Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Gerichtswesen

Allgemeines

Roßtal hatte ein Halsgericht und ein Ehehaftgericht.

In einem Rechtsgutachten wegen der Zugehörigkeit von Vincenzenbronn zum Richteramt Roßtal oder Cadolzburg, gefertigt um 1620, finden sich folgende Angaben: Anno 1420 Ist wie vorgemelt daß Ehehafft Recht durch Herrn Peter Haller daß erste maahl besessenn wordenn vnnd hat der erst Richter Rudolph Hertzog geheißen. Anno 1423 Ist durch den Richter zue Roßstall daß Peinlich Halßgericht besessen wordten. … Hernach Alß mann 1420 geschrieben ist ann Stadt des vorigen Stadtgebrauchs ein Gericht durch Herrn Peter Haller den Jüngeren in Nürnnberg angeordtnet wordten, doch ist die Gerichts Ordtnung wie Sie noch alle ehehafft verlesen würdt, auß der Stadt Ordnung, weyl Roßstahl einen Vogt, vnnd Stadt Rath gehabt, genommen.

Oben erwähntes Gutachten nennt eine Anzahl Roßtaler Richter aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Rudolph Hertzog (1420)Fritz Schaumann (1520)
Ulrich Schuster (1442)Hannß Menniger (1535)
Cuntz Gossoldt (1455)Georg Sahlmann (1556)
Eckarus Helbing (1482) Hans Böß (Pfarrmatrikel, Roßtal, 1586)
Ludtwig Probst (1494)Martin Prinngell (1599)
Hanns Mayer (1495)Georg Schuler (1616)
Hanns Beck (1497)
Hanns Stöcklein (1518)

Anmerkg.: 1666 bat der Zirndorfer Schulhalter und Organist Joh. Sebast. Krafft, früher Richter in Roßtal, ihn als Richter und Schulh. nach Roßtal zu versetzen. (Rep. 232, Nr. 5921).

Richter im 17. und 18. Jahrhundert

Gottfried Brunneman (1617)
Michael Friedrich Kiser (1628),
Epitaph in der Kirche zu R. Gottfried Förster (1642)
Johann Stöckle (1659)
Wolfgang Fabritius (1665),
Sprigel (1667),
Joh. C. Popp 61
Bullmann 61
Gg. Peter Schank 61
Joh. Abraham Hofmann 61
Johann Wilhelm Sartorius (1703 bis 1709)
Johann Gottfried Rötter (1711 bis 1737)
Johann Michael Rhau, geb. 25.5.1697 zu Weidenberg (1737 bis 1772, Gedenktafel an der Kirche
Carl Wilhelm Friedrich Pöhlmann (1772 bis 1775), Gedenktafel an der Kirche
Johann Samuel Model, 1796 pensioniert.

Das Richteramt wurde am 31. Mai 1797 aufgelöst.

Gerichtsbürgermeister

Nicolai Wolf, vor 1676
Georg Fischhaber 1699
Johann Jakob Hofmann, † 1705
Hannß Leonhard Sauer
Barthel Wolff, † 27.1.1739 im
Alter von 60 J. 5 Mt.
Franz Albrecht Mägin, 1739 bis 1779
Georg Albrecht Maechin, ab 1780,
Tabern-Wirt und Gastgeber zur goldenen Sonne.

I. Das Richteramt

Halsgericht, Banngericht (1482), Panngericht (1556), Fraischgericht.

Das hiesige Gericht war eine Art Kriminalgericht. Die Gerichtsordnung desselben enthielt strenge Strafen. Die Fragen der Bannrichter an die Schöffen, sowie die Antworten der letzteren waren der Form nach genau festgelegt.

Die Richtersgasse, der Galgengraben und -buck erinnern an obiges Amt. Die Stelle auf dem Galgenbuck, wo das Hochgericht stand, war noch vor wenigen Jahrzehnten sichtbar.

Wann die hiesige Fronfeste an der nordwestlichen Kirchhofecke eingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Dort sind noch jetzt vier Lochgefängnisse in ihrer ursprünglichen Form vorhanden. Von der Fronfeste führte je ein unterirdischer Gang zur Krypta und zum Richthaus, jetzt Haus Nr. 101.

