auf dem Boden. Das Vorliegen dieser Radialrichtung lässt auf die angewandte Technik des Spaltens schließen, wobei insbesondere die Spaltbarkeit der hier determinierten Fichte als „vollkommen“ eingestuft wird (Gayer 1954, Tab. S. 48). Auf diese Weise lassen sich relativ unkompliziert Bretter herstellen.

Keine Erklärung findet sich zur Zeit dafür, dass sich nur je eine dünne Fichtenholzlage sowohl auf der „Oberseite“ als auch auf der „Unterseite“ des Bodenblocks befindet – und dazwischen kein Holz; das ist im Blockquerbruch erkennbar. Allerdings würde wiederum die von Ley (1991, 137) seinerzeit erwähnte Dicke der Holzstücke von 4 cm ungefähr der Dicke des Bodenblocks von etwa 3,5 cm entsprechen.

U. T.

Anthropologische Untersuchungen 1988 und 2004

Bei der Ausgrabung 1988 im Bereich des Roßtaler Hochgerichts konnten mehrere Einzelknochen und ein vollständiges menschliches Skelett (Abb. 11) geborgen werden (Leyh 1988; Leyh 1991). Eine erste Untersuchung des Skeletts nahm Frau Dr. med. dent. Ilona Götz vor, die das Individuum als 30 bis 40jährigen („Maturus I“ !) Mann einordnete. Es wird eine Körperhöhe von ca. 1,58m und eine Rechtshändigkeit rekonstruiert. Die Bearbeiterin sah an den Molaren eine abgekaute Fissurkaries. „Zwischen zwei auffallend kleinen Halswirbeln ist wahrscheinlich die gewaltsame Trennfläche zu erkennen“ (Bericht bei den Ortsakten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Außenstelle Nürnberg).

Skelettschema des Roßtaler Skeletts

Abb. 12: Skelettschema des Roßtaler Skeletts. Die erhaltenen Teile sind markiert.

Im Rahmen der Neubearbeitung dieses Befundes wurde das Skelett in seinem heutigen Zustand erneut untersucht; die im Vorbericht erwähnten Einzelknochen konnten dabei nicht berücksichtigt werden, da sie inzwischen fehlen.

Beschreibung: Das Skelett liegt in einem mäßigen Erhaltungszustand vor. Neben etlichen alten Bruchstellen fanden sich auch einige modernen Ursprungs, die sowohl im Rahmen der Bergung als auch bei der zwischenzeitlichen Lagerung entstanden sein konnten. Die einzelnen Skelettpartien präsentieren sich in unterschiedlicher Vollständigkeit, scheinen aber weitgehend vorhanden gewesen zu sein (Abb. 12). Das rechte Handskelett fehlt allerdings vollständig. Die Knochenoberfläche weist kaum Verwitterungsspuren auf, jedoch fehlen fragilere Partien (z. B. bei den Schulterblättern und Wirbeln) meist völlig. Vom Gebiss hat sich die rechte Oberkieferhälfte nicht erhalten.

Zur Sterbealtersbestimmung konnten die Obliteration der Schädelnähte, der Abrasionsgrad der Zähne und der Spongiosaabbau der proximalen Humerus- und Femurepiphysen herangezogen werden. Während die Nahtobliteration durchschnittlich das Stadium 2 (nach Ascádi/Nemeskèri 1970; Szilvássy 1988) erreicht hat, waren die 3. Molaren geringgradig abgekaut. Die Humerus- bzw. Femurepiphysen mussten radiologisch beurteilt werden und konnten dem Stadium 3 (nach Ascádi/Nemeskèri 1970; Reinwand 1996) zugeordnet werden. In der Zusammenschau ist das Individuum im spätadulten bis frühmaturen Altersabschnitt, also zwischen 35 und 45 Jahren, verstorben.

