Festschrift zur Tausendjahrfeier

11. Jahrhundert

Erbauung der Kirche

Seit uralten Zeiten wird Roßtals Ortsbild von dem wuchtigen Bau der Laurentiuskirche beherrscht. Ihr äußeres Bild hat in den vielen Menschenaltern ihres Bestehens manchen Wandel erlebt, und es ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß die große Anlage an die Stelle eines früheren Gebäudes kirchlichen oder weltlichen Charakters zu stehen kam.

In der Kirche war bis zu dem großen Brand im Jahre 1627 das Grabmal einer Gräfin Irmengard, die als Erbauerin der Kirche gilt, zu sehen. Wie für Herzog Ernst, so hat man auch für die Kirchenstifterin keine urkundlichen Belege. Sie wurde als die Rheinpfalzgräfin Irmengard von Hammerstein, über die Kaiser Heinrich II. die Reichsacht verhängt hatte, angesehen.31) Doch hält man sie jetzt mit Irmengard, der Frau des Rangaugrafen Cunrad identisch. Diese ist im Zusammenhang mit besitzrechtlichen Angelegenheiten über Herzogenaurach-Langenzenn mehrmals urkundlich genannt.32) Wenn man annimmt, daß diese Gräfin Irmengard in der Roßtaler Kirche ihre letzte Ruhestätte fand, könnte daraus geschlossen werden, daß der Ort zum Eigengut der Rangaugrafen (Abenberger?) gehört hat. Die machtvolle Anlage der früher reich ausgestatteten Kirche mit der noch heute erhaltenen romanischen Krypta hat vielleicht in dem Würzburger Dombau ein Vorbild gefunden. Zur Aufführung des Gotteshauses lieferte die verfallene Festung Roßtal genügend Baumaterial. So war der Niedergang des einstigen Kastells die Grundlage für ein Werk, das noch nach Jahrhunderten von der Frömmigkeit einer weit entfernten Zeitepoche kündet.

Erbauung der Reichsfeste Nürnberg um 1040

Seit der Landnahme hatte eine Reihe der ansässigen Adelsfamilien durch kluge Erwerbs- und Heiratspolitik, aber auch durch Rodung ihren Besitz ständig vergrößert. Sie hatten viele der freien Bauern unter ihren Schutz genommen und sich botmäßig gemacht.

Der Reichsbesitz war in Ostfranken aber immer mehr zusammengeschmolzen. Besonders große Einbuße hatte dieser durch die 63 Schenkungen Heinrichs II. an das neugegründete Hochstift Bamberg erlitten. Dieser Schwächung des Reichsgutes und damit der königlichen Macht traten nun die Nachfolger Heinrichs II. wirkungsvoll entgegen. Sie errichteten auf dem Felsenberg am Pegnitzstrand die Reichsfeste Nürnberg als neuen machtpolitischen Stützpunkt.

Diese Burg soll von Roßtalern gebaut worden sein. So berichtet wenigstens eine Roßtaler Sage, die vielleicht einen geschichtlichen Kern enthält. Es gibt viele Beispiele, daß man Bauten, die nicht mehr bewohnt oder benutzt wurden, abtragen ließ und das Material zu neuen Burgen oder Befestigungen verwendete. Daher liegt der Gedanke nicht fern, daß man bei dem Burgenbau in Nürnberg ähnlich verfuhr. Auch ist anzunehmen, daß die engere Umgebung des Bauplatzes mit den wenigen Königshöfen und Dorfsiedlungen für dieses Unternehmen nicht ausreichte und man weiter ins Hinterland hineingriff. So wäre es leicht erklärbar, daß man auch die Trümmer der alten Bergfestung Roßtal verwertete und dabei auch die Roßtaler als willkommene Arbeitskräfte heranzog.33) Bei der Betrachtung des Fünfeckigen Turmes kann man leicht feststellen, daß dieser älteste Bestandteil der Nürnberger Burg aus Blasensandstein aufgemauert ist.34) Dieser ortsfremde Stein, leicht erkennbar an den markstückgroßen Hohlräumen (Blasen) im Gefüge, ist aber das Grundgestein Roßtals, der hier als Baumaterial früher verwendet wurde (Kirche).

Bambergischer Besitz in Roßtal um 1050

Im Hauptstaatsarchiv München befindet sich eine unbesiegelte Urkunde, in der bekanntgemacht wird, daß Hartwig, der dritte Bischof von Bamberg, den Wirtschaftshof Wolenbach, der zum Pfründgut der Dombrüder gehörte, also nicht dem Bischof selbst, seinem Ritter Gottescalch zu Lehen geben wollte. Die Dombrüder (Domkapitel) sollten als Gegenwert unter anderem einen Hof im Gute (predio) Rossestal erhalten.35) Wie schon erwähnt, hatte Kaiser Heinrich II. im Jahre 1007 das Bistum Bamberg gegründet.

Damit verwirklichte er seinen Lieblingsplan, an die Stelle des ausgeschalteten rebellischen Schweinfurter Markgrafengeschlechtes eine geistliche Herrschaft zu setzen. Diesem jungen Kirchenstaat, den er unter Aufbietung seiner ganzen Staatskunst gegen den Widerstand des mächtigen Würzburger Bischofs durchsetzen konnte, versuchte er ein starkes weltliches Fundament zu geben und fügte zu seinen Lebzeiten ein Königsgut um das andere dem Hochstift zu, so Herzogenaurach 1021. Bis dahin reichte das geschlossene Landgebiet. Darüber hinaus aber lagen im Süden noch viele Besitzungen des Bamberger Staates verstreut. Wann und auf welchem Wege der 1050 erwähnte Besitz in Roßtal erworben wurde, ist ungewiß. Ebenso ist seine Lage und Größe noch nicht erforscht.