Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Die Kirche

Geschichtliches

Die Kirche in Roßtal, um die sich der ganze Ort malerisch gruppiert, liegt auf einer Bergkuppe. Ueber ihre erste Erbauung sind keine Urkunden vorhanden; doch enthalten die Aufzeichnungen früherer Chronisten hierüber Angaben.

Caspar Bruschius berichtet, daß die Kirche wahrscheinlich von der Pfalzgräfin Erbelgard (Irmengard), der Schwester der heiligen Kunigund, also in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, erbaut wurde. Bruschius sah noch im Jahre 1533 in der Kirche die Ruhestätten der heiligen Irmengard und des Herzogs Ernst mit prächtigen Grabdenkmälern. Das Grab der heiligen Irmengard war dem Kaiser Heinrichs des Heiligen und seiner Gemahlin, der heiligen Kunigunda, im Dom zu Bamberg sehr ähnlich. Später stand über diesem Grabe ein Altar, welcher der gebenedeiten Jungfrau Maria geweiht war. Auf dem Grabstein des Herzogs Ernst war eine lateinische Aufschrift, die, ins Deutsche übertragen lautet: In dieser Gruft liegt Herzog Ernst 84 begraben. Daß Ruhe ihm gegeben werde, so möchten alle Gläubigen flehen. Gib Friede, Christe, daß er stets bei dir sei. An bestimmten Tagen im Jahre wurden an den beiden Gräbern Kerzen aufgesteckt und alle Glocken zu Ehren der beiden Toten geläutet.

In der Roßtaler Stiftungsrechnung von 1507 findet sich (Seite 50) folgender Eintrag: 3 lb. für Altar Decken auff grufft von der Irmelgart vnd für 1 pulprett. Die Stiftungsrechnung von 1509 enthält ebenfalls eine Ausgabe für eine Altardecke auff die Grufft von der Skt. Irmelgart und jene von 1512 eine solche für 1 Decke auff Herzog Ernst Grab. Die letztgenannte Rechnung hat noch folgenden Eintrag:

5 gulden 5 lb 9 Pf haben die neuen Leuchter cost bey Herzog Ernsts Grab.

1515 wurden 7 lb. für die Stangen dazu vnd den Leuchter auf Sanct Irmengart Altar ausgegeben 85.

1388 wurde die Kirche in einem Kriege zerstört. Soweit noch Reste derselben Schlüsse zulassen, muß dieselbe groß und schön gewesen sein. Im Germanischen Museum zu Nürnberg (im Lapidarium) befindet sich eine aus der Kirche zu Roßtal stammende Madonnenfigur, welche um 1330 entstanden ist.

Nach der Zerstörung wurde die Kirche rasch wieder aufgebaut, und schon vor 1500 berichtete der Geschichtsschreiber Veit Arnbeck: Die Kirche zu Roßtal ist sehr reich geschmückt und hat neun Altäre; keine ist ihr ähnlich 15 Meilen in der Runde bei Nürnberg.

Nach Aufzeichnungen aus dem Jahre 1507 wurden damals Chor und Turm neu gedeckt und im gleichen Jahre der Oelberg an der Außenseite des Chores von einem Nürnberger Künstler gemalt. 1510 hatte Roßtal eine ave maria- und eine Meßglocke.

1518 wurde die Kirche mit Ziegeln gepflastert.

Die Jahreszahlen 1518 über der Brauttüre und 1520 in der Mitte der Nordwand unter dem oberen Mauerrand beweisen, daß in diesen Jahren große Reparaturen vorgenommen wurden 86.

Noch im Jahre 1526 stiftete Frau von Zedwitz, geborene Stieber, 60 Gulden zu einem ewigen Lichte.

Das Jahr 1624 war nach Mitteilung des Pfarrers Woltzhofer ein Unglückjahr. Er schreibt (1760): Anno 1624 hat man dieeßen Laurentii Feyertag und das Predigen daran verbotten; da schlug in eben dem Jahr, am Martini Tag, das Wetter in die Kirche, und brandte das ganze Langhauß völlig weg. Die Gotteshausrechnung von 1624 enthält 389 fl. 3 ort 2 Pf. Ausgaben für Renovierung.

Am 10. August 1627 schlug der Blitz wieder ein und steckte die Kirche in Brand. Pfarrer Bernhold (1621–1639) schreibt: 1627 hat der Allmächtige unser liebes Gotteshaus durch einen Blitzstrahl dermaßen angezündet, daß alles Holzwerk am Turm und Langhaus samt allen Altären und Ingebäuen zu Grund und in Aschen gegangen 87. Weiter wird berichtet: Damals wurden binnen fünf Stunden der ganze Dachstuhl auf dem Turme nebst sechs schönen Glocken und zwei Schlaguhren, dann das ganze Ingebäude des Langhauses mit sechs künstlich geschnitzten und gemalten Altären, drei Emporkirchen, der Kanzel, dem Taufsteine und allen Kirchenstühlen, Epitaphien und Gemälden ein Raub der Flammen und der Zerstörung; auch die Grabmäler des Herzogs und der heil. Irmengard teilten natürlich dieses Schicksal.