Für die Geschlechtsbestimmung lassen sich einige Merkmale am Becken und Schädel des Individuums heranziehen (zusammenfassend Sjøvold 1988). Am Becken sind der Sulcus Praeauricularis ausgeprägt gefurcht und die Incisura Ischiadica major weitbogig geformt. Der Arc Composé weist eine mäßige Öffnung auf. Am Schädel konnten die Glabella bzw. der Arcus Superciliaris, die Margo Supraorbitale, der Processus Mastoideus, das Planum Nuchale sowie das Mentum am Unterkiefer beurteilt werden. Alle genannten Merkmale weisen eine eher weibliche (Glabella, Margo Supraorbitale, Processus Mastoideus) oder indifferente Ausprägung (Planum Nuchale, Mentum) auf. Zusammengefasst weisen die erhobenen Merkmale wie auch der allgemein grazile Charakter des Knochenbaus auf ein sicher weibliches Individuum.

Messtrecke am Skelett von Roßtal

Abb. 13: Messtrecke am Skelett von Roßtal (Nummerierung nach Martin 1914).

Das Individuum wurde nach einer Auswahl der von Martin (1914) definierten Messstrecken vermessen (Abb. 13). Aus den Messwerten ergibt sich der schon angedeutete grazile Bau des Skeletts. Die Schädelform ist mesocephal (78, 24). Die Körperhöhe lässt sich nach der von Pearson erarbeiteten Formeln auf ca. 1,51 m rekonstruieren (nach Pearson 1899).

Roßtal und seine Richtstätte im Jahre 1620

Abb. 14: Roßtal und seine Richtstätte im Jahre 1620.
(StAN, Fst. Brandenburg-Ansbach, Karten und Pläne Nr. 100).

Es konnten verschiedene pathologische Veränderungen am Skelett erhoben werden. Am linken Oberkiefer sind die Zähne 24 und 25 intravital ausgefallen. Über die Ursache des Verlustes kann nur spekuliert werden, doch scheint die Nachbarschaft der beiden Zähne möglicherweise als Indikator für eine Karies zu sprechen. Für das gesamte Gebiss ist eine leichte Parodontose zu diagnostizieren. Am Zahn 22 fällt weiterhin eine marginale Parodontitis auf. Der Frontzahnbereich des Unterkiefers hat auf der lingualen Seite einen deutlichen Besatz mit Zahnstein. Bei drei Zähnen (31, 32, 43) fanden sich transversale Schmelzhypoblasien.

Das Fragment einer linken Rippe weist auf der lateralen Seite eine vertikal zum Knochen laufende Verdickung auf, die sich im Röntgenbild als Kallus einer Fraktur erweist. Da sich auf der medialen Seite keine Kallusbildung zeigt, muss wohl von einer unvollständigen Fraktur ausgegangen werden.

Beim 6., 7. und 8. Brustwirbel finden sich Schmorl'sche Knötchen (6.: caudal, 7.: cranial + caudal; 8.: cranial) auf den Gelenkflächen. An der 2. Rippe rechts fällt an der medialen Seite des Collum costae eine ca. 1 cm lange Grünfärbung auf, die für die Lagerung eines kupferhaltigen Gegenstandes in diesem Bereich spricht.

Im Bericht von I. Götz wird von einer Trennfläche zwischen zwei Halswirbeln gesprochen, die für eine gewaltsame Durchtrennung des Halses sprechen. Der Fundort des Schädels zwischen den Beinen des Corpus legt die Existenz einer solchen scharfen Abtrennung mit entsprechenden Spuren nahe. Leider wird weder im Bericht von Götz die genaue Positionierung an der Halswirbelsäule besprochen, noch in den Berichten von Leyh beschrieben, wie viele Halswirbel sich in Fundlage noch beim Schädel befanden. Eine genaue Examinierung der vorhandenen Halswirbelteile ergab keinerlei Spuren von scharfer oder stumpfer Gewalteinwirkung auf die Knochen. Moderne Bruchstellen an den Wirbeln lassen jedoch die ehemalige Existenz weiterer Fragmente vermuten, so dass die Erstbearbeiterin diese Trennflächen noch gesehen haben kann.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch das vollständige Fehlen des rechten Handskeletts. Denkbar wäre hier ebenfalls eine intravitale Abtrennung, ohne dass Spuren nachgewiesen werden konnten. Die distalen Enden von Radius und Ulna sind nicht mehr vorhanden bzw. weisen keinerlei Spuren einer scharfen Gewalt auf.

