Festschrift zur Tausendjahrfeier

14. Jahrhundert

Roßtal ist burggräflicher Amtssitz

Als Verwaltungssitz eines Amtsmanns, dessen Bezirk sich mit dem des späteren Richteramtes gedeckt haben dürfte, ist Roßtal nunmehr in dem burggräflichen Landbesitz eingeschmolzen. Eine zufällig erhaltene Urkunde aus dem Jahre 1301 über eine Ammerndorfer Zehentsache, die der 13. Abt des Klosters Heilsbronn Heinrich von Hirschlach, mit dem Amtmann Wirento von Roßtal erledigte, gibt uns einen Hinweis dafür.42)

Roßtal erhält das Stadtrecht 1318

Der Erwerb durch die Burggrafen wirkte sich weiter günstig für Roßtal aus. Ihr Interesse an dem neuen Besitz war durch die Nähe der Hauptresidenz Cadolzburg entsprechend groß. Die Cadolzburger Burg war während der dort bestehenden burggräflichen Hofhaltung ein gern besuchter Einkehrort der noch nicht ortsgebundenen deutschen Herrscher, zu denen die Nürnberger Burggrafen stets in naher Verbindung standen.

Ein besonders gutes Verhältnis herrschte zwischen Burggraf Friedrich IV. und König Ludwig dem Bayern, dem er in der Schlacht bei Mühldorf (1322) zum Sieg über den vom Papst begünstigten Gegenkaiser Friedrich den Schönen verhalf. Als Ludwig 1328 nach Rom zog, sich dort zum Kaiser krönen ließ und für den in Avignon (Frankreich) residierenden Papst Johann XXII. einen römischen Gegenpapst aufstellte, war der Burggraf als sein treuester Gefährte ebenfalls dabei. Während des Aufenthaltes in Rom wurde die Stadterhebungsurkunde für Roßtal ausgestellt.43) Der Wortlaut ist im Heimatbuch von A. Rohn wiedergegeben und besagt kurz gefaßt, daß Friedrich das Recht erhält, daß er Roßtal zu einer befestigten Stadt mit einem Richteramt machen und einen Wochenmarkt einrichten darf. Der Schluß des Urkundentextes lautet: „wobei es unser Wunsch ist, daß besagte Stadt Roßtal gebrauche, genieße und sich ungehindert erfreue allen Rechts, Freiheit, Befestigung und Gnade, welche die Stadt Nürnberg bis dahin gebrauchte und von nun an genießen kann in Zukunft.“ Für Roßtal wäre damit eine strahlende Zukunft offen gestanden. Doch scheinen die politischen Verhältnisse dem Burggrafen nicht die Gelegenheit verschafft zu haben, diese Privilegien für Roßtal zu verwirklichen. Oder war der „Schwarze Tod“, die Pest, welche bald darauf im Deutschen Reich zu wüten begann und die Hälfte der damaligen Bevölkerung hinwegraffte, der Grund zur Unterlassung der städtischen Gestaltung Roßtals?

Auch die Nachfolger des Burggrafen Friedrich IV., seine Söhne Johann II. und Albrecht der Schöne, zeigten noch Interesse an der ehemaligen Absicht ihres Vaters, Roßtal zur Stadt zu machen. In einer Urkunde, die 27 Jahre später, am 5. April 1355, ebenfalls in Rom von Kaiser Karl IV. ausgestellt wurde, ist Roßtal zusammen mit mehreren anderen Flecken genannt, denen er die Stadtrechte bestätigt. Hier ist auch „die vollkömmliche Gewalt des Blutgerichts“ verbrieft. Aber wieder scheint sich die allgemeine Lage anders entwickelt zu haben, als vorgesehen. Schließlich verkauft der nächste Burggraf, Friedrich V., 1379 das Amt Roßtal lehensweise auf Wiederkauf an die Nürnberger Patrizier Ulrich Haller und Konrad Prunster.

