Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Nachbarorte

Rings um Roßtal ist ein Kranz blühender Ortschaften, die alle seit vielen Jahrhunderten in innigen Beziehungen zu ihm stehen.

3 Kilometer südwestlich an der Bahnlinie nach Ansbach liegt in einem kleinen Tale der wohlhabend Ort Clarsbach, der seit Menschengedenken zur Kirche Roßtal, politisch aber zu Buchschwabach gehört.

Im Salbuch des Amtes Cadolzburg von 1464 2 wird für Clarspach ein Rwdell Vogt genannt, der von eynem hoff 1 rynischen gulden und 1 vaßnathune abzugeben hatte. Eine kurze Mitteilung über Clarsbach enthält auch das Sal- und Lagerbuch des Richteramts Roßstall von 1532.

Hans Steger. Cuntz Widtmann.
Gibt Jerlich der Herrschafft Faßnachthennen zue Faßnacht.
1 gulden Michaelis.

Solcher hoff ist vor Zeitten der Vogtey zue Clarspach eigen gewest, denn sie der Herrschafft wie obgemeltt, guldhaftig, vogtbar vnndt zue Lehen gemacht hatt, lautt der Herrschafft Brieffe, so die Inhaber bemeltes Hoffes haben, der allso lauttet, wie hernach folgett, … Ob dieser Hof mit dem sogenannten Freihof identisch ist, kann nicht festgestellt werden.

1648 war Clarsbach ein Weiler im Ansbachischen Fraischbezirk; mit 2 Untertanen gehörte der Ort zum Richteramt Roßtal, 5 waren nürnbergisch 3.

Südlich Clarsbach befindet sich in dessen nächster Nähe die Bahnstation Raitersaich. Dieser Ort wird 1801 als vermischter Ansbachischer und Nürnbergischer Weiler, 3 Stunden von Nürnberg gegen Kloster Heilsbrunn gelegen 4 bezeichnet. Schon 1532 gehörte Reiters Aich 5 zum Halsgericht Roßtal.

Anno 1464 6 haben die Gemein zue Reitersaig Ihrenn Gemeinhirten verclagt, Sonnstenn auch einander in Gemeinen Sachenn vnnd Frevelsachenn vielfeltig wie mit den (Roßtaler) Gerichtsbüchernn zu erweissenn.

3 Kilometer nordwestlich von Raitersaich liegt dort, wo sich das Raitersaicher und das Clarsbacher Tal vereinigen, das schmucke Dörfchen Wendsdorf. Die kleinen aber steilen Berge in seiner Nähe und die schönen Wälder verleihen ihm einen besonderen Reiz. Seinem Namen nach zu schließen war es ursprünglich eine wendische Ansiedlung, zumal auch Flurnamen in der Nähe von Clarsbach, z. B. die Wind, auf die gleiche Niederlassung hindeuten. Geschichtliche Aufzeichnungen über dieses Dorf sind spärlich vorhanden. 1464 hatten Eber, Hans Rwdolt, Vll Hemmerlein, Fritz Hemmerlein, Burkard Schwarz, Prenner und Mulner (Mühlenbesitzer?) von Wendsdorff zusammen folgende Abgaben zu leisten: 21 somerin korns, 11 somerin weyz, somerin Habern; 60 pfunt hallergelcz minus 20 pfenn. 7 diese für die damalige Zeit beträchtlichen Abgaben lassen auf Wohlhabenheit der Einwohner schließen. Um 1500 gehörte Wendsdorf, bezw. Wenßdorff zum Fraischgericht Roßtal 8; 1787 hatte es 8 Ansbachische Untertanen. Es gehörte also wie nur wenige Orte seiner Umgebung, ganz zum Markgrafentum Ansbach und hatte sich in einem Zeitraum von über 300 Jahren kaum vergrößert. Nach Aufzeichnungen aus dem Jahre 1735 9 war es mit noch 30 anderen Orten der Pfarrei Roßtal angegliedert; heute dagegen gehört es zur Pfarrei Bürglein.

Nördlich Roßtal sind die Orte Buttendorf, Neuses, Stöckach, Kernmühle, Weinzierlein.

Buttendorf 10 ist ein sehr alter Ort, nahe dem Bibertgrunde. Früher hatte er eine Burg, die den Herren von Puttendorf gehörte. Diese standen in regem Verkehr mit Heilsbronn; unter den 23 Zeugen, die bei Ausstellung des Stiftungsbriefes zum dortigen Kloster im Jahre 1132 anwesend waren, befinden sich auch die Herren Gernot und dessen Sohn Rudolph von Putendorf 11.

