Festschrift zur Tausendjahrfeier

Die Gemeindeordnung von 1580

Das von den Siedlern in der Rodungszeit der Wildnis abgerungene Land wurde zur weiteren Nutzung verteilt. Größere Teile der Markung aber blieben Gemeinbesitz. Daran hatte jeder Anteil, zuerst zu gleichen Teilen, doch später wurden die einzelnen Teile wieder zerlegt. Die Zeit schritt weiter und die Bevölkerung vermehrte sich. Lange Zeit hatten die überzähligen immer noch die Möglichkeit, sich vom Grundherrn neues Rodungsland zuweisen zu lassen. Als dieses erschöpft war, begann das Teilen der ursprünglich sehr umfangreichen Höfe. Ein solcher Urhof mit 150 bis 200 Tagwerk blieb bis 1804 erhalten. Es war der Schwalbenhof, der in der ersten Besiedlungszeit dem Pfarrer als Besoldungsgrundlage beigegeben war (Pfarrwiddum). Die übrigen Urhöfe aber sind im Laufe der vielen Generationen vollständig aufgesplittert worden. Es soll an anderer Stelle versucht werden, ihre ursprüngliche Lage und Größe durch die Häuser- und Siedlungsforschung zu erfahren, wobei der Besitzzugehörigkeit jedes einzelnen Grundstückes im Verlaufe der Jahrhunderte nachgegangen wird.

Neben diesen Urhöfen aber blieb ein großer Teil des erschlossenen Landes gemeinsamer Besitz. Hieran hatte jeder ein Anteilrecht. Es handelte sich in der Hauptsache um Weideland und Waldgebiete. Die Viehzucht wurde gemeinsam betrieben. Die Hirten (Pferde-, Kuh- und Schweinehirten) waren Angestellte aller Viehhalter und Bauern der bäuerlichen Genossenschaft, die man „Gemein“ nannte.

Aus der Natur der Sache versteht sich ganz von seihst, daß Nichtbauern, also reine Handwerker, Wirte, Beamte, Pfarrer ohne Bauernhof und auch die Taglöhner und Landarbeiter, außerhalb der Gemein standen. Die Gemeinde war für den Bauernstand das gleiche, wie für den Handwerker seine Zunft. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Vermeidung von Streitigkeiten errichtete man Satzungen, für deren Einhaltung man sich unter landesherrlichen Schutz stellte. In frühester Zeit genügte die mündliche Überlieferung, doch wurde nun deren schriftliche Festlegung notwendig. Man wandte sich an die Obrigkeit mit der Bitte, die Angelegenheit zu regeln, wie dies aus der Einleitung ersichtlich ist.

Diese lautet:

„Ordnung der Gmain im Dorf und Flecken Rosstall, aufgericht durch Herrn Richter, Bürgermeister und Gemaindt daselbst, den 5. März 1580.“
„Demnach nun viel Jahr in der Gemeind zu Rosstall große Unordnung den gemeinen Nutz betreffend, eingerissen, also daß schier ein jeder Innwohner des Fleckens, reich oder arm, Bauer oder Köbler, sowohl als auch die Beständner und einzelne Beständerinen ihres Gefallen gelebt, den gemeindlichen Nutz merklich zuwider gehandelt ... auf Befehl des edelen und ehrenfesten Georg Wolfen von Gich, Amtmann zu Cadolzburg ...“

Die einzelnen Punkte dieser Ordnung besagen kurzgefaßt folgendes:

  1. Schutz des Gemeinwohles ist Pflicht jedes Gemeindegliedes; wer Rechtsbrecher nicht anzeigt, muß  Gldn. Strafe zahlen.
  2. Wenn die Gemeinde „zusammenbeut“ oder mit dem kleinen Glöcklein geläutet wird und jemand mutwillig ohne „Leibesnot oder Herrengeschäft“ ausbleibt oder wer schon anwesend war und ohne Erlaubnis des Richters oder Gemeindbürgermeisters sich entfernt, zahlt ebenfalls  Gulden.
  3. Wer in der Gemeindeversammlung Hader, Zank oder Aufruhr und „Widerwillen“ anfängt oder einen andern „freventlich lügen heißt“ oder „irgend eine Wehr oder Kandel zuckt“, d. h. nach dem Messer greift oder den Maßkrug zum Wurf erhebt, zahlt 10 Gulden Buße.
  4. Beim Sturmläuten, ob Tag oder Nacht, muß sich jeder auf den Kirchhof begeben und des Richters Bescheid abwarten. Auch die Beihilfepflicht wird erwähnt, d. h. „wer auf den Feldern jemand einen bewältigen, beschädigen oder berauben sieht, soll alsbald ein Geschrei machen und Anzeige tun“. Bei Verstoß 10 Pfund Strafe.
  5. Wenn jemand Gemeindeland gegen Zins in Nutzung hat (Pacht) und dieses verwahrt oder einzäunt und ein anderer beschädigt den Zaun, so ist er einer Strafe von 1 Ort verfallen (1 Ort =  Gulden).
  6. In den Gemeindehölzern, Espan usw. „darauf sich das Viehe das ganze Jahr nährt“, darf niemand „außer der Hirte“ hüten, dem jeder das Vieh rechtzeitig zuzutreiben hat. Auch darf dort niemand grasen oder anderen Schaden tun.
  7. Bestraft wird auch, wer zum Roß- oder Ochsenhüten (= Stier) eine „liederliche, hinlässige und säumige Person“ nimmt, wodurch Gefahr für die Allgemeinheit entsteht.
  8. Die Espanwässerung darf nicht beschädigt werden.
  9. Holz- und Streutragen ist nur mittwochs gestattet. Bestraft wird durch die Gemeinde auch kleiner Holzfrevel im Gemeindewald; hingegen fällt Holzdiebstahl, d. h. Abfahren von Holz auf Wagen, schon unter die landesherrliche Gerichtsbarkeit.
  10. Dieser Abschnitt ist besonders interessant, da er eine Art der Bestrafung enthält, die man sonst weit und breit nicht antrifft und die zeigt, daß die alten Roßtaler auch eine Portion Humor hatten.
    Zuerst wird angeführt, daß das Gemeindeobst auf den Feldbäumen „ehe es reif ist, weder durch Schlagen noch durch Würfe angegriffen werden darf“. Derjenige, der es bei der Versteigerung erworben hat, darf es auch nur in der Zeit vom Morgengebetläuten bis zum Abendgebetläuten ernten. Der Artikel lautet dann weiter:
    „und weil dem gemeinen Mann am Getreid, wo es Überhang hat, von alten und jungen Gesind, großer Schad geschieht und das lieb Getreit jämmerlich zertreten wird, soll derwegen hinfüro ein Korb über die Huel (ein Weiher auf der Kappel, in dem sich die Schweine suhlten) aufgericht und gemacht werden, daß wo einer jung oder alt, Manns- oder Weibsperson, dem lieben Getreit Schaden zufügt oder in einem Garten, Kraut- oder Rübenacker ergriffen wird, der soll eines Pfennigs Brod erhalten und in den Korb gesetzt werden und ihm ferner weder Essen noch zu Trinken gereicht werden, bis er selbst aus dem Korb springt und sich sauber gebadet hat.“
    Die Gemeinde beschließt ferner, daß Überhangbäume besonders vermarkt werden müssen.
  11. Bestimmungen über die Ochsenwiese (= Wiese für den Stierhalter), welche Wechselwiese genannt wird, da sie reihum genutzt wird.
  12. Der Kasten im Badbrunnen, „darin man das Trinkwasser abfüllet“, wird ebenfalls unter gemeindlichen Schutz genommen. Keine Wäscherin darf ihre Wäsche, ob reine oder unreine, dort hineintun und auch „kein Kind die Röhren, wie es geschehen, beschmeißen“.
  13. Geißen (= Ziegen) dürfen auf Gemeindeland nicht gehütet werden, Gänse darf der Bauer drei, der Köbler zwei halten, außer junge Gänse, die man nur bis Jakobi aufzieht.
  14. Niemand darf über ein besamtes Feld fahren.
  15. Wer mit Sichel oder Stumpf fremden Wiesen oder Feldern Schaden zufügt, muß je nach der Schwere der Verfehlung mit Geldstrafe, „Gefängnis-Geigen“-Anlegen (Prangerstrafe) oder Korbsetzen büßen.
  16. Nach Eintreiben der Hirten soll jeder fleißig sein Vieh abholen, „wer es liederlich umherschleifen läßt“, soll zum Schaden (wenn den Tieren etwas zustößt) noch das Gespött haben.
  17. Wer zur Hirtenrechnung sein Vieh nicht richtig anzeigt, wird mit einem Gulden bestraft. (Nach der Kopfzahl des Viehes wurde der Beitrag zur Besoldung des Hirten berechnet.)
    Zum Schluß heißt es noch: Wer sich dem Einzug einer festgesetzten Strafe durch den Amtsknecht widersetzt, erhält sofort die doppelte Strafe angerechnet.

Diese Gemeindeordnung mußte, wie es gleich eingangs heißt, „alle Jahr am Sonntag nach Walpurgis“ oder wenn die erste Gemeinversammlung bzw. die Hirtenrechnung zusammen beraten werde, verlesen werden. Außerdem „so oft einer in diese Gemein 'zeucht', es sei Kaufs- oder Bestandtweise“, mußte ihm diese Ordnung „im Beisein des Herrn Richter, Bürgermeister in der Gemein und Gerichtsschreiber vorgelesen werden und an Eides Statt angelobt“.

Das Original dieser Gemeindeordnung wurde in der Sakristei der Kirche aufbewahrt und kam 1627 beim Kirchenbrand in den Flammen um. Man stellte diese daher neu auf und erweiterte sie in einigen Punkten. Auch für später liegen Ergänzungen vor.