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Vorwort

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

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Verzeichnis der benützten Archivalien XI
Verzeichnis der benützten Literatur XIII
Name 1
Lage und Umgebung 2
 Nachbarorte2
  Clarsbach 2
  Raitersaich 3
  Wendsdorf 3
  Buttendorf 3
  Neuses 6
  Stöckach 6
  Kernmühle 6
  Weinzierlein 7
  Weitersdorf 8
  Kastenreuth 10
  Oedenreuth 10
  Großweißmannsdorf 11
  Regelsbach 12
  Defersdorf 13
  Buchschwabach 13
  Trettendorf 15
 Entstehung und Entwicklung des Ortes Roßtal15
  Entstehung 15
  Belagerung und Schlachtim Jahr 954 15
  Erste Zerstörung 955 16
  Wiederaufbau 16
  Besitzwechsel 17
  Roßtal bekommt Stadtrechte 17
Gerichtswesen19
 Allgemeines 19
  Richter 20
  Gerichtsbürgermeister 20
  I. Das Richteramt (Pranger, Fraischbezirk Roßtal) 21
  II. Das Bürgerliche Gericht 23
Gefecht bei Roßtal25
Treffen bei Roßtal25
Zweite Zerstörung26
Niedergang26
Reformation26
Dreißigjähriger Krieg, das Jahr 163227
Ein- und Auswanderer28
Abstammung der Bewohner31
Die Kirche31
 Geschichtliches31
 Der Kirchsprengel34
 Der Bau selbst (Krypta, Teil der alten roman. Kirche, der spätgotische Chor, das Schiff, der Turm)34
 Innere Ausstattung der Kirche 37
 Ausstattung der Außenwände 40
 Von den Glocken 44
Von den Kapellen47
Nachrichten von Pfarrern48
 Mesner51
 Die beiden Pfarrhäuser51
Stiftungen51
 Die Pfarrer Eberhardtsche Wohltätigkeitsstiftung 51
 Die Fischhabersche Wohltätigkeitsstiftung 52
 Die Helmreichsche Wohltätigkeitsstiftung 52
 Die Filial-Kirchenstiftung Weitersdorf 52
 Die Lämmermannsche Wohltätigkeitsstiftung 52
 Die Mäginsche Familienstiftung 53
Das Schulwesen53
 Nachrichten von Lehrern und Kantoren55
Das Schloß57
Ein alter Zeuge der Vergangenheit61
Die Badestube zu Roßtal62
Häuser mit altem Holzfachwerk64
Vom Schießwesen64
Jagd66
Fischzucht68
Obstbau68
Naturdenkmäler70
Sitten und Gebräuche 70
 Allgemeine Sitten 70
 Bei Taufen 71
 Bei Hochzeiten 71
 Bei Beerdigungen 73
 Vom Schlachten 75
 Vom Pfeffern 75
 Dreschverse 75
Mundart in der Roßtaler Gegend77
 Beispiele 77
 Roßtaler Kirchweihlieder78
Gewerbe78
Kriegslasten 1806-1815 80
Mauereinsturz 1866 86
Vom Weltkrieg 90
 Verluste - Denkmal91
Von der Geldentwertung 92
Allerlei Wissenswertes 93
Münzen, Maße und Gewichte um 1800 97
Sagen 97
 1. Sage von der unterirdischen Kirche 97
 2. Die große Glocke zu Roßtal 98
 3. Die vernagelte Glocke 98
 4. Die verschollene Glocke 98
 5. Vom Siebenuhrläuten im Winter 98
 6. Die 2 ältesten Sagen von Roßtal: 99
  I. Wann nur der Gaul Flügel gehabt hat 99
  II. Von der Hunnenschlacht 99
 Legende vom heiligen Laurentius 99
Ausflüge nach Roßtal100
Verzeichnis der Ortsnamen 103
Verzeichnis der Personennamen 107
Anmerkungen 

Verzeichnis der benützten Archivalien

Archivalien


Name

Schon oft hat man Namen mit Münzen verglichen, die im Laufe mehrerer Jahrzehnte auf beiden Seiten manchmal so stark abgenützt werden, daß man sie nur noch am Klange erkennt. Ähnlich ergeht es den Ortsnamen dann, wenn das Volk sich dieselben nach und nach mundgerecht macht. Unbetonte Laute, manchmal ganze Silben, werden abgeschliffen 1 und nur der Wortstamm bleibt übrig. Die verschiedene Schreibung eines Namens erklärt sich aus dem Dialekt.

Sehr oft kann man aber auch in alten Schriften die Beobachtung machen, daß ein und derselbe Schreiber die Ortsnamen verschieden aufzeichnete. Im Mittelalter hatten eben die wenigen Leute, die mit Tinte und Kiel umzugehen vermochten, häufig ihre eigene Rechtschreibung.

Ein Beispiel für die verschiedene Schreibweise von Wörtern in früherer Zeit ist der Ortsname

Roßtal,

der bis 1913 Roßstall und früher

Horsedal,
Horsadal, (um 1000),
Horsatal,
Rostall, (1464 im Salbuch des Amtes Cadolzburg),
Rostal, (1474 im im Gült- und Zinsregister S. 5),
Roßtal und Roßstall, (1532 im Salbuch des Richteramtes Roßstall),
Rosstall, (1585 im Nürnb. Ratsverlaß Nr. 836),
Roßstall,
Roßstahll (1617 im Rechtsgutachten Vincenzenbrunn),
und Roßstall (1760 in der Wolßhoferschen Beschreibung) hieß.

Die älteste amtliche Schreibweise, Roßtal, findet sich auf dem an einer Urkunde der Deutschordenskommende Nürnberg vom 22. März 1501 hängendem Wachssiegel mit dem Roßtaler Wappen. Das Bayerische Hauptstaatsarchiv München schreibt hiezu folgendes: Vermerkt wird, daß der Siegelstempel, mit dem der Wachssiegelabdruck v. J. 1501 hergestellt wurde, sicherlich schon lange vor dieser Zeit in Gebrauch gewesen zu sein scheint, da er sehr abgenützt ist.

Wachssiegel

Nach der Umschrift, sigilum iudicum in rosstal, handelt es sich im vorliegenden Falle um das Siegel des Halsgerichts zu Roßtal. Eingangs der Urkunde heißt es auch: Wir Burgermeister und Räte des Halsgerichts …

Das Tal der Rosse war das jetzige obere Mühlbachtal, wo auch heute noch an verschiedenen Stellen nur saures Gras, Pferdefutter, wächst.


Lage und Umgebung

Bodenform

Roßtal liegt auf Höhe 373,4, fünfzehn Kilometer südwestlich von Nürnberg inmitten schöner Obstgärten.

Die Bodenform der Gegend um Roßtal ist die der Keuperlandschaft: welliges hügeliges Gelände. Der oberste Teil der Hügel wird vom Blasensandstein, auch Kieselsandstein genannt, gebildet. Er ist häufig mit kleinern Hohlräumen durchsetzt, welche in der Regel durch das Herauswittern kleiner Tonmengen entstanden sind. Bei Verwitterung liefert dieser Stein weißen Sand. Der Blasensandstein führt viel Wasser, welches gewöhnlich in starken Quellen an den Tag tritt; das Wasser derselben besitzt den Vorzug weich zu sein. Bekannt sind die wassereichen Quellen am Fuß des Schloßberges und des Eichelberges.

Unter dem Blasensandstein liegt die mächtige Lehrbergschicht (Lehm) mit mehreren Steinmergelbänken.


Nachbarorte

Rings um Roßtal ist ein Kranz blühender Ortschaften, die alle seit vielen Jahrhunderten in innigen Beziehungen zu ihm stehen.

3 Kilometer südwestlich an der Bahnlinie nach Ansbach liegt in einem kleinen Tale der wohlhabend Ort Clarsbach, der seit Menschengedenken zur Kirche Roßtal, politisch aber zu Buchschwabach gehört.

Im Salbuch des Amtes Cadolzburg von 1464 2 wird für Clarspach ein Rwdell Vogt genannt, der von eynem Hoff 1 rynischen gulden und 1 vaßnathune abzugeben hatte. Eine kurze Mitteilung über Clarsbach enthält auch das Sal- und Lagerbuch des Richteramts Roßstall von 1532.

Hans Steger. Cuntz Widmann.
Gibt Jerlich der Herrschafft Faßnachtshennen zue Faßnacht.
1 gulden Michaelis.

Solcher hoff ist vor Zeitten der Vogtey zue Clarspach eigen gewest, denn sie der Herrschafft wie obgemeltt, geduldhastig, vogtbar wnndt zue Lehen gemacht hatt, lautt der Herrschafft Brieffe, so die Inhaber bemeltes Hoffes haben, der allso lauttet, wie hernach folgett, … Ob dieser Hof mit dem sogenannten Freihof identisch ist kann nicht festgestellt werden.

1648 war Clarsbach ein Weiler im Ansbachischen Fraischbezirk; mit 2 Untertanen gehörte der Ort zum Richteramt Roßtal, 5 waren nürnbergisch 3.

Südlich Clarsbach befindet sich in dessen nächster Nähe die Bahnstation Raitersaich. Dieser Ort wird 1801 als vermischter Ansbachischer und Nürnbergischer Weiler, 3 Stunden von Nürnberg gegen Kloster Heilsbrunn gelegen 4 bezeichnet. Schon 1532 gehörte Reiters Aich 5 zum Halsgericht Roßtal.

Anno 1464 6 haben die Gemein zue Reitersaig Ihrenn Gemeinhirten verclagt, Sonnstenn auch einander in Gemeinen Sachenn vnnd Frevelsachenn vielfeltig wie mit den (Roßtaler) Gerichtsbüchernn zu erweissenn.

3 Kilometer nordwestlich von Raitersaich liegt dort, wo sich das Raitersaicher und das Clarsbacher Tal vereinigen, das schmucke Dörfchen Wendsdorf. Die kleinen aber steilen Berge in seiner Nähe und die schönen Wälder verleihen ihm einen besonderen Reiz. Seinem Namen nach zu schließen war es ursprünglich eine wendische Ansiedlung, zumal auch Flurnamen in der Nähe von Clarsbach, z. B. die Wind, auf die gleiche Niederlassung hindeuten. Geschichtliche Aufzeichnungen über dieses Dorf sind spärlich vorhanden. 1464 hatten Eber, Hans Rwdolt, Bll Hemmerlein, Fritz Hemmerlein, Burkard Schwarz, Prenner und Mulner (Mühlenbesitzer?) von Wendsdorff zusammen folgende Abgaben zu leisten: 21 solmerin korns, 11 ½ somerin weyz, ½ somerin Habern; 60 pfunt hallergelez minus 20 pfenn. 7 diese für die damalige Zeit beträchtlichen Abgaben lassen auf Wohlhabenheit der Einwohner schließen. Um 1500 gehörte Wendsdorf, bezw. Wenßdorff zum Fraischgericht Roßtal 8; 1787 hatte es 8 Ansbachische Untertanen. Es gehörte also wie nur wenige Orte seiner Umgebung, ganz zum Markgrafentum Ansbach und hatte sich in einem Zeitraum von über 300 Jahren kaum vergrößert. Nach Aufzeichnungen aus dem jahre 1735 9 war es mit noch 30 anderen Orten der Pfarrei Roßtal angegliedert; heute dagegen gehört es zur Pfarrei Bürglein.

Nördlich Roßtal sind die Orte Buttendorf, Neuses, Stöckach, Kernmühle, Weinzierlein.

Buttendorf 10 ist ein sehr alter Ort, nahe dem Bibertgrunde. Früher hatte er eine Burg, die den Herren von Puttendorf gehörte. Diese standen in regem Verkehr mit Heilsbronn; unter den 23 Zeugen, die bei Ausstellung des Stiftungsbriefes zum dortigen Kloster im Jahre 1132 anwesend waren, befinden sich auch die Herren Gernot und dessen Sohn Rudolfph von Putendorf 11.

Außer diesen werden noch genannt 12

Erkenbertus I. von Buttendorf zu Buttendorf und Flüglingen, der Sohn Rudolphs (1180),

Erkenbertus II. von Buttendorf zu Buttendorf und Flüglingen (1235)

Erkenbertus III. von Buttendorf zu Buttendorf (1279), die vier Söhne des letzteren:

  1. Caspar († 1343)
  2. Ulrich (1313)
  3. Heinrich (besaß den Zehend zu Stöckach, Rossstall, Sichersdorff und Weyhersbrunn, ingleichen auch den Hof in Loch, dann einen zu Tiefendorff, Volkersdorff und Temersdorff) und
  4. Friedrich von Buttendorf in Neuhaus und Gimmersheim (1335)

Ulrich von Buttendorf zu Neuhauß und Gimmersheim, der Sohn Friederichs (1383, 1407, 1412), ferner die beiden Söhne Ulrichs von Buttendorf, Hanß von Buttendorf der Jüngere, Hochfürstl. Eichstättischer Pfleger zu Sandsee 1424,

Caspar von Buttendorf. Er stunde in Hochfürstl. Eichstädtischen Diensten an. 1420–1427. Gienge an. 1440 bey den Leichenbegängnis Herrn Churfürst Friedrichs von Brandenburg mit Herrn Jakoben von Wolfstein beym fünften Roß, siegelte an. 1452 mit seinem Vetter Herrn Georgen von Buttendorff (zu Alten Mur), ingleichen mit Herrn Wilhelm, Georgen Sixten und Hansen von Leonrod, ihren Vettern. Er † vermutlich als der Letzte seines Geschlechts, Schild und Helm ohne männliche Leibeserben und war 1436, auf den 26. Turnier in Stuttgard gegenwärtig.

Daß die Herren von Buttendorf vermögend waren, geht aus der Heilsbronner Klostergeschichte hervor. Unter Abt Petrus Wegel (1463 bis 1479) lieh ein Hans von Buttendorf dem Kloster (1464) 1200 fl. zu 5 %, für die damalige Zeit eine beträchtliche Summe. Der Gläubiger erhielt dieses Darlehen bald wieder zurück, jedoch mit Abzug von 50 fl., welche er zur Begehung seines dereinstigen Jahrestages dem Kloster schenkte. Ein Georg von Buttendorf 13 verkaufte 1430 Altenmuhr an Konrad von Lentersheim.

Grabplatte

Zwei alte Gruftsteine mit dem Wappen der Herren von Putendorf sind noch jetzt in der Ritterkapelle der Heilsbronner Kirche vorhanden. Die untere Hälfte des Wappens besteht aus einem Schild, der durch einen Balken quergeteilt ist. Ueber dem Schild ist ein Helm, der mit einem behalsbandeten Sperberskopf geschmückt ist.

Der Burgstall zu Buttendorf gehörte 1464 Hans Lederer. Das Salbuch des Amtes Cadolzburg aus dem genannten Jahr 14 enthält folgende Notiz: Hanns Lederer hat innen das Burgstall zu Puttendorff. Darvon gibt er jerlicher gulte nach inhaltung des briefs, den er darüber von der Herrschaft hat, 4 pfunt werung und 20 pfennig.

Aus dieser Zeit sind folgende Namen von Buttendorfern bekannt: Hermann Gocz, Concz Gleyß, Hanns Lederer, Fricz Schuster, Nelayn, Pfeffer, Christgan.

Ueber das dem heiligen Jakob geweihte Kirchlein ist recht wenig bekannt. Es ist klein und schmucklos. Auf dem Dachfirst befindet sich ein Türmchen mit einer Läutglocke und zwei kleinen schlüsselförmigen Schlagglocken. In letzter Zeit ließ die opferfreudige Gemeinde ihr Bethaus erneuern und mit einer Uhr versehen.

Zur Zeit sind in Buttendorf jährlich fünf Gottesdienste3; 1532 waren es deren nur zwei, am Sonntag nach Jakobi und am Tage Egidi 15

Um 1400 hatte der Ort einen Geistlichen und infolgedessen auch ein Pfarrhaus. Matthias Groß schreibt in seiner Landes- und Regenten-Historie, Seite 268 und 269: Anno 1414 machte der Herr Burggraf aus der Pfarr Langenzenn ein Collegium Canonicorum regularium Ordinsis S. Augustini.

Aus dem oben alligirten Fundations-Brief erhellet, dass diese Durchlauchigste Stiffter schon damahls eine Clösterliche Bruderschafft und Geistliche Capitul zwischen dem Closter und denen benachbarten Pfarrern angeordnet, welche jährlich an 2 gewißen tagen zu Langenzenn im Closter zusammen kommnen, und von geistlichen Dingen sich unterreden mussten, und wurden folgende Pfarrer darzu gezogen: 1. Zu Roßstall, 2. Cadolzburg, 3. Zirndorff, 4. Ammerndorff, 5. Vinzenzenbron, 6. Bürgles, 7. Habersdorff, 8. Groß-Haßlach, 9. Emskirchen, 10. Frauen-Aurach, 11. Regelsbach, 12. Laubendorff, 13. Burg-Farrenbach, 14. Kirch-Farrenbach, 15. Fürth, 16. Fach, 17. Weissendorff, 18. Reuth, 19. Wilhelmsdorff und 20. zu Vestenberg; worzu noch folgende Frühmesser und Capläne kamen: Zu Erlach, 2. Embskirchen, 3. Caplan zu Frauen-Aurach, 4. Frühmesser zu Puttendorff, 5. Roßendorff, 6. Habersdorff, 7. Zirndorf, 8. Retzelsdorff, 9. Raub-Burg, 10. Vestenberg und 11. Buschendorff.

