Der Ortsname und seine Bedeutung

Der Ortsname Roßtal ist mehrdeutig. Die beiden ältesten Formen, die schriftlich überliefert sind, lauten:

Horsadal

Der Wiedergabe des Ortsnamens in der sächsischen Volkssprache des 10. Jahrhunderts lag eine damals wohl gängige süddeutsche Namensform zugrunde, die der heutigen Schreibform „Roßtal“ entsprach. Als „Tal der Rosse“ gedeutet, gilt sie als ein Hinweis auf eine hier speziell ausgeübte Pferdezucht. Diese Erklärung würde der Wertschätzung des Pferdes entsprechen, die entstanden ist, seit Karl Martell um 720 die bis dahin bei den Germanen übliche Art des Fußkampfes abschaffte und seine Streitmacht auf die Reiterheere stützte. Die Verwendung des Pferdes als Zugtier wurde jedoch erst um 1200 eingeführt. Es wurden also bis dahin noch verhältnismäßig wenig Pferde benötigt. Die Ritter hatten auf ihren Dienstgütern für die Aufzucht ihrer Streitrosse selbst zu sorgen. In der Burgstadt Roßtal waren wohl während der Ungarneinfälle sowie im liudolfinischen Bürgerkrieg die Pferde der im Umland ansässigen Wehrbauern, die zur Verteidigung eingesetzt waren, geborgen worden. Für einen Pferdehandelsplatz mit Gestüten fehlten im Zeitalter der Naturalwirtschaft aber noch die Voraussetzungen. Da die Gründung Roßtals wahrscheinlich in der Zeit vor dem Jahre 700 zu suchen ist, dürfen für die Erklärung des Ortsnamens auch noch andere Überlegungen am Platze sein.

Rossestal

Die erste urkundliche Nennung aus dem fränkischen Bereich "Rossestal" läßt weitere Möglichkeiten der Deutung zu. Die Endsilbe "stal", auch "stahl" oder "stall" geschrieben, wurde im Alt- und Mittelhochdeutschen für "Standort" und "Stelle" gebraucht. Man könnte deshalb unseren Ort auch bei den "Stahlbühlen" einreihen, die auf Dingstätten in der Nähe von Altstraßen hinweisen. Unsere mutmaßliche Dingstätte im Flurbezirk "Stumpf" am Leinweg würde hier einschlägig sein. Nach Heim sind diese "stahl "-Ortsnamen meist mit Personennamen zusammengesetzt, wie z. B. Fiegenstall bei Ellingen (Standort oder Dingstelle eines Fiego), Himmerstall bei Wassertrüdingen, Bremenstall bei Fürth. Auch bei Roßtal könnte im Namen "Roß" ein verderbter, längst vergessener Personenname in Frage kommen. Für Rossendorf zitiert W. Wießner z. B. den Namen Razo, Rezo, Razi und eine evtl. Eindeutschung eines slawischen Namens (Rosice). Ob auch die Flurnamen „Ebermannstall“ (Gemarkung Ammerndorf) und Altastall bei Wildenbergen auf ehemalige Dingstätten hinweisen können, müßte erst noch untersucht werden.

Die Schreibweise des Ortsnamens war früher nicht festgelegt. In den Urkunden und alten Dokumenten schwankt sie von der Kurzform Rostal (1108, 1138), Rosstal (1303), Rosstall (1360), Roszstal (1414) bis Roßstall, die sich im 17. Jahrhundert immer stärker einbürgerte und in der bayerischen Zeit von 1806 bis 1913 die amtliche Namensform bildete. 1913 wurde auf Antrag der Gemeindeverwaltung unter Hinweis auf die erste schriftliche Nennung „Horsadal“ offiziell die Schreibweise „Roßtal“ eingeführt.

Quelle: Karl Kreutzer, in: Roßtal - Vergangenheit und Gegenwart, S. 361 ff.