Melch. Adam Pastorius schildert diesen Brand mit folgenden Worten: Roßtall, ein Hochfüstl. Brandenburgischer Ort, worinnen es ein Schlößlein und einen Richter hat, und sind allda zwo Kirchen übereinander gebauet, mit einem schönen viereckigten Kirch-Thurne, indeme anno 1627 mense Augusto das Wetter eingeschlagen, so daß der Turn mit allen Glocken zerschmoltzen, und die obere Kirch mit allen Ornat verbronnen 88.

Die Rechnung von 1630, welche alle Ausgaben über den Kirchturnbau und die Henckung der 4 Glocken enthält, schließt ab:

Summarum alles Außgebens
1007 fl. 3 ort 15 Pf.

Im Dreißigjährigen Krieg, 1645, wurde die Kirche durch Kroaten stark beschädigt.

1698 zündete ein Blitz den Turm. Das Roßtaler Sterberegister für 1698 enthält hierüber folgenden Eintrag: 18.) Andreas Johann Caspar Stinzendörfer Bauern zu Raitersaich Söhnlein ist begraben worden den 10. Nov., verrichtet H. Caplan die Lection.

NB! Eben da tags Vorher den 9. 9bris (November) diese leicht hat sollen verrichtet werden, hat uns der allmächtige Gott bey einem grausamen Sturmwind mit drey entsetzlichen Donnerstreichen heimgesucht, deren einer den Kirchthurn Vnmerklich angestöcket V. solchen in schneller eile leider Gott erbarm es! Zu unser aller grauen V. schrecken mit samt dem vortrefflichen Geleite und schönem Uhrwerk ausgebrennet, Gott aber hat diesem Feuer ein Ziel gestecket V. die überaus starke V. beständige Rettung zur reservation Unseres lieben Gotteshauses V. gesamten Fleckens wohl anschlagen lassen. Er lasse diese grausamen Donnerschläge unser Herz zu wahrer Buße aufmuntern, V. wende ferneres Unglück Von Vns in Gnaden ab Vm Jesu Christi seines lieben Sohnes Vnseres Herrn v. Heylandes J. Christi willen. Amen! Amen!

Ueber diesen Turmbrand schreibt Pastorius: 1698 An Skt. Martini Tag (?), schlug das Wetter abermal zu obrist in den Gipffel dieses Kirchthurms und zerschmeltzete alle Glocken, und bekam der Thurn von der überaus großen Hitze und Glühung etliche Spalten, jedennoch bliebe in der Höhe dieses Thurms ein Bierenbäumlein in seinem Saffte, welches zwischen zweyen Quadersteinen ohne allen Erdengrund aus ein wenig Mördel oder Kalck herausser wächst, und ich es das folgende 1699te Jahr würcklich habe blühen sehen, und mich die Einwohner des Ortes berichtet, daß solch Bäumlein schöne große Bieren trage, die man nicht ehender bekommen könne, biß sie selbst abfallen.

1706 brannte der hölzerne Teil des Kirchturms wieder ab und 1756 beschädigte ein Sturmwind Turmknopf und Kuppel.

1769 mußten aus Gründen der Sicherheit vier kleine Türmchen vom Kirchturme entfernt werden.

In der Nacht vom 9. auf 10. Dezember 1884 beschädigte ein heftiger Sturm die Kuppel des Turmes. Im Frühjahr des folgenden Jahres wurden das Dach der Laterne und auch die Tragpfosten mit neuem Blech überzogen und der alte schadhafte Blitzableiter am Turme durch einen neuen ersetzt.

Am 1. Juli 1885 schlug ein Blitz in den neuen Blitzableiter und ging, ohne die Kirche zu beschädigen, in den Boden.

Der Kirchensprengel

Die Kirche, die dem heiligen Laurentius geweiht ist, ist als gemeinsames Gotteshaus für den Kirchensprengel Roßtal gebaut, zu dem im Jahre 1735 zweiunddreißig Orte gehörten. (Roßtal, Stöckach, Puttendorf, Herbertshof, Neuses, Kernmühl, Plickershof, Buchendorf, Banderbach, Weinzierl, Weitersdorf, Großenreuth, Oedenreuth, Sigersdorf, Obernbüchlein, Unternbüchlein, Volckersdorf, Loch, Weyhersbuch, Pertelsdorf, Ockershof, Zwiselshof, Willenberg, Weismannsdorf, Wimbas, Trettendorf, Defersdorf, Buschschwobach, Raitersaich, Clarsbach, Weinsdorf, Schwaighausen) 89.

Heute umfaßt der Kirchensprengel 22 Orte, nämlich: Roßtal, Weinzierlein, Buttendorf, Stöckach, Neuses, Herboldshof, Kernmühle, Großweißmannsdorf, Defersdorf, Weitersdorf, Oedenreuth, Kastenreuth, Trettendorf, Wimpashof, Buchschwabach, Clarsbach, Raitersaich, Gutzberg, Sichersdorf, Loch, Oberbüchlein, Unterbüchlein.

In der Kirche findet von jeher alle Sonntage der gemeinsame Gottesdienst statt. Die übrigen Kirchen und Kapellen im Kirchensprengel Roßtal, nämlich die Maria Magdalenakirche in Buchschwabach, das Jakobskirchlein in Buttendorf und die Aegidiuskapelle in Weitersdorf, werden nur von Zeit zu Zeit zu Gottesdiensten verwendet.