Als Pfarrhaus wurde wahrscheinlich das jetzige Gemeindehaus verwendet. Hierfür spricht vor allem seine Lage in der Nähe des Kirchleins, seine alte Bauart, sein ziemlich großer Umfang und der herrliche, große Garten an demselben.

In der Gegenwart ist Buttendorf durch seinen umfangreichen Tabakanbau berühmt. Ende August sind fast sämtliche Gebäude und Zäune mit Tabakbandelieren behangen, damit der Tabak trocken wird.

Neuses, ein Weiler an der Bibert, gehörte um 1532 zum Halsgericht Roßtal. Es hat schon seit Jahrhunderten eine Mühle. Im Salbüchlein von 1692 findet sich folgende Aufzeichnung: Michael Siebenkeeß Müller zu Neuses bey Ammerndorf zinßet Jährlich zu Michaelis Vier Golden Kayßerl. Wehrung Von einem Güttlein zu Neuses bey Amerndorf. Um 1769 hatte Neuses eine Glaß-Schleiff- und Polier-Mühle, welche dem Handelsmann Volckert von Fürth gehörte 16.

An die Zeit des 30jährigen Krieges erinnern zwei alte Gedenksteine. Eine Steinsäule am Wiesenweg nach Ammerndorf bezeichnet den Ort, an welchem der Roßtaler Kaplan König 1632 von Kroaten in Stücke gehauen, erschlagen wurde. Ein großes Steinkreuz in der Ortschaft, das als Wahrzeichen eine Pflugschar und ganz undeutlich eine Hirtenpeitsche hat, soll an einen Bauern erinnern, der nach dem 30jährigen Krieg von einem Hirten erschlagen wurde 17. 1787 hatte Neuses einen Ansbacher und neun fremde Untertanen.

Stöckach, um 1460 Stockeych, Eichenstock genannt, war vor 150 Jahren ein Weiler mit acht Anspacher Untertanen; die übrigen waren teuschtherrisch und gehörten in das Amt Virnsberg 18. Es liegt auf einer Anhöhe in nächster Nähe von Roßtal und ist deshalb schon von jeher eng mit ihm verbunden. Aus dem 15. Jahrhundert sind folgende Personennamen bekannt: Hanns Kwgler, Hans Eberlein, Schadmann, Jacob Haß, Burghart Hoffmann, Jacob Weyler 19.

1 ½ Kilometer nördlich von Stöckach liegt an der Bibert die Kernmühle. Die älteste Nachricht über diese enthält das Salbuch des Amtes Cadolzburg (1464), Seite 153. Dort heißt es: Fricz Mulnerin besiczt die Gißübelsmul, die man yczunt heißt die Kernmul. Das Roßtaler Taufregister vom Jahr 1594 enthält unter Nr. 459 die Notiz: Hans Kern müller in der Kernmülle. Die Kernmühle hat also sehr wahrscheinlich ihren jetzigen Namen nach dem damaligen Besitzer Kern. Schon damals hatte der Müller in der Bibert das Fischereirecht. Im gennten Salbuch findet sich hierüber folgender Eintrag: Fricz Mulnerin hat auch ein ort wassers an der Pibert, davon sie wochenlich dynen soll nach inhalt beyder lantpucher eynes schillings haller der kurzen wert, fisch nach herngult; und gibt ye fur 1 schilling 7 ½ pfennig werung zw diesen zeiten.

Die Unsicherheit in der ganzen Gegend während des 30jährigen Krieges beleuchtet folgende Niederschrift im Roßtaler Sterberegister vom Jahre 1635: Hans Kern, Müller uff der Kernmühle, wurde Montag 11. May von einem Reuter in der Mühl geschossen, hernach nach Rostall geführt, starb daselbst 12. May. Ehrlich zur Ruh bestattet, 13. May mit "Concionate (Predigt).

Noch 1846 hatte die Kernmühle eine Branntweinbrennerei 20.

Auch Weinzierlein liegt an der Bibert. Früher hieß es Weinzürl, das bedeutet so viel als Winzer, Weinbauer. In dieser Gegend wurde im Mittelalter Wein gebaut. 1666 besaßen die Herren von Leonrodt einen Weingartten und Acker zue Weinzierl auf drey morgen 21. Ein Berg nordwestlich der Ortschaft heißt noch heute der Weinberg. Auch das herrliche Wappen der Weinzürl, wie es sich in dem kunstvollen Nürnberger Wappenbuch 22 vorfindet, deutet auf Weinbau hin.

Schafzucht wurde schon sehr frühe getrieben. Anno 1455 Habenn die Gemein zue Weinnzührl Schaaff gehalten, Alß sie aber strittig worden, Ist ertheilt, dass sie vnnter einander hüttenn, vnnd für einen Hürten treiben sollen 23.

Ueber das Fischwasser zu Weinzierlein findet sich im Salbuch des Amtes Cadolzburg 1464 folgende Notiz: Item ein vischwasser zu Weinczürl; das hat Concz Newpawer. Und gibt davon alle iar 8 maß grundeln und 4 schock krebs. Das newe lantpuch seczt 4 gulden vom vischwasser.

Der Preis von Landgütern im 15. Jahrhundert ist aus folgender Aufzeichnung ersichtlich. Anno 1477 wurde einn Gutt zue Weinzührl vmb 45 fl. verkauft 24. 1769 hatte Weinzierlein ebenso wie Neuses eine Glaß-Schleiff- und Poliermühle; diese gehörte dem Handelsmann Holzmann zu Schweinau 25.

Ueber das Unterrichtswesen sind ziemlich eingehende Aufzeichnungen vorhanden. In Weinzierlein errichtete der Scribent Clunz aus Haundorf 1781 eine Winkelschule. Das Richteramt Roßstall hatte ihn aber 4 ½ Std. einsperren lassen und noch 1 fl. 35 Kr. Strafe auferlegt, weil er das vom Amt verlangte Schutzgeld nicht zahlte. Böckler von Weinzierlein, der ebenfalls die dortigen Kinder unterrichtete, wurde auf hochfürstlichen Konsistorialbefahl vom 2. Dezember 1791 wegen eines lügenhaften Memorials sofort entlassen und die Gemeinde Weinzierlein mit ihren dreizehn in das Ansbachische Richteramt Roßstall gehörigen und drei fremdherrischen Untertanen angewiesen, ihre Kinder nach Roßstall in die Schule zu schicken. Somit hatte die Winkelschule ihr Ende erreicht. Ueber 100 Jahre besuchten die Kinder von Weinzierlein die Schule in Roßtal, bis laut Minist.-Entschließg. vom 24. September 1896 durch Errichtung des Schulsprengels wintersdorf, welcher die Orte Wintersdorf, Bonnamberg, Leichendorf und Weinzierlein umfaßt, die Kinder nach Wintersdorf umgeschult wurden.

Daß die Gegend bei Weinzierlein schon um Christi Geburt besiedelt war, bezeugen die Hünengräber im nahen Erlach, einem herrlichen Walde zwischen Weinzierlein, Stöckach, Kernmühle. Am östlichen Rande desselben, in der Nähe der Weinzierleiner Mühle, findet sich am Waldeingange ein Grabhügel, im Volksmunde Heidenhügel genannt. Nördlich davon, in der Nähe der Bibert, ist noch ein zweites, etwas flachere Hünengrab.

500 Meter südlich des Heidenhügels ist die Waldabteilung Humbserloch, die ihren Namen von der früher in Weinzierlein ansässigen Familie Humbser, jetzt in Fürth, hat 26.

Ein altes Steinkreuz an der Haltestelle der Biberttalbahn soll an einen Unglücksfall erinnern.

Zu erwähnen ist noch der sog. Doktors- oder Kochbrunnen im Gründchen oberhalb der Mühle. Das aus dem Boden dringende klare Wasser hält den grobkörnigen Grundsand beständig in wallender Bewegung. In früherer Zeit wurde dieser Brunnen als Heilquelle geschätzt, und wer nur einen Schluck Wassers davon trank, soll dadurch sein Leben um zehn Jahre verlängert haben. Heutzutage hat das Wasser seine heilende Wirkung verloren, es wird aber noch als Trinkwasser geschätzt.

Unweit der Station Roßtal liegt an der Bahnlinie nach Nürnberg das Filialkirchdorf Weitersdorf. Noch 1787 hatte es nur einen in das Ansbachische Richteramt Roßtal gehörigen Untertanen; die übrigen sechs waren nürnbergisch 27.

Das auf einer Anhöhe gelegene Kirchlein ist ziemlich klein; es war dem heiligen Aegidius geweiht. Auffallend sind einzelne bis über 1 Meter starke Mauerteile, ohne Zweifel die ältesten Mauern des Ortes. Die schwächeren Seitenteile des Kirchleins wurden zur Vergrößerung angebaut. 1819 wurde das baufällige Gotteshaus um 350 fl auf Abbruch versteigert, jedoch 1828 von der Ortsgemeinde wieder hergestellt und am 6. September 1829 eingeweiht. 28. Im Jahre 1925 stiftete der derzeitige Ortsführer Fritz Förthner für das Bethaus eine gutgehende Uhr mit Schlagwerk.

Gottesdienste sind in Weitersdorf jährlich drei. Im 16. Jahrhundert waren es deren fünf, nemlich am Tag Nicolai, am Tage Petrii, am Tage Martini, am Tage Many (Emanuel?) Undt die Suntags Kirba ann Sontag nach Egydi 29.

Seit 1921 ist an der Vorderseite des Kirchleins zu Ehren der im Weltkrieg gefallenen Krieger des Ortes ein Denkmal angebracht. Es zeigt einen sterbenden Soldaten. Am Denkmalssockel befinden sich die Namen der Gefallenen. (Siehe Kriegerdenkmal Roßtal!)

Ueber die Herren von Weitersdorf schreibt Muck 30 folgendes: … Die Urkunden gedenken noch eines Pensionärs, welcher zur Zeit unseres Abts 31 in Heilsbronn starb und das Kloster beschenkte. Von dem Filialdorfe Weitersdorf in der Pfarrei Roßstall führte eine adelige Familie ihren Namen, die eine Grabstätte in Heilsbronn hatte Laut Kaufbrief von 1370 kaufte Götz von Weitersdorf für seinen Sohn Heinrich eine Pfründe im Kloster und überließ diesem zum Unterhalt des Sohnes die Gefälle von zwei Gütlein in Mosbach mit der Bestimmung, daß nach dem Tode des Sohnes die Gefälle dem Kloster verbleiben sollten. Die Familie Weitersdorf besaß ferner von einem Gute in Altendettelsauch Gefälle, welche das Kloster für 49 Pfund Heller kaufte. Drei Jahre darauf (1373) verkaufte Heinrich von Weitersdsorf, Richter zu Abendberg, drei Tagwerk Wiesen in Brühl bei Untereschenbach an das Kloster. Ein Peter von Weitersdorf verkaufte i J. 1410 Grundgefälle in Ammerndorf an das Kloster, indem er urkundlich erklärte: Ich Peter Weitersdorf, zu Amalratdorf gesessen, und Margareta meine eheliche Wirtin bekenn, daß wir verkauft haben herrn Berchtold, Abtg (1386-1413), und dem Konvent zu Halsbrunn 8 Pfund ewiger Gült von einen Gütlein zu Amalratdorf, da der Rot auf saß und dem Kloster eigen ist. Darob haben sie uns geben 30 Gulden …. Gegeben Montag nach St. Jakobsstag 1410. Bezüglich eines in Heilsbronn begrabenen Johann Weitersdorfer verausgabt der Subcellarius im Jahr 1418 20 Talende ad exequias domini Johannis Weitersdorffer, und im Jahr 1430 vier Talende pro lapide ad sepulchrum Johannis de Weytersdorff. Zeuge eines in Heilsbronn (bei Nr. 107) noch vorhandenen Todtenschildes führte die Familie in ihrem Wappen einen Stiefel mit einer Krone 32. Bei den Ausgrabungen im Jahre 1853 fand sich in der Ritterkapelle dieses Wappen auf einem Stein, jetzt bei Nr. 32, ohne Zweifel der erwähnte Leichenstein von 1430. Weder auf diesem Steine, noch auf jenem Todtenschilde findet sich eine Schrift.

Auf der Ortsflur Weitersdorf stand in der Marter an dem Acker Plan Nr. 112 ½ ein Steinkreuz. Der Volksmund erzählt hierüber, daß sich auf dem Acker zwei Schnitter zu tot schnitten, d. h. sich beim Schneiden Getreides mit der Sichel so sehr hetzten, daß sie, vom Schlage gerührt, tot umfielen. Jetzt ist das Kreuz zu einem Wegweiser zurechtgehauen, der an der Gabelung des Weges Weitersdorf-Lind bzw. Weinzierlein steht.

Ein zweites Steinkreuz war noch vor wenigen Jahrzehnten an dem Kreuzweg Roßtal-Sichersdorf, Weitersdorf-Kastenreuth. Gegenwärtig befindet sich dort nur eine Steinsäule als Wegweiser.

Der südliche Teild des Ortschaftskranzes um Roßtal wird durch die Orte Kastenreuth, Oedenreuth, Großweißmannsdorf, Regelsbach, Defersdorf, Buchschwabach und Trettendorf gebildet.

Kastenreuth, früher Gereut, Castnersreuth, auch Großreuth genannt, ist ein Weiler mit sieben Wohnhäusern. Alle vier Bezeichnungen enthalten die Silbe Reut, die auch in den Namen vieler anderer Ortschaften vorkommt. Schmeller 33 erklärt diese folgendermaßen: Das Reut, der ausgereutete Platz. Reuter machen, das Holz abstocken, mit Getreide besäen und nach zweimaliger Ernte wieder zu Holz liegen lassen. Reutstädte.

Das Salbuch des Amtes Cadolzburg vom Jahre 1464 enthält folgende krurze Aufzeichnung: Gerewt (Kastenreuth). Hans Prew gibt alle jar 6 pfunt hallergelts, 2 Herbsthoner und 2 vaßnathöner 34.

1787 hatte Castenreuth ebenso wie damals Clarsbach zwei anspachischse und fünf fremde Unterthanen und gehörte in das Fraischamt Roßtal.

15 Minuten von Kastenreuth entfernt liegt Oedenreuth, welches um 1700 Ebenreuth und vorher Kleinreuth hieß. Es hat ein Schlößlein mit einem sehr großen, schönen Hausgarten. Bemerkenswert sind die alten Schlösser an den Zimmertüren. Neben dem genannten Gebäude steht eine Scheune, die noch Spuren eines Herrschaftshauses aufweist. An ihren Wänden befinden sich Ueberreste schöner Bilder.

Das Gut Oedenreuth gehörte bis ins 19. Jahrhundert hinein zum Bistum Bamberg und war von Kreßischer Herrensitz. Ein Lehensbrief für Balthasar Christoph Kreß zu Nürnberg über das Gut Ebenreuth aus dem Jahre 1741 nennt den Besitzer und beschreibt dasselbe näher 35. Von Gottes Gnaden Wir Friedrich Carl, Bischoff zu Bamberg und Würzburg, des Heil. Röm. Reichs Fürst, Herzog von Franken
Bekennen und thun kund öffentlich an diesen Brief, daß Wir Unserm Lieben Getreuen Balthasar Christoph Kreß zu Nürnberg zu rechten Zinnßlehen geliehen haben Zwey Güter zu Kleinreuth, jetzt Oeden- oder Ebenreuth genannt, bey Rostall gelegen, darau der Zeit Ein Guth gemacht und folgender gestallten bebauet und eingerichet ist, Nehmlich mit einem Herrnhaujß, Gesindhauß, Roß- und Rindviehe Stallung, dann ein Gärthners Häußlein und dzweiy Städeln …
(Es folgen noch einige Gütlein. R.)

Um 1700 waren die Herren von Lemp in Ebenreuth begütert. Das Salbuch über den freiadeligen Sitz zu Roßtal, Angefangen 1692, enthält folgende Notiz 36:

Herr Johann Christoph von Lemp uf Ebenreuth in Nürnberg zinßet Jährlich zu Michaelis dreyßig Kreutzer statt Zweyer Fastnacht Hennen Von Vier Morgen Holz Egerten auf dem Sand zwischen Weißmannsdorf, Ebenreuth und Defersdorf. … NB. Johann Wilhelm, Septimus Andreas, Anna Margaretha Sophia Ursula und Anna Maria von Lemp, Gebrüdern und Schwestern auf Ebenreuth zu Nürnberg sind mit obbemelten Holz auff erfolgte absterben Ihres Vaters den 1. Martii Ao. 1711 Belehnt …

In Fraischsachen gehörte der Weiler Oedenreuth zum Richteramte Roßtal; für leichtere Vergehen war letzteres nicht zuständig, was folgendes Vorkommnis beweist.

