Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Obstbau

Die Gegend um Roßtal hat viele Hügel mit geschützten Abhängen, die sich für den Obstbau sehr gut eignen und das ist der Hauptgrund, warum sich schon sehr frühzeitig dieser wichtige Nebenzweig der Landwirtschaft entwickelte. Der Gemeinderechnung von 1814/15 ist zu entnehmen, daß in Roßtal damals folgende Obstsorten vertreten waren:

Bergamotten, Bocks-, Herren-, Schmalz-, Tafel-, Trum-, Wasser-, Winter- und Zwiebelbirnen, ferner

Blau-, Borster-, Leder-, Robiner und Süßäpfel.

Einzelne Sorten davon erhielten sich bis auf den heutigen Tag.

Wichtig für die Anpflanzung von Obstbäumen war auch nachfolgender Gemeindebeschluß vom 7. Dezember 1851.

Laut Gemeindebeschluß 138 vom heutigen Datum soll jeder neu angehende Untertan in der Marktgemeinde Roßtal, welchem die Aufnahme dahier zugeteilt worden ist, auf die Gemeindeplätze Bäume setzen, und das können Frucht- oder Nutzholzbäume sein; die Einteilung derselben ist:

  1. Ein Grundbesitzer oder Gewerbetreibender, welcher in der Marktgemeinde Roßtal schon gebürtig ist, hat drei dergleichen Bäume auf passende Gemeindeplätze zu setzen und fürs Fortkommen zu sorgen, damit derselbe diese Bäume, wenn dieselben gut gediehen sein, der Gemeindeverwaltung vorzeigen kann, weil dieser keine Aufnahmsgebühren zu zahlen hatte.
  2. Einer in dergleichen Eigenschaft wie ersterer, der von einem anderen Distrikt dahier die Aufnahme erhielt und sich hier ansässig macht, hat die gesetzlichen Aufnahmsgebühren an die Gemeindekassa Roßtal zu entrichten und zwei dergleichen Bäume zu setzen.
  3. Und ein Taglöhner, der ebenfalls von einem andern Distrikt hereinkommt und die Aufnahme erhielt, muß seine gesetzlichen Aufnahmsgebühren an die Gemeindekassa berichtigen und einen Baum auf die Gemeindeplätze setzen.
  4. Derjenige Taglöhner, welcher von hier gebürtig ist und sich die Aufnahme dahier erwirbt, hat ebenfalls zwei junge Bäumchen auf die Gemeindeplätze zu setzen, weil dieser keine Aufnahmsgebühren an die Gemeinde zu entrichten hatte.
  5. Alle diejenigen, welche Bäume gesetzt haben und solche, etwa einmal Früchte tragen, diese Früchte demselben verbleiben, welcher den Baum gesetzt hatte, so lange selbiger lebt, aber mit der ausdrücklichen Bedingung, daß die Bäume nicht beschädiget werden dürfen.

Daß diesen Beschluß bestätiget, folgen nun die Unterschriften des Vorstehers und zweier Mitglieder der Versammlung, g. s. w. o.

Steigmann, Vorsteher.
Johann Haller.
Michael Wißerner.

Von den Obstsorten, die gegenwärtig gebaut werden, sind zu nennen:

  1. Birnen:
    Gute Graue, Köstliche von Charneux, Williams Christbirne, Boscs Flaschenbirne, der Katzenkopf, Gute Luise, Pastorenbirne, Diels Butterbirne, Stuttgarter Geißhirtle, Nelkenbirne, Zwiebelbirne, Süßbirne, Gellerts Butterbirne.
    Nicht mehr anzutreffen sind Lämmerweseli und Grumbkower.
  2. Aepfel:
    Charlamowsky, Apfel aus Croncels, Goldparmäne, Weißer Astrachan, Geflammter Kardinal, Schöner von Boskoop, Landsberger Reinette, Baumannsreinette, Großer Bohnapfel.
  3. Zwetschgen:
    Berühmt ist die Roßtaler Hauszwetschge, die wegen ihres hervorragenden Geschmackes, ihrer Größe und sonstiger guter Eigenschaften namentlich auf den Obstmärkten in Nürnberg und Fürth mit Vorliebe gekauft wird.
    Sehr gut gedeihen auch die Wangenheimer Frühzwetschge und die Italienische Zwetschge.

Seit 1894 hat Roßtal einen Obstbauverein. Am 17. Dezember des genannten Jahres hatten sich auf Einladung des Pfarrers August Memmert viele Landwirte aus Roßtal und den umliegenden Orten im Fischhaberschen Gasthause versammelt. Zu dieser Versammlung waren auch Bezirksamtmann Loose aus Fürth, ein eifriger Förderer aller gemeinnütziger Bestrebungen, und Pfarrer Engelhardt aus Eschenbach, Schriftführer des Mittelfränkischen Obstbauvereins, erschienen. Pfarrer Engelhardt sprach über Zweck und Nutzen der Obstbauvereine und wies darauf hin, daß gerade die hiesige Gegend sich wegen ihrer hohen und teilweise geschützten Lage für den Obstbau ganz vorzüglich eigne. Hierauf verbreitete sich Bez. A. Loose an der Hand eines Gutachtens des bekannten Pomologen Abel von Triesdorf über die Fehler und Mißstände im hiesigen Obstbau und erklärte, wie dieselben beseitigt werden könnten.

Dann wurde zur Gründung des Vereins geschritten. Demselben treten sofort 55 Mitglieder bei. In die Vorstandschaft wurden gewählt: als 1. Vorstand Pfarrer Aug. Memmert, als 2. Vorstand Lehrer Gottlob Rohn, als Kassier Schlossermeister Georg Burk, als Schriftführer Konrad Nüchterlein, als Ausschußmitglieder Bürgermeister Friedr. Bauer, Schloßbesitzer Michael Eckstein, Sattlermeister Konrad Nüchterlein, Bürgermeister Mich. Horneber von Neuses und Ortsführer Adam Keller von Clarsbach.

1898 wurde in Roßtal auch ein Bienenzuchtverein gegründet, der nunmehr mit dem Obstbauverein verschmolzen ist.