Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Entstehung und Entwicklung des Ortes Roßtal

Entstehung

Wie bei den meisten Ansiedlungen unserer fränkischen Heimat, so hüllt sich auch bei Roßtal die Urentstehung in ein undurchdringliches Dunkel; Urkunden hierüber fehlen. Es wird jedoch vermutet, daß sich Roßtal aus einer Meierei Karl des Großen herausentwickelte.

v. Wölkern meint, Roßtal sei viel älter; es fehlen ihm aber die zuverlässigen Beweise. In seinem Werke, Historia Norimbergensis Diplomatica 52 schreibt er, Seite 71: Nach denen Zeiten Attilä, ungefährlich um das Jahr 456 wie Aventinus bezeige, hätten die Bayern auf dem Nordgau regieret, und Adelger ein König in Bayern, aus dem Geschlechte Adelmans, des Teutschen Herculis auf der Veste Nürnberg gehausset, demselben hat auch Roßstall, Hilpoltstein, Adalgersburg genennt worden, item Lauterhoffen, Cassel, Ammerthal, Amberg, Chamb, Nabburg, zugehört, welche alte Häuser sein der Bayerischen Fürsten … daß um die Zeit der Aufrichtung des Stifts Bamberg, Eidelgard St. Kunigunden, Kayser Heinrichs des andern Gemahl Schwester, eine Pfalzgräfin bei Rhein, Herzog Ernsts in Bayern Gemahl, die Kirch zu Roßtal am Mühlbach bauen lassen, welche noch heutigen Tages stehet (!), und unter der Erden ein Cryptam oder Gewölb hat, auf zwölf Säulen gebauet, die fast so groß als die ganze Kirch ist, …. Und meldet Bruschius, daß an dem Ort, da jetziger Zeit die Kirch stehet, ein Schloß gestanden sei, dessen noch Anzeig gebe, daß der Kirchhof allenthalben, wo man in demselben grabe, voll alter Stein seye, wann aber, und von wem solch Schloß gebauet worden, habe er nicht gefunden, und ist aber vor Zeiten nichts neues gewest, daß man Fürstl. Häuser und Residenz. zu Kirchen und Gotteshäusern verwendet, …

Belagerung und Schlacht im Jahre 954

Im 10. Jahrhundert war Roßtal mit starken Mauern befestigt. Der Mönch Widukind († 1004) berichtet in seinen Schriften, daß bei Horsadal 954 eine Schlacht stattgefunden hat 53. Der Hergang hiezu war folgender:

Kaiser Otto der Große hatte sich zum zweiten Male vermählt, und das verdroß seinen aus erster Ehe stammenden Sohn Liudulf (Luitolf), der Herzog von Schwaben war, so sehr, daß es in der kaiserlichen Familie zu Zwistigkeiten kam. Diese führten zum Krieg, in welchem des Kaisers Schwiegersohn, der Herzog Konrad von Lothringen und vorübergehend auch Heinrich von Bayern zu Liudulf hielten. Der Haß zwischen Vater und Sohn wurde bald noch verschärft, weil es Liudulf gelang, die Ungarn durch kluge, heimliche Unterhandlungen von seinem Lande und dem Gebiete seiner Anhänger abzuhalten. Bei den nun folgenden Kämpfen wurde das deutsche Land hart mitgenommen. Deshalb und weil auch die Ungarn den Kaiser bedrängten, veranlaßte letzterer einen Waffenstillstand, der einen Fürstentag zur Folge hatte. Am 16. Juni 954 kamen viele Fürsten, Bischöfe und viel Volks in Langenzenn zusammen. Kaiser Otto verklagte seinen Sohn Liudulf, weil er sich empört und auch die Ungarn, die Feinde Gottes und der Menschen in den Handel gezogen habe. Herzog Heinrich hielt jetzt zum Kaiser und der Erzbischof von Mainz und auch Herzog Konrad suchten nun, Liudulf zur Unterwerfung zu überreden. Doch beider Bemühungen waren umsonst; sie trennten sich deshalb von Liudulf und schlossen sich Gott und dem Kaiser an.

Noch in der Nacht verließ Liudulf mit den Seinen Langenzenn und zog sich gegen Regensburg hin zurück, wobei ihn sein Vater verfolgte. Unterwegs stieß der Kaiser auf das befestigte Horsadal, in welchem sich Anhänger Liudulfs befanden. Er suchte den Ort zu erstürmen und es kam zu einem Kampf, wie noch kein Sterblicher einen härteren um die Mauern je gesehen. Erst die Finsternis der Nacht beendigte den Kampf. Am nächsten Morgen zog Kaiser Otto, ohne Roßtal erobert zu haben, gegen Regensburg weiter, das er nach drei Tagen erreichte. In der Gegend von Regensburg fanden noch mehrere Kämpfe statt, bis sich Liudulf, allmählich mürbe geworden, seinem Vater ergab. Er gelobte, in allen Dingen den Willen seines Vaters zu erfüllen, und erlangte Verzeihung.