Außer diesen werden noch genannt 12

Erkenbertus I. von Buttendorf zu Buttendorf und Flüglingen, der Sohn Rudolphs (1180),

Erkenbertus II. von Buttendorf zu Buttendorf und Flüglingen (1235)

Erkenbertus III. von Buttendorf zu Buttendorf (1279), die vier Söhne des letzteren:

  1. Caspar († 1343)
  2. Ulrich (1313)
  3. Heinrich (besaß den Zehend zu Stöckach, Roßtall, Sichersdorff und Weyhersbrunn, ingleichen auch den Hof in Loch, dann einen zu Tiefendorff, Volkersdorff und Temersdorff) und
  4. Friedrich von Buttendorf in Neuhaus und Gimmersheim (1335)

Ulrich von Buttendorf zu Neuhauß und Gimmersheim, der Sohn Friederichs (1383, 1407, 1412), ferner die beiden Söhne Ulrichs von Buttendorf, Hanß von Buttendorf der Jüngere, Hochfürstl. Eichstättischer Pfleger zu Sandsee 1424,

Caspar von Buttendorf. Er stunde in Hochfürstl. Eichstädtischen Diensten an. 1420–1427. Gienge an. 1440 bey den Leichenbegängnis Herrn Churfürst Friedrichs von Brandenburg mit Herrn Jakoben von Wolfstein beym fünften Roß, siegelte an. 1452 mit seinem Vetter Herrn Georgen von Buttendorff (zu Alten Mur), ingleichen mit Herrn Wilhelm, Georgen Sixten und Hansen von Leonrod, ihren Vettern. Er † vermutlich als der Letzte seines Geschlechts, Schild und Helm ohne männliche Leibeserben und war 1436, auf den 26. Turnier in Stuttgard gegenwärtig.

Daß die Herren von Buttendorf vermögend waren, geht aus der Heilsbronner Klostergeschichte hervor. Unter Abt Petrus Wegel (1463 bis 1479) lieh ein Hans von Buttendorf dem Kloster (1464) 1200 fl. zu 5 %, für die damalige Zeit eine beträchtliche Summe. Der Gläubiger erhielt dieses Darlehen bald wieder zurück, jedoch mit Abzug von 50 fl., welche er zur Begehung seines dereinstigen Jahrestages dem Kloster schenkte. Ein Georg von Buttendorf 13 verkaufte 1430 Altenmuhr an Konrad von Lentersheim.

Grabplatte
Liegende Grabplatte mit dem Wappen Puttendorf
in der Klosterkirche zu Heilsbronn

Zwei alte Gruftsteine mit dem Wappen der Herren von Putendorf sind noch jetzt in der Ritterkapelle der Heilsbronner Kirche vorhanden. Die untere Hälfte des Wappens besteht aus einem Schild, der durch einen Balken quergeteilt ist. Ueber dem Schild ist ein Helm, der mit einem behalsbandeten Sperberkopf geschmückt ist.

Der Burgstall zu Buttendorf gehörte 1464 Hans Lederer. Das Salbuch des Amtes Cadolzburg aus dem genannten Jahr 14 enthält folgende Notiz: Hanns Lederer hat innen das Burgstall zu Puttendorff. Darvon gibt er jerlicher gulte nach inhaltung des briefs, den er darüber von der Herrschaft hat, 4 pfunt werung und 20 pfennig.

Aus dieser Zeit sind folgende Namen von Buttendorfern bekannt: Hermann Gocz, Concz Gleyß, Hanns Lederer, Fricz Schuster, Nelayn, Pfeffer, Christgan.

Ueber das dem heiligen Jakob geweihte Kirchlein ist recht wenig bekannt. Es ist klein und schmucklos. Auf dem Dachfirst befindet sich ein Türmchen mit einer Läutglocke und zwei kleinen schüsselförmigen Schlagglocken. In letzter Zeit ließ die opferfreudige Gemeinde ihr Bethaus erneuern und mit einer Uhr versehen.

Zur Zeit sind in Buttendorf jährlich fünf Gottesdienste; 1532 waren es deren nur zwei, am Sonntag nach Jakobi und am Tage Egidi 15

Um 1400 hatte der Ort einen Geistlichen und infolgedessen auch ein Pfarrhaus. Matthias Groß schreibt in seiner Landes- und Regenten-Historie, Seite 268 und 269: Anno 1414 machte der Herr Burggraf aus der Pfarr Langenzenn ein Collegium Canonicorum regularium Ordinsis S. Augustini.

Aus dem oben alligirten Fundations-brief erhellet, dass diese Durchlauchtigste Stiffter schon damahls eine Clösterliche Bruderschafft und Geistliches Capitul zwischen dem Closter und denen benachbarten Pfarrern angeordnet, welche jährlich an 2 gewißen Tagen zu Langenzenn im Closter zusammen kommnen, und von geistlichen Dingen sich unterreden mußten, und wurden folgende Pfarrer darzu gezogen: 1. Zu Roßstall, 2. Cadolzburg, 3. Zirndorff, 4. Ammerndorff, 5. Vinzenzenbron, 6. Bürgles, 7. Habersdorff, 8. Groß-Haßlach, 9. Emskirchen, 10. Frauen-Aurach, 11. Regelsbach, 12. Laubendorff, 13. Burg-Farrenbach, 14. Kirch-Farrenbach, 15. Fürth, 16. Fach, 17. Weissendorff, 18. Reuth, 19. Wilhelmsdorff und 20. zu Vestenberg; worzu noch folgende Frühmesser und Capläne kamen: 1. Zu Erlach, 2. Embskirchen, 3. Caplan zu Frauen-Aurach, 4. Frühmesser zu Puttendorff, 5. Roßendorff, 6. Habersdorff, 7. Zirndorff, 8. Retzelsdorff, 9. Raub-Burg, 10. Vestenberg und 11. Buschendorff.

