Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Jagd 134

Schon im Mittelalter unterschied man eine hohe 135 und eine niedere Jagd. Zur hohen Jagd rechnete man den Hirsch, manchmal auch das Reh, das Schwarzwild, den Bären, Wolf und Luchs, das Auer- und Birkgeflügel, den Fasan und den Reiher, zur niederen Jagd Hasen, Füchse, Feldhühner, Wachteln, Lerchen, Enten, Krammetsvögel …, manchmal auch Rehe. Das Recht der Hochjagd behielten sich die Markgrafen; die niedere Jagd in unserer Gegend stand dem Kloster Heilsbronn zu. Die Wildbahn für dieses umfaßte alle zunächst um Heilsbronn gelegenen Fluren und Waldungen, erstreckte sich südlich bis an die Aurach, nördlich bis gegen Cadolzburg, Roßstall, Ammerndorff und Buttendorf, östlich gegen Schwabach bis Prünst und Gaulnhofen.

Markgraf Georg Friedrich war ein Jagdliebhaber und ließ das Wild besonders hegen. Als er 1603 starb, lebte seine Leidenschaft in allen nachfolgenden Markgrafen, also fast 200 Jahre, fort. Zwar ließ Joachim Ernst, der Nachfolger des Vorgenannten, bei seinem Regierungsantritt 1603 in den Wildfuhren Bonhof und Münchzell 132 Hirsche niederschießen und verkaufen, das Pfund zu 7 Pfennigen; allein dadurch wurde der übergroße Wildstand kaum merklich gemindert und somit auch nicht das Wehklagen des Landvolks und die Zahl der Wilderer. Albrecht (1634–1667), der Sohn des Joachim Ernst, befahl auf Bitten und Klagen seiner Untertanen, den Wildstand zu konstatieren. In dem Berichte über die Wildbahn Bonhof hieß es: Die Zahl kann nicht genau angegeben werden. Aber gewiß ist, daß oft 30 bis 40 Schweine so ungescheut auf einen Acker kommen, daß sie durch Schreien und Schläge nicht abgetrieben werden können. Im Januar 1675 hielt Johann Friedrich in Heilsbronn drei Tage lang Wolfs- und Luchsjagd, im Juli große Hirschfaist.

Wölfe gab es um diese Zeit nur noch in den besonders großen Wäldern. Zur Vertilgung derselben trug vor allem eine Verordnung vom 24. Nov. 1643 bei, nach welcher jedem, der einen Wolf gefangen, ein Reichstaler und die Haut, oder statt derselben noch ein weiterer Reichstaler versprochen wurde. Einhundert Jahre früher waren die Wölfe in unserer Gegend ziemlich häufig. 1541 brachte der Müller von Göddeldorf einen Hirsch, der von Wölfen unter das Mühlrad getrieben und dadurch getötet worden war, nach Heilsbronn.

Auf das Vorkommen obengenannter Tiere in der näheren Umgebung von Roßtal deuten nachgenannte Flurnamen hin.

An der Weinstraße Clarsbach-Oedenreuth befindet sich einen Kilometer östlich von Clarsbach bei Höhe 409 die Eselsheide, die 1692 als Eberslohe bezeichnet wird.

Unweit Trettendorf liegt am Wege nach Roßtal in Höhe Wimpashof ein Acker, Besitzer die Herren Hörlein und Ringel-Roßtal, der heute noch im Volksmund der Hirschenzaun heißt. Auf das Vorkommen von Hirschen bei uns deutet auch der Flurname Hirschhüll bei Weitersdorf und bei Fernabrünst hin. Zwischen Raitersaich und Gottmannsdorf ist eine Hirschleiten. Noch im 18. Jahrhundert gab es bei uns Hirsche; um 1720 war Barthol. Majer hirschenhirt zu Wintersdorf und am 23. Juli 1722 wurde Friedrich Stober aus Regelsbach von seinem Vettern Michael Stober beym Hirschenhüthen ohne alle Ursach mit einer Holzaxt erschlagen 136.

Einen Kilometer nordwestlich der Gottmannsdorfer Hirschleite zieht sich der Wolfsgraben hin. Oestlich Rohr ist der Wolfbuck, südwestlich von Großhabersdorf ein Wolfsgraben.

Auf der Niederjagd war nicht viel zu finden. Unter den Hasen räumten nicht nur die Raubtiere der Gegend, sondern auch die Jagdberechtigten gründlich auf. Solche saßen auch in Roßtal. Eine Gedenktafel über der südöstlichen Kirchentüre zu Roßtal mit der Auferstehung Christi enthält die Inschrift: Anno 1693 den 25ten Nov. verschied in Gott seelig, der Ehrvest und Mannhaffte Herr Johann Christoph Schwartz des Weidwercks und der Jägerei Liebhaber. Es ist dies der älteste mit Namen bekannte Jäger unserer Gegend.

Mit Abnahme der Wölfe, Füchse und Dachse nahm die Zahl der Hasen und Rehe auffallend zu. In einer Kreßschen Entschließung von 1772 wegen des Kanzlei-Zinslehengutes Eben- oder Oedenreuth z. B. wird über das an denen Feldfrüchten und Schlaghölzern großen Schaden Thuende viele Wild geklagt. 1783 und 1784 fanden durch die große Winterkälte viele Hasen den Tod; sie vermehrten sich aber sehr rasch wieder und es fanden große Jagden statt.

Die großen markgräflichen Jagden, bei welchen die Bauern tagelang Treiberdienste leisten mußten und bei denen nicht selten ganze Aecker mit Feldfrüchten verwüstet wurden, hörten erst auf, als die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth 1791 mit Preußen vereinigt wurden. Dann ging auch der Wildstand allmählich auf ein erträgliches Maß zurück.

1854 betrug der jährliche Jagdpacht für Roßtal 25 fl. 15 Kr. Um diese Zeit kosteten ein junger Hase 18 Kr., ein alter Hase 30 bis 45 Kr., ein Huhn 15 Kr.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das häufige Vorkommen von Fischottern an der Bibert bei Weinzierlein auffallend. Am 29. Mai 1885 fing der Fischwasserpächter Schwemmer mittels eines Tellereisens ein prachtvolles Exemplar. Gewicht 20 Pfund. Zwei Jahre später am 16. Juli wurde von den Herren A. Eckert und Schick eine männliche Fischotter, die 19 Pfund schwer war, erlegt. Im Vorfrühling 1892 gelang es dem Mühlenbesitzer und Jagdpächter Redenbacher von der Kernmühle, eine Fischotter zur Strecke zu bringen, die gerade im Begriffe war, auf einer Sandinsel in der Mitte der Bibert einen stattlichen Hecht zu verzehren. So verging fast kein Jahr, in dem nicht diese Fischräuber bemerkt wurden.