Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Nachrichten von Pfarrern

Die Nachrichten über Geistliche gehen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Damals versahen die Inhaber der Roßtaler Pfarrstelle gar oft ihren Dienst nicht selber; sie ließen sich durch Vikare vertreten. Solche Geistliche heißt man Pastores veri.

Pastores veri waren dahier: 100

  1. 1420 Heinrich Peheim,
  2. 1450 Wilhelm von Reichenau, Dompropst Aystedt,
  3. Johannes Kautsch, Domherr zu Augsburg, † 1462,
  4. Thomas Pirkheimer, des Stuhles zu Rom Protonotarius und Referendarius, Rat der Herzöge Johannes und Sigmund von Ober- und Niederbayern,
  5. Dr. Endres von der Klingen, † 1494,
  6. Eberhard von Rabenstein, Domherr zu Bamberg, 1494.
  7. Theodorich von Rheda, Propst zu St. Severin in Erfurt. Dieser war der letzte Pastor verus in Roßtal.

Vikare für die Vorgenannten 101

  1. Johannes Neff, seit 1469, † 4. XI. 1512,
  2. 1511 Pfarrherr Ferber, hernach Dechant im Stift Ansbach,
  3. 1511 Konrad Meyer und Wolfgang Link, Kapläne,
  4. 1512 Stephan, Kaplan,
  5. 1513 Balthasar Jung,
  6. 1514 und 1517 Konrad Wenger,
  7. 1515 Konrad Bayer, Pfarrverweser,
  8. 1520 Ambrosius Enk,
  9. bis 1528 Thomas Appel (Beginn der Reformation in R.) Appel nennt als seinen Widersacher, der die Gemeinde gegen ihn aufhetzt, den Frühmesser in Buttendorf, Hans Sutor.

Geistliche nach der Reformation 102

A. Auf der ersten Pfarrstelle:

Johann Lazarus, † 1546, früher Pfarrer in Schopfloch,
1547–1582 Wolfgang Hofmann,
1584–1608 Sebastian Schuler,
1608–1612 Georg Aigenbeck aus Feuchtwangen,
1613–1620 Michael Treu, † 17. XI. 1620,
1621–1639 Johannes Balthasar Bernhold,
1640–1642 Paulus Christian Spiegel aus Halle in Sachsen,
1643–1659 Martin Kettner,
1660–1674 Stegmann, vorher in Wettelsheim,
1674–1697 Johann Georg Vogtherr aus Gunzenhausen,
1697–1731 Ernst Georg Schülin, vorher in Prichsenstadt 103
1731–1734 Magister Johann Heinrich Schülin, Sohn des vorigen Pfarrers,
1735–1747 Abraham Heinrich Lips, † 17. III. 1747,
1748–1762 Friedrich Wilhelm Wolfßhofer aus Ansbach,
1762–1783 Karl Friedr. Theodor Zinn,
1783–1793 Johannes Jakob Klett,
1794–1829 Heinrich Sigismund Eberhardt, † 13. VI. 1829,
1830–1846 Friedrich Jakob Ludwig Böswillibald,
1846–1861 Johann Ulrich Hühne aus Hof, † 25. II. 1861,
1861–1870 Johann Leonh. Kündinger,
1871–1879 Johann Wilh. Fuchs, früher in Ammerndorf,
1879–1885 Christian Lotzbeck,
1886–1888 Georg David Ludwig Theodor Fischer,
1889–1900 Karl Philipp Friedr. Schirmer aus Windsheim,
1900–1903 Pfarrverweser Arnold, später in Brasilien, dann in Füssen,
1903–1920 Johannes Friedrich Grün, † 6. XII. 1920;
seit 1. Oktober 1921 Friedrich Sauer, geb. 19. Febr. 1867 zu Michelau (Ofr.).