Als Pfarrhaus wurde wahrscheinlich das jetzige Gemeindehaus verwendet. Hierfür spricht vor allem seine Lage in der Nähe des Kirchleins, seine alte Bauart, sein ziemlich großer Umfang und der herrliche, große Garten an demselben.

In der Gegenwart ist Buttendorf durch seinen umfangreichen Tabakanbau berühmt. Ende August sind fast sämtliche Gebäude und Zäune mit Tabakbandelieren behangen, damit der Tabak trocken wird.

Neuses, ein Weiler an der Bibert, gehörte um 1532 zum Halsgericht Roßtal. Es hat schon seit Jahrhunderten eine Mühle. Im Salbüchlein von 1692 findet sich folgende Aufzeichnung: Michael Siebenkeeß Müller zu Neuses bay Ammerndorf zinßet Jährlich zu Michaelis Vier Gulden Kayßerl. Wehrung Von einem Güttlein zu Neuses bey Amerndorf. Um 1769 hatte Neuses eine Glaß-Schleiff- und Polier-Mühle, welche dem Handelsmann Volckert von Fürth gehörte 16.

An die Zeit des 30jährigen Krieges erinnern zwei alte Gedenksteine. Eine Steinsäule am Wiesenweg nach Ammerndorf bezeichnet den Ort, an welchem der Roßtaler Kaplan König 1632 von Kroaten in Stücke gehauen, erschlagen wurde. Ein großes Steinkreuz in der Ortschaft, das als Wahrzeichen eine Pflugschar und ganz undeutlich eine Hirtenpeitsche hat, soll an einen Bauern erinnern, der nach dem 30jährigen Krieg von einem Hirten erschlagen wurde 17. 1787 hatte Neuses einen Ansbacher und neun fremde Untertanen.

Stöckach, um 1460 Stockeych, Eichenstock genannt, war vor 150 Jahren ein Weiler mit acht Anspacher Untertanen; die übrigen waren teuschtherrisch und gehörten in das Amt Virnsberg 18. Es liegt auf einer Anhöhe in nächster Nähe von Roßtal und ist deshalb schon von jeher eng mit ihm verbunden. Aus dem 15. Jahrhundert sind folgende Personennamen bekannt: Hanns Kwgler, Hans Eberlein, Schadmann, Jacob Haß, Burghart Hoffmann, Jacob Weyler 19.

1 Kilometer nördlich von Stöckach liegt an der Bibert die Kernmühle. Die älteste Nachricht über diese enthält das Salbuch des Amtes Cadolzburg (1464), Seite 153. Dort heißt es: Fricz Mulnerin besiczt die Gißübelsmul, die man yczunt haißt die Kernmul. Das Roßtaler Taufregister vom Jahr 1594 enthält unter Nr. 459 die Notiz: Hans Kern müller in der Kernmülle. Die Kernmühle hat also sehr wahrscheinlich ihren jetzigen Namen nach dem damaligen Besitzer Kern. Schon damals hatte der Müller in der Bibert das Fischereirecht. Im genannten Salbuch findet sich hierüber folgender Eintrag: Fricz Mulnerin hat auch ein ort wassers an der Pibert, davon sie wochenlich dynen soll nach inhalt beyder lantpucher eynes schillings haller der kurzen wert, fisch nach herngult; und gibt ye fur 1 schilling 7 pfennig werung zw diesen zeiten.

Die Unsicherheit in der ganzen Gegend während des 30jährigen Krieges beleuchtet folgende Niederschrift im Roßtaler Sterberegister vom Jahre 1635: Hans Kern, Müller uff der Kernmühle, wurde Montag 11. May von einem Reuter in der Mühl geschossen, hernach nach Rostall geführt, starb daselbst 12. May. Ehrlich zur Ruh bestattet, 13. May mit Concionate (Predigt).

Noch 1846 hatte die Kernmühle eine Branntweinbrennerei 20.

Auch Weinzierlein liegt an der Bibert. Früher hieß es Weinzürl, das bedeutet so viel als Winzer, Weinbauer. In dieser Gegend wurde im Mittelalter Wein gebaut. 1666 besaßen die Herren von Leonrodt einen Weingartten und Acker zue Weinzierl auf drey morgen 21. Ein Berg nordwestlich der Ortschaft heißt noch heute der Weinberg. Auch das herrliche Wappen der Weinzürl, wie es sich in dem kunstvollen Nürnberger Wappenbuch 22 vorfindet, deutet auf Weinbau hin.

Schafzucht wurde schon sehr frühe getrieben. Anno 1455 Habenn die Gemein zue Weinnzührl Schaaff gehalten, Alß sie aber strittig worden, Ist ertheilt, dass sie vnnter einander hüttenn, vnnd für einen Hürten treiben sollen 23.

Ueber das Fischwasser zu Weinzierlein findet sich im Salbuch des Amtes Cadolzburg 1464 folgende Notiz: Item ein vischwasser zw Weinczürl; das hat Concz Newpawer. Und gibt davon alle iar 8 maß grundeln und 4 schock krebs. Das newe lantpuch seczt 4 gulden vom vischwasser.

