Festschrift zur Tausendjahrfeier

Aus dem 16. Jahrhundert

Schwarmgeister in Roßtal

Als Randerscheinung jener religiös-geistigen Auseinandersetzungen der Reformationszeit ging das Schwarmgeisterunwesen in die Geschichte ein, das in den Bilderstürmern seinen gefährlichen Höhepunkt erreichte. Mit drastischen Mitteln rückte man jenen immer wieder aufflackernden Sektengruppen auf den Leib und versuchte sie auszulöschen. Die Protokolle der Verhöre sind in den Quellen zur Geschichte der Wiedertäufer gesammelt und vermitteln uns ein genaues Bild ihres Tun und Treibens. In unserer Gegend erschöpfte sich ihre Tätigkeit in der öffentlichen Bekundung umstürzlerischer Morallehren und laienhafter Bibelauslegung.

Aus dem Jahre 1533 liegt ein Bekenntnis des Jörg Lenglein von Rostall vor, das auszugsweise wiedergegeben werden soll. Lenglein bringt u. a. vor:

Er leugnet das Sakrament des Abendmahls:

„Das der leib und das plut Christi in brot und wein, so die pfaffen raichen, seie, glaub er nit und sei erlogen usw.“

Er führt dann genauer aus, daß kein Apostel solches gereicht habe,

„Christus hab auch selbs gesagt, sein flaisch sei uns hinfüro kein nuz. Christus flaisch sei nichts denn geist und leben. Derwegen sei der pfaffen lere vom sacrament der sauerteig der Phariseer...“

Nach weiteren Beschimpfungen der „Pfaffen“ und eigenmächtig ausgelegten Bibelstellen, redet er sich seinen Groll gegen die Reichsstadt Nürnberg herunter. Dort hatte man dem aufdringlichen Winkelprediger die Stadt verboten. Als er fragte, ob er wieder kommen dürfte, wenn „ihn der Heilige Geist und Gott wieder hineinsendet“, haben

„sie geantwurt, es sendet ine got oder der teufel, er solt nur nimer hinein komen.“

Ein bewaffneter Stadtknecht mußte ihn 10 Kilometer weit fortführen und schließlich

„Sie heten ine am mitwuch von vaßnacht verschinen jars einen Iren dienet zu roß ine zu erwurgen nachgeschickt, des durch got verkamen, sich das erdrich auf getan und ine verschlickt.“
Außerdem hat ihm der „Geist“ geoffenbart: „Es soll ein lindwurm zur straf für Nurmberg komen, der alle tag ein mensch verzeren werd. Inen von Nurmberg soll auch weißheit zerinnen, und über etlich tag darnach soll ein prophet (den man des menschensun nennen wurd) kumen, der den lindwurm toten und Nurmberg regiren wurd.“

Sie werden es noch bereuen, daß sie ihn hinauswarfen, wenn bald 3 Heere die Stadt belagern, ist der weitere Sinn der wirren Worte. Auch werde der jetzige römische Kaiser der letzte Kaiser sein auf Erden usw.

Auf dem Protokoll ist noch vermerkt, daß er „auf pflicht und aid“ des Landes verwiesen wird. Er durfte damit also nicht mehr in seiner Heimat bleiben, sondern mußte das Gebiet der Markgrafschaft Ansbach-Bayreuth verlassen.