Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Allerlei Wissenswertes. 152

1740
kostete eine Kuh 20 fl., eine Kalbin 8–12 fl., ein Pferd 60 fl., ein Kalb 6 fl.
1760
schreibt der Roßtaler Pfarrer Wolßhofer: Es ist auch ein Rathaus hier gewesen, und stehet noch, aber zum Einfallen.
1809
machten mehrere Roßtaler, darunter Heinrich Eckstein, den Feldzug gegen Oesterreich mit.
1812
An Napoleons unglücklichem Feldzuge nach Rußland mußten sich auch die bayerischen Truppen beteiligen, die zum größten Teil im Feindeslande starben. Unter den wenigen Bayern, die wieder zurückkehrten, befand sich auch der Roßtaler Konrad Nüchterlein, Hs.-Nr. 78.
Am 8. Oktober 1813

trat Bayern im Vertrag zu Ried auf die Seite der (gegen Napoleon) Verbündeten und am 18. Oktober wurden die französischen Heere in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegt. 1814 feierte man in Bayern den Jahrestag der Völkerschlacht ganz besonders und auf vielen Höhen wurden abends von 8–12 Uhr Freudenfeuer abgebrannt. Zum Roßtaler Feuer, das auf der größten Höhe zwischen hier und Clarsbach unterhalten wurde, benötigte man 6 Meß Holz und einige 100 Büschel. Fast die ganze Einwohnerschaft von Roßtal hatte sich hier versammelt und unter Musikbegleitung das Lied: Nun danket alle Gott, gesungen. Von dem bezeichneten Hügel aus sah man mehr denn 100 Freudenfeuer.

Noch 1814
besaß die Gemeinde folgende Gebäude:

1 Kuhhirtenhaus Nr. 27,
1 Schweinehirtenhaus Nr. 15,
1 Nachtwächterhaus Nr. 63,
1 Schießhaus,
1 Feuerlösch-Maschinenhäuslein,
1 Feuerleiter-Häuslein.

1814

hatte jeder Beständner an Weidegeldern zu zahlen:

a) für 1 Rind 30 Kr.
b) für 1 Schwein 15 Kr.

1814/15 gingen bei der Gemeinde an Weidegeldern für Schweine 4 fl. 30 Kr. ein. Anmerkg. der Platz in der Nähe des Hauses Nr. 140 in der Kappel heißt noch heute Schweinshall, Schweinshüll.

1817

war eine große Teuerung (Wasserschäden, Hagelschlag).

Am 18. Mai des gleichen Jahres war abends 5 Uhr ein großes Gewitter mit nachfolgender Ueberschwemmung. Ein Blitz schlug in den Kirchturm.

Im Jahre 1817 wurde das Reformationsfest von Herrschaftswegen drei Tage streng gefeiert und zwar am 31. Oktober, 1. und 2. November.

1820
am Donnerstag den 25. Mai, wurde das Plätzlein an der Spitz an Adam Fischhaber um den Preis von 13 fl. verkauft. 34 Schuh lang und 25, dann resp. 21 Schuh breit auf der Spitz neben Weber Wagner.
1820

kosteten die Kälber 3 fl. 30 Kr. bis 6 fl.

Der Durchschnittspreis für 1 Schäffel Weizen war 10 fl.,
für 1 Schäffel Korn 6 fl. 35 Kr.,
für 1 Schäffel Gerste 5 fl. 25 Kr.

Am 26. Februar 1821

baten der Magistrat und die Gemeindebevollmächtigten in Roßtal, die magistratliche Verfassung aufzuheben und die landgemeindliche einzuführen. Noch im gleichen Jahre, am 3. September, war unter dem Vorsitz des Kgl. Landrichters von der Pfordten und in Gegenwart des Marktschreibers Zinck, der Magistratsräte Eckstein und Haller und der Gemeindebevollmächtigten Knoth und Nüchterlein die Abstimmung.

Für die Ruralverfassung stimmten 110 Mann, dagegen nur 1 Mann.

Mit Schreiben vom 6. Oktober 1821 genehmigte die Regierung des Rezatkreises die Umwandlung und bemerkte, daß dieser Rücktritt in die Klasse der Landgemeinden weder den Verlust der wohlerworbenen Marktrechte nach sich ziehen, noch die dereinstige Wiedereinstellung eines Magistrats verhindern solle.