Der Preis von Landgütern im 15. Jahrhundert ist aus folgender Aufzeichnung ersichtlich. Anno 1477 wurde einn Gutt zue Weinzührl vmb 45 fl. verkauft 24. 1769 hatte Weinzierlein ebenso wie Neuses eine Glaß-Schleiff- und Poliermühle; diese gehörte dem Handelsmann Holzmann zu Schweinau 25.

Ueber das Unterrichtswesen sind ziemlich eingehende Aufzeichnungen vorhanden. In Weinzierlein errichtete der Scribent Clunz aus Haundorf 1781 eine Winkelschule. Das Richteramt Roßstall hatte ihn aber 4 Std. einsperren lassen und noch 1 fl. 35 Kr. Strafe auferlegt, weil er das vom Amt verlangte Schutzgeld nicht zahlte. Böckler von Weinzierlein, der ebenfalls die dortigen Kinder unterrichtete, wurde auf hochfürstlichen Konsistorialbefehl vom 2. Dezember 1791 wegen eines lügenhaften Memorials sofort entlassen und die Gemeinde Weinzierlein mit ihren dreizehn in das Ansbachische Richteramt Roßstall gehörigen und drei fremdherrischen Untertanen angewiesen, ihre Kinder nach Roßstall in die Schule zu schicken. Somit hatte die Winkelschule ihr Ende erreicht. Ueber 100 Jahre besuchten die Kinder von Weinzierlein die Schule in Roßtal, bis laut Minist.-Entschließg. vom 24. September 1896 durch Errichtung des Schulsprengels Wintersdorf, welcher die Orte Wintersdorf, Bonnamberg, Leichendorf und Weinzierlein umfaßt, die Kinder nach Wintersdorf umgeschult wurden.

Daß die Gegend bei Weinzierlein schon um Christi Geburt besiedelt war, bezeugen die Hünengräber im nahen Erlach, einem herrlichen Walde zwischen Weinzierlein, Stöckach, Kernmühle. Am östlichen Rande desselben, in der Nähe der Weinzierleiner Mühle, findet sich am Waldeingange ein Grabhügel, im Volksmunde Heidenhügel genannt. Nördlich davon, in der Nähe der Bibert, ist noch ein zweites, etwas flachere Hünengrab.

500 Meter südlich des Heidenhügels ist die Waldabteilung Humbserloch, die ihren Namen von der früher in Weinzierlein ansässigen Familie Humbser, jetzt in Fürth, hat 26.

Ein altes Steinkreuz an der Haltestelle der Biberttalbahn soll an einen Unglücksfall erinnern.

Zu erwähnen ist noch der sog. Doktors- oder Kochbrunnen im Gründchen oberhalb der Mühle. Das aus dem Boden dringende klare Wasser hält den grobkörnigen Grundsand beständig in wallender Bewegung. In früherer Zeit wurde dieser Brunnen als Heilquelle geschätzt, und wer nur einen Schluck Wassers davon trank, soll dadurch sein Leben um zehn Jahre verlängert haben. Heutzutage hat das Wasser seine heilende Wirkung verloren, es wird aber noch als Trinkwasser geschätzt.

Unweit der Station Roßtal liegt an der Bahnlinie nach Nürnberg das Filialkirchdorf Weitersdorf. Noch 1787 hatte es nur einen in das Ansbachische Richteramt Roßtal gehörigen Untertanen; die übrigen sechs waren nürnbergisch 27.

Das auf einer Anhöhe gelegene Kirchlein ist ziemlich klein; es war dem heiligen Aegidius geweiht. Auffallend sind einzelne bis über 1 Meter starke Mauerteile, ohne Zweifel die ältesten Mauern des Ortes. Die schwächeren Seitenteile des Kirchleins wurden zur Vergrößerung angebaut. 1819 wurde das baufällige Gotteshaus um 350 fl. auf Abbruch versteigert, jedoch 1828 von der Ortsgemeinde wieder hergestellt und am 6. September 1829 eingeweiht. 28. Im Jahre 1925 stiftete der derzeitige Ortsführer Fritz Förthner für das Bethaus eine gutgehende Uhr mit Schlagwerk.

Gottesdienste sind in Weitersdorf jährlich drei. Im 16. Jahrhundert waren es deren fünf, nemlich am Tag Nicolai, am Tage Petrii, am Tage Martini, am Tage Many (Emanuel?) Undt die Suntags Kirba ann Sontag nach Egydi 29.

Seit 1921 ist an der Vorderseite des Kirchleins zu Ehren der im Weltkrieg gefallenen Krieger des Ortes ein Denkmal angebracht. Es zeigt einen sterbenden Soldaten. Am Denkmalssockel befinden sich die Namen der Gefallenen. (Siehe Kriegerdenkmal Roßtal!)