Der Bau selbst

Der Bauart nach zerfällt das Gotteshaus in 5 Teile: Die Krypta, den im Schiff eingebauten Teil der alten romanischen Kirche, den gotischen Chor, das heutige Schiff und den Turm.

Die Krypta, die unter dem vorderen Schiff liegt, ist 10 Meter lang, 12 Meter breit und 2,60 Meter hoch. Das Deckengewölbe wird von 4 x 3 viereckigen Säulen ohne Kapitäl getragen. Die Säulen stehen auf je einer viereckigen Basis. An der Ostwand steht in einer Apsis ein 119 Zentimeter langer, 104 Zentimeter breiter und 112 Zentimeter hoher, steinerner Altar ohne Aufsatz. Dieser hat an seiner Vorderseite eine ca. 40 Zentimeter tiefe Oeffnung, die vermutlich zur Aufbewahrung von Reliquien gedient hat. Eine ähnliche kleine Nische ist auch rechts über dem Altar.

In der Süd- und Nordmauer befinden sich insgesamt 5 Oeffnungen gegen den Friedhof zu, die sich nach innen erweitern. Durch sie dringt Luft und ein wenig Licht ein. Die Nordwand mit den größeren Fenstern wurde, wie aus dem verwendeten Material ersichtlich ist, vor längerer Zeit erneuert. In der Mauer hinter dem Altar sind drei Nischen, die mit den eben bezeichneten Luftlöchern große Aehnlichkeit haben und früher, als der Chor der Hauptkirche noch nicht stand, ebenfalls ins Freie gingen. In den Mauer-Ecken links und rechts des Altars sind 2 große, zugemauerte Türöffnungen. Dem Altar gegenüber in der Westwand ist eine apsisartige Nische, die 97 Zentimeter hoch, 90 Zentimeter breit und 50 Zentimeter tief ist und ohne Zweifel zum Aufstellen einer Heiligenfigur diente.

In der Nordwestecke der Krypta ist in der Mauer ein großes Loch, der Rest einer zugemauerten Türe, von dem von jeher angenommen wurde, daß es die Oeffnung für einen unterirdischen Gang sei, der nach Heilsbronn führte. Grabungen anläßlich einer Renovierung der Kirche 1893 vermochten keine Aufschlüsse zu geben.

Der ganzen Bauart nach dürfte diese Kapelle frühromanisch sein oder der karolingisch-ottonischen Bauzeit angehören. Bereits um 1500 wird sie als sehr alt bezeichnet. Der Lage nach ist es nicht ausgeschlossen, daß sie zur Zeit ihrer Entstehung Burgkapelle war.

Sie entbehrt heute jeden Bildschmuckes. Früher war hier ein schöner, hölzerner Altaraufsatz, der 1879 ans Germanische Museum in Nürnberg verkauft wurde. Der Aufsatz stellt die Messe des heiligen Gregorius dar. In der Mitte des Hochreliefs befindet sich der Auferstandene, hinter ihm das Kreuz mit dem Rock und der Geißel. Im Vordergrunde links kniet Gregorius, dem von einem dahinterstehenden Bischof die Papstkrone aufgesetzt wird. Gregorius gegenüber kniet der Kardinal Bonaventura; hinter diesem steht ein Geistlicher.

Der Schöpfers dieses Kunstwerkes ist nicht bekannt.

Die Krypta erreicht man vom Schiff der oberirdischen Kirche aus durch eine schmale Steintreppe in der Nähe der Kanzel. Der Plan, sie in eine Kriegergedächtniskapelle mit 2 Eingängen vom Kirchhof aus umzuwandeln, wurde leider nicht verwirklicht. (Sage von der unterirdischen Kirche!)

Vom Schiff hat der dem Turm zunächst liegende Teil schon der alten romanischen Kirche angehört. Dazu gehört die Westwand mit den beiden schießschartenähnlichen, heute zugemauerten Fensterchen die Umrahmung des Nordportals, die westlichen Teile jener Hohlkehlen, welche die Seitenwände gegen das Dach abschließen, zwei vorstehende Mauersteine an der Südwand neben dem Portal, die als Träger für einen Balken dienten und auf einen Anbau schließen lassen, so wie die kleinen romanischen Fenster im Schiff. (1507 wurde für 3 lb. 9 Pf die Hütten auf dem Kirchhof gedeckt). Wie man in der Nähe des Turmes erkennen kann, war früher das Dach flacher; das Innere des Schiffes war daher auch bedeutend niederer als heute.

Der spätgotische Chor, gedeckt 1507, hat 6 hohe Fenster. Die Rippen des Kreuzgewölbes im Innern laufen in der Mitte der Decke in eine Blume aus.

Das Innere des Chores wurde 1624 von dem Maler Egidius Zimmermann aus Nürnberg mit Bildern von der heiligen Dreifaltigkeit, den 4 Evangelisten und dem jüngsten Gericht ausgemalt.

An der äußeren Ostwand des Chores ist ein wahrscheinlich auch aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammender Oelberg, der zum Teil durch Verwitterung gelitten hat. Von den alten Bemalungen kann man noch ganz gut ein Bild mit dem Judaskuß und das der Stadt Jerusalem erkennen.