Ueber den Pranger, der in der Nähe des Schlosses stand, gibt ein Brief Aufschluß, den der frühere Schloßbesitzer v. Heistermann 1755 an den Beauftragten der Herrschaft schrieb; er lautet:

Reichsfrey Hochwohlgeb. Herr
Insbesonders hochgeneigtester Herr Geheimtrath!
Kaum bin ich diesen Vormittag vom Bette aufgestanden, so habe zu meiner sonderbahren zufriedenheit wahrgenommen, das der als ein Dorn mir im auge gestandene Pranger weggeraumet worden seyn. Gleichwie nun diese mir erwiesene gnädigster Herrschafft aber unschädliche Wohltat Eure Exzell. gnade und Verordnung lediglich zu dancken habe, also ermangle nicht, solches hierdurch einstweilen schrifftlich zu vollziehen biß bey anhoffend besseren wege mündlich versichern könne, daß ich in Lebenswürdiger Dank-Verbundenheit, und wahrer Verehrung unausgesez erharren werde.
Rostall den 23. May 1755
Ew. Exzellenz unterthänig devotest Diener von Heistermann 62

Zum Fraischbezirk Roßtal gehörten folgende Orte 63:

Untertanen:
Gänzlich AnspachischeFremde Angehörige
Altenberg e. vermischtes W.-5
Anwanden e. W.34
Bellingsdorf e. baireuth. W.-8
Bertelsdorf e. W.-4
Benzendorf e. baireut. W. -11
Bonnhof e. baireut. W. -18
Bronnenmühl (die) 1-
Buschschwabach ein vermischtes Filialkirchdorf- 22
Buttendorf ein Filialkirchdorf133
Bürglein ein baireuth. Pfarrdorf-21
Castenreuth e. W.25
Clarsbach e. W. 25
Defersdorf ein adelich von Scheurlisches Gut mit einem schlecht aptirten Herrensitz-10
Eckershof e. W.-3
Fernebrünst e. W.27-
Gottmannsdorf ein baireuthisches Filialkirchdorf-8
Götteldorf e. W.43
Grosweismannsdorf e. W.105
Gutzberg e. W. der ehemals Volkersdorf hies 6425
Herboltshof (der)-1
Hochstädt e. baireuth. Weiler-7
Hörleinsdorf e. baireuth. Weiler-5
Kehlmünz e. baireuth. Weiler-6
Kernmühl (die)1-
Kleinweißmannsdorf e. baireuth W.-4
Kreuthles e. W.-4
Leichendorf e. W.37
Leichendorfermühl (die)-1
Lind e. W.-5
Loch e. W.21
Moßmühl (die)-1
Müncherlbach e. W.611
Münchzell ein Fischerhaus und Gütlein nebst einer verfallenen Kapelle2-
Neuhöflein e. baireuth. W.-7
Neumühl (die)-1
Neuses e. W.19
Oberaspach ein Filialkirchdorf415
Oberdeubenbach ein Filialkirchdorf25
Obernbüchlein e. W.12
Oedenreuth e. W. und von Kreßischer Herrensitz-5
Rehedorf e. nürnberg. W.-6
Reitersaich e. W.19
Roßstall ein Pfarrdorf836
Rögelspach ein Pfarrdorf216
Schwaighausen e. W.27
Siegersdorf e. nürnberg. W. -4
Stein e. W. und adelich von Geuderisches Guth. Die Straße teilet die Fraisch zwischen Roßstall und Schwabach-18
Stöckach e. W.8-
Trettendorf e. W.13
Trübendorf ein baireuth. Filialkirchdorf-8
Unteraspach e. W.36
Unternbuch ein nürnberg. Clareamtl. W.-7
Unternbüchlein e. W.31
Unterndeubenbach e. vermischtes W., 2 Häuser liegen in schwabacher Fraisch-7
Weinzirlein133
Weiterndorf e. W.15-
Weitersdorf ein Filialkirchdorf16
Wiensdorf e. W.8-
Weihersbuch e. W.37
Weihersmühl (die)-1
Weiler e. W. 2 Häuser liegen in schwabacher Fraisch16
Wimpeshof (der)-1
Wintersdorf e. W.43
Zwiselhof (der)-2

Zusammen 64 Orte.

II. Das Bürgerliche Gericht

Außer dem weltlichen hochfürstlichen Richteramt hatte Roßtal, wie bereits erwähnt, auch ein eigenes Gericht, das aus einem Bürgermeister und elf Rathverwandten 65, Schöffen, bestand: das Bürgerliche Gericht, Ehegericht, Ehehafftgericht 66. Dieses war ein Polizeigericht und hatte nur die geringen Straftaten abzuurteilen, insbesondere jene Fälle zu behandeln, bei denen es sich um das Wohl und den Nutzen der Gemeinde handelte.