Am Schädel konnten einige auffällige anatomische Varianten belegt werden. Das Individuum weist eine Sutura metopica, ein Foramen supraorbitale sin., einen Sulcus supraorbitale dext. und Os lamda bipartus auf. Am basalen Ende des Os occipitale finden sich zwei waagerechte Nahtansätze, die auf eine persistierende Sutura mendosa schließen lassen. Ferner fand sich der Rest eines dritten Schlüsselbeins, der die Existenz eines weiteren Individuums vermuten lässt. Es handelt sich um das Schaftfragment eines linken Schlüsselbeins, das deutlich robuster im Bau ist und damit wohl zu einem männlichen Individuum gehört.

Diskussion: Bei dem vorliegenden im spätadult-frühmaturen Individuum weiblichen Geschlechts konnten verschiedene Befunde erhoben werden, die Aussagen zu den Lebensbedingungen der Frau und deren Hinrichtungsumständen zulassen.

Die Existenz von Schmelzhypoblasien deutet auf einen unregelmäßigen Wachstumsprozess bei Zähnen hin. Schmelzhypoblasien werden im Allgemeinen mit ernährungs- oder krankheitsbedingter Mangelversorgung in der Wachstumsphase in Verbindung gebracht (Schulz 1988, 494–495). Da die Kronen der drei Zähne im frühinfantilen Alter (0 bis 3 Jahre) entstanden sind, muss von einem entsprechenden Mangel in diesem Lebensabschnitt ausgegangen werden.

Die an drei Brustwirbeln dokumentierten Veränderungen der Gelenkflächen, sogenannten Schmorl'schen Knötchen, werden mit erhöhter körperlicher Belastung während der Wachstumsphase in Verbindung gebracht. Es ist folglich davon auszugehen, dass die Frau schon im Kindesalter harte körperliche Arbeit ausführen musste (Czarnetzki 1996).

Der intravitale Zahnverlust von mindestens zwei Zähnen ist für ein Individuum dieses Alters in der frühen Neuzeit nichts Ungewöhnliches. Entsprechendes lässt sich bei zeitgleichen Skelettserien hinlänglich belegen, so beispielsweise an den Friedhöfen in Villingen (Buhmann/Fuchs 1983) oder Epfendorf (Hahn 2000). Als Ursache für den Verlust kommt eine Karies mit Abzessbildung ebenso in Frage wie eine Parodontitis, die sich ebenfalls in marginaler Ausprägung am Zahn 22 nachweisen lässt. Der Kariesbefall beträgt demnach 0,105, wobei sie sich auf 0,158 erhöht, wenn man die von I. Götz diagnostizierte Fissurkaries hinzunimmt, die sich wohl in der nun fehlenden rechten Oberkieferhälfte befunden haben muss. Die Karies ist in diesem Zeitabschnitt die häufigste Erkrankung am Gebiss (Alt 2001). Karies, Parodontose, Paradontitis und die Existenz von Zahnstein deuten eine fehlende oder rudimentäre Mundhygiene an.

Rippenfrakturen können verschiedene Ursachen zu Grunde liegen. Aufgrund der starken Fragmentierung ist eine anatomische Positionierung der Rippe nicht möglich und daher eine abschließende Interpretation schwierig. Die Positionierung der Bruchlinie (nur lateral, keine vollständige Fraktur, vertikaler Verlauf) spricht für einen Berstungsbruch in Folge einer vorherigen Krafteinwirkung am dorsalen oder ventralen Ende des Knochens (z. B. Sturz auf den Bauch). Man würde hier allerdings mit einer Serienfraktur rechnen, deren Existenz nicht belegt, wegen der Erhaltung aber auch nicht ausgeschlossen werden kann (Czarnetzki 1996).