Ueber die Herren von Weitersdorf schreibt Muck 30 folgendes: … Die Urkunden gedenken noch eines Pensionärs, welcher zur Zeit unseres Abts 31 in Heilsbronn starb und das Kloster beschenkte. Von dem Filialdorfe Weitersdorf in der Pfarrei Roßstall führte eine adelige Familie ihren Namen, die eine Grabstätte in Heilsbronn hatte. Laut Kaufbrief von 1370 kaufte Götz von Weitersdorf für seinen Sohn Heinrich eine Pfründe im Kloster und überließ diesem zum Unterhalt des Sohnes die Gefälle von zwei Gütlein in Mosbach mit der Bestimmung, daß nach dem Tode des Sohnes die Gefälle dem Kloster verbleiben sollten. Die Familie Weitersdorf besaß ferner von einem Gute in Altendettelsau Gefälle, welche das Kloster für 49 Pfund Heller kaufte. Drei Jahre darauf (1373) verkaufte Heinrich von Weitersdorf, Richter zu Abenberg, drei Tagwerk Wiesen in Brühl bei Untereschenbach an das Kloster. Ein Peter von Weitersdorf verkaufte i. J. 1410 Grundgefälle in Ammerndorf an das Kloster, indem er urkundlich erklärte: Ich Peter Weitersdorf, zu Amalratdorf gesessen, und Margareta meine eheliche Wirtin bekennen, daß wir verkauft haben herrn Berchtold, Abt (1386–1413), und dem Konvent zu Halsbrunn 8 Pfund ewiger Gült von einen Gütlein zu Amalratdorf, da der Rot auf saß und dem Kloster eigen ist. Darob haben sie uns geben 30 Gulden …. Gegeben Montag nach St. Jakobsstag 1410. Bezüglich eines in Heilsbronn begrabenen Johann Weitersdorfer verausgabt der Subcellarius im Jahr 1418 20 Talente ad exequias domini Johannis Weitersdorffer, und im Jahr 1430 vier Talente pro lapide ad sepulchrum Johannis de Weytersdorff. Zeuge eines in Heilsbronn (bei Nr. 107) noch vorhandenen Todtenschildes führte die Familie in ihrem Wappen einen Stiefel mit einer Krone 32. Bei den Aufgrabungen im Jahre 1853 fand sich in der Ritterkapelle dieses Wappen auf einem Stein, jetzt bei Nr. 32, ohne Zweifel der erwähnte Leichenstein von 1430. Weder auf diesem Steine, noch auf jenem Todtenschilde findet sich eine Schrift.

Wappen >Weitersdorf
Wappen Weitersdorf in der Klosterkirche zu Heilsbronn

Auf der Ortsflur Weitersdorf stand in der Marter an dem Acker Plan Nr. 112 ein Steinkreuz. Der Volksmund erzählt hierüber, daß sich auf dem Acker zwei Schnitter zu tot schnitten, d. h. sich beim Schneiden des Getreides mit der Sichel so sehr hetzten, daß sie, vom Schlage gerührt, tot umfielen. Jetzt ist das Kreuz zu einem Wegweiser zurechtgehauen, der an der Gabelung des Weges Weitersdorf–Lind bzw. Weinzierlein steht.

Ein zweites Steinkreuz war noch vor wenigen Jahrzehnten an dem Kreuzweg Roßtal–Sichersdorf, Weitersdorf–Kastenreuth. Gegenwärtig befindet sich dort nur eine Steinsäule als Wegweiser.

Der südliche Teil des Ortschaftskranzes um Roßtal wird durch die Orte Kastenreuth, Oedenreuth, Großweißmannsdorf, Regelsbach, Defersdorf, Buchschwabach und Trettendorf gebildet.

Kastenreuth, früher Gereut, Castnersreuth, auch Großreuth genannt, ist ein Weiler mit sieben Wohnhäusern. Alle vier Bezeichnungen enthalten die Silbe Reut, die auch in den Namen vieler anderer Ortschaften vorkommt. Schmeller 33 erklärt diese folgendermaßen: Das Reut, der ausgereutete Platz. Reuter machen, das Holz abstocken, mit Getreide besäen und nach zweimaliger Ernte wieder zu Holz liegen lassen. Reutstädte.

Das Salbuch des Amtes Cadolzburg vom Jahre 1464 enthält folgende kurze Aufzeichnung: Gerewt (Kastenreuth). Hans Prew gibt alle jar 6 pfunt hallergelts, 2 Herbsthoner und 2 vaßnathöner 34.

1787 hatte Castenreuth ebenso wie damals Clarsbach zwei anspachische und fünf fremde Unterthanen und gehörte in das Fraischamt Roßtal.

15 Minuten von Kastenreuth entfernt liegt Oedenreuth, welches um 1700 Ebenreuth und vorher Kleinreuth hieß. Es hat ein Schlößlein mit einem sehr großen, schönen Hausgarten. Bemerkenswert sind die alten Schlösser an den Zimmertüren. Neben dem genannten Gebäude steht eine Scheune, die noch Spuren eines Herrschaftshauses aufweist. An ihren Wänden befinden sich Ueberreste schöner Bilder.

Das Gut Oedenreuth gehörte bis ins 19. Jahrhundert hinein zum Bistum Bamberg und war von Kreßischer Herrensitz. Ein Lehensbrief für Balthasar Christoph Kreß zu Nürnberg über das Gut Ebenreuth aus dem Jahre 1741 nennt den Besitzer und beschreibt dasselbe näher 35. Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Carl, Bischoff zu Bamberg und Würzburg, des Heil. Röm. Reichs Fürst, Herzog von Franken
Bekennen und Thun kund öffentlich an diesen Brief, daß Wir Unserm Lieben Getreuen Balthasar Christoph Kreß zu Nürnberg zu rechten Zinnßlehen geliehen haben Zwey Güter zu Kleinreuth, jetzt Oeden- oder Ebenreuth genannt, bey Rostall gelegen, darauß der Zeit Ein Guth gemacht und folgender gestallten bebauet und eingerichet ist, Nehmlich mit einem Herrnhauß, Gesindhauß, Roß- und Rindviehe Stallung, dann ein Gärthners Häußlein und zwey Städeln …
(Es folgen noch einige Gütlein. R.)