Am 30. April 1821
schlug ein Blitz in den Blitzableiter des Kirchturms, der erst 3 Jahre vorher angebracht worden war.
1821
richtiges Nota bey jetziger Weltmode.
Redlichkeit ist aus der Welt gereiset und die Aufrichtigkeit ist schlafen gegangen. Die Frömmigkeit hat sich verstecket und die Gerechtigkeit kann den Weg nicht finden. Der Helfer ist nicht zu Haus und die Liebe liegt krank. Die Guttätigkeit sitzt im Arrest und der Glaub ist ziemlich erloschen. Die Tugenden gehen betteln und die Wahrheit ist schon lang begraben. Der Kredit ist närrisch geworden und das Gewissen hängt an der Wand.
Geduld überwindet alles.
1828
wurden die Eichen am Salamons-Rangen verkauft und dann Föhren angesät.
1839
war der Raupenfraß in den Wäldern so stark, daß der Föhrenwald bei Kloster Heilsbronn ganz dürr wurde.
1840/41
war ein sehr strenger Winter
Das Jahr 1842
war sehr trocken; es regnete nicht vom 27. März bis September.
Am 26. und 27. März 1845
taute es und am 28. und 29. März war das Wasser so groß, daß es die Wasserhöhe aus dem Jahr 1784 an mehreren Plätzen übertraf.
Im Winter 1846/47
gab es große Schneemassen. Vom 17. bis 18. April 1847 schneite es besonders stark, so daß am 19. April das ganze Dorf Schnee auswerfen mußte.
Hopfenpreise von 1842–1850
1842 kostete 1 Ztr. Hopfen 100 fl.,
1843 kostete 1 Ztr. Hopfen 66 fl.,
1844 kostete 1 Ztr. Hopfen 92 fl.,
1845 kostete 1 Ztr. Hopfen 50 fl.,
1846 kostete 1 Ztr. Hopfen 43 fl.,
1847,1848 wurde der Hopfen zurückgehalten
1849 kostete 1 Ztr. Hopfen 62 fl.,
1850 kostete 1 Ztr. Hopfen 30 fl.,
1869
wurde an der Spitz ein Grabhügel mit vielen Gebeinen und etlichen Gegenständen, die von Ungarn gestammt haben sollen, aufgedeckt.
1873 (April bis Juli)
auftreten der (Schwarzen) Blattern in Roßtal und Weitersdorf. Die Verstorbenen wurden noch in der gleichen, bezw. folgenden Nacht ohne Leichenkondukt beerdigt. Einsegnung und Predigt folgten am nächsten Sonntag 153.
1873-75
Bau der eingeleisigen Bahnlinie Nürnberg–Roßtal–Ansbach–Crailsheim.
Am 1. Juli 1885
schlug ein Blitz in den Blitzableiter des Kirchturms, so daß der Ableitungsdraht stark beschädigt wurde.
1886
wurde die Roßtaler Zehntscheune abgebrochen und an deren Stelle Wohnhaus Nr. 5 aufgebaut.
1887
Bau des zweiten Bahngleises. Lt. Kirchenstiftungsprotokolls vom 1. September 1889 stiftete die Weberswitwe Anna Barbara Wipplinger 200 M, wovon die Hälfte der Zinsen bestimmungsgemäß alljährlich zur Bestreitung der Kosten für das Läuten in der Neujahrsnacht verwendet wurde.
1890
Herstellung der Bahnunterführung am Clarsbacher Weg.
1893
Wiedererrichtung der Bahnarztstelle Roßtal. Dieselbe wurde dem praktischen Arzt Dr. Fritz Dippold übertragen, † 7. Dezember 1926. Nachfolger des Genannten: Dr. Wilh. Dippold (Sohn des Vorgenannten).
Das Jahr 1893
zeichnete sich durch große Trockenheit aus. Es gab sehr wenig Gras, so daß die Landwirte gezwungen waren, einen Teil ihres Viehes weit unter dem Normalpreise abzugeben.
1893
wurde die Innenkirche renoviert.
Am 7. November 1893
Landwirtschaftliche Wanderversammlung des Bezirkes Cadolzburg-Fürth in Roßtal.
1893/94
Bau der Wegbrücke.
Am 22. April 1894
Landwirtschaftliche Wanderversammlung in Roßtal.
1896
Großes Hochwasser mit Ueberschwemmung des Pelzleins und des unteren Winkelweges.
1896

Roßtal bekommt auf Veranlassung des Lehrers E. G. Rohn Vorortszüge und für diese eine neue Haltestelle an der Wegbrücke.

Auf Antrag des Pfarrers Ernst Keller und des Lehrers E. G. Rohn beschloß die Kirchenverwaltung am 29. Januar die Errichtung eines Stiftungsbrunnens für das 2. Pfarrhaus und das der Kirchenstiftung gehörige 2. Schulhaus, nachdem sich die Eheleute Zapf zur unentgeltlichen Abtretung eines geeigneten Platzes bereit erklärt hatten. Die Ausschachtung des Brunnens nahm der Maurer Gg. Lehnert, Hs.-Nr. 72, unentgeltlich vor. Die Schachttiefe beträgt 20,50 m, der Wasserstand 0,82 m.

Das Wasser des Stiftungsbrunnens hat folgende Zusammensetzung:

Unter 100 l Wasser

Trockenrückstand 33,00 g
Kaliumpermanganat 0,55 g
Chlor 1,77 g
Chlornatrium (Kochsalz) 2,92 g
Salpetersäure 3,50 g
Salpetrige Säure ohne
Ammoniak ohne

1899/00
Herstellung der Bahnunterführung am Weitersdorfer Weg.
1902
Herstellung der Bahnunterführung am Sichersdorfer Weg.
1908
wurde durch Pfarrer Johannes Friedr. Grün der Verein für Gemeindediakonie gegründet.
1910
Einrichtung des elektrischen Lichtes in Roßtal.
1911
Erwarb der Diakonieverein ein Anwesen an der Wegbrücke.
1912
erbaute derselbe einen Saal und richtete eine Kinderschule ein.
1912
starb der letzte Nachtwächter Enner (= Andreas) Müller.
1924
Gründung des Posaunenchors.
1925
hatte Roßtal 1447 Einwohner.
1925
errichtete die Gemeinschaft Roßtal einen Betsaal.
1926
Pflasterung verschiedener Wegstrecken in der Ortschaft. Verbreiterung der Richtersgasse und des Buttendorfer Weges. Verbesserung des Clarsbacher Weges. Bau eines Hauses an der Spitz für die Feuerlöschgeräte.
1927
Ausbau des Weges im Hagen. Erbauung und Einweihung der katholischen Kirche in der Felsen (25. Sept.).
Am 7. Juni 1927:
Frühjahrswanderversammlung des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Fürth-Cadolzburg; großer historischer Festzug.
13. November 1927:
Einweihung des neuen Friedhofes und der Leichenhalle in Großweißmannsdorf.
23. November 1927:
Der Mittelfränkische Kreistag bewilligt für den Schulhausneubau in Roßtal 51 000 Mark.