Am 21. September 1781 ließ der hochfürstl. onolzb. Lehenskommissar und Amtsrichter Joh. Samuel Model zu Roßtal wegen Obstentwendung durch den Amtknecht in Oedenreuth eine Haussuchung vornehmen. Dies wurde schon am 22. September 1781 durch Christoph Jacob Kreß von Kreßenstein an Herrn Hanauer, Hochfürst. Bamberg. Hochbetrauten Geheimbten Rath und Lehen-Probsten in Bamberg berichtet. Wegen dieses Roßstallischen Attentato ging dem Richter Model ein Schreiben zu, in welchem das Attentatum als unnachbarlich und widerrechtliches Zudringen bezeichnet und dagegen feierlichst protestiert wird 37.

Eine Aufzeichnung im Roßtaler Sterberegister von 1676 (Nr. 9) läßt erkennen, wie unsicher es noch jahrzehntelang nach dem 30jährigen Krieg in unserer Gegend war. Dort heißt es: Georg Rohleder, Burger und Mezger zu Niernberg, der von 5 Kaiserl. Soldaten erschossen worden, bey Oedenreuth, den 22. Februar.

Großweißmannsdorf, 1464 Weyßmannstorff 38, war 1648 ein weyler in der Hauptmannschafft Buchschwabach, zwischen Nürnberg und Hailsbronn, auf der Straßen, 2 meil von Nürnberg, Marggr. Obrigkeit, Regelspacher Pfarr. 39.

Heute ist es ein ansehnlicher Schulort Zum Schulsprengel Großweißmannsdorf, der 1884 gebildet wurde, gehören noch die Orte Sichersdorf, Ober- und Unterbüchlein. Die Schulgemeinde erbaute das sehr zweckmäßige Schulhaus hauptsächlich aus eigenen Mitteln. Das Türmchen auf dem Schulhaus nebst Uhr wurde durch freiwillige Beiträge hergestellt.

Lehrer: 1884-1898 Wilhelm Strobel,
1898-1906 Ernst Ruttmann,
1906-1915 Christian Treuheit,
seit 1.5.1915 Heinrich Schmidt.

Seit Herbst 1927 ist am östlichen Ortsausgang ein Friedhof angelegt, der mit einem stattlichen Leichenhaus versehen ist. Grund und Boden stellte Herr Gastwirt Fritz Höfler unentgeltlich zur Verfügung; die Baulasten übernahm die Bevölkerung der Schulsprengelorte freiwillig.

Um 1600 war in Weißmannsdorff eine Markggräffische Wirtschaft 40. Bis etwa 1780 wurden hier die Ansbacher Postsachen von der Nürnberger Post übernommen 41. Jetziger Besitzer des Anwesens ist Herr Gastwirt Staudacher.

1632 war der Ort von Schweden besetzt; das Grab eines Schwedenoberst im Hofe des Herrn Joh. Nik. Bogendörfer erinnerte viele Jahre lang an diese Zeit 41.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wohnte in Großweißmannsdorf der Edelmann Wilhelm Ernst von Freudenstein. Das Roßtaler Sterberegister von 1675 enthält folgenden Eintrag: 1. Maria Margaretha Barbara, eine Unbekannten und damahls sich zu Weißmannsdorff aufhaltenden Edelmanns, die sich Wilhelm Ernst von Freudenstein geschrieben, ehel. Töchterlein d. 5. Jan. 2. Anna Maria, Vorgedachter Adelicher Person eheliche Haußfrau d. 7. Jan.

Um 1700 saß in Großweißmannsdorf ein Zolleinnehmer (auch in Roßtal und Regelsbach 42.

H. Conrad Poncratz Drach Zolleinnehmer zu Weißmannsdorf zinßet jährlich zu Michaelis Einen Gulden und Vierzig Kreuzer Kays-wehrung von zween Morgen Ackers an Panzenreisig zwischen Buschwobach und Weißmannsdorf unsern Ebenreuth gelegen, … 43.

1801 hatte der Weiler zehn in das ehemalige Ansbachische Richteramt zu Roßstall gehörige Unterthanen; fünf waren fremdherrisch 44.

Uebr die zwei ziemlich großen Steinkreuze am westlichen Ortsausgang zu beiden Seiten der Staatsstraße ist nichts bekannt.

Zwischen Roßtal und Schwabach, nahezu in der Mitte, jedoch etwas näher an dem zuerst genannten Orte, liegt der Pfarrort Regelsbach 45. Dieser ist schon sehr alt. Er war ein vermischtes Ansbachisches und Nürnbergisches Dorf, mit einer Pfarrkirche zu St. Georg, mit dessen Satz und Zehnten H. Eberhard Ebner 1295 das St.-Klara-Kloster zu Nürnberg bereichert. hat. 1296 brachte der Pfarrer etliche Rindermaultsche Lehen zu Gustenvelden an sich.
Eingepfarrt sind: 1. Leitzelshofen oder Leupoldshof, 2. Kleinweißmannsdorf, 3. Hegendorf oder Hengdorff 46
.

Einen Einblick in die Vergangenheit des Ortes gewährt auch das Werk: Verzeichnis und Lebensbeschreibung der Herren Geistlichen …, verfaßt von Andr. Würfel, 1759 – In Regelsbach zog sich die Durchführung der Reformation einige Jahre hin. Erasmus Enck wurde 1530, weil er sehr halsstarrig war und die Päpstische Lehr immer behalten wollte, entlassen.

Nach der Reformation: Sixtus Maul. War von A. 1524 biß A. 1530 Frühmesser und Prediger in Engelthal. In der A. 1528 angestellten Visitation war man mit ihm sehr wohl zufrieden. Man wurde räthig, ihn nach Altdorf, als Pfarrer zu setzen. Kam A. 1530 als Pfarrer hieher und starb 1540.

Der zehnte Geistliche nach der Reformation war in Regelsbach Johann Stengel. Während seiner Amtszeit, die in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges fällt, war der Pfarrort viel von feindlichen Soldaten heimgesucht. Johann Stengel. Ein Nürnberger. Erhielte A. 1630 den 27. Januar die Ordination als Vicarius in Regelspach. Nach Abzug des Ordinarii hat er A. 1631 den 2. Januar den ersten und 1632 den 27. May den letzten Tauf Actum eingeschrieben. Wegen der vielen Durchzüge mußte er nach Nürnberg in die vordere Ledergassen ziehen. Starb A. 1632 und wurde den 24. Augusti begraben. Seine hinterlassene Wittib Barbara, verehelichte sich A. 1633 den 24. April mit Martin Seuppel, Barbier in Nürnberg. Nach seinem Tod ist die Pfarr etliche Jahr, wegen der vielen Durchzüge leer gestanden.

Daß es auch früher schon an Kirchweihen manchmal recht lebhaft zuging, beweist eine Aufzeichnung in den alten Roßtaler Gerichtsakten 47. Dort heißt es: Anno 1511 Iß zue Regelsbach ann der Kürbenn eine überauß große schlägerey gewessenn, Alß daß etlich jahe todt bliebenn etliche aber sonnsten ybell verwundt worden.

Defersdorf bei Buchschwabach liegt in einem kleinen schönen Tal. Die große Gastwirtschaft des Ortes war ehemals ein Herrenhaus und erinnert noch an die in Ruinen liegende Burg. In früherer Zeit besaßen das Rittergut die Herren von Schnöden und später ein Herr Mußmann aus Ansbach. 1566 erwarb es Albrecht von Scheurl mit den Rechten der Vogteilichkeit und Gemeinherrschaft und 1649 machte es Gabriel von Scheurl der Jüngere zu einem Familien-Fideicommiß. Christoph Wilhelm Scheurl der Erste vergrößerte es durch mehrere Güter und erhob es zu einem Majoratsgute.

Christoph Scheurl von Defersdorf, geboren 1666, gestorben 1740, war Besitzer von Heuchling bei Lauf.

Philipp Jakob Scheurl von Defersdorf war von 1684–1686 Pfleger zu Lauf.

Buchschwabach liegt an der kleinen Schwabach, an deren Oberlauf Buchen gedeihen. Fast überall um Roßtal kommen nur Nadelwälder vor; Laubbäume sind eine Seltenheit, und jene Gegenden, wo sie ausnahmsweise in größeren Mengen gedeihen, sind durch die Ortsnamen gekennzeichnet, z. B. Unterweihersbuch, Oberweihersbuch, Unterbüchlein, Oberbüchlein, Buchschwabach.

Buchschwabach ist ein Kirch- und Schuldorf. Die Kirche, die in der Mitte der Ortschaft steht, war der Maria Magdalena geweiht. Ueber die Zeit ihrer Erbauung ist nichts bekannt. Daß sie schon vor der Reformation bestanden hat, beweist eine Beschreibung der Einkünfte bei der Pfarrei Roßtal von 1482 durch Joh. Neff; dort heißt es: Buchschwabach, da hat der Pfarrer nichts, denn uff das Capitul gibt man den Vicario 24 Heller. 1882/83 wurde die Kirche bis auf die Ostseite und den Turm abgebrochen und nach den Plänen des Professors Steinsdorff aus Nürnberg neu hergestellt. Die Maurerarbeiten führten Baumeister Michael Eckstein von Roßtal und Bauunternehmer Ritter von Großhabersdorf aus.

Die Innenkirche zeigt im Turmraum ein romanisches Gewölbe, in welchem ursprünglich der Altar stand. In der vergrößerten neuen Kirche befindet sich der Chor, der im frühgotischen Stil ausgeführt ist, auf der entgegengesetzten Seite. Um die reiche Ausschmückung des Gotteshauses, zu der auch wertvolle, schadhafte Gegenstände vom Kirchenboden hervorgeholt und fachgemäß ausgebessert wurden, hat sich Herr Bezirksschulrat Hammerbacher von Buchschwabach sehr verdient gemacht. Im Jahre 1913 wurde eine herrliche neue Orgel mit elektrisch betriebenem Gebläse angeschafft. Gleichzeitig ließ die Kirchengemeinde das elektrische Licht einrichten.

Seit 17. April 1922 schmückt die Kirche auch eine marmorne Gedächtnistafel für die im Weltkrieg gefallenen 14 Krieger der Gemeinde. Hahn Johann, Hunger Adam, Zimmermann L., Gastner K., Peipp J., Grillenberger A., Kastner J. G., Hunger S., Knoll S., Wörrlein J., Herrmann J.,Knoll A., Hegelheimer M., Weber G.

Gottesdienste: Um 1532 wurden jährlich drei Gottesdienste abgehalten. Ueber diese Kirchtäge, die von Rostall von wegen der Herrschaft geschützt wurden heißt es: Puchschwabach, des Jahrs dreymalt, Nemblichen am Tage Stephani, am Tage Maria Magdalena, Vundt Suntages Vor Laurenti 48.

230 Jahre später war die Zahl der Gottesdienste in den drei zu roßtal gehörigen Filialkirchen wie folgt geändert: Zu denen Ecclesiasticis ist noch zu bemerken; daß in der Roßstaller Parochie drey Filial sich befinden, nemlich zu Buttendorff, zu Weidersdorff und zu Buchschwobach: in den zwey erstern wird des Jahrs nur einmahl, nehmlich an ihrer Kirchweyh, von dem H. Caplan; in dem letzten aber, von dem Pfarrer, alle Apostel Tage gepredigt 49).

An die Kirche schließt sich seit 1863 ein Friedhof an, welcher 1902 erweitert und mit einer Mauer umgeben wurde.

Innerhalb desselben befindet sich das alte Schulhaus. Dieses enthielt ursprünglich nur die Mesnerwohnung, weil Buchschwabach bis zum Ende des 17. Jahrhunderts keine genehmigte Schule hatte. Ueber die Entstehung einer solchen gibt ein Urkunde aus dem Jahre 1692 Aufschluß, die folgenden Wortlaut hat 50: 1. Marty 1692. Beschwerung des hiesigen (Roßtaler, R.) Schulhalters Johann Caspar Beuerleins wider die Heck-Schule zu Busch-Schwobach … daß Georg Bloß, ein Bauer zu Busch-Schwobach, die Verwittibte Schmidin alda, zu ihme in sein nebenhauß eingenommen Vnd von ihr, hoc Braetextu (unter diesem Vorwand, R.) nur seine Kinder zu informieren, begehrt, allein es dabei nicht verblieben, sondern Sie hat sich … andere Kinder – mehr alß fünfzehn – dahinzuziehen und anzunehmen, biß es endlich ein Schul worden, unterfangen.

1699 wurde auf Bitten der Gemeinde eine Schule gegründet, auf Kosten der vermögenden Kirchenstiftung ein Stockwerk auf das Mesnerhaus gebaut und das Lehrzimmer daselbst eingerichtet. Seit 1907 hat Buchschwabach auch ein neues Schulhaus und eine zweite Lehrstelle mit einer Dienstwohnung erster Ordnung. Eingeschult sind die Orte Defersdorf, Raitersaich und seit 1927 auch Clarsbach.

Lehrer: a) Schulrat Wilh. Hammerbacher, Bezirksoberlehrer, in Buchschwabach seit 1915;
b) Lehrer Hans Ammon, seit 1925.

Trettendorf. Ueber die Vergangenheit dieses Ortes, der vor 1800 ein Weiler mit einem ansbachischen und drei nürnbergischen Untertanen war, ist sehr wenig bekannt. 1632, dem Schreckensjahr für Roßtal und die umliegenden Orte, verlor es, ebenso wie das nahe Wimpes (Wimpas), vier Ortsangehörige. In nächster Nähe des Ortes sind große Wiesenflächen, die in früherer Zeit als Weideplätze verwendet wurden.

Ueber die Bedeutung des Wortes Tret schreibt … Schmeller: Das Tret, Platz um die Viehhütte einer Alpe, wo gewöhnlich das Vieh zur Melkzeit versammelt wird; mehr ebener Weideplatz, … 51.


Entstehung und Entwicklung des Ortes Roßtal

Entstehung

Wie bei den meisten Ansiedlungen unserer fränkischen Heimat, so hüllt sich auch bei Roßtal die Urentstehung in ein undurchdringliches Dunkel; Urkunden hierüber fehlen. Es wird jedoch vermutet, daß sich Roßtal aus einer Meierei Karl des Großen herausentwickelte.

v. Wölkern meint, Roßtal sei viel älter; es fehlen ihm aber die zuverlässigen Beweise. In seinem Werke, Historia Norimbergensis Diplomatic 52 schreibt er, Seite 71: Nach denen Zeiten Attilä, ungefährlich um das Jahr 456 wie Aventinus bezeige, hätten die Bayern auf dem Nordgau regieret, und Adelger ein König in Bayern, aus dem Geschlechte Adelmanns, des Teutschen Herculis auf der Veste Nürnberg gehausset, demselben hat auch Roßstall, Hilpoltstein, Adalgersburg genennt worden, item Lauterhoffen, Kassel, Ammerthal, Amberg, Chamb, Nabburg, zugehört, welche alte Häuser sein der Bayerischen Fürsten … daß um die Zeit der Aufrichtung des Stifts Bamberg, Eidelgard St. Kunigunden, Hayser Heinrichs des andern Gemahl Schwester, eine Pfalzgräfin bei Rhein, Herzog Ernsts in Bayern Gemahl, die Kirch zu Roßtal am Mühlbach bauen lassen, welche noch heutigen Tages stehet (!), und unter der Erden ein Cryptam oder Gewölb hat, auf zwölf Säulen gebauet, die fast so groß als die ganze Kirch ist, …. Und meldet Bruschius, daß an dem Ort, da jetziger Zeit die Kirch stehet, ein Schloß gestanden sei, dessen noch Anzeig gebe, daß der Kirchhof allenthalben, wo man in demselben grabe, voll alter Stein seye, wann aber, und von wem solch Schloß gebauet worden, habe er nicht gefunden, und ist aber vor Zeiten nichts neues gewest, daß man Fürstl. Häuser und Residenz. zu Kirchen und Gotteshäusern verwendet, …

Belagerung und Schlacht im Jahre 954

Im 10. Jahrhundert war Roßtal mit starken Mauern befestigt. Der Mönch Widukind († 1004) berichtet in seinen Schriften, daß bei Horsadal 954 eine Schlacht stattgefunden hat 53. Der Hergang hiezu war folgender:

Kaiser Otto der Große hatte sich zum zweiten Male vermählt, und das verdroß seinen aus erster Ehe stammenden Sohn Liudulf (Luitolf), der Herzog von Schwaben war, so sehr, daß es in der kaiserlichen Familie zu Zwistigkeiten kam. Diese führten zum Krieg, in welchem des Kaisers Schwiegersohn, der Herzog Konrad von Lothringen und vorübergehend auch Heinrich von Bayern zu Liudulf hielten. Der Haß zwischen Vater und Sohn wurde bald noch verschärft, weil es Liudulf gelang, die Ungarn durch kluge, heimliche Unterhandlungen von seinem Lande und dem Gebiete seiner Anhänger abzuhalten. Bei den nun folgenden Kämpfen wurde das deutsche Land hart mitgenommen. Deshalb und weil auch die Ungarn den Kaiser bedrängten, veranlaßte letzterer einen Waffenstillstand, der einen Fürstentag zur Folge hatte. Am 16. Juni 954 kamen viele Fürsten, Bischöfe und viel Volks in Langenzenn zusammen. Kaiser Otto verklagte seinen Sohn Liudulf, weil er sich empört und auch die Ungarn, die Feinde Gottes und der Menschen in den Handel gezogen habe. Herzog Heinrich hielt jetzt zum Kaiser und der Erzbischof von Mainz und auch Herzog Konrad suchten nun, Liudulf zur Unterwerfung zu überreden. Doch beider Bemühungen waren umsonst; sie trennten sich deshalb von Liudulf und schlossen sich Gott und Kaiser an.