Um 1700 waren die Herren von Lemp in Ebenreuth begütert. Das Salbuch über den freiadeligen Sitz zu Roßtal, angefangen 1692, enthält folgende Notiz 36:

Herr Johann Christoph von Lemp uf Ebenreuth in Nürnberg zinßet Jährlich zu Michaelis dreyßig Kreutzer statt Zweyer Fastnacht Hennen Von Vier Morgen Holz Egerten auf dem Sand zwischen Weißmannsdorf, Ebenreuth und Defersdorf. NB. Johann Wilhelm, Septimus Anderas, Anna Margaretha, Sophia Ursula und Anna Maria von Lemp, Gebrüdern und Schwestern auf Ebenreuth zu Nürnberg sind mit obbemelten Holz auff erfolgtes absterben Ihres Vaters den 1. Martii Ao. 1711 Belehnt …

In Fraischsachen gehörte der Weiler Oedenreuth zum Richteramte Roßtal; für leichtere Vergehen war letzteres nicht zuständig, was folgendes Vorkommnis beweist.

Am 21. September 1781 ließ der hochfürstl. onolzb. Lehenskommissar und Amtsrichter Joh. Samuel Model zu Roßtal wegen Obstentwendung durch den Amtknecht in Oedenreuth eine Haussuchung vornehmen. Dies wurde schon am 22. September 1781 durch Christoph Jacob Kreß von Kreßenstein an Herrn Hanauer, Hochfürstl. Bamberg. Hochbetrauten Geheimbten Rath und Lehen-Probsten in Bamberg berichtet. Wegen dieses Roßstallischen Attentato ging dem Richter Model ein Schreiben zu, in welchem das Attentatum als unnachbarlich und widerrechtliches Zudringen bezeichnet und dagegen feierlichst protestiert wird 37.

Eine Aufzeichnung im Roßtaler Sterberegister von 1676 (Nr. 9) läßt erkennen, wie unsicher es noch jahrzehntelang nach dem 30jährigen Krieg in unserer Gegend war. Dort heißt es: Georg Rohleder, Burger und Mezger zu Niernberg, der von 5 Kaiserl. Soldaten erschossen worden, bey Oedenreuth, den 22. Februar.

Großweißmannsdorf, 1464 Weyßmannstorff 38, war 1648 ein weyler in der Hauptmannschafft Buchschwabach, zwischen Nürnberg und Hailsbronn, auf der Straßen, 2 meil von Nürnberg, Marggr. Obrigkeit, Regelspacher Pfarr. 39.

Heute ist es ein ansehnlicher Schulort. Zum Schulsprengel Großweißmannsdorf, der 1884 gebildet wurde, gehören noch die Orte Sichersdorf, Ober- und Unterbüchlein. Die Schulgemeinde erbaute das sehr zweckmäßige Schulhaus hauptsächlich aus eigenen Mitteln. Das Türmchen auf dem Schulhaus nebst Uhr wurde durch freiwillige Beiträge hergestellt.

Lehrer: 1884–1898 Wilhelm Strobel,
1898–1906 Ernst Ruttmann,
1906–1915 Christian Treuheit,
seit 1.5.1915 Heinrich Schmidt.

Seit Herbst 1927 ist am östlichen Ortsausgang ein Friedhof angelegt, der mit einem stattlichen Leichenhaus versehen ist. Grund und Boden stellte Herr Gastwirt Fritz Höfler unentgeltlich zur Verfügung; die Baulasten übernahm die Bevölkerung der Schulsprengelorte freiwillig.

Um 1600 war in Weißmannsdorff eine Markggräffische Wirtschaft 40. Bis etwa 1780 wurden hier die Ansbacher Postsachen von der Nürnberger Post übernommen 41. Jetziger Besitzer des Anwesens ist Herr Gastwirt Staudacher.

1632 war der Ort von Schweden besetzt; das Grab eines Schwedenoberst im Hofe des Herrn Joh. Nik. Bogendörfer erinnerte viele Jahre lang an diese Zeit 41.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wohnte in Großweißmannsdorf der Edelmann Wilhelm Ernst von Freudenstein. Das Roßtaler Sterberegister von 1675 enthält folgenden Eintrag: 1. Maria Margaretha Barbara, eines Unbekannten und damahls sich zu Weißmannsdorff aufhaltenden Edelmanns, die sich Wilhelm Ernst von Freudenstein geschrieben, ehel. Töchterlein d. 5. Jan. 2. Anna Maria, Vorgedachter Adelicher Person eheliche Haußfrau d. 7. Jan.

Um 1700 saß in Großweißmannsdorf ein Zolleinnehmer (auch in Roßtal und Regelsbach) 42.

