Adolf Rohn: Heimatbuch von Roßtal und Umgebung

Sagen

1. Sage von der unterirdischen Kirche

Die unterirdische Kirche (Krypta) hat 12 Säulen, welche an die 12 Apostel erinnern sollen. Sie stand in alten Zeiten ebenso wie andere Kirchen über dem Erdboden. In einem Kriege benützen verrohte Soldaten die Kirche als Pferdestall. Wegen dieser Entweihung versank sie in den Boden, so daß man ein anderes Gotteshaus darüber bauen mußten.

2. Die große Glocke zu Roßtal

Nach der Sage wurde Nürnberg von Roßtalern gegründet. Die Auswanderer hatten beständig Sehnsucht nach der großen Glocke ihres Geburtsortes und hätten sich gerne in den Besitz derselben gesetzt. Als der Reichtum Nürnbergs immer größer wurde, versprachen die Nürnberger dem Orte Roßtal für die Glocke so viele Taler, daß man den Weg zwischen beiden Städten in einer Reihe damit hätte belegen können. Doch die Roßtaler verzichteten auf das Geld und behielten lieber ihre Glocke.

3. Die vernagelte Glocke

Im Jahre 1585 bekam der Nürnberger Glockengießer Pankraz Bömer von den Roßtaler Gotteshauspflegern den Auftrag, für die Kirche eine Glocke zu gießen. Dieselbe fiel sehr groß aus und soll so laut geklungen haben, daß dadurch die Kinder in den Wiegen aufwachten und der Pfarrer in der Kirche nicht mehr verstanden wurde.

Abhilfe mußte geschaffen werden. Ein findiger Kopf schlug in das Glockenungeheuer einen dicken Nagel ein, so daß demselben die Hauptgewalt genommen war. Es ist nur schade, daß diese Glocke im Laufe der Jahrhunderte wiederholt umgegossen werden mußte, sonst könnte man noch heute die vernagelte Stelle bewundern.

4. Die verschollene Glocke

Als während des Dreißigjährigen Krieges sich die Feinde der Gegend von Roßtal näherten, vergruben einige Ortseinwohner die große Glocke im Galgengraben. Nach Beendigung des Krieges waren alle diejenigen, welche die Glocke vergraben hatten, nicht mehr am Leben. Vom Hörensagen wußte man zwar, daß die Glocke im Galgengraben stecke, doch niemand konnte sie auffinden.

Damals gab es in den großen umliegenden Wäldern viel Wild und vor allem auch viele Wildschweine. Durch die Wühlarbeit eines Wildschweines soll die Glocke wieder ans Tageslicht gekommen sein. – Viel bekannt ist das Verslein, das manche Leute aus dem Summen der großen Glocke heraushören wollen:

Ein Wildschwein hat mich ausgegrab'n,
Ein Kräuterweib 155 hat mich g'fund'n,
Man hat mich wieder nach Roßtal getrag'n,
In Roßtal muß ich brumm'n!

5. Vom Siebenuhrläuten im Winter

Seit vielen Jahren wird von Michaeli bis Fastnacht jeden Abend die große Glocke zehn Minuten lang geläutet. An diesen Brauch knüpft sich folgende Sage:

Zwei Edelfräulein gingen einst im Spätherbst spazieren und verirrten sich im Buttendorfer Wald. Nach langem Umherirren hörten sie den Klang einer Glocke, auf den sie zugingen. Es war der Klang der Roßtaler Gebetglocke. Todmüde kamen die Verirrten in Roßtal an, wo sie sich rasch von ihrer Erschöpfung erholten. Aus Dankbarkeit stifteten sie die Mittel zum Siebenuhrläuten im Winter. –

Die Kirchenstiftung Roßtal besitzt bei Nürnberg-Gibitzenhof ein Grundstück, dessen Erwerb mit dieser Sage in Verbindung gebracht wird.

Große Aehnlichkeit mit obenstehender Sage hat folgende (dem 3. Band der Landes- und Volkskunde Bavaria entnommen):

So wird auch im Markte Roßtal zunächst der Bibert zur Herbstzeit Abends um sieben Uhr geläutet. Drei Fräulein, die sich verirrt, wurden durch den Klang der Glocken zu Roßtal zurecht geführt und stifteten zum Danke hiefür die mittlere Glocke in die Kirche.

6. Die 2 ältesten Sagen von Roßtal

Die 2 ältesten Sagen von Roßtal sind einem Rechtsgutachten entnommen, das in einem Streit zwischen den Richterämtern Roßtal und Cadolzburg wegen der Zugehörigkeit von Vincenzenbronn um 1620 gefertigt wurde 156.

I. Wann nur der Gaul Flügel gehabt hat!

Sonsten wird viel von der Kirchen gesagt, als daß wo sie jetzt stehet, hab ein Pferd eine Glocke ausgescharret, darumben man unter diese noch ein Kirchlein da vor Augen gebauet, item dasselb Pferd sei von der Spitzen außerhalb den alten Wall vom Felsen, darinnen man die Fußstapfen vor 3 Jahren noch weisen können und von einem Maurer im Steinbrechen verworfen worden, bis gen Reytterach auf einen Sprung gesprungen, und von Reuttersach gen Gottmannsdorf, dahin man das Kirchlein erbaut, doch mags glauben wer da will, wann nur der Gaul Flügel gehabt hat.

II. Von der Hunnenschlacht

So hält man auch dafür, welches auch am glaublichsten, als die Stadt von den Hungern und Matzen (Davon der Hungern- und Matzenberg seinen Namen bekommen), sei belagert worden, da habe ein Herzog aus Bayern dieselbe entsetzt, auch den Feind albereit geschlagen, und als er die victory gesehen, sei er auf die Walstatt, die Erschlagenen zu sehen, geritten, (welches ihm doch durch sein Gemahl oder andere getreue Räte widerraten worden,) der darauf von einem unter den Toten und Verwunden liegenden Hungern, der seinen Bogen noch gespannt gehabt mit einem Pfeil durch das Visier geschossen, und also verwund worden, daß er des Todes sein müssen, … solches hatte sich der Feind wieder an die Stadt gemacht und dieselbe erobert, der Herzog aber wäre, wo jetzt die Kirche stehet, begraben worden.

Legende vom heiligen Laurentius

Die Kirche zu Roßtal ist dem heiligen Laurentius geweiht, der im Jahre 257 Diakon und Verwalter des Kirchenvermögens in Rom war.

Von diesem wird folgende Legende erzählt. Bei einer Christenverfolgung verlangte von ihm der kaiserliche Präfekt in Rom die Schätze der Kirche. Laurentius bat um 3 Tage Zeit. Am 3. Tag erschien er mit vielen Armen, die von der römischen Gemeinde versorgt wurden, beim Präfekten. Dieser war hierüber voll Zorn und ließ Laurentius am 10. August 261 auf einem eisernen Rost lebendig verbrennen. Still ertrug derselbe die großen Qualen und nach einiger Zeit sagte er nur die Worte: Wendet mich; ich bin auf einer Seite genug gebraten. Bald danach verschied er.

Der heilige Laurentius wird aus obigem Grunde immer mit einem kleinen Rost in der Hand dargestellt.