Die im Jahre 1624 renovierte Kirche wurde nach dem Brande von 1627, bei dem das Schiff vollkommen ausbrannte, neu errichtet. Bei der Erbauung ließ man sich in erster Linie von Zweckmäßigkeit-Rücksichten leiten (30jähriger Krieg) und erbaute unter Benützung der noch stehenden Mauern das Schiff in der heutigen Form.

In der Nähe der Brauttüre auf der Nordseite befinden sich, ähnlich wie am Glockentürmchen der Kirchhofmauer und an vielen anderen fränkischen Kirchen, (auch in Buchschwabach,) Wetzfurchen und Rillen, deren Bedeutung noch nicht feststeht.

Der Turm (52,25 Meter hoch,) hat unten eine Mauerstärke von 2,50 Meter, an den Schall-Läden noch eine solche von 1,70 Meter. Er ist durch 4 Friese horizontal gegliedert, ähnlich wie die Osttürme des Bamberger Doms. Die beiden oberen Friese sind mit Köpfen und Wappen verziert, von denen auf der Südseite der mittlere Kopf im 3. Fries, ein Frauenkopf mit jugendlichem Antlitz, als jener der Nürnberger Burggräfin Elisabeth (Schönelse), geboren 1383 auf der Burg Trausnitz als Tochter des bayerischen Herzogs Friedrich von Landshut, der Männerkopf darüber, also im 4. Fries, als Kopf ihres Gemahls, des Burggrafen und späteren Kurfürsten (1415) Friedrich I., geboren 1371, angesehen werden. Auf der gleichen Turmseite befindet sich zwischen dem 1. und 2. Fries das Wappen der Elisabeth, von 1401–1442 Burggräfin von Nürnberg war 90. Dieser Umstand, sowie die außerordentliche Aehnlichkeit mit dem Zirndorfer Kirchturme, der die Jahreszahl 1414 trägt, rechtfertigen die Annahme, daß der Roßtaler Kirchturm in seiner heutigen Form zur Zeit der Burggräfin Elisabeth erbaut wurde.

Wappen der Burggräfin Elisabeth
Wappen der Burggräfin Elisabeth († 1442)

Auf der Südseite und auch auf der Nordseite rechts oben befindet sich in Form eines Wappens je ein Hüttenzeichen jener 2 Bauhütten, die den Kirchtum errichteten.

An den Quadersteinen des Turmes befinden sich zahlreiche Steinmetzzeichen, unter denen 3 besonders häufig wiederkehren. Eines davon findet sich sowohl in den untersten wie in den obersten Teilen, was auf eine verhältnismäßig kurze Bauzeit schließen läßt.

Für die Annahme, daß es sich unten um einen Doppelturm handelt, konnten keine sicheren Anhaltspunkte gewonnen werden. Ueber den Schalläden der Nordseite befinden sich 2 Nischen, deren Bedeutung unbekannt ist. Zwei Turmfenster wurden 1893 in Spitzbogenfenster umgearbeitet. Auf der südlichen Turmseite befindet sich zwischen dem 1. und 2. Fries eine Sonnenuhr, die 1893 durch den Schreinermeister Hans Blümlein erneuert wurde.

Den oberen Abschluß des Turmes bildet eine Laterne, auf der eine Wetterfahne sitzt.

Innere Ausstattung der Kirche.

Das Innere der Kirche ist sehr geräumig; trotzdem war es notwendig an der West- und Nordseite zwei Emporen anzubringen. Letztere werden von den männlichen, sämtliche unteren Stühle im Schiff mit Ausnahme jener im sogenannten Branntweinstüblein von den weiblichen Kirchenbesuchern benützt. Die Kirche zeigt wenig Schmuck; bis 1893 waren alle Mauer- und Holzteile im Innern, auch die alte Orgel und Altarteile mit weißer Tüncherfarbe überstrichen, was namentlich in der Zeit des Rationalismus üblich war.

1893 wurde die Innenkirche nach den Plänen des Nürnberger Architekten Th. Eyrich durch den Malermeister C. F. Scheibenberger-Rothenburg und die Roßtaler Baumeister Michael Eckstein und Joh. Gg. Birnbaum geschmackvoll hergerichtet.

Im Chor steht der große Hauptaltar mit gotischen Verzierungen. Hinter diesem befindet sich an der Ostwand der Kirche ein kleinerer Altar mit einem in Holz geschnitzten Abendmahl. Die Bilder beider Altäre wurden 1893 angebracht; es sind Neuschöpfungen und zwar zeigt jenes am Hauptaltar die Beweinung Christi 91 und das am Nebenaltar den Kampf in Gethsemane. Hinter dem Hauptaltar, der ursprünglich bis an die vordere Grenze des Schiffes reichte und 1893 versetzt wurde, lag eine Grabplatte aus Marmor mit dem Bildnis des verstorbenen Geistlichen Johann Neff und der Umschrift:

Anno dni. 1512 quarta nouebris obijt honnlis dus Johes Neff hus eccliae vice plebanus qua rexit 43 annis cuis amma requiescat in pae amen.