H. Conrad Poncratz Drach Zolleinnehmer zu Weißmannsdorf zinßet jährlich zu Michaelis Einen Gulden und Vierzig Kreuzer Kayswehrung von zween Morgen Ackers am Panzenreisig zwischen Buschwobach und Weißmannsdorf unfern Ebenreuth gelegen, … 43.

1801 hatte der Weiler zehn in das ehemalige Ansbachische Richteramt zu Roßstall gehörige Unterthanen; fünf waren fremdherrisch 44.

Ueber die zwei ziemlich großen Steinkreuze am westlichen Ortsausgang zu beiden Seiten der Staatsstraße ist nichts bekannt.

Zwischen Roßtal und Schwabach, nahezu in der Mitte, jedoch etwas näher an dem zuerst genannten Orte, liegt der Pfarrort Regelsbach 45. Dieser ist schon sehr alt. Er war ein vermischtes Ansbachisches und Nürnbergisches Dorf, mit einer Pfarrkirche zu St. Georg, mit dessen Satz und Zehnten H. Eberhard Ebner 1295 das St.-Klara-Kloster zu Nürnberg bereichert hat. 1296 brachte der Pfarrer etliche Rindmaulische Lehen zu Gustenvelden an sich.

Eingepfarrt sind: 1. Leitzelshofen oder Leupoldshof, 2. Kleinweißmannsdorf, 3. Hegendorf oder Hengdorff 46.

Einen Einblick in die Vergangenheit des Ortes gewährt auch das Werk: Verzeichnis und Lebensbeschreibung der Herren Geistlichen …, verfaßt von Andr. Würfel, 1759. – In Regelsbach zog sich die Durchführung der Reformation einige Jahre hin. Erasmus Enck wurde 1530, weil er sehr halsstarrig war und die Päpstische Lehr immer behalten wollte, entlassen.

Nach der Reformation: Sixtus Maul. War von A. 1524 biß A. 1530 Frühmesser und Prediger in Engelthal. In der A. 1528 angestellten Visitation, war man mit ihm sehr wohl zufrieden. Man wurde räthig, ihn nach Altdorf, als Pfarrer zu setzen. Kam A. 1530 als Pfarrer hieher und starb 1540.

Der zehnte Geistliche nach der Reformation war in Regelsbach Johann Stengel. Während seiner Amtszeit, die in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges fällt, war der Pfarrort viel von feindlichen Soldaten heimgesucht. Johann Stengel. Ein Nürnberger. Erhielte A. 1630 den 27. Januar die Ordination als Vicarius in Regelspach. Nach Abzug des Ordinarii hat er A. 1631 den 2. Januar den ersten und 1632 den 27. May den letzten Tauf Actum eingeschrieben. Wegen der vielen Durchzüge mußte er nach Nürnberg in die vordere Ledergassen ziehen. Starb A. 1632 und wurde den 24. Augusti begraben. Seine hinterlassene Wittib Barbara, verehelichte sich A. 1633 den 24. April mit Martin Seuppel, Barbier in Nürnberg. Nach seinem Tod ist die Pfarr etliche Jahr, wegen der vielen Durchzüge leer gestanden.

Daß es auch früher schon an Kirchweihen manchmal recht lebhaft zuging, beweist eine Aufzeichnung in den alten Roßtaler Gerichtsakten 47. Dort heißt es: Anno 1511 Iß zue Regelsbach ann der Kürbenn eine überauß große schlägerey gewessenn, Alß daß etlich jahe todt bliebenn etliche aber sonnsten ybell verwundt worden.

Defersdorf bei Buchschwabach liegt in einem kleinen schönen Tal. Die große Gastwirtschaft des Ortes war ehemals ein Herrenhaus und erinnert noch an die in Ruinen liegende Burg. In früherer Zeit besaßen das Rittergut die Herren von Schnöden und später ein Herr Mußmann aus Ansbach. 1566 erwarb es Albrecht von Scheurl mit den Rechten der Vogteilichkeit und Gemeinherrschaft und 1649 machte es Gabriel von Scheurl der Jüngere zu einem Familien-Fideicommiß. Christoph Wilhelm Scheurl der Erste vergrößerte es durch mehrere Güter und erhob es zu einem Majoratsgute.

Christoph Scheurl von Defersdorf, geboren 1666, gestorben 1740, war Besitzer von Heuchling bei Lauf.

Philipp Jakob Scheurl von Defersdorf war von 1684–1686 Pfleger zu Lauf.

Buchschwabach liegt an der kleinen Schwabach, an deren Oberlauf Buchen gedeihen. Fast überall um Roßtal kommen nur Nadelwälder vor; Laubbäume sind eine Seltenheit, und jene Gegenden, wo sie ausnahmsweise in größeren Mengen gedeihen, sind durch die Ortsnamen gekennzeichnet, z. B. Unterweihersbuch, Oberweihersbuch, Unterbüchlein, Oberbüchlein, Buchschwabach.

