Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Das Schulwesen

Wann die hiesige Schule eingerichtet wurde, ist urkundlich nicht festgelegt. Die älteste Nachricht über ein Schulhaus ist in einem Gült- und Zinsregister 106 enthalten, das 1474 angefangen wurde. Dort heißt es (Seite 2): Ein gut Schuelhauß, Ist des Gotshauß aygen mit aller zugehorung, ist zum meßenampt verordnet hatt etwo geben Funfzehen pfennig vnd Ein halb pfund Wachs. Solches gut hatt auff der Hoffreeyt Ein Hauß, Ein Stadel, Ein pachoffen, Ein gertlein Hinter dem Stadel, mit einer mauer umbfangen 107.

Nach obiger Beschreibung wurde zunächst das sogenannte Kantoratsgebäude (Hs.-Nr. 67) als Schulhaus für die Gesamtschülerzahl der Pfarrei benützt und Roßtal hatte nur einen Lehrer. Dieser mußte 1506 Hennengult für ein Haus und 1 fl. Handlohn 108 zahlen.

Für die Verrichtung der Nebengeschäfte in der Kirche war ein Mesner angestellt, dem eine Dienstwohnung zustand. Am 14. Januar 1725 klagt der Mesner Johann Bartholomäus Müller über das baufällige Mesnergebäude. Er schildert den schlechten Zustand mit folgenden Worten: … in deme solches Elendes Köbelein schon gegen 300 Jahre stehet und anfangs nur zu einem thorköbelein gebauet gewesen, hernachmals ein kleines Stüblein, Cämmerlein und Küchlein darein, zu einer Meßnerswohnung gemacht worden, alles sehr eng ist, und leyder! so beschaffen, daß bey eraignenden großen Winden, man in größten Sorgen darinnen lebet, daß der Wind es übern Hauffen werfen dörffte? oder auch ohne Wind einfallen möchte 109.

Trotzdem aber wurde vorerst kein neues Mesnerhaus gebaut. Mit Schreiben vom 9. September 1748 bat auch Johann Martin Müller, der das Mesneramt von seinem Vater übernommen hatte, ein neues Haus zu errichten. Er schrieb:

Es stehet das alte gebäude wohl schon 200 Jahre, ist nur zu einem Wacht-Häußlein gebaut worden und ist durch daß Alter gänzlich eingegangen, so das wan ich dasselbe bewohnen sollte müßen, weder ich noch die Meinigen eines natürlichen Todes sterben würden, in dem starcker Sturm Wind oft daßselbe schon so starck bewegt haben, daß die darinnen wohnende geglaubet es werr schon gefallen. Deßen werden das hießige Löbl. Richter Amt und Pfarrvicariat die gegründesten Zeugnisse geben können …

Es wird angenommen, daß obiges Torköbelein dort stand, wo sich heute das sog. Mesnergebäude (Hs.-Nr. 74) befindet.

1810 wurde die Schule geteilt und

  1. eine Kantorats- und Knabenschulstelle und
  2. eine Mädchenschul- und Mesnerstelle

errichtet.

Ueber den Umfang des Knaben- und Mädchenschulhauses gibt „die Gemeindestatistik der Volksschulen zu Roßtal“ von 1833 110 Aufschluß. Dort heißt es:

A. Schullocalität der Knabenschule:

a. Schulstube ist im oberen Geschoß, 9 ' hoch, 34 ' lang und 30 ' breit, sehr hell und geräumig.
b. Lehrerwohnung, ist gleich neben der Schulstube im 2ten oder oberen Geschoß mit einer Nebenkammer, Küche - im untern Geschoß, ebenfalls 9 Schuh hoch, ist auch eine Stube, nebst Stall. Das ganze Hauß ist, wie es der hier anliegende Grundriß giebt 53 ' lang und 33 ' breit.

Im Jahre 1864 erhielt das Kantoratshaus einen zweiten Stock, welcher auf 2500 fl. kam.

B. Lokalität der Mädchenschule

Diese ist 37 ' lang und 28 ' breit. Der untere Erdgeschoß ist 9 ' hoch und enthält eine Stube nebst Alcov, als des Lehrers Wohnung, nebst einer Küche.

