Festschrift zur Tausendjahrfeier

Alt-Roßtaler Bauten

Wer das alte Roßtal kennenlernen will, der soll durch eine der Friedhofspforten den Bezirk zwischen Kirche, Pfarrhaus und Scheune aufsuchen, wo er dann, an der Stätte der Toten, von den Wänden der ältesten Bauten Roßtals umgeben ist, von einer tausendjährigen Kirche, von einer vielhundertjährigen bäuerlich-urtümlichen Baukunst und von den Mauern der alten Befestigung. Was hier den aufgeschlossenen Betrachter fremdartig und wohltuend zugleich anspricht, ist ein von dem heutigen so völlig verschiedener Geist: Nicht ein ängstlich rechnendes Nützlichkeitsdenken, wie bei unseren Bauten heute, sondern die Fülle und Unbekümmertheit, in der sich die Jugendkraft der ersten Jahrhunderte unserer Geschichte bekundet. Vor allem ist es die Kirche, die den Betrachter einen Blick in die Vergangenheit, in die Ferne der Zeiten tun läßt. Man muß wissen, denn zu sehen ist hier, an diesem so vielfach umgebauten Werk, längst nicht mehr alles, daß die Kirche einstmals, in der Zeit des salischen Kaisers Heinrich III., gleichzeitig mit dem Würzburger Dom und in dessen Größenordnung begonnen worden ist. Grabungen im Jahre 1952 (durch Ortegel und Röttger) haben gezeigt, daß bei dem damaligen Königshof Roßtal ein machtvoller Kirchenbau, über dessen Bestimmung nichts bekannt ist (möglicherweise sollte es eine Frauenstiftskirche werden) geplant und in Angriff genommen war. Eine kurze Zeit, vielleicht ein Jahrzehnt, stand Roßtal im Licht der Geschichte des Reichs, aber da kam auch schon die Wendung, als gegen 1050 Nürnberg gegründet wurde und Roßtal wieder in das Dunkel zurücktrat. Man braucht indessen nur, um das zu verstehen, mit der Bahn von Roßtal nach Nürnberg zu fahren, um mit einem Blick auf die Verschiedenheit der Landschaft zu begreifen, daß das so kommen mußte: Hier die Enge der Keuperlandschaft, dort der weite Talkessel mit Flüssen, mit dem beherrschenden Burgfelsen und dem Reichswald nach Osten. Immerhin waren die Folgen dieser kurzen Epoche für Roßtal nicht unbeträchtlich: die Größe der anfänglichen Planung wirkte irgendwie weiter und so steht heute ein Bau vor uns, dessen Ausmaße über die einer Dorfkirche weit hinausgehen. Was uns zusagt und behagt, ist der riesenhafte Zuschnitt der Wände und Dächer dieses Bauwerks, ist das unbekümmerte Nebeneinander der verschiedenartigen Fenster- und Türöffnungen aus dem 11., 14. und 15. Jahrhundert, die aus einer schweren mit schrägen Strebenpfeilern gestützten Sandsteinmauer herausgeschnitten sind. Imponierend, vor allem von den nördlichen und südlichen Anhöhen aus sind allein schon die Hauptmassen, wobei daran zu erinnern wäre, daß die Gesamtlänge gleich der Turmhöhe ist (rund 52 m). Aber auch wer den harmonischen Zusammenklang von Kirche und Pfarrhaus von den verschiedenen Standpunkten im Friedhof studiert, empfindet das Nebeneinander dieser einzigartigen Baumassen als ein besonderes Erlebnis.

Der Turm ist der Stolz der Roßtaler, mit Recht, denn er steht da als ein Bild und Symbol unbeugsamer Festigkeit. Seine ursprüngliche Form, jetzt noch an der Wand des Ölbergs als Rest eines gemalten Hintergrunds zu erkennen, war ein besonders Beispiel eines sog. Fünfknopfturmes: wie in Bruck oder Dietenhofen ein hoher Helm mit vier Ecktürmchen. Im Jahre 1769 wurden die Ecktürmchen aus Sicherheitsgründen entfernt und statt des spitzen Helmes die heutige Kuppel mit Laterne aufgesetzt. Zu den weiteren Bauteilen des Kirchenkomplexes gehört dann der Chor der Kirche, wie der Turm im ersten Jahrzehnt nach 1400 erbaut. Der Chor ist an allen alten Kirchenbauten die Stelle der höchsten Weihe und Feierlichkeit. In der Reihung der schlanken Riesenfenster, deren Pfeiler sich in dem kühnen Gewölbe zusammenschließen, erscheint eine jenseitige Welt angedeutet und vorgeformt, nicht umsonst ist der Chorraum der Ort der sakramentalen Handlung.