Einen ziemlich genauen Einblick in die Tätigkeit des Bürgerlichen Gerichts gewährte die Roßtaler Gerichtsordnung 67, deren wichtigste Bestimmungen im nachfolgenden mitgeteilt werden:

Die Herrschafft hat auch deß Jahrs drey Ehegericht vnnd andere Burgerliche Gerichtt, so offt die notturft solches erfordert 68; Vnndt werden solche Ehegerichtt gehalten, Nemblich daß Erst den negsten Mitwochen nach Obersten, daß Ander den negsten Mitwochen nach Sanct Walbburgentage, daß dritt den negsten Mitwochen nach Sanct Michaelistage, darauff alle die Khummen, vnnd daselbig besuchen sollen, die dar Zue vnnd darauff gehören. –

Item so solle man denn fragen nach der Elen Vnndt nach der Maß, Vnndt nach dem Gewichtt Vnndt nach dem Angiessen … –

Item alle Vrtheiler, die zum Rechten geschworen haben, wann man ein Ehegerichtt hatt, daß sie sollen kommen, wenn man die Glocken leutet, wer daß versaumbt Vnndt daß drey Vrtell gesprochen werden, nach dem Allß man außgeleuttet hatt, der ist verfallen sechzig vnnd drey Pfundt heller … –

Item 69, welcher Fleischmann nicht schlachten wollt, Vndt wolt mit Willen feuren, Vnndt nicht woltt Flaisch fayll haben, Vndt daß Fleisch anders gebe, wann Ihme daß geschahtt wurdte, Vnndt welcher all so feurett Vierzehen Tage, der solle furbaß mehr daß Jhar kein Fleisch haben. –

Item wer Pfinnig Fleisch faill hat freuentlich, der solle daß pussen dem Vogtt mitt anderthalben Pfundten Vnndt dem Gericht mitt anderthalben Pfundten.

Item wer Farrenfleisch fayll hatt, der solle daß Pußen dem Vogt mit einem Pfundt, vnndt dem Gericht mit einem Pfundt, Es sey denn daß man es mitt Willen faill hatt. Vnndt an solchen Stetten, daß man es weiß vnnd erkenne. –

Item wer vnzeitig flaisch faill hatt der solle daß Pussen dem Vogt mitt dreihalb Pfundten, vndt dem Gerichtt mit drithalb Pfundten. –

Item solle ein jeglicher Beek der brodt fuhrtt gen Rostal am Feyertag deßelbigen brodt solle Er vor dem Kirchhoffe faill haben, so langen daß Ambt der Meß gantz Volbrachtt worden ist, Vnndt die Leut do gegenwertig Verlauffen seindt, Vnndt solle auch Vnter der zeitt den Wirthen nichts verkauffen, aber nach Vollbringung der Meß Vnndt der Leutt Verlauffung, mag Er den Würthen daß Brodt, daß ihme Vberblieben ist woll verkauffen, … –

Item ist auch zue wissen, daß kein würth sein brodt faill solle haben Vor dem Kirchhoffe, sondern in seinem hauß. –

Item welcher Beek Pußwürdig erfunden würdt Vor dem Schauer, der solle daß Pussen dem Vogt mitt funff schilling, Vnndt dem Gerichtt mit funff schillingen, … –

Item wer zue Kleine maß hatt, Vnd allß offt man den findt mit angiessen, der solle daß Pussen dem Vogt mitt drithalb Pfundten, Vnndt ein seydell halb so Viell. –

Item wer Zue kleine Gewichtt hatt oder Vnrecht wag oder Zue kurtze Ellen, oder Zue kleine metzen, wer damit gefunden würdt, Vnndt Vngeruchtt, allß offt daß geschichtt, der solle daß dem Vogtt Pussen mit drithalben Pfunden, Vnndt dem Gericht mit dritthalben Pfundten. –

Item Vnter dreyssig Pfennig solle man niemand Verklagen, … –

Item, wer Einem ein fließende Wunden schlecht, der solle daß bussen, dem Vogtt mit Vier pfundten Vnndt dem Ankleger auch mit Vier Pfundten … –

Item wer Einen schlägt mit truckenen schlägen 70, daß daß nicht mitt gefehrdte zugeht oder einen Lecker oder Schalek heist, der muß daß Pußen dem vogtt mitt Zweyen Pfundten Vnndt dem Cleger mitt zweyen Pfundten. –

Item wer einem einen Rayn abackertt Vnndt Er weiß daß mitt einer Kundschafft, derselbe wer verfallen dem Vogtt Zehen Pfundt ein großen Freuell Vnndt dem Ankleger auch zehen Pfundt, Vnndt soll ihme den Rain wieder machen, allß Er Vor gewest ist, ohne allen seinen schaden, … –

Item es ist auch gebotten, daß niemandt spielen solle an allen Zwölf Potten tagen (25. Dezember bis 6. Januar), ann Unser Frauen tagen, oder Inn den Weyhenachten, Obersten, außgenommen Prettspiell, wer daß Vberfuhre Vndt spiele der must daß Pußen dem Vogt mit einen halben gulden. Vndt dem Gerichtt mitt einem halben guldten, Vnndt der würth der Inn seinem Hauße lest spielen, der muß auch allß Viell gebn, Es seye denn, daß Er deß nicht geweren mag, oder daß er außbring, da er darumb nicht gewust habe. –