Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Vom Schießwesen

Roßtal hatte schon vor einigen hundert Jahren eine Schießanlage. Ueber das Alter derselben ist wenig bekannt; sie hat sicher schon um 1700 bestanden.

Im Saalbüchlein über den Frey adel. Sitz zu Roßstall, angefangen 1692, findet sich (Seite 94/95) folgende Aufzeichnung:

Johann Jakob Hofmann Gerichts-Bürgermeister Zu Roßstall zinßet Jährlich zu Michaelis Einen Mezen Korn und zehen Kreutzer von Einer Morgenfeld am Osing zu Roßstall neben dem Eychersteig, stoßet an das Roßstaller gemeind Holz, die Clarspacher und sogenannte Kegetsfelder.

Welcher Morgfeld lange Jahr öd gelegen Er aber solchen wegen gehabter Bemühung Bey augenscheinen Von mir Ao 1701 den 9. Dez. pro recompence 130 darüber auch einen Lehenbrief bekommen, die Pflichte abgeleget, und für den Lehenbrief Ein gulden Dreißig Kreutzer bezahlt hat. …

Nach seinem absterben (1705) 131 ist das Lehen mir wieder heimgefallen, habs zum Schießhaus hier Verehrt, die Schützenmeister aber habens mir wieder heimbfallen laßen.

Ueber den Betrieb beim Schießen gibt noch eine Schüß-Schüzen-Rechnung von 1733 Aufschluß 132, welche die Verordneten Schützenmeister Simon Warnegg und Johann Georg Weining aufgestellt hatten.

Auszug aus obiger Rechnung:

Laut hiebey liegenden Registers, sind die 6 Sonntäg über Von 35 Schüzen an leeg Geldern á 4 Kr. gefallen und erhoben worden 14 fl.
An dem Haupt- und Kirchweyheschüßen und von 94 Mann an leeg geldern auch á 4 Kr. gefallen und erhoben worden 6 fl. 16 Kr.
Summa an Leeg Geldern
20 fl. 16 Kr. – Pfg.

Der Schießplatz wurde noch im 19. Jahrhundert benützt. Er diente vorwiegend der Bürgerwehr zum Uebungsschießen.

Der Scheibenstand war am Schießbuck und zwar dort, wo heute das Haus Nr. 172, Besitzer Herr Hans Blümlein, steht; das Schießhaus stand 70 Meter südwestlich hievon am Clarsbacher Weg. Eine zirka 200 bis 300jährige Linde zeigt noch heute den Ort des Schützenstandes an.

Am 6. Mai 1838 beschloß die Gemeindeversammlung, das Bürgerschießhaus soll, weil erstlich das Bürger-Militär in Ruhestand versetzt ist und keine Schützengesellschaft mehr besteht, zweitens weil es mutwillig ruiniert und bestohlen, so daß kein Ziegel mehr auf dem Dache, noch Läden oder Thüren mehr sicher sein, zum Abbruch öffentlich auf dem Strich verkauft werden. 14 Tage später, am 21. Mai 1838 trat eine kleine Schätzkommission in Tätigkeit.

Drei Männer aus der Gemeindeverwaltung, nämlich der Gemeindepfleger Christoph Nüchterlein und die beiden bevollmächtigten Thomas Kandel und Georg List, letzterer zugleich als Sachverständiger, schätzten den Wert des Schießhauses mit Einschluß des Schießstandes auf 77 fl. 20 Kr. Der Strich fand am 26. Mai 1838 statt. Das Statutenbuch für die Gemeinde Roßstall enthält unter der Nummer 64 das Strichprotokoll, nach welchem Michael Weiß das Schießhaus um 95 fl. und Thomas Kandel das kleine Häuschen, welches bloß der Schießstand war, um 8 fl. 40 Kr. erwarben. Nach den Verkaufsbedingnissen mußte der Abbruch bis längstens Ende Oktober geschehen sein und der Platz durch die Käufer von Steinen und Schutt gehörig gereinigt werden.

Nach dem Jahre 1838 wurde der Schießplatz, wenn auch vielleicht die Schützengesellschaft als solche vorübergehend nicht bestand, noch bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zum Scheibenschießen benützt. 133. Das Hauptschießen war immer am Kirchweihmontag. Es fanden sich dazu Schützen aus Roßtal und den umliegenden Orten, aus Clarsbach, Ammerndorf, Stöckach, Kernmühle usw. ein. Für die Schützen wurde zum Festschießen eine Laubhütte errichtet und diese mit Bänken und Tischen versehen. Der letzte Zieler war Herr Zißler, H.-Nr. 69.

Nach dem Kriege 1870/71 wurde der Zimmerstutzenverein Deutsche Eiche gegründet, der als ein grünes Reis am Baume der alten Schützengesellschaft anzusehen ist. Seit Herbst 1926 hat derselbe am Bahnhofe Roßtal eine zeitgemäße Schießanlage mit 4 Ständen.