Noch in der Nacht verließ Liudulf mit den Seinen Langenzenn und zog sich gegen Regensburg hin zurück, wobei ihn sein Vater verfolgte. Unterwegs stieß der Kaiser auf das befestigte Horsadal, in welchem sich Anhänger Liudulfs befanden. Er suchte den Ort zu erstürmen und es kam zu einem Kampf, wie noch kein Sterblicher einen härteren um die Mauern je gesehen. Erst die Finsternis der Nacht beendigte den Kampf. Am nächsten Morgen zog Kaiser Otto, ohne Roßtal erobert zu haben, gegen Regensburg weiter, das er nach drei Tagen erreichte. In der Gegend von Regensburg fanden noch mehrere Kämpfe statt, bis sich Liudulf, allmählich mürbe geworden, seinem Vater ergab. Er gelobte, in allen Dingen den Willen seines Vaters zu erfüllen, und erlangte Verzeihung.

Erste Zerstörung 955

Auch das folgende Jahr soll für die Roßtaler ein Kriegsjahr gewesen sein. Es wird erzählt, daß Roßtal 955 von den Ungarn oder Magyaren, auch Matzen genannt, zerstört wurde. Der Ungarnberg (mit dem Eichenhain) im Südosten und der Matzenberg 54 im Südwesten des Ortes erinnern noch heute an jene raubgierigen Horden. Unweit des Glockenhauses der alten Kirche befand sich das Grab eines ungekannten Herzogs, welcher im Kampfe gegen die Ungarn gefallen sein soll.

Wiederaufbau

Der Ort und auch die Ringmauern, von denen dann und wann noch Ueberreste von bedeutender Dicke und Festigkeit ans Tageslicht kommen, wurden nach dem Unglücksjahr 955 teilweise wieder aufgebaut. Der nordöstliche runde Eckturm ist in seinem unteren Teil noch gut erhalten und dient Herrn Kaufmann Peipp als Keller. Das Turmfragment hat eine äußere Höhe von 4,1 Meter, über der Erde einen Durchmesser von 4,4 Meter in derselben einen solchen von 4,8 Meter. Der Innenraum zeigt eine lichte Weite von 3 Meter und eine Höhe von 4,4 Meter. Nach oben schließt der Raum mit einem Gewölbe ab, das von einer mit einer Steinplatte überlegten Oeffnung von ca. 80x60 Zentimeter Größe durchbrochen ist. Von Osten und Südwesten her stoßen an den Turm Mauerreste.

Nach einer Urkunde der Herren von Buttendorf aus dem Jahre 1226 bestand die Gepflogenheit, daß jeder mutwillige Flucher ein Fuder Steine zum Wiederaufbau der Mauer herbeiführen mußte. 55.

Besitzerwechsel

1189 suchte Graf Friedrich von Abenberg und Frensdorf, vermutlich zur Bestreitung der Kosten einer Kreuzfahrt ein Darlehen von 400 Mark Silber und Bischof Otto II. von Bamberg und sein Domkapitel liehen ihm statt dessen 40 Mark Gold (Gold hatte damals einen sehr hohen Wert), wogegen er alle seine Vogteien zu Bamberg, Roßtal usw. dem Hochstifte in Pfandbesitz übergab, die nach seinem Tode demselben zum unmittelbaren Besitz verblieben 56.

1281 kam Roßtal vom Bistum Bamberg an die Burggrafen von Nürnberg.

1202 kauften die beiden Burggrafen von Nürnberg, Friedrich III. und Konrad III., Güter in Roßtal, die den Grafen von Heydeck gehörten.

Roßtal bekommt Stadtrechte

Kaiser Ludwig der Bayer erteilte mit Urkunde vom 22. April 1328 dem Burggrafen von Nürnberg das Recht, Roßtal zu befestigen, ein Gericht, einen Wochenmarkt und Nürnberger Rechte einzusetzen.

Die Urkunde hierüber 57 hat, ins Deutsche übertragen, folgenden Wortlaut: Ludwig, von Gottes Gnaden römischer Kaiser, der Gesamtheit und den einzelnen, zu welchen die Anwesenden kommen, seine Gnade und alles Gute.
Die hervorragende Stellung und die Hoheit des Kaisers fordern gebieterisch, daß wir der Gesamtheit und den einzelnen, die uns mit Hingebung, Ausdauer und Treue dienen, durch Erkenntlichkeit für die Vorteile zuvorkommen müssen, so daß durch die Hoffnung auf Vergeltung die übrigen in ihrer Dienstbeflissenheit mit um so größerem Selbstvertrauen und um so größerer Begeisterung erfüllt werden, uns und dem Reiche zu dienen. Daher ist es unser Wille, daß nicht nur die jetzt Lebenden, sondern auch die Zukünftigen wissen, daß wir durch unser kaiserliches Wohlwollen im Hinblick auf die Ergebenheit, Standhaftigkeit und Treue unseres geliebten treuen Geheimschreibers, des Burggrafen Friedrich von Nürnberg, indem wir in diesem Teile seiner Bitte gnädig Erfüllung gewähren, demselben die Hoheit, die Kraft und die Vollmacht geben und zugestehen, den Gegenwärtigen übergeben und eingeräumt haben, in Roßtal eine befestigte Stadt zu errichten, erbauen und zu machen und sie selbst mit Mauern, Gräben und den sonstigen beliebigen Bollwerken, mit denen man die übrigen Städte zu befestigen pflegte, fest zu umgeben, ohne daß irgendein Hindernis oder Widerspruch im Wege stände. An dem gleichen Orte verleihen wir ihm die Gerichtsbarkeit samt den einzelnen sich daraus ergebenden Konsequenzen, nämlich ständig einen Richter zu haben und aufzustellen, der da in jeder Beziehung ermächtigt ist, in Stellvertretung und im Namen des oben erwähnten Burggrafen Friedrich, gestützt auf unsere kaiserliche Hoheit, im bezug wenigstens auf die weltliche Gerichtsbarkeit, Recht zu sprechen in einzelnen und allgemeinen Fällen und Vorkommnissen, die eine Körperverletzung, Eigentum oder damit zusammenhängende Dinge in sich schließen; ferner erteilen wir ihm die Befugnis, in dem gleichen Ort einen Wochenmarkt öffentlich auszuschreiben und ebenso festlich begehen zu lassen und zwar an dem Tage, den er für dessen Abhaltung und Besuch festgesetzt, wobei es unser Wunsch ist, daß besagte Stadt Roßtal gebrauche, genieße und sich ungehindert erfreue allen Rechts, Freiheit, Befestigung und Gnade, welche die Stadt Nürnberg bis dahin gebrauchte und von nun an genießen kann in Zukunft.
Zum Zeugnis dieser Tatsache haben wir befohlen, die Gegenwärtigen aufzuschreiben und die Verfügung mit dem Siegel unserer Majestät zu bestätigen.
Gegeben zu Rom bei Skt. Petr am 22. April 1328, im 14. Jahre unserer Königsherrschaft, im ersten aber unseres Kasertums.

Auch Kaiser Karl IV. gestattete mit urkunde vom 5. April 1355 58 Muschen, Bergel Katzendorff, Wunsees, Wunsiedel und Roßtal zu befestigen, Blutgericht, Wochenmakrt … daselbst einzusetzen.

Der übersetzte Text des Schreibens 59 lautet: "Wir Carolus der Vierdte, Von Gottes Gnaden, Römischer Kayser allzeit Mehrer des Reichs, und König zu Böheim, entbieten allen und jeden, bevor aber des Heil. Römischen Reichs getreuen und geliebten, Unsere Gnade und alles Gutes x. Wiewohl Wir Großmächtiger Kayser aus angebohrner Gütigkeit, Uns gegen alle Getreuen, und vorgehaltene Personen, ganz gnädig erzeigen, doch so erweisen Wir Unser Gnad und Mildigkeit, gegen diejenigen leichtlicher, welcher gut Gemüth und Nahme bezeuget,daß dieselben sich von wegen des Heil. Röm. Reichs Ehren und Frommen, auch desselben Beförderung hoch beflissen und bemühet haben; darum und dieweil Wir die ganze angenehme Dienste, und Willfährigkeitm, so beede hochberühmte Herren, Johann und Albrecht, Burggrafen zu Nürnberg, Unser und des H. Reichs ganz Getreue und Geliebte, auch ihre Vätter vorlängst, Uns, Unsern Vorfahren, Kysern und Königen, auch dem Römischen reich, wie wissentlich und offenbar, willig und getreu erzeigt, und bewiesen haben, gespührt, welche Treu beede hochberühmte Herren, Johann und Albrecht, auch vor der zeit, uns und dem H. Römischen Reich viel gewaltiger und berühmter haben erweisen können; demnach und hierum haben Wir diesen beeden Herren, Johann und Albrecht, auch deren Erben und Nachkommen, aus angebohrner Gütigkeit, und mit Unser guter Bewilligung und Vorbewust, vergünstiget, zugelassen und zugeben: Geben Ihnen auch solche nach Vermög und Inhalt gegenwärtigen Briefs aus Gnaden zu, aus folgenden sechs Flecken, als Muschen, Bergel, Katzendorff, Wunsees, Wunsiedel und Roßthal, feste verwahrte Städte zu machen, und zu erbauen, dieselben auch, und eine jegliche besonders, mit Mauern, Gräben, und mit allen andern und jeglichen Wehren, mit welchen pflegen andere Städte befestiget und verwahret zu werden, und daß sie auch in genannten Städten und Orten vollkömmliche Gewalt des Blutgerichts, mit aller Zugehörung desselben haben sollen; Sollen ihnen auch einen Richter zu erwehlen, über alle Fälle zu richten und zu urtheilen, gute Macht haben Geben auch mit Vorbewust, einen offenen Wochen-Mark darinnen, an welchem Tag es ihnen gefällig, ohne alle Wider-Rede aufzurichten und ausschreyen zu lassen.

Und damit genannte Herren, Johann und Albrecht, desto inbrünstiger zu allen willigen Diensten des Heil. Röm. Reichs mögten angebracht werden, so eben Wir auf Ihr Anlangen aus sonderlichen gnaden zu, daß dieselben in vorgenannten sechs Flecken, als Muschen, Bergel, Katzendorff, Wunsees, Wunsiedel und Roßthal, friedsam jeder und aller Gnad, Freyheit und Rechte, welcher bishero die Stadt Nürnberg gebrauchet hat, und forthin gebrauchen wird, auch gebrauchen und genießen sollen, soviel aber hin gebrauchen wird, auch gebrauchen und genießen sollen, soviel aber die Stadt Wunsiedel belanget, ist unser Will, daß dieselbe sich aller Freyheit, Gnad und Recht der Stadt Eger gebrauchen solle, geben auch zu so offt die Stadt Wunsiedel bericht eines Urtheils, oder Sachen begehrt, daß dieselbe einen offenen sicheren Zugang, sich Berichts zu erholen, zu Stadt Eger haben soll, doch anderen Städten, Gerichts und Gerechtigkeit nichts damit entnommen. Ausgegangen und geben unter Unsern Kays. Majestät Secret aus Rom, nach Geburt Christi, Anno 1355 60.


Gerichtswesen

Allgemeines

Roßtal hatte ein Halsgericht und ein Ehehaftgericht.

In einem Rechtsgutachten wegen der Zugehörigkeit von Vincenzenbronn zum Richteramt Roßtal oder Cadolzburg, gefertigt um 1620, finden sich folgende Angaben: Anno 1420 Ist wie vorgemelt daß Ehehafft Recht durch Herrn Peter Haller daß erste maahl besessenn wordenn unnd hat der erst Richter Rudolph Hertzog geheißen. Anno 1423 Ist durch den Richter zue Roßstall daß Peinlich Halßgericht besessen wordten. … Hernach Alß mann 1420 geschrieben ist ann Stadt des vorigen Stadtgebrauchs ein Gericht durch Herrn Peter Haller den Jüngeren in Nürnnberg angeordtnet wordten, doch ist die Gerichts Ordtnung wie Sie noch alle ehehafft verlesen würdt, auß der Stadt Ordnung, weyl Roßstahl einen Vogt, vnnd Stadt Rath gehabt, genommen.

Oben erwähntes Gutachten nennt die Anzahl Roßtaler Richter aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Rudolph Hertzog (1420) Fritz Schaumann (1520)
Ulrich Schuster (1442) Hannß Menniger (1535)
Cuntz Gossoldt (1455) Georg Sahlmann (1556)
Eckarus Helbing (1482) Hans Böß (Pfarrmatrikel, Roßtal, 1586)
Ludtwig Probst (1494) Martin Prinngell (1599)
Hanns Mayer (1495) Georg Schuler (1616)
Hanns Beck (1497)
Hanns Stöcklein (1518)

Anmerkg.: 1666 bat der Zirndorfr Schulhalter und Organist Joh. Sebast,. Krafft, früher Richter in Roßtal, ihn als Richter und Schulh. nach Roßtal zu versetzen. (rep. 232, Nr. 5921).

Richter im 17. und 18. Jahrhundert

Gottfried Brunneman (1617) Johann Wilhelm Sartorius (1703–1709)
Michael Friedrich Kiser (1628),
Epitaph in der Kirche zu R.
Johann Gottfried Rötter (1711-1737)
Gottfried Förster (1642)Johann Michael Rhau, geb. 25.5.1697 zu Weidenberg (1737 bis 1772, Gedenktafel an der Kirche
Johann Stöckle (1659) Carl Wilhelm Friedrich Pöhlmann (1772 bis 1775), Gedenktafel an der Kirche
Wolfgang Fabritius (1665) Johann Samuel Model, 1796 pensioniert.
Sprigel (1667)
Joh. C. Popp 61
Bullmann 61
Gg. Peter Schank 61
Joh. Abraham Hofmann 61

Das Richteramt wurde am 31. Mai 1797 aufgelöst.

Gerichtsbürgermeister

Nicolai Wolf, vor 1676
Georg Fischhaber 1699
Johann Jakob Hofmann, † 1705
Hannß Leonhard Sauer
Barthel Wolff, † 27.1.1739 im
Alter von 60 J. 5 Mt. Johann Jakob Hofmann, † 1705
Hannß Leonhard Sauer
Barthel Wolff, † 27.1.1739 im
Alter von 60 J. 5 Mt.
Franz Albrecht Mägin 1739 bis 1779
Georg Albrecht Maechin, ab 1780,
Tabern-Wirt und Gastgeber zur goldenen Sonne.

I. Das Richteramt.

Halsgericht, Banngericht (1482), Panngericht (1556), Fraischgericht.

Das hiesige Gericht war eine Art Kriminalgericht. Die Gerichtsordnung desselben enthielt strenge Strafen. Die Fragen der Bannrichter an die Schöffen, sowie die Antworten der letzteren waren der Form nach genau festgelegt.

Die Richtersgasse, der Galgengraben und -buck erinnern an obiges Amt. Die Stelle auf dem Galgenbuck, wo das Hochgericht stand, war noch vor wenigen Jahrzehnten sichtbar.

Wann die hiesige Fronfeste an der nordwestlichen Kirchhofecke eingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Dort sind noch jetzt vier Lochgefängnisse in ihrer ursprünglichen Form vorhanden. Von der Fronfeste führte je ein unterirdischer Gang zur Krypta und zum Richthaus, jetzt Haus Nr. 101.