Erste Zerstörung 955

Auch das folgende Jahr soll für die Roßtaler ein Kriegsjahr gewesen sein. Es wird erzählt, daß Roßtal 955 von den Ungarn oder Magyaren, auch Matzen genannt, zerstört wurde. Der Ungarnberg (mit dem Eichenhain) im Südosten und der Matzenberg 54 im Südwesten des Ortes erinnern noch heute an jene raubgierigen Horden. Unweit des Glockenhauses der alten Kirche befand sich das Grab eines unbekannten Herzogs, welcher im Kampfe gegen die Ungarn gefallen sein soll.

Wiederaufbau

Der Ort und auch die Ringmauern, von denen dann und wann noch Ueberreste von bedeutender Dicke und Festigkeit ans Tageslicht kommen, wurden nach dem Unglücksjahr 955 teilweise wieder aufgebaut. Der nordöstliche runde Eckturm ist in seinem unteren Teil noch gut erhalten und dient Herrn Kaufmann Peipp als Keller. Das Turmfragment hat eine äußere Höhe von 4,1 Meter, über der Erde einen Durchmesser von 4,4 Meter in derselben einen solchen von 4,8 Meter. Der Innenraum zeigt eine lichte Weite von 3 Meter und eine Höhe von 4,4 Meter. Nach oben schließt der Raum mit einem Gewölbe ab, das von einer mit einer Steinplatte überlegten Oeffnung von ca. 80x60 Zentimeter Größe durchbrochen ist. Von Osten und Südwesten her stoßen an den Turm Mauerreste.

Nach einer Urkunde der Herren von Buttendorf aus dem Jahre 1226 bestand die Gepflogenheit, daß jeder mutwillige Flucher ein Fuder Steine zum Wiederaufbau der Mauer herbeiführen mußte. 55.

Besitzerwechsel

1189 suchte Graf Friedrich von Abenberg und Frensdorf, vermutlich zur Bestreitung der Kosten einer Kreuzfahrt ein Darlehen von 400 Mark Silber und Bischof Otto II. von Bamberg und sein Domkapitel liehen ihm statt dessen 40 Mark Gold (Gold hatte damals einen sehr hohen Wert), wogegen er alle seine Vogteien zu Bamberg, Roßtal usw. dem Hochstifte in Pfandbesitz übergab, die nach seinem Tode demselben zum unmittelbaren Besitz verblieben 56.

1281 kam Roßtal vom Bistum Bamberg an die Burggrafen von Nürnberg.

1292 kauften die beiden Burggrafen von Nürnberg, Friedrich III. und Konrad III., Güter in Roßtal, die den Grafen von Heydeck gehörten.

Roßtal bekommt Stadtrechte

Kaiser Ludwig der Bayer erteilte mit Urkunde vom 22. April 1328 dem Burggrafen von Nürnberg das Recht, Roßtal zu befestigen, ein Gericht, einen Wochenmarkt und Nürnberger Rechte einzusetzen.

Die Urkunde hierüber 57 hat, ins Deutsche übertragen, folgenden Wortlaut: Ludwig, von Gottes Gnaden römischer Kaiser, der Gesamtheit und den einzelnen, zu welchen die Anwesenden kommen, seine Gnade und alles Gute.

Die hervorragende Stellung und die Hoheit des Kaisers fordern gebieterisch, daß wir der Gesamtheit und den einzelnen, die uns mit Hingebung, Ausdauer und Treue dienen, durch Erkenntlichkeit für die Vorteile zuvorkommen müssen, so daß durch die Hoffnung auf Vergeltung die übrigen in ihrer Dienstbeflissenheit mit um so größerem Selbstvertrauen und um so größerer Begeisterung erfüllt werden, uns und dem Reiche zu dienen. Daher ist es unser Wille, daß nicht nur die jetzt Lebenden, sondern auch die Zukünftigen wissen, daß wir durch unser kaiserliches Wohlwollen im Hinblick auf die Ergebenheit, Standhaftigkeit und Treue unseres geliebten treuen Geheimschreibers, des Burggrafen Friedrich von Nürnberg, indem wir in diesem Teile seiner Bitte gnädig Erfüllung gewähren, demselben die Hoheit, die Kraft und die Vollmacht geben und zugestehen, den Gegenwärtigen übergeben und eingeräumt haben, in Roßtal eine befestigte Stadt zu errichten, erbauen und zu machen und sie selbst mit Mauern, Gräben und den sonstigen beliebigen Bollwerken, mit denen man die übrigen Städte zu befestigen pflegte, fest zu umgeben, ohne daß irgendein Hindernis oder Widerspruch im Wege stände. An dem gleichen Orte verleihen wir ihm die Gerichtsbarkeit samt den einzelnen sich daraus ergebenden Konsequenzen, nämlich ständig einen Richter zu haben und aufzustellen, der da in jeder Beziehung ermächtigt ist, in Stellvertretung und im Namen des oben erwähnten Burggrafen Friedrich, gestützt auf unsere kaiserliche Hoheit, im bezug wenigstens auf die weltliche Gerichtsbarkeit, Recht zu sprechen in einzelnen und allgemeinen Fällen und Vorkommnissen, die eine Körperverletzung, Eigentum oder damit zusammenhängende Dinge in sich schließen; ferner erteilen wir ihm die Befugnis, in dem gleichen Ort einen Wochenmarkt öffentlich auszuschreiben und ebenso festlich begehen zu lassen und zwar an dem Tage, den er für dessen Abhaltung und Besuch festgesetzt, wobei es unser Wunsch ist, daß besagte Stadt Roßtal gebrauche, genieße und sich ungehindert erfreue allen Rechts, Freiheit, Befestigung und Gnade, welche die Stadt Nürnberg bis dahin gebrauchte und von nun an genießen kann in Zukunft.

