Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Von den Kapellen
(Jakobs- und Bartholomäuskapelle)

In früheren Zeiten befanden sich in Roßtal auch zwei Kapellen. Pfarrer Wolßhofer schreibt hierüber 1760 folgendes 97: Von den Capellen weiß ich so viel, daß die Capelle, die gleich bey der Kirch steht, und die noch vollkommen gut ist, dem Heyl. Jacovo alß Patrono gewidmet geweßen, weil man auch alle Jakobitag eine Kirchweyh in Roßstall hat; Gottesdienst ist wohl bey viel Menschenalter nicht darinnen gehalten, und deßwegen endlich zur Registratur gemacht worden 98. Es muß aber noch eine Capelle hier geweßen seyn, weil noch im Dorff Roßstall, außen, wo man gegen Weinzierlein zugeht, einige Häuser auf ihrem Grund, die Cappel genennt werden, auch daselbst ein Hoff ist, deßen Innhaber allzeit der Cappel Bauer genennt wird. Sie muß St. Bartholomeus geheyligt geweßen seyn, weil wir in Roßstall so gar die dritte Kirchwey am Bartholomei Tag haben.

Es wird vermutet, daß sich in der Kappel auch der Roßtaler Siechkobel (Krankenhaus für Aussätzige) befand, zu welchem ein Zehnt von Volkersdorf, jetzt Gutzberg, gehörte 99.

Die Einrichtung von Siechkobeln war eine gesundheitspolizeiliche Maßnahme. Durch die Kreuzzüge wurde eine ansteckende Krankheit, der Aussatz, nach Europa verschleppt und namentlich in Deutschland sehr verbreitet. Die ärztliche Kunst versagte und man sah sich gezwungen, die ekel- und mitleiderregenden Kranken von den Gesunden zu trennen und sie in Siechhäusern unterzubringen, sie auszusetzen. Mangel ließ man die Siechen nicht leiden, denn in der ekelhaften Krankheit erblickte man den gleichsam nach außen getriebenen Sündenschmutz. Man nannte die Aussätzigen Gottes liebe Arme. Auch auf das Seelenheil der Unglücklichen war man bedacht. Das Laterankonzil von 1197 sprach den Aussätzigen das Recht zu, eigene Kirchen und Kirchhöfe zu haben. Man findet deshalb in der Nähe der Siechkobel, die gewöhnlich an wichtigen Verkehrsstraßen lagen, kleine Kirchen und Friedhöfe. Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die schreckliche Krankheit in Deutschland wieder ab.