Ueber den Pranger, der in der Nähe des Schlosses stand, gibt ein Brief Aufschluß, den der frühere Schloßbesitzer v. Heistermann 1755 an den Beauftragten der Herrschaft schrieb; er lautet:

Reichsfrey Hochwohlgeb. Herr
Insbesonders hochgeneigtester Herr Geheimtrath!
Kaum bin ich diesen Vormittag vom Bette aufgestanden, so habe zu meiner sonderbahren zufriedenheit wahrgenommen, das der als ein Dorn mir im auge gestandene Pranger weggeraumet worden seyn. Gleichwie nun diese mir erwiesene gnädigster Herrschafft aber unschädliche Wohltat Eure Exzell. gnade und Verordnung lediglich zu dancken habe, also ermangle nicht solches hierdurch einstweilen schriftlich zu vollziehen biß bey anhoffend besseren wege mündlich versichern könne, daß ich in Lebenswürdiger Dank-Verbundenheit, und wahrer Verehrung unausgesez erharren werde.
Rostall den 23. May 1755
Ew. Exzellenz unterthänig devotest Diener von Heistermann 62

Zum Fraischbezirk Roßtal gehörten folgende Orte 63:

Untertanen:
Gänzlich AnspachischeFremde Angehörige
Altenberg e. vermischtes W.-5
Anwanden e. W.34
Bellingsdorf e. baireuth. W.-8
Bertelsdorf e. W.-4
Benzendorf e. baireut. W. -11
Bonnhof e. baireut. W. -18
Bronnenmühl (die) 1-
Buchschwabach ein vermischtes Filialkirchdorf- 22
Buttendorf ein Filialkirchdorf133
Bürglein ein baireuth. Pfarrdorf-21
Castenreuth e. W.25
Clarsbach e. W. 25
Defersdorf ein adelich von Scheurlisches Gut mit einem schlecht aptirten Herrensitz-10
Eckershof e. V.-3
Fernebrünst e. W.27-
Gottmannsdorf ein baireuthisches Filialkirchdorf-8
Götteldorf e. W.43
Grosweismannsdorf e. W.105
Gutzberg e. W. der ehemals Volkersdorf hies 6425
Herboltshof (der)-1
Hochstädt e. baireuth. Weiler-7
Hörleinsdorf e. baireuth. Weiler-5
Kehlmünz e. baireuth. Weiler-6
Kernmühl 8die)1-
Kleinweißmannsdorf e. baireuth W.-4
Kreuthles e. W.-4
Leichendorf e. W.37
Leichendorfermühl (die)-1
Lind e. W.-5
Loch e. W.21
Moßmühl (die)-1
Müncherlbach e. W.611
Münchzell ein Fischerhaus und Gütlein nebst einer verfallenen Kapelle2-
Neuhöflein e. baireuth. W.-7
Neumühl (die)-1
Neuses e. W.19
Oberaspach ein Filialkirchdorf415
Oberdeubenbach ein Filialkirchdorf25
Obernbüchlein e. W.12
Oedenreuth e. W. und von Kreßischer Herrensitz-5
Rehedorf e. nürnberg. W.-6
Reitersaich e. W.19
Roßstall ein Pfarrdorf836
Rögelspach ein Pfarrdorf216
Schwaighausen e. W.27
Siegersdorf e. nürnberg. W. -4
Stein e. W. und adelich von Geuderisches Guth. Die Straße teilet die Fraisch zwischen Roßstall und Schwabach-18
Stöckach e. W.8-
Trettendorf e. W.13
Trübendorf ein baireuth. Filialkirchdorf-8
Unteraspach e. W.36
Unternbuch ein nürnberg. Clareamtl. W.-7
Unternbüchlein e. W.31
Unterndeubenbach e. vermischtes W., 2 Häuser liegen in schwabacher Fraisch-7
Weinzirlein133
Weiterndorf e. W.15-
Weitersdorf ein Filialkirchdorf16
Wiensdorf e. W.8-
Weihersbuch e. W.37
Weihersmühl (die)-1
Weiler e. W. 2 Häuser liegen in schwabacher Fraisch16
Wimpes hof (der)-1
Wintersdorf e. W.43
Zwiselhof (der)-2

Zusammen 64 Orte.

II. Das Bürgerliche Gericht.

Außer dem weltlichen hochfürstlichen Richteramt hatte Roßtal, wie bereits erwähnt, auch ein eigenes Gericht, das aus einem Bürgermeister und elf Rathverwandten 65, Schöffen, bestand: das Bürgerliche Gericht, Ehegericht, Ehehafftgericht 66. Dieses war ein Polizeigericht und hatte nur die geringen Straftaten abzuurteilen, insbesondere jene Fälle zu behandeln, bei denen es sich um das Wohl und den Nutzen der Gemeinde handelte.

Einen ziemlich genauen Einblick in die Tätigkeit des Bürgerlichen Gerichts gewährte die Roßtaler Gerichtsordnung 67, deren wichtigste Bestimmungen im nachfolgenden mitgeteilt werden:

    Die Herrschafft hat auch deß Jahrs drey Ehegericht unnd andere Burgerliche Gerichtt, so offt die notturft solches erfordert 68; Unndt werden solche Ehegerichtt gehalten, Nemblich daß Erst den negsen Mitwochen nach Obersten, daß Ander den negsten Mitwochen nach Sanet Wulbburgentage, daß dritt den negsten Mitwochen nach Sanet Michaelistage, darauff alle die Khummen, unnd daselbig besuchen sollen, die dar Zue unnd darauff gehören. -
    Item so solle man denn fragen nach der Elen Unndt nach der Maß, Unndt nach dem Gewichtt Unndt nach dem Angiessenr. -
    Item alle Urtheiler, die zum Rechen geschworen haben, wann man ein Ehegerichtt hatt, daß sie sollen kommen, wenn man die Glocken leutet, wer daß versaumbt Unndt daß drey Urtell gesprochen werden, nach dem Allß man außgeleuttet hatt, der ist verfallen sechzig unnd drey Pfundt heller … -
    Item 69, welcher Fleischmann nicht schlachten wollt, Undt wolt mit Willen feuren, Unndt nicht woltt Flaisch fayll haben, Undt daß Fleisch anders gebe, wann Ihme daß geschahtt wurdte, Unndt welcher all so feurett Vierzehen Tage, der solle furbaß mehr daß Jhar kein Fleisch haben. -
    Item wer Pfinnig Fleisch faill hat freuentlich, der solle daß pussem dem Vogtt mitt anderthalben Pfundten Unndt dem Gericht mitt anderthalben Pfundten.
    Item wer Farrenrfleisch fayll hatt, der solle daß Putzen dem Vogt mit einem Pfundt, unndt dem Gericht meit einem Pfundt, Es sey denn daß man es mitt Willen faill hatt. Unndt an solchen Stetten, daß man es weiß unnd erkenne. -
    Item wer unzeitig flaisch faill hatt der solle daß Pussen dem Vogt mitt dreihalb Pfundten, undt dem Gerichtt mit drithalb Pfundten. -
    Item solle ein jeglicher Beek der brodt fuhrtt gen Rostal am Feyertag deßelbigen brodt solle Er vor dem Kirchhoffe faill haben, so langen daß Umbt der Meß gantz volbrachtt worden ist, Unndt die Leut do gegenwertig Verlauffen seindt, Unndt solle auch Unter der zeitt den Wirthen nichts verkauffen, aber nach Vollbringung der Meß Unndt der Leutt Verlauffung, mag Er den Würthen daß Brodt, daß ihme Uberblieben ist woll verkauffen, … -
    Item ist auch zue wissen, daß kein würth sein brodt faill solle haben Vor dem Kirchhoffe, sondern in seinem hauß. -
    Item welcher Beek Pußwürdig erfunden würdt Vor dem Schauer, der solle daß Pussen dem Vogt mitt funff schilling, Unndt dem Gerichtt mit funff schillingen, … -
    Item wer zue Kleine maß hatt, Und alllß offt man den findt mit angiessen, der solle daß Pussen dem Vogt mitt drithalb Pfundten, Unndt ein seydell halb so Viell. -
    Item wer Zue kleine Gewichtt hatt oder Vnrecht wag oder Zue kurtze Ellen, oder Zue kleine metzen, wer damit gefunden würdt, Unndt Ungeruchtt, allß offt daß geschichtt, der solle daß dem Vogtt Pussen mit drithalben Pfunden, Unndt dem Gericht mit dritthalben Pfundten.-
    Item Vnter dreyssig Pfennig solle man niemand Verklagen, … -
    Item, wer Einem ein fließende Wunden schlecht, der solle daß bussen, dem Vogtt mit Vier pfundten Unndt dem Ankleger auch mit Vier Pfundten … -
    Item wer Einen schlägt mit truckenen schlägen 70, daß daß nicht mitt gefehrdte zugeht oder einen Lecker oder Schalek heist, der muß daß Pußem dem vogtt mitt Zweyen Pfundten Unndt dem Cleger mitt zweyen Pfundten.-
    Item wer einem einen Rayn abackertt Vnndt Er weiß daß mitt einer Kundschafft, derselbe wer verfallen dem Vogtt Zehen Pfundt ein großen Freuell Vnndt dem Ankleger auch zehen Pfundt, Vnndt soll ihme den Rain wieder machen, allß Er Vor gewest ist, ohne allen seinen schaden, … -
    Item es ist auch gebotten, daß niemandt spielen solle an allen Zwölf Potten tagen (25. Dezember bis 6. Januar), ann Unser Frauen tagen, oder Inn den Weyhenachten, Obersten, außgenommen Prettspiell, wer daß Uberfuhre Undt spiele der must daß Pußen dem Vogt mit einen halben Gulden, Undt dem Gerichtt mitt einem halben guldten, Unndt der würth der Inn seinem Hauße lest spielen, der muß auch allß Viell gebn, Es seye denn, daß Er deß nicht geweren mag, oder daß er außbring, da er darumb nicht gewust habe. -


Gefecht bei Roßtal 71

Im 14. Jahrhundert und früher war den Nürnberger Handwerkern jede Teilnahme am Stadtregiment verwehrt und alle Angelegenheiten des Handwerks wurden vom patrizischen Rat geregelt. Es kam deshalb am Mittwoch nach Pfingsten 1348 (11. Juni) zu einem Aufruhr, so daß die Räte der Stadt fliehen mußten. Die meisten von ihnen fanden auf dem Schlosse des Ritters Konrad von Heydeck Zuflucht. Die Handwerker errichteten nun Zünfte und wählten aus ihrer Mitte einen Stadtrat, der auf Konrad von Heydeck sehr ergrimmt war. Letzterer sollte gelegentlich einer Reise nach Roßtal, wo er noch begütert war, überfallen werden. Er erhielt aber von dem geplanten Ueberfall rechtzeitig Kunde, so daß er sich sichern konnte. Rasch ließ er seine Vasallen aufbieten, die sich in den Wäldern bei Roßtal verstecken mußten. Unfern des Ortes ging Konrad von Heydeck scheinbar ahnungslos in die von den Nürnbergern gestellte Falle. Doch als ihn die Nürnberger gefangen nehmen wollten, kamen ihm auf ein Fackelzeichen, das auf dem Herrenhaus zu Roßtal gegeben wurde, seine Untertanen eilends zu Hilfe. Ein großer Teil der Nürnberger wurde niedergemacht, der Rest gefangengenommen und im nahen Eichenhain gehenkt.


Treffen bei Roßtal

Der Städtekrieg 1388 hinterließ in der Roßtaler Gegend Spuren. Burggraf Friedrich V. beteiligte sich mit den benachbarten Fürsten am Kriege gegen den Städtebund, zu welchem auch die Reichstadt Nürnberg gehörte. Als er mit dem Bischof Gerhard von Würzburg die Bundesstadt Windsheim angriff, erhielt er die Kunde, daß die Nürnberger die Alte Veste bei Fürth eingenommen, Langenzenn niedergebrannt hätten und Cadolzburg und Roßtal bedrohten. Bei letzerem Ort traf der Burggraf die Nürnberger, schlug sie in die Flucht und verfolgte sie bis unter die Mauern ihrer Stadt. In diese, Kriege kamen schon Geschütze in Anwendung.

Das Rechtsgutachten wegen Vincenenbronn (1620) enthält hiezu Seite 1 b folgende Mitteilung: Anno 1388 seind zwar die von Nürnberg Alß sie wieder Bruggraff Friedrich gekriegt im selben Jahr nach Langenzenn Cadolzburg den Altenberg uund die Altenfesten, uund anderen Städte uund Schlösser mehr abgebranth uund verhert, für Roßstahl gezogenn, Aber nichts ausgericht, sonndern haben mit verlust der ihrigen weichen müßen, ….

Ueber obiges Treffen bei Roßtal findet sich auch im Stromerbüchlein verfaßt von Ulman Stromer (1360–1400), eine Aufzeichnung. Es heißt dort: Anno 1388 wigilia Bartolomey luffen der von Nurenberg fusfolk aus bey 200 und wollten den purgraven beschedigen und zugen fur Rosstal. Da kamen an si di von Kadoltzpurk und di pawrschaft im land und erslugen ir bey 15 zu tod und fingen ir bey 100, die andern burden flüchtig.


Zweite Zerstörung 1449/50

Im Kriege Nürnbergs mit Albrecht Achilles von Brandenburg zerstörten die Nürnberger am Donnerstag vor Bartholomäi 72 1449 das Dorf Habersdorf, brannten 14 Dörfer und Bonhof und das Dorf Roßtal, unter dem Berg gelegen, ab 73.

Am Freitag, den 9. Januar 1450, zogen etlich Gereisig und Fußvolk von Nürnberg unter dem Hauptmann Erasmus Schürstab d. J. aus und kommen zu Roßtal und brannten das Dorf oben auf dem Berg und das Haus des Wolmershausen nieder 74.


Niedergang

1465 wurde Roßtal zum Oberamt Cadolzburg gezogen und wenn es auch zunächst die meisten seiner Rechte beibehielt, so verlor es doch allmählich an Bedeutung. Die Zerstörungen durch die Nürnberger hatten den Reichtum Roßtals vernichtet. Schuld an dem Niedergang war auch die Verlegung der alten Handelsstraße, die von Nordfranken über Roßtal nach Regensburg geführt haben soll und nun die bequemere Richtung über Nürnberg nahm.


Reformation

Im Markgrafentum Ansbach fand die Reformation schon frühzeitig Eingang. Caspar Prechtel, Pfarrer der Kirche Dietenhofen und derselben Diakon Lorenz Hiller 75, nahmen um 1520 zuallererst in diesen Gauen Luthers Lehre an und der Diakon in Kleinhaslach predigte sie öffentlich, zu dem aus allen umliegenden Gauen eine große Menge zusammenströmte. Schließlich wurde er auf Befehl des Durchlauchten Fürsten Georg, Markgraf von Brandenburg gefangen, ins Gefängnis abgeführt, wegen seines Glaubens lange festgehalten, so daß viele schon sein Leben aufgaben, aber durch Gottes Gnade wurde er entlassen. Bald darauf trat der gleiche Fürst zu dieser Art der Lehre über 76.

1525 predigte Hiller zweimal in Roßtal und es hat somit schon in diesem Jahr hier die Reformation begonnen. Die Kirchenstiftungsrechnung von 1525 weist Seite 267 folgenden Eintrag auf: 7 lb. 10 Pf. haben die heiligpfleger verzehrt samt dem Diakon von kleinhaßla dos er zwei hie gepredigt hat.

Eingang fand die neue Lehre nur nach und nach. Die ersten evangelischen Geistlichen waren der Pfarrverweser Thomas Appel und der Pfarrer Johann Lazarus (1533–1547).

Um 1578 teilte Markgraf Georg Friedrich das Fürstentum in neun Dekanate oder Kapitul 77. Zum Dekanat Langenzenn gehörte nebst der Stadt die Pfarreien: Ammerndorf, Cadolzburg, Vach, Groshabersdorf, Grosenhaßlach, Kirchfarrnbach, Laubendorf, Roßstall, Seukendorf, Vestenberg, Zirndorf 78.


Dreißigjähriger Krieg, das Jahr 1632

Von den Schrecknissen des Dreißigjährigen Krieges blieb auch Roßtal mit den umliegenden Orten nicht verschont. Besonders unheilvoll war das Jahr 1632. Anläßlich der Kämpfe an der Alten Veste zwischen Wallenstein und Gustav Adolf wurde auch das protestantische Roßtal von den Kaiserlichen belagert. Im Pfarrarchiv befindet sich ein Verzaichnus Aller Personen, so vil man biß dahero erfahren können, welche seit den 2. Junii dises, 1632. Jahrs da wir wegen Ankunfft des Bay. Kriegsvolckes, von Hauß und Hof, nacher Nürmberg und anders wohin fliehen müssen, Inn der frembde und anheimbs auß dieser Pfarr durch den zeitlichen Todt hingewurket,theilß auch durch die Soldaten nidergemacht worden.

Nach diesem Verzeichnis verlor Roßtal 234 Personen. Herr Johann König, Caplan, ist bald des ersten Tages unferrn Ammerndorff, durch die Crabaten niedergemacht 79 und allerst nach 13 Wochen colligirt, und daselbst begraben worden.
Apollonia, deßen Haußfraw, und Georg ihr Söhnlein hier, aber Dorothea Döchterlein zue Nürnber 80.

Pangraz Knod, ein Ayrerischer bestendner wie auch der Schärpflein, des neuen Wirth Knecht durch die Crabaten erschossen und zerhauen worden.

Clauß Heberlein Ayrerisch. Unterthan unsern Zirndorff von den Soldaten erschossen oder erstochen.

Buttendorf büßte 31 Personen ein,
Buchschwabach 54, (sollen 66 sein),
Clarsbach 14,
Deffersdorf 32,
Edenreuth 19,
Groß- oder Castnersreuth 23,
Gutzberg 3,
Herboltzhoff 5,
Kernmühl 3,
Neuses 20,
Reutersaich 44,
Sigersdorff 5,
Stöckach 25. Hans Weiler ist von den Crabaten ermordet und 13 Wochen vnbegraben gelegen. Clauß Eberlein von den Reutern erhauen.
Trettendorf verlor4 Ortsangehörige,
Unternbüchlein 2,
Obernbüchlein 3,
Weinzürl 43,
Weißmanßdorff 33,
Weitersdorff 19,
Wimpes 4,
Zum Loch 1.