Das baugeschichtlich stärkste Interesse gehört der Krypta unter dem Ostteil des Schiffs. Als zeitlich und räumlich nächste Verwandte hat die genau datierbare Krypta in Unterregenbach bei Langenburg an der Jagst zu gelten. Die Ähnlichkeit der baulichen Einzelheiten (der Säulenfüße und Kapitelle) berechtigt zu dem Schluß, daß die Roßtaler Krypta ebenfalls im 4. Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts entstanden sein muß. Ein Besuch der Krypta, die vom Kirchenschiff aus leicht zugänglich ist, sollte nicht übergangen werden. Wer die kühle Halle der bäuerlich-altertümlichen Kirche durchschritten hat, ist vorbereitet, um in die Tiefe dieser unterirdischen Halle, die von dreimal vier Pfeilern getragen ist, hinabzusteigen. Der Ungeübte ist nun leicht geneigt, die Bauformen primitiv zu finden, beim genaueren Hinsehen erweist sich aber, daß der Steinmetz Kapitell (eine abgestumpfte Pyramide) wie Basis (viereckige Platte mit Schräge) und Schaft genau und mit Sorgfalt durchgeformt hat. (Die Pfeiler sind keineswegs ohne Kapitelle, wie es Rohn dargestellt hat.) Auch die Wölbungen, obwohl als Brockenmauerwerk, d. h. ohne den Aufwand der Pfeiler ausgeführt, erweisen sich als Gewölbetonnen, die viermal auf die nördlichen und südlichen Außenwände zuführen und die sich mit fünf etwas niedrigeren Quertonnen, die deshalb als Stichkappen zu gelten haben, durchdringen. Dieser Sachverhalt ist hier etwas näher beschrieben, um dem ersten täuschenden Eindruck zu widersprechen, als handle es sich um ein etwas primitives bauliches Tun ohne höhere Gesetzmäßigkeit und Ordnung. Man hätte auch zu bedenken, daß die Zeit um die Jahrhundertmitte eine Blütezeit der deutschen Baukunst war, in welcher Dome wie der zu Speyer oder zu Würzburg entstanden. Es ist keineswegs erwiesen, ob die Roßtaler Krypta von Anfang an als Krypta, als Unterkirche angelegt wurde, wenn es auch wahrscheinlich ist, wobei man zu bedenken hat, daß sich der Friedhofboden im Zeitraum eines Jahrtausends leicht um einen Meter hat heben können, so daß die Fenster der Halle anfänglich ins Freie gingen. Jedenfalls ist gerade die Roßtaler Krypta der Ort, wo die Zeit stillgestanden ist, wo man das Abseits von der Hast und Unruhe des Daseins als eine Wohltat empfindet. Den empfänglichen Besucher umhüllt die Stille der vergangenen Jahrhunderte und er ahnt etwas von der Andacht, mit der längst versunkene Geschlechter hier geweilt und gebetet haben. Nimmt man hinzu, daß unsere Krypta auch als Grablege der adligen Familien gedient hat, daß sie einmal eine Stätte des Todes gewesen ist, so kommt man dem eigentümlichen Zauber dieses Raumes näher. Die Würde (ich sage nicht die Schönheit) des Raumes enthüllt sich dem, der wie bei Kirchenräumen überhaupt, in die Richtung der Achsen blickt, während der interessantere Blick in der Diagonale des Raums, beim vielfältigen Hintereinander der Pfeiler und der Gewölbelinien sich darbietet. An unseren Bildern ist beides gut zu sehen. Man sieht aber an den Bildern noch etwas anderes: Die Wölbung geht ohne merklichen Übergang in die Pfeiler über, die einhüllende Gebärde leitet sich ohne Unterbrechung bis zum Boden, auf dem der Pfeiler mit schön geformter Platte aufsitzt, das Bergende und Umhüllende, das Grabhafte dieser Wölbung wird fühlbar und das Gefühl der Abgeschiedenheit, des Todes und der Stille wird nicht unterbrochen durch scharfe und deutliche Akzentuierungen, ein Gedanke durchwaltet das Ganze und bestimmt die Auswahl der Einzelformen, der Gedanke an Tod und jenseitige Welt.

