Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Die Badstube zu Roßtal

Wenn heute von den Bädern in unseren großen Städten gesprochen und geschrieben wird, dann ahnen wohl die wenigsten Leute, daß im Mittelalter selbst in ziemlich kleinen Orten des Frankenlandes Badstuben eingerichtet waren. Nach den Blättern für Fränkische Familienkunde, Heft 3, von 1926, hatten z. B. die Hahnenkammorte Auernheim, Degersheim und Hüssingen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges je eine Badstube.

Schon Karl der Große hatte in seinem Lande die Errichtung von Bädern empfohlen. Berühmt waren damals die Bäder zu Aachen. Allgemein verbreitet wurden die Badestuben erst durch die heimgekehrten Kreuzfahrer, die auf ihren langen Wanderungen die Sitten und Gebräuche des Orients näher kennen lernten. In den Badestuben unseres Heimatlandes wurde auch geschröpft und Ader gelassen. Badetag war gewöhnlich der Samstag. Als sich im 16. und 17. Jahrhundert allerlei ansteckende Krankheiten im Lande bemerkbar machten und die Verbreitung derselben durch die Badestuben sehr begünstigt wurde, gingen die letzteren ihrem Verfall entgegen. Die Bader verlegten sich nun mehr auf jene berufliche Tätigkeiten, die sie heute noch ausüben.

Auch Roßtal war, wie aus einer Notiz im Salbuch des Amtes Cadolzburg vom Jahre 1464 124 zu entnehmen ist, frühzeitig mit einer padstub versehen. Dort heißt es: Die padstub gibt alle jar 4 pfunt mynner 8 pfenn.

Diesen gulten hat Peter Haller schon 1445 beschrieben.

Nähere Ausführungen über das Badhaus, seine Zugehörungen und Lasten enthält das Sal- und Lagerbuch des Richteramts Roßtal von 1532 125. Der Wortlaut derselben ist folgender:

Hans Mader
Bader

Gibtt Jerlich der Herrschaft Vonn der Badtstuben 3 ortt 3 schilling 8 Heller Inn geldte Michaelis. Solche Badtstuebe ist der Herrschaft Zinßlehen Vnndt deß Baders Erbe hatt machtt daßelbig Zue verkauffen, so Vngefehrlich hundert guldten werth ist, wurdt bestandten Vnndt gibt handtlohn wie Ein ander Im Ambtt. Er raist 126, Er Steuertt,
gibt die gemeine Umschlege,
Gibt Henckergeldt.
Er gibt auch Jerlich In Cuntzen Burkhards Hoffe Acht zehen Pfennig Von Einem Keller Vnndt Gertlein bey solcher Badtstuben gelegen. Hatt vff der Hoffrayt 127 Ein Wonhauß, darinnen die Badtstuben, Ein Stadell, Ein Schweinestall, Ein Packoffen, aller Hofraytt ein halben morgen Vmbfangen.

Treibt mit seinem Viehe für den gemeinen hirtten, Vnndt hatt so offt man in gemein hölzern Außlaubt, Nemblich, In der Nutzung ein halb Lach, Inn dem Oeßung Vndt Viechten, Jedem ein gleiche Lach, Vndt sonst alle gemeinliche Rechte, wie ein Anderer.

Auf dem Rande obiger Beschreibung im Salbuch finden sich folgende Bemerkungen:

Nunc 1289 Stephan Prew 1651.
Nunc Jakob Herzog 1667.
Goerg Rupp 1681, † 1682;
nunc Michel Braun, Bader 1685,
Hanns Daniel Müller 1692,
nunc Peter Schwalber Ao. 1704,
vide hieneben.
Johann Ostertag A. 1712.

Gibt also obiger Müller Jährl. Walb. 12 Kr. von 1 Fastnachthennen. Mich. – 30 Kr. Erbzinnß.

Nota: Hanns Daniel Müller, Bader hat auf diesen Keller ein neu Hauß gebauet, und das Badrecht herüber gezogen mit übernehmung einer Fastnachthennen á 12 Kr. und 30 Kr. Erbzinnß pro novo canone, dargegen die hienebige alß Badstuben hauß, das graß Peuntlein, Backoffen, halbfisch Stuben den Keller im obig. neu erbauten hauß, die halbe Holz-Lohe im gemein nuzen an Peter Schwalbern von Buchschwobach verkaufft mit der condition, daß Schwalber die 3 orth 3 ßl. 8 Heller alten zinnß vor sich allein zahlen, nicht minderso obige 18 Pf. in Burckardts nun Friedrich ottenshoff in Roßstall auch abführen solle, das übrige aber alß Liechtmees Steur und andere Cammer Schuldigkeiten in Beede Zu gleichen Theilen contentieren wollen, alles nach Laut Protocolli und gndster. Ratific. vom 12. und 13. Dezember 1704.

Nach obigen Angaben war die Badstube wahrscheinlich im Hause Nr. 44 neben der großen Quelle an der Schloßmauer. –

Die späteren Besitzer des Badhauses wurden nach Urkunden zusammengestellt, die sich noch im Besitze des gegenwärtigen Hauseigentümers Heinrich Meyer befinden.

Seit 1772: Georg Christian Mayer, Chirurg, dessen Vater seines Glaubens wegen aus dem Salzburgischen ausgewandert war. In der Leichenpredigt für Frau Anna Mayer ist die Angabe enthalten, daß sich dieselbe am Dienstag, den 31. August 1773 mit Georg Christian Mayer verheiratete.

Seit 1819: Johann Thomas Meyer, Chirurg. Auszug aus dem Kaufvertrag des Heinrich Ludw. Meier von 1842, vom Kgl. Landgericht Kadolzburg: Johann Thomas Meier hat laut Kaufvertrag vom 28. Juni 1819 das Soldengütlein Nr. 44 zu Roßtal … … und übergibt, sammt der, nach der Conceßionsurkunde vom 1. Dez. 1838, auf dem Anwesen zu Roßstall Nr. 44 haftenden realen Bad oder Barbiergerechtigkeit, die oben aufgeführten Realitäten an Heinrich Ludwig Meier … …. Die Uebergabe erfolgt am 1. Dez. 1842 …

Seit 1842 Heinrich Ludwig Meier ) Brüder
Seit 25. Nov. 1868Leonhard Meyer )

Zur Zeit hat Roßtal zwei Friseure:
Albert Bachmann und
Gustav Hirschmann.