Die an einer Rippe beobachtete Grünfärbung wurde durch eingelagerte Oxidationsprodukte eines kupferhaltigen Gegenstandes verursacht (Otto 2003). Dieser muss in der unmittelbaren Nähe des Knochens gelegen haben. Da das Knochenstück am Ansatz zur Wirbelsäule positioniert war, bleibt eine Interpretation als Bekleidungsbestandteil offen.

Als Hinrichtungsart wurde bei diesem Individuum zweifellos die Enthauptung praktiziert. Leider sind die Spuren der Abtrennung durch die späteren Umbettungen des Skeletts nicht mehr erhalten. Unabhängig von Richtschwert oder Beil als Vollzugsinstrument hinterlässt der Schlag Spuren scharfer Gewalt (glatte Trennfläche, Kompression der Knochensubstanz), wie sie S. Ulrich-Bochsler an einem Skelettfund und etlichen Sammlungspräparaten belegen konnte (Ulrich-Bochsler 1988). Weitere Beispiele erhärten diese Beobachtung (Holzer 1972; Kemkes-Grottenthaler 2000). An den vorhandenen Halswirbelteilen ließen sich diese Spuren nicht belegen, so dass vermutet werden kann, dass die Trennfläche durch einen der nicht vorhandenen Wirbel (3. oder 6.) läuft. Anhand der Fotografie des in situ liegenden Skeletts (Leyh 1988, 11) lässt sich erschließen, dass der Hieb im unteren Bereich der Halswirbelsäule geführt worden sein muss.

Die vollständige fehlende rechte Hand des Individuums wirft ebenfalls einige Fragen auf, die nur unbefriedigend beantwortet werden können. Spuren einer intentionellen Abtrennung intra vitam oder perimortem fanden sich am distalen Ende von Radius und Ulna nicht, so dass der entsprechende Hieb nicht im Bereich dieser Knochen, sondern weiter distal im Bereich der Handwurzel geführt worden sein müsste. Handwurzelknochen bzw. deren Splitter wurden dann bei der Grabung nicht erkannt und geborgen. Die Lage des rechten Unterarms in der Grabungssituation (Leyh 1988, 11) scheint die höchste Position des Skelettes zu repräsentieren, so dass möglicherweise die Handknochen durch einen späteren Eingriff (z.B. landwirtschaftliche Nutzung) aus der ursprünglichen Position entfernt worden sind. Allerdings wären auch hier vereinzelte Knochen des Handskeletts als verlagertes Knochenmaterial zu erwarten gewesen. Belege für die Praxis des Handabschlagens als Strafmaß gibt es nicht nur aus der zeitgenössischen Rechtsliteratur oder entsprechenden Darstellungen, sondern auch als Grabungsbefunde (Bonte/Pieper 1995).

Weitere Spuren von Gewalteinwirkung auf das Skelett finden sich nicht. Vor allem der Schädel und die Wirbelsäule zeigen keinerlei Spuren stumpfer oder scharfer Gewalt, so dass eine Befestigung des Körpers und des davon abgetrennten Schädels durch Nägel auf einem Brett wohl ausgeschlossen werden können (Ley 1988 10).

Th. B.

Datierung

R. Leyh äußert sich nicht ausdrücklich zur Datierung der ergrabenen Richtstättenbefunde, also den Fundamentresten und Skelettverlochungen. In seinen Ausführungen erwähnt er lediglich die bis dahin vermutlich letzten urkundlichen Hinrichtungen (Leyh 1988, 8), die an dieser Richtstätte im Jahre 1714 erfolgten. Dabei bezieht er sich auf die lokalgeschichtlichen Forschung (Kreutzer/Düthorn 1978/79), bringt die Bodenbefunde in einen Zusammenhang mit den schriftlichen Überlieferungen (Leyh 1988, 8) und schlägt somit unterschwellig ein ‚ante quem’-Datum vor.