Das Roßtaler Pfarrhaus steht am Nordwestrand der alten Befestigung, man kann sagen, es sitzt auf deren Nordwestecke auf. Daß es überhaupt noch da ist, ohne im Verlauf seiner etwa 550jährigen Geschichte nicht dem Feuer oder irgendwelchen Kriegsunfällen zum Opfer gefallen zu sein, mag als ein wahres Wunder erscheinen, wenn man bedenkt, daß sonst aus dem Mittelalter an Wohnbauten fast nichts mehr steht, nicht nur in Roßtal. Die alte Zehntscheune haben die Roßtaler im Jahre 1886 selbst abgebrochen, über ihr Aussehen ist nichts überliefert, offenbar ist ihre Nutzbarkeit fraglich geworden. Um so wichtiger ist die Erhaltung des Pfarrhauses, das 1410 erstmalig genannt wird und nach seinen stilistischen und baulichen Merkmalen in das späte Mittelalter gehört. Somit zählt es zu den ganz wenigen Fachwerkbauten aus dieser Zeit, nicht nur in Franken, sondern im ganzen Bundesgebiet. Zwar ist das Haus vielfach umgeändert worden: z. B. wurde die ganze Südwand des Obergeschosses ausgewechselt, an Stelle des Halbwalms am Ostgiebel wurde der Giebel bis zum Dachfirst ergänzt, die Fenster im Obergeschoß wurden vergrößert, so daß die urspüngliche alemannische Fachwerkform nur noch teilweise erkennbar ist, sodann wurde die Eingangshalle im Erdgeschoß samt Eingangstüre verändert und verlegt und die große Querdiele im Obergeschoß durch Einbau von Zimmern verringert usw., trotzdem bleibt der Eindruck des Ganzen gerade für uns, die wir gewohnt sind, uns mit Mindestausmaßen zu begnügen, der einer mächtigen und verschwenderischen Schlichtheit und wie Kirche mit Turm und Krypta als Zeugnisse einer vergangenen, einer kraftvolleren Gesinnung uns aufbewahrt wurden, so ist auch das Pfarrhaus ein Zeichen dafür, daß die schöpferischen Generationen unserer Geschichte lieber unbequem aber großartig, statt komfortabel aber armselig gelebt und gewohnt haben. Der kraftvolle Geist des Hauses offenbart sich schon auf den ersten Blick in den Umrissen an der Giebelseite wie an der Längsseite und eine genaue Messung hat ergeben, daß ähnlich wie bei der Kirche Höhe und Länge des Bauwerks einander gleich sind. Indessen, trotz aller Veränderungen wirkt das Bauwerk immer noch wie aus einem Guß und hat von seiner urtümlichen Wucht nichts eingebüßt.

