Festschrift zur Tausendjahrfeier

Aus dem Dreißigjährigen Krieg

Ein Brief des Müllerssohnes von Roßtal, der am 12. März 1642 bei der Regierung in Ansbach einlief, möge hier für jene Zeit und ihre Zustände sprechen. Der Grund dieses Schreibens war der Verkauf der stillgelegten Mühle durch den Richter und Bürgermeister von Roßtal an einen Georg Schroll, unter Umgehung des erbberechtigten Müllerssohns Johann Lößlein, dem man böswilliges und feiges Verlassen der Mühle, sowie die Unbrauchbarmachung des ernährungswichtigen Betriebes durch den Verkauf der Mahlsteine zur Last legte. Er führt in seinem Beschwerdebrief an den Landesherrn folgendes an (Originaltextauszüge in „...“):

Anschrift und Einleitung:

„Durchleuchtiger, hochgeborener Fürst, Gnediger Fürst und Herr,
Wie ungern Eure Fürstl. Gnaden ich mit diesem underthenig anlauffe, kan ich doch solches eußerist getrungener noth willen, nicht umbgehen.“

Der Vater hat die Mühle erheiratet:

„Und ist in dem Oberampt Cadolzburg offenbar, das mein nunmehr in Gott ruhender lieber Vafter Leonhardt Lößle die zue Roßstall inn nechstgemeldtes Ampt gehörige Mühl, vor viel langen Jahren erheyrathe;“

Der schwere Krieg dauert noch immer:

„aber weilen er in diesen, sehr beschwerlichen, und noch leyder unauffhörlichen hart verderblichen Kriegsleufften,“

Keine Einwohner - keine Kunden:

„umb willen die eintwohner selbigen orts mehrerntheils gestorben und verdorben. Der Rest sich aber in solchen unsichern Zeiten nacher Nurmberg salviert (= gerettet), umb all seine Mahlgäst kommen,“

Der von den Soldaten mißhandelte alte Vater übergab ihm die Mühle:

„hat er mir alß seinen Sohn, angesehen die Soldaten Ihne wegen abgelegenen alters also abgemattet und verderbet, das er der Mühl nicht mehr vorzuestehen oder seine Nahrung uff derselben zu erwerben getrauet Anno 1633 pro 300 Gulden uff 3 Jhar im bestandt verlaßen, welche ich auch bezogen, und vermeint, wo immer möglich mich darauff fort zuebringen und denn bedingten bestandt (= Pachtpreis für den Vater) aller Järlichen abzuetragen“

Keine Betriebsmöglichkeit im Krieg:

„aber alß deß Plünderns und Außreisens kein endt, uff der Mühl auch nichts zue Mahlen gewesen. Und über das, ich auß solchen Ursachen meinem Vatter weder mit dem Versprochenen bestandt, noch er mir für sich helfen können“

Das Mühlwerk ging zugrunde:

„ist das Mühlwerckh zuegrunde gangen, das gar balden nach meinem Uffzug das Waßerrath über einen hauffen gefallen, und mir bey so vorhin allzue schlechtem Mahlen, das Handwerckh gar darnider gelegt worden,“

Wandert aus:

„worauff ich dann Anno 1634 auß hungersnoth und gewißlichen keinen Fürwitz einig ander mittel zu ersinnen, wiewol Widerwillen, biß zu erlangenden beßern zeiten, von dannen an andere ort die unempärliche Lebensmittel zuerwerben. zuebegeben.“

Er kommt wieder zurück:

„Anno 1635 aber nach meines Vattern tödtlichen Hintrit ich mich widerumb zue Roßstall eingestellet, dem domahligen Richter Michel Friedrich Kieffern und Johann Otten Rathsburgern, aldo solche Mühl, umb Ursachen ich mich den abgelegenen schulden willen, für keine erben, wie noch angeben wollen ...“

Er schildert jetzt, daß er die rückständige Schuld in wöchentlichen Raten von 1 Thaler hatte abtragen wollen, jedoch wieder gezwungen war auszuwandern:

„... und die Kriegsbeschwehrungen sich je lenger je mehr sonderlich an diesem ort mit Durchzüegen und Einquartierungen geheuffet, hab ich mich wie voriges abermahl von solcher Mühl aber gewißlichen auß keiner andern Ursachen, alß hungers willen hinweg begeben,“

Inzwischen wurde die Mühle verkauft:

„Aber vor wenig Wochen vernehmen müßen, das der jetzige Richter Gotfrid Förster neben der zuegezogenen des Raths zue mehrgemehltem Roßstall offterwehnte Mühl, welche auch gewißlichen ohn einige schulden hinterlaßen worden Angesehen, mein Vatter sel. all dasseinige darauff zuegesetzt, wenn der beschwehrliche und fast gantzer Wellt kundtbare Kriegsschwahl ihme neben viel unzehligen Creutzbrüdern, nicht in so unverhofftes, unverschmirtzendes Verderben eingeführet, umb 95 Gulden ...“

In dem weiteren Brief ist nur noch die Rede von dem ihm widerfahrenen Unrecht und seinem Anspruch, als Erbe, mit der Bitte an den Fürsten, ihm sein Recht zu verschaffen.