Uebersetzung: Im Jahre 1512 am 4. November verstarb der ehrwürdige Herr Johann Neff, Leutpriester dieser Kirche, welcher er vorstand 43 Jahre. Seine Seele ruhe in Frieden, Amen.

Johannes Neffs Grabstein
Johannes Neffs Grabstein

Jetzt ist der schön gearbeitete Stein neben der Sakristeitüre angebracht.

Neben Neffens Grab war ursprünglich eine rauhe Steinplatte mit dem bronzenen Epitaph des ersten evangelisch lutherischen Geistlichen Johannes Lazarus. Das Epitaph ist nunmehr mit noch anderen Tafeln an der südlichen Chorwand angebracht und hat folgende Inschrift

Venerabilis Dus Johan Lazarus hujus Eccliae
pastor obijt Die 20. Octobris. † MDXLVI.

Uebersetzung: Der verehrungswürdige Herr Johannes Lazarus, Pfarrer an dieser Kirche, starb am 20. Oktober 1546.

Johannes Neffs Grabstein
Epitaph des Pastors Joh. Lazarus († 1546)

An der gleichen Wand hängt auch ein großes Bild mit folgenden 4 Gruppen: Sündenfall, Kreuzigung, Eherne Schlange, Abendmahl.

Diesem gegenüber befindet sich eine Kreuzigungsgruppe: ein großes Kruzifix, unter diesem ein altes Bild mit den Errungenschaften der Reformation und zwei Holzfiguren, Maria und Maria Magdalena darstellend.

Mitten im Schiff an der Südwand ist die in Stein gearbeitete Kanzel mit einem großen schönen Schalldeckel. In die 3 vorderen Felder derselben sind Bilder eingemalt, die Gesetzgebung, die Sintflut und die Taufe Jesu.

1628 wurde sie von dem Kastner Johann Georg Beck zu Cadolzburg, dessen Wappen am Kanzelfuß angebracht ist, gestiftet.

Neben der Kanzel ist eine Gedenktafel mit nachstehender Inschrift: Zum Andenken an die im Kriege gegen Frankreich 1870 und 71 für das Vaterland Gebliebenen aus der Gemeinde Roßstall.

Joh. Brosch von hier, † in Antony 29. Sept., Thom. Rupprecht von Weinzierlein, gef. bei Orleans, Joh. Mich. Arnsberger von Buchschwabach, gef. bei Orleans, Heinrich Hörlein v. Buttendorf, gef. bei Sedan 1. Sept. 1870, Joh. Müller v. Weinzierlein, gef. bei Sedan 1. Sept. 1870, Gg. Insenhöfer von Stöckach, † in Rosenheim.

Die dankbare Pfarrgemeinde
2. Sept. 1875.

Über dem südwestlichen Eingang der Kirche ist das Sammelwappen der Ansbacher Markgrafen und über dem Südöstlichen eine große Gedenktafel für Christoph Schwartz, einem Freund der Jägerei, † 1693.

Von der Decke herab hängen 2 Kronenleuchter, der eine aus Messing und der andere aus Glasperlen. Ersterer wurde nach einer Aufzeichnung des 1731 verstorbenen Geistlichen Schülin von einem aus Roßtal gebürtigen Kaufmann Georg Drach gestiftet, als er von Ostindien zurückkehrte, wo er viele Jahre gewesen war. (Drachenleuchter!) Der andere Kronenleuchter ist ein Geschenk des Paul Fischhaber vom 11. Mai 1826.

Wohl eine der herrlichsten Zierden der Kirche ist die von dem Orgelbauer Strebel-Nürnberg im Oktober 1893 gelieferte Orgel mit 2 Manualen und 20 klingenden Registern.

Von den Fenstern sind 2 Scheiben erwähnenswert.

In einem Fenster der nördlichen Kirchenmauer ist eine Butzenscheibe mit Umschrift so angebracht, daß sie auf der unteren Empore gut gesehen wird. Der Text ist folgender: Christoph Hainrich Ayrer D Für. Brand. Gehaimer Vvnd Lanndschafft Rath auch Cammermeister zu Onoltzbach. Ao. 1628. 1627 war die Kirche durch Blitzschlag niedergebrannt und es wird angenommen, daß Christoph Heinrich Ayrer den Kirchenbau tatkräftig unterstützte.

Fensterscheibe mit Inschrift
Fensterscheibe mit Inschrift (Nordseite der Kirche)

Auch das mittlere Chorfenster der Kirche hat ungefähr in seiner Mitte eine bemerkenswerte Scheibe mit nachstehender Inschrift: Sigiilum Carl Wilhelm Friedrich Poehlmann. 24. May 1773. (Näheres über denselben siehe Gedenktafel!).

Zu erwähnen sind noch die Kirchenstühle auf der unteren Empore ungefähr zwischen Altar und Kanzel. Sie sind durch 4 Wappen (das Hohenzollersche, Bayerische, Brandenburgische, …) und sonstige Verzierungen gekennzeichnet und waren früher durch Gitter verschließbar. Unter diesen ist das sogen. Branntweinstüblein; diesem gegenüber sind die Kreuzstühle.

1925 wurde in der ganzen Kirche das elektrische Licht eingerichtet, das am 24. Dezember abends zum ersten Male brannte.