Als drittes Bauwerk in dieser ehrwürdigen Reihe ist die Pfarrscheune zu nennen. Sie ist wenig bekannt und kaum beachtet. Man entsinnt sich ihrer höchstens dann, wenn man wieder einmal sich mit dem Gedanken trägt, sie abzubrechen, um Platz zu gewinnen für wichtigere Bauten, für eine Erweiterung des Friedhofs oder für ähnliche Bedürfnisse. Als gewiß kann gelten, daß die Scheune aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg stammt und so in einem allgemeinen Sinn noch zum Mittelalter zu rechnen ist. Zu beachten ist, daß das Bauwerk außerhalb des alten Festungsbezirks, aber im aufgefüllten Festungsgraben liegt, der im Geländeprofil des Pfarrgartens noch anklingt. Die Scheune war ursprünglich kürzer, die Erweiterung nach Süden ist an den zwei Eckpfosten der Westseite leicht erkennbar, das neue Dach ist aber nicht als Walm, sondern nur noch als Halbwalm ausgeführt: Man bemerkt schon, so könnte man sagen, die Spuren des wirtschaftlichen Rechnens, welches die große einfache Urform des Walmdaches verdrängt hat. Und hier sei kurz erklärt, weshalb Bauwerke wie diese Pfarrscheune oder auch das Pfarrhaus unser Interesse, unsere tiefere Anteilnahme so sehr beanspruchen dürfen, weshalb uns an der Erhaltung solcher Bauten, ja aller alten Bauten, so viel liegen sollte. Diese Bauten, so alt sie auch sein mögen, oder gerade wenn sie in fernsten Zeiten entstanden sind, sind doch Symbole und Bilder eines jugendlichen Geistes, der frei ist von dem besorgten Nützlichkeitsdenken des Alters, von der ängstlichen Berechnung ermüdeter Zeiten, die mit ihren Kräften sparsam umzugehen haben, die bei allem Bauen an nichts anderes denken als an die Rentabilität, Bilder eines jugendlichen Geistes also, der frei ist von der Gesinnung unserer Zeit. Es sind nicht mechanisch errechnete, sondern von einem lebendigen Handwerk und von der Einfalt ursprünglicher Zeiten geformte Baugestalten. Diese Formenwelt spricht etwas im Betrachter an, sie erweckt etwas in ihm, was sonst unangesprochen und ungeweckt bliebe, was sonst abzusterben bestimmt wäre, anders ausgedrückt, wir erhalten und bewahren mit ihnen eine durch nichts zu ersetzende Seite unserer eigenen seelischen Natur. Es ist das, was man die Freiheit der Seele und des seelischen Atemholens nennen könnte, was in dem altertümlichen Bezirk des Friedhofs und der ehemaligen Festung zu verspüren ist. Das mag verstehen, wer ein Organ dafür besitzt, das mag belächeln, wer nur noch auf Maschinen und Motorräder reagiert, aber hier, an der Stätte echten Lebens mußte wenigstens andeutungsweise davon die Rede sein.

Wer im Friedhofsbezirk sich ergeht, der gewahrt auf allen Seiten Reste der alten Festungsmauer, sorgfältig geschichtetes Quadermauerwerk, teilweise mit Buckelquadern, aber ohne den Laufgang, der ehedem die Mauer bekrönte. Die Lage des Friedhofs inmitten der verhältnismäßig eng gebauten Ortschaft hatte zur Folge, daß die umliegenden Häuser nah an die Friedhofgrenze gebaut wurden und daß an diesen Stellen die alte Festungsmauer zum Teil abgebrochen werden mußte. Doch gehören die dort entstandenen Bauwerke zur ältesten Roßtaler Bebauung. Zu nennen sind am östlichen Eingang das zweite Pfarrhaus, in Sandstein und (im Obergeschoß) in Fachwerk ausgeführt (an der Westwand die Jahreszahl 1538), ferner das danebenliegende Mesnerhaus (ehemals Schulhaus) in der gleichen Ausführung, sowie die altertümliche Halbwalmscheune neben dem zweiten Pfarrhaus. An der Westgrenze des Friedhofs, nahe dem nordwestlichen Ausgang, erinnert die Frohnfeste mit ihren noch erhaltenen vier Lochgefängnissen, an die alte Roßtaler Gerichtsbarkeit. Man sieht, der Schwerpunkt des Ortes mit dem Friedhof ist größtenteils umstellt von den Bauwerken, die dem Zugriff und der Willkür der privaten Interessen entzogen waren, so daß sich Geist und Gesicht der alten Zeit bis auf den heutigen Tag haben erhalten können. Allen Freunden des alten Roßtal und ihrer Roßtaler Heimat sollte aber klar sein, daß mit den alten Bauwerken auch das verschwinden müßte, was man Liebe zur Heimat nennt, denn Heimat ist nichts anderes als die von den Ahnen erbaute Welt, an die sich die liebende Erinnerung knüpft, in der die segenspenden Ahnengeister sich regen, oder, wie man ehedem zu sagen gewohnt war, wo es „umgeht“. Die Verbundenheit mit den Toten, mit den Ahnen, die Dankbarkeit und Pietät zu ihnen gehören zu den Grundlagen aller Kultur.