Dazu 35 Leichen gefehrlich verhero, Thun das ganze Jahr 667.


Ein- und Auswanderer

A. Nach dem dreißigjährigen Kriege waren viele Orte so sehr entvölkert, daß in ihnen häufig Exulanten aus den umliegenden Ländern Aufnahme finden konnten. Das trifft auch für die Roßtaler Gegend zu, wie dies nachfolgender Auszug aus den Roßtaler Kopulationsregistern zeigt:

1652:
Hanß des Erbar Grillenbergers, gewesenen Mezgers Zue Kleingerbers Im Ländlein ob der Enß (Defersdorf). -
Michael Thome Mayrhofrs von Seytelßdorff im Ländlein ob der Enß (Clarsbach).
Thomas, weyl. Matthei Felchners, gewesenen Schusters in Tyrol filio, dann Eva …
1655:
Marttin, weyl. Conrad Lubers Von Ernhül in der Jungpfalz, Bauerns daselbsten filio. Dann Catharina, Weyl. Valentin Kochs, weyl. Baurens von Manßfeldt in Sachsen filia; copul den 20. Marti.
1656:
Barbara deß Erbarn Michel Knoden Beckens alhier Eheleibl. Tochter: Christoph, weyl. Christoph Zanners, gewesenen Bauerns zu Neukirchen im Lendlein ob der Entz filio, cop. d. 25. Nov.
1657:
Johannes Schmidt Wittiber vndt Baur zu Neußes, dann Eva, weyl. Johann Wirts, gewesenen Webers zu … im Voigtlandt filia, Copulirt den 22. Juni.
Johannes, weyl. Paul Breuningers, gewesenen Burgwebers zu Großen Weißenbach im Lendlein ob der Enß filio; dann Maria, Weyl. Caspar Reindels gewesenen Bauerns zu Kespau in Oesterreich filia, cop. zu Rohr.
1658:
Johannes, weyl. Georg Leitzendörffers, gewesenen Köblers zu Seitendorf filio …, Barbara, weyl. Caspar Reindels, gewesenen Bauerns zu Kespau in Oesterreich filia, cop. zu Rohr.
1658:
Johannes, weyl. Georg Leitzendörffers, gewesenen Köblers zu Seitendorf filio …, Barbara, weyl. Caspar Reindels, gewesenen Bauerns zu Käspau in Oesterreich filia, cop. zu Rohr.
1661:
In diesem Jahre werden erwähnt:
Clementis Leutner aus Villach in Kärndten, dann in Großweißmannsdorf (1.); ferner:
Hanß Warnick, Bauer in d. Teichen i. Kärndten. Dionys Unterschreiber des Bauern in d. Teichen i. Kändten eheliche hinterlaßene Tochter. Den 19. Febr. (4.)
1662:
Der Erbar L. Faselsteiner aus Oesterreich Bauer zu Gebersdorff, V. 81 Elisabetha Ostertagin, des Erbarn Jacob Ostertags Köblers alhie, seines Handwercks aber ei. Beck eheliche Tochter, den 24. Juni. (6.)
Sei alhie außgeruffen v. 81 zue Bartholmesausrach copulirt worden, der Erbar Hanß Reiner Witwer u. Weber daselbst V. Margareta Castinin aus Kärndten jetzo Zue Weißmannsdorff sich auffhaltend, den 22. Juni. (5.)
1663:
Der Erbar Hanß Langheiner Bauer zu Raitersaich des Erbarn Martin Langheiners Erlatsberg i. Oesterreich ehelicher hinterlassener Sohn, V. Rosina Reinerin, des Erbarn Christoph Reiners Zue Rockenreuth i. Oesterreich eheliche Tochter, den 9. Febr.
1664:
Der Erbar Vetter Brunstetter Webersgesell, des Erbarn Oswald Brunstetters gewes,. Bauern Zue Kärndten i. d. … ehelicher Sohn, V. Rosina Leinerin, des Erbaren Martin Leiners Zue Castnersreuth sich aufhaltend eheliche Tochter, den 26. Jan. (2.)
Der Erbar Simon Lateyer, Bauernknecht Zue Obersimbach, des Erbarn Ruprecht Lateyers gewesenen Leinenwebers … Landgericht Biberstein i. Kärndten ehelicher hinterlassener Sohn, V. Ursula Erlacherin zu Weinzürl sich auffhaltend, des Erbarn Michael Erlachers gewesenen Müllers alhie hinterlaßenen Wittib, den 7. Marti. (9)
Der Erbar Georg Hoffmann Bauernknecht zue Weinzürl, deß Erbarn Hanßen Hoffmanns Bauern Zue Linden u. Gerichtsverwandten zue Neunhoff ehelicher Sohn, V. Magdalena Spietzin, des Erbarn Philipp Spietzen geweßenen Leinenwebers zue Lonfeld i. Oesterreich eheliche hinterlassene Tochter. Den 15. Marti. (10.)
Der Erbar Hanß Beck Bauernknecht Zue Clarsbach, deß Erbarn Paul Beck aus Oesterreich, ietzunder aber Köbler Zue Sand ehelicher Sohn, V. Dorothea Meyerin, des Erbarn Leonhard Meyers Gerichtsverwandten v. Siebners alhie Zue Rostall eheliche Tochter. Den 1. Juni. (14.) Der Erbar Barthel Ostertag Bauer alhie, des Erbarn Jacob Ostertags geweßenen Becks i. Oesterreich, ietzunder aber Köbler alhier ehelicher Sohn, U. Margaretha Keeserin, des Erbarn Friedrich Keesers Bauern Zue gutzberg eheliche Tochter. Den 16. Augusti.
1665:
Sei alhier außgeruffen v. Zue Ammerndorff copuliert worden Erbar Michael Steininger Bauernknecht, des Erbarn Andreä Steiningers Taglöhners Zue Neuses ehelicher Sohn, v. Maria Teufflin, des Erbarn Thoma Teuffels Wagners v. Bauersmanns Zue Unter Gaßstein i. Oesterreich eheliche Tochter. Den 22. Febr. (3.) Georg Gürtlein Bauernknecht Zu Wintersdorff, auß Zimbst i. Böhmen. V. Margaretha Boppin Bauernmagd daselbst auß Stash … i. der Pfaltz. (16.)
1668:
Der Erbar L. Richter angehender Köbler Zue Rostall, des Erbarn Hanßen Richters gewesenen Metzgers Zue Frawenstatt in Böhmen ehelicher Sohn. V. Sybilla Auerin, des Erbarn Hanßen Auers geweßenen Schmieds u. Taglöhners alhier hinterlaßene Wittib. Den 13. Ocktober. (16.)
1669:
Sein alhier außgerufen v. in Regelspach copulirt worden, der Erbar Veit Burckstaller von Wildenbergern, angehender Bauer zue Hengdorff, des Erbarn Jacob Burckstallers gewesenen Bauern Zue Buchholtz i. Kärndten ehelicher hinterlaßener Sohn. V. Anna Gebhardin, des Erbarn Hasen Gebhardt Bauern zu Hengdorff u. Gotteshaußpflegers Zue Regelspach hinterlassene Wittib. Den 16. Nov. (10.) Der Erbar Jacob Söltger Bauernknecht Zue Weinzürl, des Erbarn Vetter Söltger geweßenen Bauern Zue Greut bey Lindau a. Bodensee ehelicher hinterlaßener Wohn. U. Anna Arnoldin, des Erbarn Hanßen Arnolds gewesenen Müllers Zue Neußes hinterlaßene Wittib. D. 2. Marti. (1.)
1670
wurde cop. ein Sohn des Adam Printz, gewes. Bauer Zue Käßb ach in Oesterreich. Buttendorf!
1717:
In diesem Jahre starb der Bauer Zechel von Buttendorf. Er hatte als kleines Kind ein großes Vermögen in Oesterreich verlassen und ist wegen der Religion in diese Lande geflüchtet.
1732:
23.) D. 24. Julii wurde Bey dem Durchzug etl. hundert Salzburgisch. armen Emigranten allhier copuliert Johann Leiner ein Wittwer V. Weber aus dem Gericht St. Johannis mit Maria R … ledigen Standes.

B. Nach einer Urkunde von 1763 rief die russische Kaiserin Katharina II. Deutsche als Kolonisten in ihr Land. In den Jahren 1766/67 ließen sich in Wöhrd bei Nürnberg 66 Pare trauen, die nach Rußland auswanderten und im Wolgagebiet angesieelt wurden. Unter diesen befand sich auch ein Roßtaler, der nach dem Wöhrder Traubuch am 27. März 1766 in der Sakristei zu Wöhrd copuliert wurde. Im genannten Buch findet sich folgender Eintrag 82:

Joh. Gg. Krapfenbauer, Goldschlager von Roßstall gebürtig, des Joh. Fr. Krapfenbauer, Schneiders allda S. N. E. S. mit Jgfr. Barb. Aeltmännin von Fürth gebürtig, des Mich. Aeltmann, Steinhauers allda E. T., beede Evang. Rel. und als Colonisten nach Rußland gehend. In Gegenwart Joh. Christian Ramstock, Goldschlager Meisters von Fürth, des Krapfenbauers Meister.

1845 wanderten mehrere Roßtaler und auch Familien der umliegenden Dörfer, durch die wirtschaftliche Not gezwungen, nach Nordamerika aus und ließen sich im Staate Michigan nieder. Zu den dortigen beiden Kolonien Frankenmut und Frankentrost gehörten viele Auswanderer aus der Pfarrei Roßtal.


Abstammung der Bewohner

Ueber die ältesten Bewohner unseres engeren Heimatlandes ist nur sehr wenig bekannt. Kurze Zeit vor Christi Geburt wurde das Frankenland von den Hermunduren bewohnt, welche allmählich nach Thüringen abwanderten.

In den ersten Jahrhunderten nach Chr. beherrschten die Alamannen, eine aus verschiedenen germanischen Stämmen zusammengesetzte Völkervereinigung, das Land zwischen Main und Donau. Im 6. Jahrhundert eroberten die alten Franken vom Niederrheine her Thüringen und das heutige Nordwestbayern. Fast gleichzeitig drangen von Böhmen die Wenden als Ackerbauern und Viehzüchter nach Westen bis über die Regnitz vor. Den kriegerischen Franken jedoch war es nicht schwer, die friedliebenden Wenden zu beherrschen und es darf deshalb angenommen werden, daß die früheren Bewohner von Roßtal und den umliegenden Orten vorwiegend Franken waren 83.


Die Kirche

Geschichtliches

Die Kirche in Roßtal, um die sich der ganze Ort malerisch gruppiert, liegt auf einer Bergkuppe. Ueber ihre erste Erbauung sind keine Urkunden vorhanden; doch enthalten die Aufzeichnungen früherer Chronisten hierüber Angaben.

Caspar Bruschius berichtet, daß die Kirche wahrscheinlich von der Pfalzgräfin Erbelgard (Irmengard), der Schwester der heiligen Kunigund, also in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts; erbaut wurde. Bruschius sah noch im Jahre 1533 in der Kirche die Ruhestätten der heiligen Irmengard und des Herzogs Ernst mit prächtigen Grabdenkmälern. Das Grab der heiligen Irmengard war dem Kaiser Heinrichs des Heiligen und seiner Gemahlin, der heiligen Kunigunda, im Dom zu Bamberg sehr ähnlich. Später stand über diesem Grabe ein Altar, welcher der gebenedeiten Jungfrau Maria geweiht war. Auf dem Grabstein des Herzogs Ernst war eine lateinische Aufschrift, die, ins Deutsche übertragen lautet: In dieser Gruft liegt Herzog Ernst 84 begraben. Daß Ruhe ihm gegeben werde, so möchten alle Gläubigen flehen. Gib Friede, Christe, daß er stets bei dir sei. An bestimmten Tagen im Jahre wurden an den beiden Gräbern Kerzen aufgesteckt und alle Glocken zu Ehren der beiden Toten geläutet.

In der Roßtaler Stiftungsrechnung von 1507 findet sich (Seite 50) folgender Eintrag: 3 lb. für Altar Decken auff grufft von der Irmelgart vnd für 1 pulprett. Die Stiftungsrechnung von 1509 enthält ebenfalls eine Ausgabe für eine Altardecke auff die Grufft von der Skt. Irmelgart und jene von 1512 eine solche für 1 Decke auff Herzog Ernst Grab. Die letztgenannte Rechnung hat noch folgenden Eintrag:

5 gulden 5 lb 9 Pf haben die neuen Leuchter cost bey Herzog Ernsts Grab.

1515 wurden 7 lb. für die Stangen dazu und den Leuchter auf Sanct Irmengart Altar ausgegeben 85.

1388 wurde die Kirche in einem Kriege zerstört. Soweit noch Reste derselben Schlüsse zulassen, muß dieselbe groß und schön gewesen sein. Im Germanischen Museum zu Nürnberg (im Lapidarium) befindet sich eine aus der Kirche zu Roßtal stammende Madonnenfigur, welche um 1330 entstanden ist.

Nach der Zerstörung wurde die Kirche rasch wieder aufgebaut, und schon vor 1500 berichtete der Geschichtsschreiber Veit Arnbeck: Die Kirche zu Roßtal ist sehr reich geschmückt und hat neun Altäre; keine ist ihr ähnlich 15 Meilen in der Runde bei Nürnberg.

Nach Aufzeichnungen aus dem Jahre 1507 wurden damals Chor und Turm neu gedeckt und im gleichen Jahre der Oelberg an der Außenseite des Chores von einem Nürnberger Künstler gemalt. 1510 hatte Roßtal eine ave maria- und eine Meßglocke.

1518 wurde die Kirche mit Ziegeln gepflasert.

Die Jahreszahlen 1518 über der Brauttüre und 1520 in der Mitte der Nordwand unter dem oberen Mauerrand beweisen, daß in diesen Jahren große Reparaturen vorgenommen wurden 86.

Noch im Jahre 1526 stiftete Frau von Zedwitz, geborene Stieber, 69 Gulden zu einem ewigen Lichte.

Das Jahr 1624 war nach Mitteiung des Pfarrers Woltzhofer ein Unglückjahr. Er schreibt (1760): … Anno 1624 hat man dieeßen Laurentii Feyertag und das Predigen daran verbotten; da schlug in eben dem Jahr, am Martini Tag, das Wetter in die Kirche, und brandte das ganze Langhauß völlig weg. Die Gotteshausrechnung von 1624 enthält 389 fl. 3 ort 2 Pf. Ausgaben für Renovierung.

Am 10. August 1627 schlug der Blitz wieer ein und steckte die Kirche in Brand. Pfarrer Bernhold (1621–1639) schreibt: 1627 hat der Allmächtige unser liebes Gotteshaus durch einen Blitzstrahl dermaßen angezündet, daß alles Holzwerk am turm und langhaus samt allen Altären und Ingebäuen zu Grund und in Aschen gegangen 87. Weiter wird berichtet: Damals wurden binnen fünf Stunden der ganze Dachstuhl auf dem Turme nebst sechs schönen Glocken und zwei Schlaguhren, dann das ganze Ingebäude des Langhauses mit sechs künstlich geschnitzten und gemalten Altären, drei Emporkirchen, der Kanzel, dem Taufsteine und allen Kirchenstühlen, Epitaphien und Gemälden ein Raub der Flammen und der Zerstörung; auch die Grabmäler des Herzogs und der heil. Irmengard teilten natürlich dieses Schicksal.

Melch. Adam Pastorius schildert diesen Brand mit folgenden Worten: Roßtall, ein Hochfüstl. Brandenburgischer Ort, worinnen es ein Schlößlein und einen Richter hat, und sind allda zwo Kirchen übereinander gebauet, mit einem schönen viereckigten Kirch-Thurne, indeme anno 1627 mense Augusto das Wetter eingeschlagen, so daß der Turn mit allen Glocken zerschmoltzen, und die obere Kirch mit allen Ornat verbronnen 88.

Die Rechnung von 1630, welche alle Ausgaben über den "Kirchturnbau" und die "Henckung der 4 Glocken" enthält schließt ab:

Summarum alles Außgebens
1007 fl. 3 ½ ort 15 Pf.

Im Dreißigjährigen Krieg, 1645, wurde die Kirche durch Kroaten stark beschädigt.

1698 zündete ein Blitz den Turm. Das Roßtaler Sterberegister für 1698 enthält hierüber folgenden Eintrag: 18.) Andreas Johann Caspar Stinzendörfer Bauern zu Raitersaich Söhnlein ist begraben worden den 10. Nov., verrichtet H. Caplan die Lection.

NB! Eben da tags Vorher den 9. 9bris (November) diese leicht hat sollen verrichtet werden, hat uns der allmächtige Gott bey einem grausamen Sturmwind mit drey entsetzlichen Donnerstreichen heimgesucht, deren einer den Kirchthurn Vnmerklich angestöcket V. solchen in schneller eile leider Gott erbarm es! Zu unser aller grauen V. schrecken mit samt dem vortrefflichen Geleite und schönem Uhrwerk ausgebrennet, Gott aber hat diesem Feuer ein Ziel gestecket V. die überaus starke V. beständige Rettung zur reservation unseres lieben Gotteshauses V. gesamten Fleckens wohl anschlagen lassen. Er lasse diese grausamen Donnerschläge unser Herz zu wahrer Buße aufmuntern, V. wende ferneres Unglück Von Vns in Gnaden ab Vm Jesu Christi seines lieben Sohnes Vnseres Herrn v. Heylandes J. Christi willen. Amen! Amen!