Dieser Brief aus dem Jahre 1642, also im 24. Kriegsjahr geschrieben, gibt uns einen kleinen Einblick in eine der schlimmsten Zeiten. Wir wissen aber, daß vor 1632 die kriegerischen Ereignisse unseren Ort nicht berührt hatten und das Leben nahezu seinen normalen Gang gelaufen ist. Das Jahr 1632 schlug die große Wunde in unser Gebiet, die lange Zeit das Ortsbild entstellte. Wenn auch die Auswirkungen fürchterlich waren, so gab es doch ein tapferes Häuflein, welches das Leben in Roßtal aufrechterhielt und, wie der Brief beweist, eine gewisse Widerstandsmoral besaß. Zudem hatten sich Erzeugung und Markt den Kriegsverhältnissen angeglichen, so daß sich etwa die Hälfte der früheren Einwohner schlecht und recht nähren konnte, sofern sie der Landesherr mit Vieh und Saatgut in seinen festen Orten schützte. Dieser Müller, der zweimal sein Hab und Gut im Stich gelassen hatte, sollte nun aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Nur für Mutige war noch Platz. Wir müssen ihm allerdings zugestehen, daß die weitab gelegene Mühle besonders gefährdet war. Das Warnsystem, welches damals zum Schutze der Bürger eingerichtet war und das Heeresbewegungen rechtzeitig ankündigte, gab dem einzelwohnenden Müller wohl nicht die genügende Sicherheit gegen unvorhergesehene Überfälle kleinerer streifender „Parteien“ (Trupps). Andererseits brauchte das sich wieder vergrößernde Roßtal einen Müller und Lößlein mußte nun, wollte er seinen Erbanspruch nicht verlieren, das Handwerk wieder aufnehmen.

Roßtaler im Dreißigjährigen Krieg - Die Anwesen um 1644

Hans Ott, Bürgermeister (heutige Hausnummer 22)
Besitz: Ein Hof, 1622 um 300 Gulden gekauft, 33 Morgen Feld davon 22 Morgen mit Holz angeflogen, 11 Morgen angebaut. Ein Gut „so ins Gotteshaus gehörig“, 7 Morgen Feld, 3 Morgen Holz, 2  Tagw. Wiesen. Vieh: 1 Pferd, 2 Kühe, davon eine bestandsweis (= gepachtet); Schulden: 60 Gulden dem Hofschneider in Ansbach, 18 Gulden in Georg Listen Vormundschaft; Steuerwert: 165 Gulden.

Hans Rieß, Beck (heutige Hausnummer 25)
Besitz: Gut vor 5 Jahren um 471/2 Gulden gekauft, davon der Stadel eingefallen, 3 Morgen Feld; Vieh: l Pferd; Schulden: 35 Gulden „uff sein Haus“, 25 Gulden in Hans Listen Vormundschaft; Steuerwert: 50 Gulden.

Georg List (heutige Hausnummer 66)
Besitz: 8 Morgen eigenes Feld, davon er 2 Morgen "geniest", das übrige ist mit Holz angeflogen; Steuerwert: 15 Gulden.

Lienhardt Maier, Taglöhner (heutige Hausnummer 16) Besitz: Ein geschenktes Gütlein, 1 Morgen Feld und Tagw. Wiesen, l Morgen Feld angebaut.

Wolf Pauer (heutige Hausnummer 7/8) Besitz: Ein Hof, so er eingetauscht, davon das Haus "bußwürdig", der Stadel eingefallen; 45 Morgen Feld, angebaut 6 Morgen .Winterichkorn", 2 Morgen Gerste, 3 Tagwerk Wiesen; Vieh: 1 Bestandkuh (= entlehnte Kuh);. Schulden: 15 Gulden an seinem Gütlein; Steuerwert: 30 Gulden.

Michel Ott, Beck (heutige Hausnummer 20) Besitz: Einen Hof um 400 Gulden Anno 1636 erkauft, stehet noch; 37 Morgen Feld, genutzt 9 Morgen, 5 Tagwerk Wiesen, genutzt 3 Tagwerk, von weiteren 10V2 Morgen eigenen Feld, nutzt er noch 5 Morgen. Bestandfelder: 6 Morgen. Vieh: 2 Pferde. 2 Kühe; Schulden: 61 Gulden an Hans Listen Hof, 400 Gulden an seinen Kaufschilling, 8 Gulden nach Nürnberg, 24 Gulden seinen Knecht; Steuerwert: 580 Gulden.

Endreß Ebert, Beck (heutige Hausnummer 32) Besitz: Ein Gütlein um 180 Gulden vor 4 Jahren erkaufft, stehet noch; 12 Morgen Feld, davon 6 Morgen genutzt, Tagwerk Wiesen; Vieh: 1 Pferd, 1 Kuh; Schulden: 42 Gulden dem Weihersmüller, 40 nach Nürnberg; Steuerwert: 75 Gulden.

Georg Stieber zu Schwabach (heutige Hausnummer 96) Besitz: Ein Gut, Haus bußwürdig, Stadel eingefallen; 6 Morgen Feld, davon 5 Morgen genutzt, 1 Tagwerk Wiesen; Steuerwert: 40 Gulden.