Roßtal und Nürnberg - Handwerkeraufstand 11. Juni 1348

Die in der ostwärtigen Senke sich entwickelnde Reichsstadt war wohl immer ein Magnet für das Umland gewesen. Schon die Verehrung der Grabstätte des wundertätigen Sebaldus, der einst in der sumpfigen Niederung am Pegnitzstrand unweit des Felsenberges in seiner einsamen Klause hauste, brachte um 1070 Scharen von Wallfahrern herbei. Bald war es dann die stets wachsende und sich verschönernde Stadt mit der Reichsfeste selbst, die die Menschen in ihren Bann zog. Sie wurde zu einem der Mittelpunkte des Reiches, an denen die Kaiser zeitenweise ihre Residenz aufschlugen und Reichstage hielten. „Von Kaiser Heinrich III. (1039-56) an hat es bis auf Karl V. (1519-56) kaum mehr einen König und Kaiser gegeben, der nicht öfters und längere Zeit in Nürnberg gewohnt, regiert und Hof gehalten hätte.“44)

Es wird wohl kein Roßtaler gelebt haben, der nicht, seit Nürnberg besteht, dort auch einmal gewesen war. Aus den alten Nürnberger Archivalien sind diese nachbarlichen Beziehungen, die nicht immer nur freundschaftlicher Art gewesen waren, stets ersichtlich und man kann in ihnen immer wieder Roßtaler Namen finden.

Nürnbergs fortschreitender Aufstieg war einmal von einer schweren inneren Krise bedroht. Ein Zusammentreffen mehrerer innen- und außenpolitischer Ereignisse, die ein Volk erregen und manchmal Anlaß zu revolutionären Massenbewegungen sind, waren auch hier die Ursache. Im Jahre 1348, als nach dem in Nürnberg sehr beliebten Ludwig aus dem bayerischen Hause, der im Volke als „Pfaffenkönig“ verrufene Karl IV. aus Böhmen zur Regierung kam, benützten ein Teil der Handwerker die allgemeine Verwirrung dazu, das herrschende Patriziat, das als Vertreter der Reichsstadt, Karl, wie jeden erwählten deutschen König, ohne parteiliche Stellungnahme anerkannte, zu stürzen.

Dieser Aufstand, der zuerst geglückt war, brach nach einigen Wochen wieder zusammen und das Patriziat, welches sich in die Umgebung geflüchtet hatte, nahm die alte Stelle wieder ein. Kaiser Karl IV. aber, den das Nürnberger Volk zuerst so stark mißtraute, wurde ebenso, wie seine kaiserlichen Vorgänger, ein großer Förderer der Reichsstadt. Durch den Erlaß der Goldenen Bulle über die Reichsverfassung stellte er Nürnberg in die Reihe der drei Reichshauptstädte. Im Artikel 28 wird bestimmt, daß der König für alle Zeiten in Frankfurt gewählt, in Aachen gekrönt und in Nürnberg seinen ersten Hoftag halten solle.45) Die Reichsinsignien Krone, Zepter und Schwert wurden in Nürnberg bis 1796 aufbewahrt. An Karl IV. erinnert heute noch das Männleinlaufen der Kunstuhr auf der Frauenkirche.

Roßtal hatte mit dem Aufstand des Jahres 1348 zwei Berührungspunkte.

  1. Ein Roßtaler nahm an dem Aufstand sehr aktiv teil, und in einem alten Achtbuch, in dem das Strafgericht über die Hauptrebellen verzeichnet ist, heißt es: „Heinrich Eibisch de (= von) Rostal ist die stat verboten 1 Jahr bei der Hand 5 Meil“, d. h. wenn er innerhalb eines Jahres im Umkreis von 35 km von den Nürnbergern ergriffen wird, verliert er die Hand. Aus diesem Eintrag erfahren wir den ältest erhaltenen Namen eines Roßtaler Bürgers, abgesehen von den schon erwähnten Burgherrn Irmfried und Karl von Roßtal und dem Amtmann Wirento.46)

  2. In mehreren Chroniken Nürnbergs ist die Geschichte erhalten, daß die Aufständischen einen ihrer Gegner, Konrad von Heydeck, der den alten Rat bei sich aufgenommen hatte und den Widerstand gegen sie organisierte, überfallen wollten. Dieser lockte sie bei Roßtal in einen Hinterhalt, wobei er den größten Teil der Nürnberger niedermachte und 200 Mann im Eichenwald aufhängen ließ. Die Überlieferung berichtet, daß die Nürnberger einen Knecht, der zum Gefolge des Heideckers gehörte, zum Verrat des Aufenthaltsortes ihres gefürchteten Feindes gezwungen hatten. Seinem Herrn soll aber sein bestürztes und unruhiges Wesen aufgefallen sein und er fragte ihn, nach der damals üblichen Art gleich unter der Folter aus, wobei er den gefährlichen Plan erfuhr. Der weitere Verlauf: wie auf ein Fackelzeichen vom Schloß aus, das die dem Mühlbachgrund herankommenden Nürnberger ankündigte, das Unheil über diese hereinbrach, wird auch im früheren Heimatbuch von A. Rohn geschildert.

Ansicht von Roßtal aus dem Jahre 1820 (Aquarell)