Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Das Schloß

Ueber die Erbauung des Schlosses, das in alten Schriften Burgstall 112 genannt wird, sowie über seine Geschichte sind größere zusammenhängende Aufzeichnungen nicht vorhanden. Doch finden sich in einer Reihe von Urkunden und alten Druckschriften Angaben, die ein fast lückenloses Bild ergeben.

Das Schloß mit seiner Umgebung zählt wohl zu den ältesten Teilen des Ortes. 1292 kaufte der Nürnberger Burggraf Friedrich III., von denen Herren von Heydeck das medio aevo berühmte Schloß und jetzige dem Hochfürstl. Onolzbachischen Oberamt Cadolzburg incorporirte Richtamt Roßstall 113. Der Amtmann in Roßtal hieß damals Wirento 114.

Um 1400 war das Schloßgut im Besitz der Wohlmershausen; in einer historischen Nachricht wegen der Zugehörigkeit von Vincenzenbronn zum Richteramt Roßstall, um 1620 verfaßt, findet sich folgende Mitteilung: Es habenn auch vor Alters alle Innwohner zue Roßstahl die ehehafft besuchenn müssen wie dann ein Wohlmershäuserischer vnnterthann Anno 1425 vom Dorffschmiedt deß Danngelkorns halber von dem Ehegericht verklagt worden.

Anno 1503 hatt Marx vonn Wollmerhausenn den halb Hoff allhier verkaufft vnnd hat ein Kalb 5 lb. vnnd 1 Sümmera Korn 13 lb. goltenn 115.

Schloss

Als Hans von Leonrod zu Leonrod der Aeltere am 1. Juni 1504 verschiedene Güter, Gült, Zins und Lehenschaft zu Fürth an die Stadt Nürnberg verkaufte, schrieb er am Schlusse des Briefes: Vnnd hab zw merer sicherheit mein aygen in sigel dor an gehangen vnd dor zw mit fleyß peten den erbarn und vesten Marx von Wolmerßhausen zw rostal meinen lieben schwager das er sein in sigel zw eben mein zw zeucken an den briff gehangen hat, das ich genannter tag nach Pfingsten nach cristi gepurt funfhundert vnd im vierten iar. (1504)

1514 verkaufte Ludwig von Wolmershausen seinen Sitz und Bauhof zu Roßtal, am Kirchhof gelegen, mit anderen Gütern an Gebhard von Zedwitz um 500 Gulden.

Ab 1622 116 war das Schloß Roßtal im Besitze der Herren Ayrer 117, deren Nürnberger Vorfahren, Hans und Fritz Ayrer, zwei Jahrhunderte früher Lieferanten der Mönche zu Heilsbronn waren (butiri, keß, saffaran, weinperlen) 118. Im südlichen Seitenschiff der Klosterkirche zu Heilsbronn befindet sich eine kleine Gedächtnistafel mit dem Wappen der Ayrer und der Schrift: Ao. 1635 den 24. Januarii verschied in Gott der Wolledel und Best her Laurentius Ayrer uff Rostall, Ihr Hochfürtl. Durchl. Zu Brandenburg bestelter Richter und Verwalters Verweßer des Closters Hailsbron, dem Gott g. (genade.)

1690 verkauften die Ayrer ihre Roßtaler Güter an den Markgrafen Georg Friedrich von Ansbach, und dieser veräußerte sie schon zwei Jahre darnach, also 1692, an Gabriel von Furtenbach. In diesem Jahre wurde ein Salbüchlein angelegt, das Größe und Umfang des ganzen Schloßgutes genau beschreibt 119.

1717 erwarb der Edle Lorenz von Schmiedel zu Nürnberg die Roßtaler Lehensgüter um 11600 fl. Rhein; dazu kamen noch 400 fl. Leikauf.

1731 kaufte der Markgraf Karl Wilhelm Friedrich (der wilde Markgraf) die obigen Lehensgüter zurück 120.

Als weitere Besitzer des Schloßgutes nennt Pfarrer Wolßhofer in seiner 1760 verfaßten Schrift: Kurze Nachricht von dem Orth Roßstall …

Herrn Rat Sommer und dann
Herrn von Heistermann.

Ein Bergrücken zwischen dem oberen Espan und Weitersdorf heißt noch heute Heistermannsbuck.

Um 1820 war das Roßtaler Schloß im Besitze der Familie Mägin 121.

1870 wurde es mit seinen Zugehörungen verstrichen und kam in den Besitz des Herrn Matthias Eckstein; ab 26. September 1878 war Herr Michael Eckstein, Baumeister, Eigentümer, und seit 1. September 1908 gehörte es Herrn Baumeister Hans Eckstein (seit 1924 Bürgermeister).