Auf der Nordseite des Chores ist eine gotische Sakristei angebaut, in der sich außer einem wertvollen alten Schrank und 2 kleineren hölzernen Behältern noch Gestelle für die Klingelbeutel, ein abgeänderter Beichtstuhl und eine elektrische Schalttafel befinden. An den Wänden sind 2 große Marmorsteine, die früher im Chor lagen, befestigt. Sie erinnern an den Cadolzburger Oberamtmann Ludw. Gg. Christoph von Schlammersdorff, † 1751 und an dessen Ehefrau Eleonora Johanna Susanna von Schlammersdorff, geb. von Stibar, † 1741.

Ausstattung der Außenwände.

Das Schiff hat vier große Portale und seit 1893 auch 1 kleine Türe. Der Haupteingang, Brauttüre genannt, ist auf der Nordseite gegenüber dem Glockentürmchen der Kirchhofmauer. Er fällt durch seine altertümliche, quadratische Umrahmung auf, in der die Jahreszahlen 1518 und 1774 (renoviert!) eingemeißelt sind.

Oestlich neben der Brauttüre sind zwei marmorne Gedenktafeln, je 180 Zentimeter hoch und 90 Zentimeter breit mit nachstehenden Inschriften:

In stiller Ruhe
von Engeln bewacht
schlafen in der ganz nahen Gruft
die modernde Gebeine
des Weyland
Hoch Edelgebornen Herrn
Herrn Carl Wilhelm Friedrich Pöhlmanns Hochfürstl. Br. Onolzb.
Cammer Sekretarii Lehen-Comissarii und Amts Richters allhier
welch letztere Aemter
Er 11 Jahr als Adjunctus
2 Jahr alleine geführt
und sich damit
den Ruhm eines Einsichtvollen Mannes
erworben hat.
Er starb den 29. Jan. 1775.
Seinen frühen Tod
der ihn im 49.sten Jahr seines Alters
der Zeitlichkeit entrissen
beweinen mit zärtlicher Liebe
die hinterlaßene Frau Wittwe
Frau Anna Elisabetha geborene Rhauin
und 5 Kinder
davon das letzte noch ehe als es geboren
Zum frühen Wayßen worden
Voll trauriger Wehmuth
durchdrungen von Regungen des Dancks
errichten Sie
Ihrem verewigten Mann und Vatter
dies Denckmal
der Liebe und der Dankbarkeit.

Im Leben verbunden Im Tod ungetrennt
ruhet
in naher Gruft
Ein noch in seiner vermengten Asche
verehrungswürdiges Ehe-Paar
nemlich der Weyland
Hochedelgeborne Herr
Herr Johann Michael Rhau
Hochfürstl. Brandenb. Onolzb. Lehen Commissarius
und wohlverordneter Amts-Richter allhier
welcher 1697 den 25. May
in Weidenberg gebohren
und nach 35jährigen treuen Führung
hiesiger Aemter
Anno 1772 den 25. August seelig verschieden
Und dessen treue Ehegattin
die Weyl. Hochedelgeborne Frau
Frau Francisca Barbara geborne Stetterin
von Windsheim gebürtig
welche nach 28jähriger zufriedener Ehe
im 51. ihres Alters
zum schmerzlichen Leidwesen Ihres geliebtesten Gatten
Den 2. Nov. 1747 entschlafen
Dieser Theuern Eltern schlafende Gebeine
verehren
aus Regungen des Danckes
mit diesem Denkmal der Liebe
die hinterlaßene Kinder und Enckel.

Unweit dieser beiden Gedenktafeln sind in die gleiche Kirchenwand folgende Worte unregelmäßig eingemeißelt: Anno Domiend (!) 1616 den … ist in Gott veschiden (!) Georg Witman zu Roßtal.

In der Nähe der nordöstlichen Kirchentüre befindet sich in der Hohlkehle unmittelbar unter dem Dache ein alter in Stein gearbeiteter Kopf, der nach Ansicht Sachverständiger ein Ueberrest der alten romanischen Kirche ist.

Römischer Kopf
Römischer Kopf an der Nordseite der Kirche

Auch an der südlichen Außenseite des Kirchenschiffes sind, ähnlich wie an der nördlichen, Gedenktafeln angebracht. Sie sind zu beiden Seiten der südwestlichen Kirchentüre. Oestlich derselben befindet sich eine ziemlich große Marmortafel mit folgenden Angaben:

Hier in jener Gruft
Ruhet das Sterbliche und verweßlich weyl.
S. T. Herrn Magister
Ernst Georg Schülins
erstlich Diaconi bey der Evangelischen Kirche zu Dünkelsbühl, dann Pfarrers zu Prichsenstadt und letztens 32jähriger Pfarrer zu Roßtall auch Senior des Decanats Langenzenn, welcher gebohren zu Anspach den 15. Febr. 1658 und seelig verstorben
den 12. Maii 1731
Nachdem er Gott in Lehr- und Predigt-Amt
treulich gedient 43 Jahr
Seines ganzen Alters 73 Jahr 3 Monat.
Leichentext 1. B. König XIX. V. 4.
Es ist genug, so nimm nun Herr meine Seele, ich bin nicht besser denn meine Vätter.
Dann auch
das Sterbliche seiner lieben und getreuen Ehegattin
Frauen Euphrosine Susanna
weyl. Herrn Johann Heinrich Baumgärtners
Pfarrers in Prichsenstadt ehelichen Tochter
mit 6 Ihren lieben Kindern.
Sie ist gebohren den 6. Oktober 1670
und seelig verstorben den 1. Mai 1738.
Ihres Alters 67 Jahr 7 Monat.
Und erwarten die Unsterblichkeit
in der letzten Offenbahrung Jesu Christi.
Leichen-Text Philipp. 1. V. 23.
Ich habe Lust abzuscheiden
und bey Christo zu seyn.