Wer den Friedhof nordwärts verläßt, um den zweiten Schwerpunkt des Ortes, den Marktplatz, aufzusuchen, hat durch das Tor des Glockentürmchens zu gehen, das offenbar ein Teil der alten Friedhofbefestigung war (Jahreszahl 1494) und heute als ein malerisches Motiv im eigentlichen Wortsinn das Auge erfreut, zudem ein guter maßstäblicher Hinweis auf den großen Kirchturm.

Der Marktplatz, als Versammlungs- und Festplatz im weltlichen Jahreslauf höchst geeignet, enthält wertvolle Alt-Roßtaler Bauwerke, die gleich den Bauten um die Kirche, dem altfränkischen Charakter des Ortes zugute kommen. Wenn auch hier nur das erwähnt werden soll, was ohne geschichtlichen Hinweis zu verstehen ist, so wären das Schloß, die Fachwerkhäuser und der alte Ziehbrunnen zu nennen.

Das Schloß (der alte Burgstall), ehemals Sitz der burggräflichen und markgräflichen Amtsleute, ist ausgezeichnet durch seine Lage am abschüssigen Berghang und nur gegen Südwesten (heute) mit dem Markt verbunden. Wie andere Alt-Roßtaler Häuser ist es erdgeschossig massiv ummauert und darüber mit Fachwerk versehen und bildet im Ortsbild von allen Seiten einen augenfälligen Blickpunkt. Dabei entspricht das Innere durchaus dem, was man von außen erwartet: eine weiträumige Halle empfängt den Besucher, der durch das große Einfahrtstor das Haus betritt.

Der Marktplatz ist von Fachwerkhäusern verschiedenster Größe umstellt, dabei ist es durchaus bezeichnend, daß die Gasthäuser ihrem alten sozialen Rang gemäß, sich durch ihre Größe und die stolze Form ihrer Giebel auszeichnen (Fischhaber, Sonnenwirt, Kandel, außerdem die Bäckerei Insenhöfer mit reichem Fachwerk). Was jedem Besucher Roßtals in die Augen fällt, das sind die beiden Ziehbrunnen, deren einer am Markt, der andere am ersten Pfarrhaus steht: derbe Holzgerüste mit schlichtem Satteldach zum Schutze der Brunnen und für die Befestigung der Rolle des Brunnenseils. Der Brunnen am Pfarrhaus stützt sich mit einem Eckpfosten auf ein architektonisches Werkstück (Kapitell), dessen Herkunft aus dem ersten romanischen Kirchenbau vermutet werden kann.

Am Schluß darf nicht übergangen werden, welchen Beitrag Roßtal auch zur letzten Epoche bäuerlicher Baukunst geleistet hat. Es sind die Häuser, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts, (etwa 1840–1860) traditionssicher und mit großer handwerklicher und formaler Sorgfalt gebaut worden sind und keine geringere Beachtung verdienen, als die alten Fachwerkhäuser. Sie im einzelnen zu nennen würde zu weit führen; sie sind ausgezeichnet durch die schöne Regelmäßigkeit des Quadermauerwerks, der Fenster und Türöffnungen, durch die hübschen Beschriftungen des Haustürsturzes mit Namen und Jahreszahlen, im Innern durch wohlproportionierte Räume und wenn als Beispiel dafür das Gasthaus Eckert genannt wird, so deshalb, weil hier auch die Wirtsstube ein ausgezeichnetes Muster einer solchen Stube darstellt, die mit ihrer originellen Holzausstattung es wohl verdiente, erhalten zu bleiben, etwa durch die Ausbesserungsbemühungen eines taktvollen Schreiners.

Roßtals tausendjährige Geschichte spiegelt sich, wie es nicht anders sein kann, auch in dem gebauten Bild des Ortes. Dieses Bild redet zu uns, leise und doch eindringlich, mit Worten des Stolzes, der Kraft, der Ruhe, mit einer Gesinnung, die über den Augenblick hinweg stets auf das Dauernde, auf das Bleibende gerichtet war. Möge das eine Mahnung sein, daß wir uns nicht allzu gedankenlos dem Augenblick und der Mode ergeben, sondern einer Gesinnung treu bleiben, die man immer wieder und in besonderem Maße als eine fränkische gerühmt hat.

Gottlieb Schwemmer