Zur 14C-AMS Altersbestimmung wurden 1 linke Handphalange und 1 linke Fußphalange des Skelettmaterials entnommen; die Untersuchung (Probe ‚Galgenhöhe 06/04-1’ bzw. Targetnummer Erl-6892) wurde durch das Physikalische Institut der Universität zu Erlangen-Nürnberg (Schreiben von Herrn Dipl.-Phys. Andreas Scharf vom 28. Juli 2004) durchgeführt . Die Probe wurde gemessen zu 138 +/- 42 Radiokarbonjahren; dieses entspricht einem kalibrierten Alter von: 1668 AD–1781 AD.

J. A. & Th. L.

Zusammenfassung

Es kann konstatiert werden, dass die wenig glücklichen Untersuchungen an der ehemaligen Roßtaler Richtstätte aus dem Jahre 1988 wohl ein rundes Fundament aus Bruchsandsteinen mit einer beachtlichen Stärke des Mauerwerkes und einem Durchmesser von mindestens 7,4 m ergeben haben. Die Richtstätte ist mit einem Zugang oder aber einem außenliegenden treppenartigen Aufgang im Norden versehen. In der Mitte der runden Richtstätte wurde ein weibliches Skelett in Rückenlage angetroffen. Die Hände lagen im Beckenbereich; die Füße waren nach Osten orientiert. Am rechten Schienbein wurden Reste von Holz festgestellt; mehrere kleine Nägel waren im Bereich dieser Verlochung verstreut. Der Schädel lag zwischen den Füßen; sämtliche Knochen der rechten Hand fehlten offenbar. Ein solcher Befund ist nicht singulär; von dem dänischen Fundplatz Slots Bjærgby Høje auf Seeland (Glob 1947, 41–42 mit Abb. 4; Auler 2008c) etwa ist das Skelett eines Dekapitierten in Bauchlage bekannt. Der Schädel liegt – durchschlagen von einem langen Eisennagel – unter dem linken Oberschenkelknochen; die Fingerknochen der rechten Hand fehlen. Mit großer Sicherheit kann auf die verlochten Reste einer dekapitierten Verurteilten geschlossen werden.

Die wenig glücklichen Grabungsumstände von 1988 und die viel versprechenden Erkenntnisse dieser Nachuntersuchung lassen eine erneute Ausgrabung an diesem Fundplatz nach neuestem wissenschaftlichen Grabungsstandard – vor allem angesichts der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung dieses Areals – angeraten sein.

J. A. & Th. L.

Quellen

Falckenstein, J. H. v. (1756): Chronik der Stadt Schwabach. Zweite, verbesserte und durch Nachträge von Johann Georg Maurer vermehrte, mit Kupfern gezierte Auflage. Schwabach 1756 (Schwabach 1977).
Heine, A. (Hrsg.) (1990): Widukind. Sächsische Geschichte.Kettwig 19902.
Kreiselmeyer, A. (1924): Flurnamenverzeichnis der Gemarkung Roßtal. Unveröffentl. Verzeichnis. Roßtal 1924.
Schlossbibliothek Ansbach: Peinliche Halsgerichtsordnung des Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach von 1582.
Staatsarchiv Nürnberg: Vorbayerische Archivalien:
Fst. Brandenburg-Ansbach, Ämterbeschreibung Nr. 13.
Rep. 120/II Ansbacher Ämterbeschreibung Nr. 69a, Oberamt Cadolzburg.
Rep. 225/4 II Rentamt Cadolzburg Nr. 1007.
Rep. 236/4 Landgericht ä.O. Nr. 67.

Literatur

Alt, K. W. (2001): Karies in Vergangenheit und Gegenwart. Zur Epideminologie einer „Volksseuche“. In: A. Kemkes-Grottenthaler/W. Henke (Hrsg.), Pein und Plagen – Aspekte einer Historischen Epidemiologie. Gelsenkirchen/Schwelm 2001, 156–213.
Arnold, S. (1991): Eine frühneuzeitliche Gerichtsstätte in Ellwangen, Ostalbkreis. Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 1991, 335–336.
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Quelle:
Jost Auler (Hrsg.): Richtstättenarchäologie 2 (Dormagen 2010), S. 66–100