In der Nähe der Schülinschen Tafel sind noch zwei etwas kleinere ähnliche Erinnerungssteine und zwar eine für Johann Leonhard Kündinger, 1. Pfarrer zu Roßstall, † 15. Oktober 1870

und eine

für Johannes Grün, 1. Pfarrer in Roßtal (1903–1920), † 6. XII. 1920.

Auf der anderen, linken Seite der südwestlichen Kirchentüre ist eine marmorne Platte angebracht, die an den Roßtaler Diakon Johann Strebel erinnert, der am 10. Sept. 1665 geboren war und am 17. April 1703 starb.

Ueber diesem Gedenkstein ist ein Epitaph eingemauert, das folgende Inschrift hat:

Ein treuer Knecht des Herrn
ruht sanfft in dieser Grufft
Biß der Posaunen Hall, Ihn
aus der Höhle rufft.
weyland
S. T. Herr Abraham Heinrich Lipß,
in die 20 Jahr treu meritirter Pfarrer
zu Wülzburg, Heydenheim und
Roßstall,
welcher geboren
zu M. Stefft, den 20. Juni 1695
in Zweyfacher Ehe 11 Kinder erzeugt,
als mit
Frau Anna Sophia, geb.
Liedermännin, die auch in dieser
Grufft ruhet 7. Dann mit
Frau Anna Elisabetha
geb. Rötterin 4.
Starb seelig den 17. Mart. 1747
alt 51 Jahr 9 Monat
(Goß mich Hans Jacob Schmidt A. 1748).

Von den Glocken

Unser Frankenland ist reich an schönen und großen Glocken. Solche von über 100 Ztr. sind nur wenig vorhanden; die größte unter den alten Glocken besitzt die Skt. Lorenzkirche in Nürnberg; sie wiegt 156 Zentner und ist aus dem Jahre 1392. Alle anderen alten Kirchenglocken des Frankenlandes sind bedeutend kleiner und unter ihnen zählen wohl die Roßtaler mit ihren zahlreichen Sagen zu den schönsten und bekanntesten 92).

Der auffallend massive Turm birgt z. Zt. vier Glocken mit den Tönen cis d e g, die zusammen eine Verbindung des melodischen Charakters durch die Tonreihe cis d e und des harmonischen durch den verminderten Dreiklang cis e g darstellen, eine Verbindung, wie man sie nur bei ganz großen Geläuten vorfindet. Der wuchtige Klang der Roßtaler Glocken wird bei günstigen Wind- und Wetterverhältnissen bis Nürnberg, bezw. bis in die Gegend von Ansbach gehört.

Ueber die Glocken der im 11. Jahrhundert erbauten Kirche ist nichts mehr bekannt. Die ältesten Nachrichten über das hiesige Geläute finden sich in den Nürnberger Ratsverlässen über Kunst und Künstler, herausgegeben von Dr. Th. Hampe, 1904 93. Denselben ist zu entnehmen, daß der Glockengießer Pangraz Bömer um 1585 für Roßtal Glocken goß, die zu groß ausfielen.

Als 1627 Turm und Kirche durch einen Blitzstrahl angezündet wurden und ausbrannten, wurden einem Bericht des damaligen Pfarrers Bernhold zufolge auch sechs schöne Glocken vernichtet. Nach der Kirchenrechnung fürs Jahr 1629 94 wurden die 4 neuen Glocken von dem Stück- und Glockengießer Georg Herold in Nürnberg hergestellt.

1698 beschädigte ein Blitz den Turm abermals, so daß die Glocken 1702 erneuert werden mußten. Sie sind mit Ausnahme der größten Glocke, die 1736 umgegossen wurde, noch heute auf dem Turme.

Die größte Glocke, Zwölfuhrglocke genannt, mit dem Tone cis, wiegt 44 Zentner und hat am untersten Rande einen Durchmesser von 155 Zentimeter. Am Oberen Ring findet sich die Inschrift: Christian Viktor Herold in Nürnberg goß mich. Auf der Westseite hat die Glocke ein Wappen mit Adler, auf dessen Brust sich ein viergeteiltes Wappen befindet. Auf der gleichen Seite sind noch folgende Inschriften angebracht:

Unter glückseelicher Regierung
des durchl. Fürsten und Herrn
Herrn
Carl Wilh. Fried.
M Z B H I P
"

und

So offtmals dieses Ertz mit seinem Schall erthönt, Wird unser Fürstenhaus mit neuen Heil gekrönt.