Ueber diesen Turmbrand schreibt Pastorius: 1698 An Skt. Martini Tag (?), schlug das Wetter abermal zu obrist in den Gipffel dieses Kirchthurms und zerschmeltzete alle Glocken, und bekam der Thurn von der überaus großen Hitze und Glühung etliche Spalten, jedennoch bliebe in der Höhe dieses Thurms ein Bierenbäumlein in seinem Safte, welches zwischen zweyen Quadersteinen ohne allen Erdengrund aus ein wenig Mördel oder Kalck herausser wächst, und ich es das folgende 1699te Jahr würcklich habe blühen sehen, und mich die Einwohner des Ortes berichtet, daß solch Bäumlein schöne große Bieren trage, die man nicht ehender bekommen könne, biß sie selbst abfallen.

1706 brannte der hölzerne Teil des Kirchturms wieder ab und 1756 beschädigte ein Sturmwind Turmknopf und Kuppel.

1769 mußten aus Gründen der Sicherheit vier kleine Türmchen vom Kirchturme entfernt werden.

In der Nacht vom 9. auf 10. Dezember 1884 beschädigte ein heftiger Sturm die Kuppel des Turmes. Im Frühjahr des folgenden Jahres wurden das Dach der Laterne und auch die Tragpfosten mit neuem Blech überzogen und der alte schadhafte Blitzableiter am Turme durch einen neuen ersetzt.

Am 1. Juli 1885 schlug ein Blitz in den neuen Blitzableiter und ging, ohne die Kirche zu beschädigen, in den Boden.

Der Kirchensprengel.

Die Kirche, die dem heiligen Laurentius geweiht ist, ist als gemeinsames Gotteshaus für den Kirchensprengel Roßtal gebaut, zu dem im Jahre 1735 zweiunddreißig Orte gehörten. (Roßtal, Stöckach, Puttendorf, Herbertshof, Neuses, Kernmühl, Plickershof, Buchendorf, Banderbach, Weinzierl, Weitersdorf, Großenreuth, Oedenreuth, Sigersdorf, Obernbüchlein, Unternbüchlein, Volckersdorf, Loch, Weyherbuch, Pertelsdorf, Ockershof, Zwiselshof, Willenberg, Weismannsdorf, Wimbas, Trettendorf, Defersdorf, Buschschwobach, Raitersaich, Clarsbach, Weinsdorf, Schwaighausen) 89.

Heute umfaßt der Kirchensprengel 22 Orte, nämlich: Roßtal, Weinzierlein, Buttendorf, Stöckach, Neuses, Herboldshof, Kernmühle, Großweißmannsdorf, Defersdorf, Weitersdorf, Oedenreuth, Kastenreuth, Trettendorf, Wimpashof, Buchschwabach, Clarsbach, Raitersaich, Gutzberg, Sichersdorf, Loch, Oberbüchlein, Unterbüchlein.

In der Kirche findet von jeher alle Sonntage der gemeinsame Gottessdienst statt. Die übrigen Kirchen und Kapellen im Kirchensprengel Roßtal, nämlich die Maria Magdalenakirche in Buchschwabach, das Jakobskirchlein in Buttendorf und die Aegidiuskapelle in Weitersdorf, werden nur von Zeit zu Zeit zu Gottesdiensten verwendet.

Der Bau selbst.

Der Bauart nach zerfällt das Gotteshaus in 5 Teile: Die Krypta, den im Schiff eingebauten Teil der alten romanischen Kirche, den gotischen Chor, das heutige Schiff und den Turm.

Die Krypta, die unter dem vorderen Schiff liegt, ist 10 ¼ Meter lang, 12 Meter breit und 2,60 Meter hoch. Das Deckengewölbe wird von 4 x 3 viereckigen Säulen ohne Kapitäl getragen. Die Säulen stehen auf je einer viereckigen Basis. An der Ostwand steht in einer Apsis ein 119 Zentimeter langer, 104 Zentimeter breiter und 112 Zentimeter hoher, steinerner Altar ohne Aufsatz. Dieser hat an seiner Vorderseite eine ca. 40 Zentimeter tiefe Oeffnung, die vermutlich zur Aufbewahrung von Reliquien gedient hat. Eine ähnliche kleine Nische ist auch rechts über dem Altar.

In der Süd- und Nordmauer befinden sich insgesamt 5 Oeffnungen gegen den Friedhof zu, die sich nach innen erweitern. Durch sie dringt Luft und ein wenig Licht ein. Die Nordwand mit den größeren Fenstern wurde, wie aus dem verwendeten Material ersichtlich ist, vor längerer Zeit erneuert. in der Mauer hinter dem Altar sind drei Nischen, die mit den eben bezeichneten Luftlöchern große Aehnlichkeit haben und früher, als der Chor der Hauptkirche noch nicht stand, ebenfalls ins Freie gingen. In den Mauer-Ecken links und rechts des Altars sind 2 große, zugemauerte Türöffnungen. Dem Altar gegenüber in der Westwand ist eine apsisartige Nische, die 97 Zentimeter hoch, 90 Zentimeter breit und 50 Zentimeter tief ist und ohne Zweifel zum Aufstellen einer Heiligenfigur diente.

In der Nordwestecke der Krypta ist in der Mauer ein großes Loch, der Rest einer zugemauerten Türe, von dem von jeher angenommen wurde, daß es die Oeffnung für einen unterirdischen Gang sei, der nach Heilsbronn führte. Grabungen anläßlich einer Renovierung der Kirche 1893 vermochten keine Aufschlüsse zu geben.

Der ganzen Bauart nach dürfte diese Kapelle frühromanisch sein oder der karolingisch-ottonischen Bauzeit angehören. Bereits um 1500 wird sie als sehr alt bezeichnet. Der Lage nach ist es nicht ausgeschlossen, daß sie zur Zeit ihrer Entstehung Burgkapelle war.

Sie entbehrt heute jeden Bildschmuckes. Früher war hier ein schöner, hölzerner Altaraufsatz, der 1879 ans Germanische Museum in Nürnberg verkauft wurde. Der Aufsatz stellt die Messe des heiligen Gregorius dar. In der Mitte des Hochreliefs befindet sich der Auferstandene, hinter ihm das Kreuz mit dem Rock und der Geißel. Im Vordergrunde links kniet Gregorius, dem von einem dahinterstehenden Bischof die Papstkrone aufgesetzt wird. Gregorius gegenüber kniet der Kardinal Bonaventura; hinter diesem steht ein Geistlicher.

Der Schöpfers dieses Kunstwerkes ist nicht bekannt.

Die Krypta erreicht man vom Schiff der oberirdischen Kirche aus durch eine schmale Steintreppe in der Nähe der Kanzel. Der Plan, sie in eine Kriegergedächtniskapelle mit 2 Eingängen vom Kirchhof aus umzuwandeln, wurde leider nicht verwirklicht. (Sage von der unterirdischen Kirche!)

Vom Schiff hat der dem Turm zunächst liegende Teil schon der alten romanischen Kirche angehört. Dazu gehört die Westwand mit den beiden schießschartenähnlichen, heute zugemauerten Fensterchen die Umrahmung des Nordportals, die westlichen Teile jener Hohlkehlen, welche die Seitenwände gegen das Dach abschließen, zwei vorstehende Mauersteine an der Südwand neben dem Portal, die als Träger für einen Balken dienten und auf einen Anbau schließen lassen, so wie die kleinen romanischen Fenster im Schiff. (1507 wurde für 3 lb. 9 Pf die Hütten auf dem Kirchhof gedeckt). Wie man in der Nähe des Turmes erkennen kann, war früher das Dach flacher; das Innere des Schiffes war daher auch bedeutend niederer als heute.

Der spätgotische Chor, gedeckt 1507, hat 6 hohe Fenster. Die Rippen des Kreuzgewölbes im Innern laufen in der Mitte der Decke in eine Blume aus.

Das Innere des Chores wurde 1624 von dem Maler Egidius Zimmermann aus Nürnberg mit Bildern von der heiligen Dreifaltigkeit, den 4 Evangelisten und dem jüngsten Gericht ausgemalt.

An der äußeren Ostwand des Chores ist ein wahrscheinlich auch aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts stammender Oelberg, der zum Teil durch Verwitterung gelitten hat. Von den alten Bemalungen kann man noch ganz gut ein Bild mit dem Judaskuß und das der Stadt Jerusalem erkennen.

Die im Jahre 1624 renovierte Kirche wurde nach dem Brande von 1627, bei dem das Schiff vollkommen ausbrannte, neu errichtet. Bei der Erbauung ließ man sich in erster Linie von Zweckmäßigkeit-Rücksichten leiten (30jähriger Krieg) und erbaute unter Benützung der noch stehenden Mauern das Schiff in der heutigen Form.

In der Nähe der Brauttüre auf der Nordseite befinden sich, ähnlich wie am Glockentürmchen der Kirchhofmauer und an vielen anderen fränkischen Kirchen, (auch in Buchschwabach,) Wetzfurchen und Rillen, deren Bedeutung noch nicht feststeht.

Der Turm (52,25 Meter hoch,) hat unten eine Mauerstärke von 2,50 Meter, an den Schall-Läden noch eine solche von 1,70 Meter. Er ist durch 4 Friese horizontal gegliedert, ähnlich wie die Osttürme des Bamberger Doms. Die beiden oberen Friese sind mit Köpfen und Wappen verziert, von denen auf der Südseite der mittlere Kopf im 3. Fries, ein Frauenkopf mit jugendlichem Antlitz, als jener der Nürnberger Burggräfin Elisabeth (Schönelse), geboren 1383 auf der Burg Trausnitz als Tochter des bayerischen Herzogs Friedrich von Landshut, der Männerkopf darüber, also im 4. Fries, als Kopf ihres Gemahls, des Burggrafen und späteren Kurfürsten (1415) Friedrich I., geboren 1371, angesehen werden. Auf der gleichen Turmseite befindet sich zwischen dem 1. und 2. Fries das Wappen der Elisabeth, von 1401–1442 Burggräfin von Nürnberg war 90. Dieser Umstand, sowie die außerordentliche Aehnlichkeit mit dem Zirndorfer Kirchturme, der die Jahreszahl 1414 trägt, rechtfertigen die Annahme, daß der Roßtaler Kirchturm in seiner heutigen Form zur Zeit der Burggräfin Elisabeth erbaut wurde.

Wappen der Burggräfin Elisabeth
Wappen der Burggräfin Elisabeth († 1442)

Auf der Südseite und auch auf der Nordseite rechts oben befindet sich in Form eines Wappens je ein Hüttenzeichen jener 2 Bauhütten, die den Kirchtum errichteten.

An den Quadersteinen des Turmes befinden sich zahlreiche Steinmetzzeichen, unter denen 3 besonders häufig wiederkehren. Eines davon findet sich sowohl in den untersten wie in den obersten Teilen, was auf eine verhältnismäßig kurze Bauzeit schließe läßt.

Für die Annahme, daß es sich unten um einen Doppelturm handelt, konnten keine sicheren Anhaltspunkte gewonnen werden. Ueber den Schalläden der Nordseite befinden sich 2 Nischen, deren Bedeutung unbekannt ist. Zwei Turmfenster wurden 1893 in Spitzbogenfenster umgearbeitet. Auf der südlichen Turmseite befindet sich zwischen dem 1. und 2. Fries eine Sonnenuhr, die 1893 durch den Schreinermeister Hans Blümlein erneuert wurde.

Den oberen Abschluß des Turmes bildet eine Laterne, auf der eine Wetterfahne sitzt.

Innere Ausstattung der Kirche.

Das Innere der Kirche ist sehr geräumig; trotzdem war es notwendig an der West- und Nordseite zwei Emporen anzubringen. Letztere werden von den männlichen, sämtliche unteren Stühle im Schiff mit Ausnahme jener im sogenannten Branntweinstüblein von den weiblichen Kirchenbesuchern benützt. Die Kirche zeigt wenig Schmuck; bis 1893 waren alle Mauer- und Holzteile im Innern, auch die alte Orgel und Altarteile mit weißer Tüncherfarbe überstrichen, was namentlich in der Zeit des Rationalismus üblich war.

1893 wurde die Innenkirche nach den Plänen des Nürnberger Architekten Th. Eyrich durch den Malermeister C. F. Scheibenberger-Rothenburg und die Roßtaler Baumeister Michael Eckstein und Joh. Gg. Birnbaum geschmackvoll hergerichtet.

Im Chor steht der große Hauptaltar mit gotischen Verzierungen. Hinter diesem befindet sich an der Ostwand der Kirche ein kleinerer Altar mit einem in Holz geschnitzten Abendmahl. Die Bilder beider Altäre wurden 1893 angebracht; es sind Neuschöpfungen und zwar zeigt jenes am Hauptaltar die Beweinung Christi 91 und das am Nebenaltar den Kampf in Gethsemane. Hinter dem Hauptaltar, der ursprünglich bis an die vordere Grenze des Schiffes reichte und 1893 versetzt wurde, lag eine Grabplatte aus Marmor mit dem Bildnis des verstorbenen Geistlichen Johann Neff und der Umschrift:

Anno dni. 1512 quarta nouebris obijt honnlis dus Johes Neff hus eccliae vice plebanus qua rexit 43 annis cuis amma requiescat in pae amen.

Uebersetzung: Im Jahre 1512 am 4. November verstarb der ehrwürdige Herr Johann Neff, Leutpriester dieser Kirche, welcher er vorstand 43 Jahre. Seine Seele ruhe in Frieden, Amen.

Johannes Neffs Grabstein
Johannes Neffs Grabstein

Jetzt ist der schön gearbeitete Stein neben der Sakristeitüre angebracht.

Neben Neffes Grab war ursprünglich eine rauhe Steinplatte mit dem bronzenen Epitaph des ersten evangelisch lutherischen Geistlichen Johannes Lazarus. Das Epitaph ist nunmehr mit noch anderen Tafeln an der südlichen Chorwand angebracht und hat folgende Inschrift

Venerabilis Dus Johan Lazarus hujus Eccliae
pastor obijt Die 20. Octobris. † MDXLVI.

Uebersetzung: Der verehrungswürdige Herr Johannes Lazarus, Pfarrer an dieser Kirche, starb am 20. Oktober 1546.

Johannes Neffs Grabstein
Epitaph des Pastors Joh. Lazarus († 1546)

An der gleichen Wand hängt auch ein großes Bild mit folgenden 4 Gruppen: Sündenfall, Kreuzigung, Eherne Schlange, Abendmahl.

Diesem gegenüber befindet sich eine Kreuzigungsgruppe: ein großes Kruzifix, unter diesem ein altes Bild mit den Errungenschaften der Reformation und zwei Holzfiguren, Maria und Maria Magdalena darstellend.

Mitten im Schiff an der Südwand ist die in Stein gearbeitete Kanzel mit einem großen schönen Schalldeckel. In die 3 vorderen Felder derselben sind Bilder eingemalt, die Gesetzgebung, die Sintflut und die Taufe Jesu.

1628 wurde sie von dem Kastner Johann Georg Beack zu Cadolzburg, dessen Wappen am Kanzelfuß angebracht ist, gestiftet.

Neben der Kanzel ist eine Gedenktafel mit nachstehender Inschrift: Zum Andenken an die im Kriege gegen Frankreich 1870 und 71 für das Vaterland Gebliebenen aus der Gemeinde Roßstall.

Joh. Brosch von hier, † in Antony 29. Sept., Thom. Rupprecht von Weinzierlein, gef. bei Orleans, Joh. Mich. Arnsberger von Buchschwabach, gef. bei Orleans, Heinrich Hörlein v. Buttendorf, gef. bei Sedan 1. Sept. 1870, Joh. Müller v. Weinzierlein, gef. bei Sedan 1. Sept. 1870, Gg. Insenhöfer von Stöckach, † in Rosenheim.

Die dankbare Pfarrgemeinde
2. Sept. 1875.

Über dem südwestlichen Eingang der Kirche ist das Sammelwappen der Ansbacher Markgrafen und über dem Südöstlichen eine große Gedenktafel für Christoph Schwartz, einem Freund "der Jägerei", † 1693.

Von der Decke herab hängen 2 Kronenleuchter, der eine aus Messing und der andere aus Glasperlen. Ersterer wurde nach einer Aufzeichnung des 1731 verstorbenen Geistlichen Schülin von einem aus Roßtal gebürtigen Kaufmann Georg Drach gestiftet, als er von Ostindien zurückkehrte, wo er viele Jahre gewesen war. (Drachenleuchter!) Der andere Kronenleuchter ist ein Geschenk des Paul Fischhaber vom 11. Mai 1826.