Zum Zeugnis dieser Tatsache haben wir befohlen, die Gegenwärtigen aufzuschreiben und die Verfügung mit dem Siegel unserer Majestät zu bestätigen.

Gegeben zu Rom bei Skt. Peter am 22. April 1328, im 14. Jahre unserer Königsherrschaft, im ersten aber unsers Kaisertums.

Auch Kaiser Karl IV. gestattete mit Urkunde vom 5. April 1355 58 Muschen, Bergel Katzendorff, Wunsees, Wunsiedel und Roßtal zu befestigen, Blutgericht, Wochenmarkt … daselbst einzusetzen.

Der übersetzte Text des Schreibens 59 lautet: Wir Carolus der Vierdte, Von Gottes Gnaden, Römischer Kayser allzeit Mehrer des Reichs, und König zu Böheim, entbieten allen und jeden, bevor aber des Heil. Römischen Reichs getreuen und geliebten, Unsere Gnade und alles Gutes …. Wiewohl Wir Großmächtiger Kayser aus angebohrner Gütigkeit, Uns gegen alle Getreuen, und vorgehaltene Personen, ganz gnädig erzeigen, doch so erweisen Wir Unser Gnad und Mildigkeit, gegen diejenigen leichtlicher, welcher gut Gemüth und Nahme bezeuget, daß dieselben sich von wegen des Heil. Röm. Reichs Ehren und Frommen, auch desselben Beförderung hoch beflissen und bemühet haben; darum und dieweil Wir die ganze angenehme Dienste, und Willfährigkeit, so beede hochberühmte Herren, Johann und Albrecht, Burggrafen zu Nürnberg, Unser und des H. Reichs ganz Getreue und Geliebte, auch ihre Vätter vorlängst, Uns, Unsern Vorfahren, Kaysern und Königen, auch dem Römischen Reich, wie wissentlich und offenbar, willig und getreu erzeigt, und bewiesen haben, gespührt, welche Treu beede hochberühmte Herren, Johann und Albrecht, auch vor der Zeit, uns und dem H. Römischen Reich viel gewaltiger und berühmter haben erweisen können; demnach und hierum haben Wir diesen beeden Herren, Johann und Albrecht, auch deren Erben und Nachkommen, aus angebohrner Gütigkeit, und mit Unser guter Bewilligung und Vorbewust, vergünstiget, zugelassen und zugeben: Geben Ihnen auch solche nach Vermög und Inhalt gegenwärtigen Briefs aus Gnaden zu, aus folgenden sechs Flecken, als Muschen, Bergel, Katzendorff, Wunsees, Wunsiedel und Roßthal, feste verwahrte Städte zu machen, und zu erbauen, dieselben auch, und eine jegliche besonders, mit Mauern, Gräben, und mit allen andern und jeglichen Wehren, mit welchen pflegen andere Städte befestiget und verwahret zu werden, und daß sie auch in genannten Städten und Orten vollkömmliche Gewalt des Blutgerichts, mit aller Zugehörung desselben haben sollen; Sollen ihnen auch einen Richter zu erwehlen, über alle Fälle zu richten und zu urtheilen, gute Macht haben. Geben auch mit Vorbewust, einen offenen Wochen-Marck darinnen, an welchem Tag es ihnen gefällig, ohne alle Wider-Rede aufzurichten und ausschreyen zu lassen.

Und damit genannte Herren, Johann und Albrecht, desto inbrünstiger zu allen willigen Diensten des Heil. Röm. Reichs mögten angebracht werden, so geben Wir auf Ihr Anlangen aus sonderlichen Gnaden zu, daß dieselben in vorgenannten sechs Flecken, als Muschen, Bergel, Katzendorff, Wunsees, Wunsiedel und Roßthal, friedsam jeder und aller Gnad, Freyheit und Rechte, welcher bishero die Stadt Nürnberg gebrauchet hat, und forthin gebrauchen wird, auch gebrauchen und genießen sollen, soviel aber die Stadt Wunsiedel belanget, ist unser Will, daß dieselbe sich aller Freyheit, Gnad und Recht der Stadt Eger gebrauchen solle, geben auch zu, so offt die Stadt Wunsiedel bericht eines Urtheils, oder Sachen begehrt, daß dieselbe einen offenen sicheren Zugang, sich Berichts zu erholen, zu Stadt Eger haben soll, doch andern Städten, Gerichts und Gerechtigkeit nichts damit entnommen. Ausgegangen und geben unter Unsern Kays. Majestät Secret aus Rom, nach der Geburt Christi, Anno 1355 60.