B. Auf der zweiten Pfarrstelle

1534 Kaplan Jakob Keutheimer,
1534 Pfarrverweser Georg Brösel,
1538 Kaplan Stephan Bernet,
1541–1547 Kaplan Valentin Ebner,
1547 Georg Pörner,
1550 Kaplan Benedikt Kepner in Buttendorf,
1550 Kaplan Leonhard Kettner,
1551 Kaplan Kilian Bysenhard,
1561–1563 Diakon Nikolaus Preusinger,
1565 Georg Beihel,
1569 Georg Luntz aus Ehingen,
1572 Hieronymus Crato,
1577 Jakob Luntz, Kaplan,
1577 Kaplan Benedikt Deubelius,
1582–1592 Johann Neumeyer aus Weiltingen,
1592–1601 Michael Bermuth,
1601–1609 Friedrich Scherzer; diesem starb 1602 ein Kind an der Pest;
1609–1615 Matthäus Zielmüller aus Wassertrüdingen,
1617 Kaplan F. Treu,
1620 Georg Agricola aus Lauf,
1620–1632 Georg König von Hirschlach; 1632 wurde er von Kroaten unweit Neuses in Stücke gehauen; nach dem Tode Königs wurde die zweite Pfarrstelle aufgehoben und erst 1698 wieder errichtet;
1698–1702 Johannes Strebel, † 17. April 1703,
Joh. Balthasar Geier
1703–1723 Joh. Balthasar Geier aus Regensburg, geb. 3. Mai 1677,
später in Büchenbach 104
1723–1731 Mag. Joh. Heinrich Schülin, Sohn des hiesigen Pfarrers, (1726) war Informator des Erbprinzen,
1731–1750 Johann Samuel Bibelt aus Ansbach, † 10. Juli 1750,
1751–1771 Christoph Philipp Mögelein aus Hechlingen,
1771–1790 Joh. Christoph Jakob Flechtner, † 14. XI. 1790,
1791–1795 Sigmund Christian Stieber,
1795–1807 Johann Alexander Heidenreich,
1808–1818 August Gustav Herrnbauer aus Adelhofen,
1818–1828 Stephan Ried,
1828–1833 Heinrich Großmann, später in Windsheim,
1834–1849 Dr. Heinrich Dambacher aus Oettingen,
1850–1863 Georg Veit Schaitberger,
1863–1868 Johann Fischer,
1868–1876 Johann Leonh. Götz,
1876–1879 Karl Karrer,
1879 bis
31. Okt. 1882
verwest durch Pfarrer Lotzbeck,
1. Nov. 1882 bis
1. Sept. 1886
Carl Heinrich Thomas Hecht,
1889–1891 Karl Siegmund Wilhelm Freiherr von Ebner,
1891 Verweser Bernhard Pfister,
1. Jan. 1892 bis
1. Dez. 1895
August Leopold Johann Memmert,
1895–1896 Verweser Gustav Kuhlmann,
1896–1916 Ernst Christoph Keller,
seit 1. Mai 1917 Siegmund Vogtherr, geb. 9. Febr. 1870 zu Heilsbronn.

Mesner

1586 Gös.
1603 Brügel.
1637 Hans Baßler, der bei grassierender Pest, weil schon infiziert, als Totengräber und Meßner zugleich aufgestellt wurde.
1640 Stephan Groß;
1650 Matthias Groß, Sohn des Vorgenannten.
1653 Jakob Rasching.
1674 Michael Groß. Derselbe bekommt eine bes. Belohnung aus der Kirchenstiftungskasse für Verjagung der Hunde aus dem Kirchhof bei grassierender Pest.
1731 Joh. Bartholomäus Müller.
1748 Joh. Martin Müller, Sohn des Vorgenannten.
Dann Martin Müller, Sohn des Joh. Martin Müller.

Die beiden Pfarrhäuser

Die Erbauung des ersten Pfarrhauses mit seinem schönen Giebelfachwerk fällt in die dunkle Vorzeit. In einem Balken des obersten Bodens fand sich die Nachricht eingeschnitten: 1438 durchaus repariert; es ist also schon lange Zeit vor 1400 entstanden und neben dem Schloß wohl das älteste Wohngebäude des Ortes. Ob es von Anfang an als Pfarrhaus benützt wurde, kann nicht mehr festgestellt werden, wohl aber diente es schon um 1400 dem Geistlichen als Wohnung. Die Roßtaler Pfarrbeschreibung enthält hierüber folgende Mitteilung: Im Salbuch der Burggüter zu Roßtal, die zum Schlosse Cadolzburg gehörten (Konf. A. 1414 S. 579) ist angeführt das Hochhaus, da der Pfarrer eingesessen ist; nach seiner Gestalt und Bauart steht dieses Haus noch heute als Pfarrhaus. Das Pfarrhaus war vor der Reformation und noch 1563 ohne Nachbargebäude, weshalb zum Schutze gegen Einbruch und Ueberfall um einen Zaun gebeten wird; die Markgräfl. Kammer gibt Holz aus dem herrschaftl. Wald. Das Pfarrhaus enthielt auch vor der Reformation (Konf. A. 1462) die ständige Wohnung für den Kaplan.

Das zweite Pfarrhaus ist ein hübsches, teils massiv teils in Fachwerk ausgeführtes Gebäude mit einem kleinen Hausgärtchen und einem Hinterhof. An der Außenseite der Westwand ist in 1 Meter Höhe die Jahrzahl 1538 eingemeißelt. In der unteren Kammer links der Haustüre befand sich an einem Quaderstein der Westseite die Inschrift: JOHANN HARTING hic fuit diaconus 1564.

1698 wurde das Kaplanhaus wieder gebaut.