Eine genaue Beschreibung des Schlosses und aller Zugehörungen um 1700 enthält das bereits erwähnte Saalbüchlein über den Frey adelichen Sitz zu Roßstall Für Gabriel Von Furtenbach, Von Zwicken uf Hummelsberg und Rostall, angefangen Anno 1692.

Zum Burgstall gehörten:

  1. ein Halbhof mit 8 Tgw. Wiesen und zwei kleinen Weiherlein nebst deren Wasserabfall, dann 60 Morgen zehentbahre Felder und 30 Morgen Holz;
  2. die Vogteilichkeit auf dem Burgstall, nicht aber auf dem Halbhof;
  3. das Recht zur Niederjagd auf den eigenen Feldern und Wiesen und in den eigenen Wäldern;
  4. die Befreiung von Zinß, Gült, Steuer und anderer Beschwehrung, auch der Durchzugs-Costen, Ein- und Winterquartier;
  5. war Herr von Furtenbach des Umbgeltgs von Bier und Wein, so viel er nehmlich zu sein und seiner Familie Haußtrunk vonnöthen, enthoben;
  6. bekam der neue Schloßbesitzer den in den Kirchen zu Roßstall zu dem Burgstall gehörigen und von denen Herren Ayrern in possessione gehabten Kirchen-Stuhl und eingeraumbt auch eine Begräbnuß in den Kirchen …
  7. Zum Schloß gehörten auch die gemeine Huth und Weyd, wie mit alters Herkommens, exclusive einigen Schafs-Viehs, sowie noch verschiedene kleine Rechte.

Schon 1692 hatte der Burgstall drei Stockwerke mit fünf Stuben, zwei Küchen, 10 Kammern, drei großen Söllern, einem großen Keller und zwei Böden zu Tobackhenck. Er lag mitten in einer großen Hofraith und hatte Küchen, Blumen- und Baumgarten, alles zusammen ein starken Morgen groß.

In der Hofraith stand auch ein gefängnisthurn. 1694 wurde mit einem Kostenaufwand von 156 fl. eine Stallung für fünf Pferde, zwölf Kühe und einige Kälber erbaut und auf dieser ein guther Halm- oder Säth-Boden eingerichtet.

Ferner ist an solche Stallung Ao. 1709 erbaut worden.
Eine neu gebauete Scheurn gar bequem zur Frucht, Heu und Streu zu gebrauchen, auch die Kutschen und Wägen trocken darinnen zu halten, hat gekostet 132 fl.

Außerdem wurden errichtet ein Schweinestall, der auf 18 fl. kam, und ein Bachoffen.

Der Schloßbesitzer hatte auch das Recht, ein thorhäußlein oder Wohnung für einen Bedienten auf dieser Hofraith zu bauen.

Ueber den zum Burgstall gehörigen Bauernhof, den sogen. Halbhof wird berichtet:

Darauf stehet in einer Zimblichen Hofraith Ein großes Bauernhauß, weilen es aber sehr baufällig gewesen und die Bauerey bißher von dem Burgstall aus versehen, sind nebst einer Wohnung für einen Bedienten darein gerichtet worden, Vier Zinßwohnungen, aus welcher jeden Jährl. Bestandgeld gereichet wird, acht gulden Kayßerl., dann Fünfzehen Kreutzer für eine Fastnachthennen. Ferner stehet auf solcher Hofraith Eine sehr große Scheuern, worinn auch eine stallung zur not zu gebrauchen, gerichtet worden.

Dann sind die Halbhofs Beständner berechtigt, in der Rahnischen Wittib Bachoffen bachen zu dörffen, müssen aber den Bachoffen mit unterhalten helffen.
Dieser Halbhof nun liegt auf dem Platz an drayen Orthen auf die gemeind, und mit dem Virten an Hannß Rahns Wittib stoßend.

Ein Notamen von 15. September 1735 122 zum Roßtaler Burgstall und Preuhauß enthält folgende Angaben:

5. die taffern Gerechtigkeit soll man erlauben oder weinigstens
6. dasjenige, so auf dermalig beständners Mechings Hauß, dahin transferiren zu dörffen, zu dem Ende man Jährl.
7. ein gewißes Umbgeld davor zum Castenambt Cadolzburg Vnd vor den hfft. schutz ein geldst. zu geben …

Nach dem Totenregister der Pfarrei Roßstall von 1781 war Georg Albrecht Maechin Tabernwirt und Gastgeber zur goldenen Sonne.

Auf Grund dieser Angaben darf angenommen werden, daß es sich bei dem Bauernhof um das jetzige Gasthaus zur Sonne, Hs.-Nr. 55, handelt. Die Verbindungstür vom Tanzsaal desselben zum Vereinszimmer trägt die Jahreszahl 1701. Die Scheune enthält heute noch den Viehstall.