Der obere Geschoß ist 8 ' hoch und enthält die Schulstube, welche 20 ' breit und 36 Schuh lang ist und sich durch das ganze Haus erstrecket. Neben der Schulstube ist noch ein kleines Kämmerlein, wie der Grundriß ergibt.

Außer diesen Localitäten ist noch ein kleiner Stall angebaut.

Nachtrag (mit rötlicher Tinte): ad B. Dieses Gebäude wird durch einen neuen Anbau und Errichtung eines zweiten Lehrzimmers, dann einer Kammer vergrößert, mit einem Kostenaufwand von 852 fl. -, welcher zur Hälfte von der Schulgemeinde, r. der Local-Schulcasse, und zur andren Hälfte von der Kirchenstiftung bestritten wird. Die alte Schüpfe und der daneben stehende Schweinestall, wurden weggerissen. Leider enthält diese Notiz kein Datum, und auch Rechnungen, die hierüber näheren Aufschluß geben könnten, sind noch nicht aufgefunden. An der Außenseite trägt der angebaute Westgiebel die Buchstaben M. E. (Matthias Eckstein, Maurermstr.?), die Jahreszahl 1838 und eine mit einem Hammer gekreuzte Zweispitz.

1833 und auch noch viele Jahre später gehörten folgende 19 Orte zum Roßtaler Schulsprengel:

Roßtal,
Buttendorf,
Clarsbach,
Großweißmannsdorf,
Herboldshof,
Kastenreuth,
Kernmühle,
Neuses,
Oberbüchlein,
Oedenreuth,
Sichersdorf,
Stöckach,
Trettendorf,
Unterbüchlein,
Weinzierlein,
Weitersdorf,
Wimpeshof,
Gutzberg,
Loch.

Die Orte Gutzberg und Loch hatten die Erlaubnis, ihre Kinder in die Schule nach Oberweihersbuch zu schicken. Mit Regierungsentschließung vom 3. Mai 1839 wurde den beiden Orten gestattet, daß ihre Kinder noch fernerhin die ihnen näher gelegene Schule zu Oberweihersbuch besuchen durften.

1884 wurde der Schulsprengel Großweißmannsdorf und 1896 der Sprengel Wintersdorf gebildet.

1908 wurden die Orte Herboldshof, 1922 Neuses und die Kernmühle nach Ammerndorf und 1927 Clarsbach nach Buchschwabach umgeschult.

Nachrichten von Lehrern und Kantoren 111.

a) Lehrer bis 1809

1534Otto Kometer.
1549Andreas Höfflich.
1566-1607 Georg Beck, Lehrer und Gerichtsschreiber, † 1612.
1612Moderer.
1612-1639 Michel Haslacher, Lehrer und Gerichtsschreiber.
1636Georg Glaser.
1642Georg Schöbel von Göttingen.
1644Michel Engelhardt, † 12.4.1656.
1657Heinrich Geist, 1658 nach Roth versetzt.
1658Ulrich Maderer, früher in Dohnbül welcher darzu gnugsam qualificirt und weil Er zuvor auch im Ministerio gewesen, in nothfällen bißweilen eine predigt und andre Kirchenactg Verrichten helffen kann …
1665-1708 Joh. Kaspar Beyerlein (Beurlein), Sohn des Pfarrers Joh. Caspar Beurlein zu Rohr, früher in Windsfeld, hatte die Absicht, nach Straßburg zu gehen, um dort weiterzustudieren, wurde am Abend vor der Abreise bei Wörth (Nürnberg) durch einen bößen und verwegenen Buben in heimtückischer Weise verletzet, dass darüber sein rechter Arm erlahmet. Er bat, ihn entweder zu einenn lateinischen Schuldienst oder Cantorey zu befördern. † 1714.
Bis 1708 Johann Georg Glaser, dessen Vater Herrschaftl. Zöllner zu Veitsbronn war 1702 verheiratete er sich mit Margareta Beurlein und wurde mit Schreiben vom 6. Oktober 1702 seinem Schwehrvatter dem alten Beyerlein zu Roßstall auf Ansuchen, zu einem Substituten beygeordnet …
1708-1740 Georg Krobe von Colmberg, ab 1708 in Roßtal. Er klagt 1725 über den schlechten baulichen Zustand des Schulhauses.
1740-1741 Gottfried Schamberger. Derselbe war 18 Jahre vorher am Waisenhaus in Ansbach angestellt. † 7.4.1741.
1741 Georg Christoph Schiedmeyer, verheiratet mit einer Tochter Schambergers.
1742-1809 Georg Christoph Konrad.