Buchschwabach ist ein Kirch- und Schuldorf. Die Kirche, die in der Mitte der Ortschaft steht, war der Maria Magdalena geweiht. Ueber die Zeit ihrer Erbauung ist nichts bekannt. Daß sie schon vor der Reformation bestanden hat, beweist eine Beschreibung der Einkünfte bei der Pfarrei Roßtal von 1482 durch Joh. Neff; dort heißt es: Buchschwabach, da hat der Pfarrer nichts, denn uff das Capitul gibt man den Vicario 24 Heller. 1882/83 wurde die Kirche bis auf die Ostseite und den Turm abgebrochen und nach den Plänen des Professors Steinsdorff aus Nürnberg neu hergestellt. Die Maurerarbeiten führten Baumeister Michael Eckstein von Roßtal und Bauunternehmer Ritter von Großhabersdorf aus.

Die Innenkirche zeigt im Turmraum ein romanisches Gewölbe, in welchem ursprünglich der Altar stand. In der vergrößerten neuen Kirche befindet sich der Chor, der im frühgotischen Stil ausgeführt ist, auf der entgegengesetzten Seite. Um die reiche Ausschmückung des Gotteshauses, zu der auch wertvolle, schadhafte Gegenstände vom Kirchenboden hervorgeholt und fachgemäß ausgebessert wurden, hat sich Herr Bezirksschulrat Hammerbacher von Buchschwabach sehr verdient gemacht. Im Jahre 1913 wurde eine herrliche neue Orgel mit elektrisch betriebenem Gebläse angeschafft. Gleichzeitig ließ die Kirchengemeinde das elektrische Licht einrichten.

Seit 17. April 1922 schmückt die Kirche auch eine marmorne Gedächtnistafel für die im Weltkrieg gefallenen 14 Krieger der Gemeinde. Hahn Johann, Hunger Adam, Zimmermann L., Gastner K., Peipp J., Grillenberger A., Kastner J. G., Hunger S., Knoll S., Wörrlein J., Herrmann J., Knoll A., Hegelheimer M., Weber G.

Gottesdienste: Um 1532 wurden jährlich drei Gottesdienste abgehalten. Ueber diese Kirchtäge, die von Rostall von wegen der Herrschaft geschützt wurden, heißt es: Puchschwabach, deß Jahrs dreymali, Nemblichen am Tage Stephani, am Tage Maria Magdalena, Vundt Suntages Vor Laurenti 48.

230 Jahre später war die Zahl der Gottesdienste in den drei zu Roßtal gehörigen Filialkirchen wie folgt geändert: Zu denen Ecclesiasticis ist noch zu bemerken; daß in der Roßstaller Parochie drey Filial sich befinden, nemlich zu Buttendorff, zu Weidersdorff und zu Buchschwobach: in den zwey erstern wird des Jahrs nur einmahl, nehmlich an ihrer Kirchweyh, von dem H. Caplan; in dem letzten aber, von dem Pfarrer, alle Apostel Tage gepredigt 49.

An die Kirche schließt sich seit 1863 ein Friedhof an, welcher 1902 erweitert und mit einer Mauer umgeben wurde.

Innerhalb desselben befindet sich das alte Schulhaus. Dieses enthielt ursprünglich nur die Mesnerwohnung, weil Buchschwabach bis zum Ende des 17. Jahrhunderts keine genehmigte Schule hatte. Ueber die Entstehung einer solchen gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1692 Aufschluß, die folgenden Wortlaut hat 50: 1. Marty 1692. Beschwerung des hiesigen (Roßtaler, R.) Schulhalters Johann Caspar Beuerleins wider die Heck-Schule zu Busch-Schwobach … daß Georg Bloß, ein Bauer zu Busch-Schwobach, die Verwittibte Schmidin alda, zu ihme in sein nebenhauß eingenommen Vnd von ihr, hoc Braetextu (unter diesem Vorwand, R.) nur seine Kinder zu informieren, begehrt, allein es dabei nicht verblieben, sondern Sie hat sich … andere Kinder – mehr alß fünfzehn – dahinzuziehen vnd anzunehmen, biß es endlich ein Schul worden, unterfangen.

1699 wurde auf Bitten der Gemeinde eine Schule gegründet, auf Kosten der vermögenden Kirchenstiftung ein Stockwerk auf das Mesnerhaus gebaut und das Lehrzimmer daselbst eingerichtet. Seit 1907 hat Buchschwabach auch ein neues Schulhaus und eine zweite Lehrstelle mit einer Dienstwohnung erster Ordnung. Eingeschult sind die Orte Defersdorf, Raitersaich und seit 1927 auch Clarsbach.

Lehrer: a) Schulrat Wilh. Hammerbacher, Bezirksoberlehrer, in Buchschwabach seit 1915;
b) Lehrer Hans Ammon, seit 1925.

Trettendorf. Ueber die Vergangenheit dieses Ortes, der vor 1800 ein Weiler mit einem ansbachischen und drei nürnbergischen Untertanen war, ist sehr wenig bekannt. 1632, dem Schreckensjahr für Roßtal und die umliegenden Orte, verlor es, ebenso wie das nahe Wimpes (Wimpas), vier Ortsangehörige. In nächster Nähe des Ortes sind große Wiesenflächen, die in früherer Zeit als Weideplätze verwendet wurden.

Ueber die Bedeutung des Wortes Tret schreibt … Schmeller: Das Tret, Platz um die Viehhütte einer Alpe, wo gewöhnlich das Vieh zur Melkzeit versammelt wird; mehr ebener Weideplatz, … 51.