Schrift auf der Ostseite der Glocke:

Diese Glocken so im XVII sek. zweymal durch unglückl. Brand zerschmolzen und a. 1728 durch einen Sprung unbrauchbar worden ist im Jahr 1736 durch Gottes Gnaden wieder von der Gemeinde hergestellet

als
Ihro Hochfreyherrl. Gnaden
Herr
Ludwig. Georg Christ. v. Schlammerstorf
Oberamtmann,
Abrah. Heinr. Lips Pfarrer
Johann Samu Biebelt Diac
Joh. Gottfr. Rötter Richter
Joh. Kaspar Schneider und
Joh. Schiker heyl Pfleger
Barth Wolf Burgerm
waren.

Die zweite oder Elfuhrglocke mit dem Tone d hat am untersten Rand 136 Zentimeter Durchmesser.

Ihre Kroneninschrift lautet:

Johann Konrad Roth had form und leben dort in Vorchheimb mir gegeben und mich gantz gegossen neu im Jahr siebzehenhundertzwei.

Darunter steht um die Glocke der Spruch:

Zu Ehren Gottes ich erklinge
zur Trauer und Freud den Thon ich bringe.

auf der Ostseite der Glocke finden sich die Verse:

Unsern Fürsten Gottes Güte
Leite schütze und behüte.
G F M Z B.

(Georg Friedrich Markgraf zu Brandenburg.)

Er laß in Kaisers Rechten
Seinen Arm glücklich fechten.
Süd und Westen müßte Weichen
und von Gottes Allmacht zeigen.

Zwischen den beiden letzten Sätzen ist ein von zwei Löwen gehaltenes Wappen, das in 5 x 3, also 15 Schilde geteilt ist.

Darunter stehen die Worte:

Es schütze den Helden das englische Heer
Siegprangend ergehe wie Gideons Heer. Dan solle
dis Erze ertönen und klingen dem Höchsten
soll unser Mund dankend lobsingen.

Die dritte oder Gebetglocke hat den Ton e und ist am untersten Durchmesser 117 Zentimeter weit.

Die Kroneninschriften sind lateinisch verabfaßt:

tuam Rex Christe red glor laudemgue
sonor haec aera crepabund 1702.

Nos fer fulm exustas audac et
fraut mich arnoldi norimb pess
confl man erin joh cunr Roth
el mogunt fus felic refund a MDCCII.

Auf der Westseite dieser Glocke befindet sich ein in 15 Felder geteiltes Wappen.

Die Ostseite ist mit einem Lorbeerkranz versehen, in welchem sich folgende Aufzeichnungen vorfinden:

Q D B V

d. h. quod deus bene vertat = Was Gott gut wenden möge!

Joseph I. Regi Romano Augusto libertate Europae ex gallo – hisp. cis machinationibus restituta iterum maximo anni anni 1702 tempore, quo haec campanula refusa, ad armaturam Rhenanam hos fines permeanti fidi Germani triumpi victoriam precantur vives.

Uebersetzung: Für Joseph I. 95, den erlauchten römischen König, der aus den französich-spanischen Wirren heraus die Freiheit Europas wiederhergestellt und nun gegen Schluß des Jahres 1702, in dem diese Glocke neu gegossen ward, auf dem Weg zu den Waffenplätzen am Rhein hier durchpassierte, erbitten treue deutsche Bürger vollständigen Sieg.

Die vierte oder Taufglocke mit dem Tone g hat am untersten Rande 100 Zentimeter Durchmesser.

Die Kronensprüche lauten: Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr Zebaoth; alle Land sind seiner Ehre voll.

Dasig Erz zum Klang gebracht
hat Johann Konrad Roth gemacht
zu Vorchheimb anno MDCCII.

Auf der östlichen Seite dieser kleinsten Glocke befindet sich ein Relief: Pieta, Christus von einer Frau mit Heiligenschein (Maria) im Schoß gehalten, darunter ein Engel mit Korb.

Unter dem Relief stehen die Worte:

herr jesu dir sey dis geleüt
zur ehr und dienst allein ergeben
bewars für feüer und böser zeit
für uns aus gnad ins ewige Leben.
Stephan Rot.     Peter List.

Auf der Westseite der Taufglocke ist seitlich ein Wappen. Darüber befindet sich eine Krone und über dieser wieder ein Streifen mit den Buchstaben

G F M Z B

(Georg Friedrich Markgraf zu Brandenburg). Das Wappen ist in 15 Felder eingeteilt, von denen immer drei nebeneinander sind. Unter diesem Wappen sind folgende Buchstaben

I N G     H E T

Zu erwähnen ist noch das Glöcklein auf dem Torturm der Kirchhofmauer 96. Es wiegt kaum einen Zentner und hat bei einem unteren Durchmesser von 36 Zentimeter den Ton c.

Kronenspruch:

Zu Ehren Gottes lies mich giesen
durch das Fevr mvst ich fliesen.
Mich. Franck in Nvrnberg Anno 1694.
Wolfgang Richter von Deberndorff.
Soli deo gloria.

Ob das Glöcklein eine Lärmglocke war oder neben den großen Glocken auf dem nahen Kirchturme kirchlichen Zwecken diente, kann vorläufig nicht festgestellt werden.