b. Nach 1810

aa) Kantoren und Knabenschullehrer

1810-1843 Johann Michael Gatterer, vorher in Rohr, † 23. III. 1843.
1843-1863 Joseph Albrecht Schneider, vorher in Mkt. Erlbach, † 8. IV. 1863.
1863-1882 Georg Bernhard Haas, vorher in Rügland, geb. 13. III. 1801, † 28. VIII. 1882.
1882-1888 Johann Kaspar Walther, vorher Mädchenschullehrer dahier. 1888 kam er als Leiter an die Erziehungsanstalt Veilhof-Nürnberg.
1888-1906 August Arnold, † 16. III. 1921, seit 15. April 1906 Oberlehrer Wilhelm Albert Kreiselmeyer, vorher Lehrer in Mörlbach.

bb) Mädchenschullehrer und Mesner

1810-1837 Franz Müller.
1838-1856 Johann Baumgärtner, † 25. I. 1856.
1856-1868 J. Friedr. Ludwig, † 16. V. 1868.
1868-1882 Kaspar Walther, 1882 wurde er Knabenschullehrer und Kantor.
1882-1900 Ernst Gottlob Rohn, geb. am 25. XII. 1852 zu Zirndorf, † 27. VII. 1900 zu Roßtal. Vater desselben: Eugen Rohn, Lehrer in Zirndorf und Lehrberg; † 12. IV. 1873. Vater des letzteren: Johann Leonh. Rohn, Lehrer, geb. 1797 zu Herrnwinden, † 1883 zu Zirndorf.
1900-1914 Martin Sigling, † 18. XI. 1914.
1915-1925 Eduard Grimm (pens.)

c. Hilfslehrer (=innen), bezw. Verweser (=innen) auf der 3., 4. und 5. Lehrstelle

1875/76 Hutzelmann
1879 Teufel S.
Götz
1881/83 Haag
1882/83 Schildknecht
1884/86 Hüttinger W. H.
1885 Schwemmer F.
1886/88 Reichel
1889/91 Hufnagel Joh.
1889 Leidel Friedr.
1890/93 Süß Karl
1892/93 Städtler Karl
1894 Lutz August
Schön Friedr.
1894/97 Funk Wilh.
1895/99 Ortegel Gg.
1897/00 Kollert Kug.
1898/01 Goppelt Leonh.
1900/02 Link Jakob
1900/01 Gsänger M.
Hyder Pauline
1901/05 Düll Luise
1904 Fluhrer Gg.
Holzinger
1905/06 Ortner Michael
1906/08 Bock F.
1907/18 Schmidt Hans
1907 Nothacker
1908 Kohl W.
1908 u. 10 Kreß W.
1910 Engelhardt O.
1911/12 Kästel
1912/15 Thoma Leonh.
1915/17 Simon Marie
1917/19 Morgenroth E. (Frl.)
1918/19 Friedel Elsa
1918 Meyer Johann
1920/23 Ammon Hans
1924/25 Wolkersdorfer
1921/27 Sauer Johanna
1925 Löhr Paul

d. zur Zeit amtierende Lehrer (1927)

  1. Oberlehrer Albert Kreiselmeyer (Wohnung im sog. Knabenschulhaus),
  2. Hauptlehrer Adolf Rohn (Wohnung im sog. Mädchenschulhaus),
    Sohn des Ernst Gottlob Rohn,
  3. Lehrer Hans Fuchs aus Nürnberg,
  4. Lehrer Friedrich Ritter aus Nürnberg,
  5. Lehrer Ludwig Groh aus Nürnberg.