Wohl eine der herrlichsten Zierden der Kirche ist die von dem Orgelbauer Strebel-Nürnberg im Oktober 1893 gelieferte Orgel mit 2 Manualen und 20 klingenden Registern.

Von den Fenstern sind 2 Scheiben erwähnenswert.

In einem Fenster der nördlichen Kirchenmauer ist eine Butzenscheibe mit Umschrift so angebracht, daß sie auf der unteren Empore gut gesehen wird. Der Text ist folgender: Christoph Hainrich Ayrer D Für. Brand. Gehaimer Vvnd Lanndschafft Rath auch Cammermeister zu Onoltzbach. Ao. 1628. 1627 war die Kirche durch Blitzschlag niedergebrannt und es wird angenommen, daß Christoph Heinrich Ayrer den Kirchenbau tatkräftig unterstützte.

Fensterscheibe mit Inschrift
Fensterscheibe mit Inschrift (Nordseite der Kirche)

Auch das mittlere Chorfenster der Kirche hat ungefähr in seiner Mitte eine bemerkenswerte Scheibe mit nachstehender Inschrift: Sigiilum Carl Wilhelm Friedrich Poehlmann. 24. May 1773. (Näheres über denselben siehe Gedenktafel!).

Zu erwähnen sind noch die Kirchenstühle auf der unteren Empore ungefähr zwischen Altar und Kanzel. Sie sind durch 4 Wappen (das Hohenzollersche, Bayerische, Brandenburgische, …) und sonstige Verzierungen gekennzeichnet und waren früher durch Gitter verschließbar. Unter diesen ist das sogen. Branntweinstüblein; diesem gegenüber sind die Kreuzstühle.

1925 wurde in der ganzen Kirche das elektrische Licht eingerichtet, das am 24. Dezember abends zum ersten Male brannte.

Auf der Nordseite des Chores ist eine gotische Sakristei angebaut, in der sich außer einem wertvollen alten Schrank und 2 kleineren hölzernen Behältern noch Gestelle für die Klingelbeutel, ein abgeänderter Beichtstuhl und eine elektrische Schalttafel befinden. An den Wänden sind 2 große Marmorsteine, die früher im Chor lagen, befestigt. Sie erinnern an den Cadolzburger Oberamtmann Ludw. Gg. Christoph von Schlammersdorff, † 1751 und an dessen Ehefrau Eleonora Johana Susanna von Schlammersdorff, geb. von Sibar, † 1741.

Ausstattung der Außenwände.

Das Schiff hat vier große Portale und seit 1893 auch 1 kleine Türe. Der Haupteingang, Brauttüre genannt, ist auf der Nordseite gegenüber dem Glockentürmchen der Kirchhofmauer. Er fällt durch seine altertümliche, quadratische Umrahmung auf, in der die Jahreszahlen 1518 und 1774 (renoviert!) eingemeißelt sind.

Oestlich neben der Brauttüre sind zwei marmorne Gedenktafeln, je 180 Zentimeter hoch und 90 Zentimeter breit mit nachstehenden Inschriften:

In stiller Ruhe
von Engeln bewacht
schlafen in der ganz nahen Gruft
die modernde Gebeine
des Weyland
Hoch Edelgebornen Herrn
Herrn Carl Wilhelm Friedrich Pöhlmanns Hochfürstl. Br. Onolzb.
Cammer Sekretarii Lehen-Comissarii und Amts Richters allhier
welche letztere Aemter
Er 11 Jahr als Adjunctus
2 ½ Jahr alleine geführt
und sich damit
den Ruhm eines Einsichtvollen Mannes
erworben hat.
Er starb den 29. Jan. 1775.
Seinen frühen Tod
der ihn im 49.sten Jahr seines Alters
der Zeitlichkeit entrissen
beweinen mit zärtlicher Liebe
die hinterlaßene Frau Wittwe
Frau Anna Elisabetha geborene Rhauin
und 5 Kinder
davon das letzte noch ehe als es geboren
Zum frühen Wayßen worden
Voll trauriger Wehmuth
durchdrungen von Regungen des Dancks
errichten Sie
Ihrem verewigten Mann und Vatter
dies Denckmal
der Liebe und der Dankbarkeit.

Imn Leben verbunden Im Tod ungetrennt
ruhet
in naher Gruft
Ein noch in seiner vermengten Asche
verehrungswürdiges Ehe-Paar
nemlich der Weyland
Hochedelbeborne Herr
Herr Johan Michael Rhau
Hochfürstl. Brandenb. Onolzb. Lehen Commissarius
und wohlverordneter Amts-Richter allhier
welcher 1697 den 25. May
in Weidenberg gebohren
und nach 35jährigen treuen Führung
hiesiger Aemter
Anno 1772 den 25. August seelig verschieden
Und dessen treue Ehegattin
die Weyl. Hochedelgeborne Frau
Frau Francisca Barbara geborne Stetterin
von Windsheim gebürtig
welche nach 28jähriger zufriedener Ehe
im 51. ihres Alters
zum schmerzlichen Leidwesen Ihres geliebtesten Gatten
Den 2. Nov. 1747 entschlafen
Dieser Theuern Eltern schlafende Gebeine
verehren
aus Regungen des Danckes
mit diesem Denkmal der Liebe
die hinterlaßene Kinder und Enckel.

Unweit dieser beiden Gedenktafeln sind in die gleiche Kirchenwand folgende Worte unregelmäßig eingemeißelt: Anno Domiend (!) 1616 den … ist in Gott veschiden (!) Georg Witman zu Roßtal.

In der Nähe der nordöstlichen Kirchentüre befindet sich in der Hohlkehle unmittelbar unter dem Dache ein alter in Stein gearbeiteter Kopf, der nach Ansicht Sachverständiger ein Ueberrest der alten romanischen Kirche ist.

Römischer Kopf
Römischer Kopf an der Nordseite der Kirche

Auch an der südlichen Außenseite des Kirchenschiffes sind, ähnlich wie an der nördlichen, Gedenktafeln angebracht. Sie sind zu beiden Seiten der südwestlichen Kirchentüre. Oestlich derselben befindet sich eine ziemlich große Marmortafel mit folgenden Angaben:

Hier in jener Gruft
Ruhet das Sterbliche und verweßlich Wweyl.
S. T. Herrn Magister
Ernst Georg Schülins
erstlich Diaconi bey der Evangelischen Kirche zu Dünkelsbühl, dann Pfarrers zu Prichsenstadt und letztens 32jähriger Pfarrer zu Roßtal auch Senior des Decanats Langenzenn, welcher gebohren zu Anspach den 15. Febr. 1658 und seelig verstorben
den 12 Maii 1731
Nachdem er Gott in Lehr- und Predigt-Amt
treulich gedient 43 Jahr
Seines ganzen Alters 73 Jahr 3 Monat.
Leichentext 1. B. König XIX. V. 4.
Es ist genug, so nimm nun Herr meine Seele, ich bin nicht besser denn meine Vätter.
Dann auch
das Sterbliche seiner lieben und getreuen Ehegattin
Frauen Euphrosine Susanna
weyl. Herrn Johann Heinrich Baumgärtners
Pfarrers in Prichsenstadt ehelichen Tochter
mit 6 Ihren lieben Kindern.
Sie ist gebohren den 6. Oktober 1670
und seelig verstorben den 1. Mai 1738.
Ihres Alters 67 Jahr 7 Monat.
Und erwarten die Unsterblichkeit
in der letzten Offenbahrung Jesu Christi.
Leichen-Text Philippp. 1. V. 23.
Ich habe Lust abzuscheiden
und bey Christo zu seyn.

In der Nähe der Schülinschen Tafel sind noch zwei etwas kleiner ähnliche Erinnerunssteine und zwar eine für Johann Leonhard Kündinger, 1. Pfarrer zu Roßtstall, † 15. Oktober 1870

und eine

für Johannes Grün, 1. Pfarrer in Roßtal (1903–1920), † 6. XII. 1920.

Auf der anderen, linken Seite der südwestlichen Kirchentüre ist eine marmorne Platte angebracht, die an den Roßtaler Diakon Johann Strebel erinnert, der am 10. Sept. 1665 geboren war und am 17. April 1703 starb.

Ueber diesem Gedenkstein ist ein Epitaph eingemauert, das folgende Inschrift hat:

Ein treuer Knecht des Herrn
ruht sanfft in dieser Grufft
Biß der Posaunen Hall, Ihn
aus der Höhle rufft.
weyland
S. T. Herr Abraham Heinrich Lipß,
in die 20 Jahr treu meritirter Pfarrer
zu Wolzburg, Heydenheim und
Roßstall,
welcher geboren
zu M. Stefft, den 20. Juni 1695
in Zweyfacher Ehe 11 Kinder erzeugt,
als mit
Frau Anna Sophia, geb.
Liedermännin, die auch in dieser
Grufft ruhet 7. Dann mit
Frau Anna Elisabetha
geb. Rötterin 4.
Starb seelig den 17. Mart. 1747
alt 51 Jahr 9 Monat
(Goß mich Hans Jacob Schmidt A. 1748).

Von den Glocken

Unser Frankenland ist reich an schönen und großen Glocken. Solche von über 100 Ztr. sind nur wenig vorhanden; die größte unter den alten Glocken besitzt die Skt. Lorenzkirche in Nürnberg; sie wiegt 156 Zentner und ist aus dem Jahre 1392. Alle anderen alten Kirchenglocken des Frankenlandes sind bedeutend kleiner und unter ihnen zählen wohl die Roßtaler mit ihren zahlreichen Sagen zu den schönsten und bekanntesten 92).

Der auffallend massive Turm birgt z. Zt. vier Glocken mit den Tönen cis d e g, die zusammen eine Verbindung des melodischen Charakters durch die Tonreihe cis d e und des harmonischen durch den verminderten Dreiklang cis e g darstellen, eine Verbindung, wie man sie nur bei ganz großen Geläuten vorfindet. Der wuchtige Klang der Roßtaler Glocken wird bei günstigen Wind- und Wetterverhältnissen bis Nürnberg, bezw. bis in die Gegend von Ansbach gehört.

Ueber die Glocken der im 11. Jahrhundert erbauten Kirche ist nichts mehr bekannt. Die ältesten Nachrichten über das hiesige Geläute finden sich in den Nürnberger Ratsverlässen über Kunst und Künstler, herausgegeben von Dr. Th. Hampe, 1904 93. Denselben ist zu entnehmen, daß der Glockengießer Pangraz Bömer um 1585 für Roßtal Glocken goß, die zu groß ausfielen.

Als 1627 Turm und Kirche durch einen Blitzstrahl angezündet wurden und ausbrannten, wurden einem Bericht des damaligen Pfarrers Bernhold zufolge auch sechs schöne Glocken vernichtet. Nach der Kirchenrechnung fürs Jahr 1629 94 wurden die 4 neuen Glocken von dem Stück- und Glockengießer Georg Herold in Nürnberg hergestellt.

1698 beschädigte ein Blitz den Turm abermals, so daß die Glocken 1702 erneuert werden mußten. Sie sind mit Ausnahme der größten Glocke, die 1736 umgegossen wurde, noch heute auf dem Turme.

Die größte Glocke, Zwölfuhrglocke genannt, mit dem Tone cis, wiegt 44 Zentner und hat am untersten Rande einen Durchmesser von 155 Zentimeter. Am Oberen Ring findet sich die Inschrift: Christian Viktor Herold in Nürnberg goß mich. Auf der Westseite hat die Glocke ein Wappen mit Adler, auf dessen Brust sich ein viergeteiltes Wappen befindet. Auf der gleichen Seite sind noch folgende Inschriften angebracht:

Unter glückseelicher Regierung
des durchl. Fürsten und Herrn
Herrn
Carl Wilh. Fried.
M Z B H I P
"

und

So offtmals dieses Ertz mit seinem Schall erthönt, Wird unser Fürstenhaus mit neuen Heil gekrönt.

Schrift auf der Ostseite der Glocke:

Diese Glocken so im XVII sek. zweymal durch unglückl. Brand zerschmolzen und a. 1728 durch einen Sprung unbrauchbar worden ist im Jahr 1736 durch Gottes Gnaden wieder von der Gemeinde hergestellet

als
Ihro Hochfreyherl. Gnaden
Herr
Ludwig. Georg Christ. v. Schlammerstorf
Oberamtmann,
Abrah. Heinr. Lips Pfarrer
Johann Samu Biebelt Diac
Joh. Gottfr. Rötter Richter
Joh. Kaspar Schneider und
Joh. Schiker heyl Pfleger
Barth Wolf Burgerm
waren.

Die zweite oder Elfuhrglocke mit dem Tone d hat am untersten Rand 136 Zentimeter Durchmesser.

Ihre Kroneninschrift lautet:

Johann Konrad Roth hat form und leben dort in Vorchheimb mit gegeben und mich gantz gegossen neu im Jahr siebzehenhundertzwei.

Darunter steht um die Glocke der Spruch:

Zu Ehren Gottes ich erklinge
zur Trauer und Freud den Thon ich bringe.

auf der Ostseite der Glocke finden sich die Verse:

Unsern Fürsten Gottes Güte
Leite schütze und behüte.
G F M Z B.

(Georg Friedrich Markgraf zu Brandenburg.)

Er laß in Kaisers Rechten
Seinen Arm glücklich fechten.
Süd und Westen müßte Weichen
und von Gottes Allmacht zeigen.

Zwischen den beiden letzten Sätzen ist ein von zwei Löwen gehaltenes Wappen, das in 5x3, also15 Schilde geteilt ist.

Darunter stehen die Worte:

Es schütze den Helden das englische Heer
Siegprangend ergehe wie Gideons Heer. Dan solle
dis Erze ertönen und klingen dem Höchsten
soll unser Mund dankend lobsingen.

Die dritte oder Gebetglocke hat den Ton e und ist am untersten Durchmesser 117 Zentimeter weit.

Die Kroneninschriften sind lateinisch verabfaßt:

tuam Rex Christe red glor laudemgue
sonor haec aera crepabund 1702.

Nos fer fulm exustas audac et
fraut mich arnoldi norimb pess
confl man erin joh cunr Roth
el mogunt fus felic refund a MDCCII.

Auf der Westseite dieser Glocke befindet sich ein in 15 Felder geteiltes Wappen.

Die Ostseite ist mit einem Lorbeerkranz versehen, in welchem sich folgende Aufzeichnungen vorfinden:

Q D B V

d. h. quod deus bene vertat = Was Gott gut wenden möge!

Joseph I. Regi Romano Augusto libertate Europae ex gallo - hisp. cis machinationibus restituta iterum maximo anni anni 1702 tempore, quo haec campanula refusa, ad armaturam Rhenanam hos fines permeanti fidi Germani triumpi victoriam precantur vives.

Uebersetzung: Für Joseph I. 95, den erlauchten römischen König, der aus den französich-spanischen Wirren heraus die Freiheit Europas wiederhergestellt und nun gegen Schluß des Jahres 1702, in dem diese Glocke neu gegossen ward, auf dem Weg zu den Waffenplätzen am Rhein hier durchpassierte, erbitten treue deutsche Bürger vollständigen Sieg.

Die vierte oder Taufglocke mit dem Tone g hat am untersten Rande 100 Zentimeter Durchmesser.

Die Kronensprüche lauten: Heilig, heilig heilig ist Gott der Herr zebaoth; alle Land sind seiner Ehre voll.

Dasig Erz zum Klang gebracht
hat Johann Konrad Roth gemacht
zu Vorchheimb anno MDCCII.

Auf der östlichen Seite dieser kleinsten Glocke befindet sich ein Relief: Pieta, Christus von einer Frau mit Heiligenschein (Maria) im Schoß gehalten, darunter ein Engel mit Korb.

Unter dem Relief stehen die Worte:

herr jesu dir sey dis geleut
zur ehr und dienst allein ergeben
bewars für feüer und böser zeit
für uns aus gnad ins ewige Leben.
Stephan Rot.     Peter List.

Auf der Westseite der Taufglocke ist seitlich ein Wappen. Darüber befindet sich eine Krone und über dieser wieder ein Streifen mit den Buchstaben

G F M Z B

(Georg Friedrich Markgraf zu Brandenburg). Das Wappen ist in 15 Felder eingeteilt, von denen immer drei nebeneinander sind. Unter disem Wappen sind folgende Buchstaben

I N G      H E T

Zu erwähnen ist noch das Glöcklein auf dem Torturm der Kirchhofmauer 96. Es wiegt kaum einen Zentner und hat bei einem unteren Durchmesser von 36 Zentimeter den Ton c.

Kronenspruch:

Zu Ehren Gottes lies mich giesen
durch das Fevr mvst ich fliesen.
Mich. Franck in Nvrnberg Anno 1694.
Wolfgang Richter von Deberndorff.
Soli deo gloria.

Ob das Glöcklein eine Lärmglocke war oder neben den großen Glocken auf dem nahen Kirchturme kirchlichen Zwecken diente, kann vorläufig nicht festgestellt werden.


Von den Kapellen

(Jakobs- und Bartholomäuskapelle.)

In früheren Zeiten befanden sich in Roßtal auch zwei Kapellen. Pfarrer Wolßhofer schreibt hierüber 1760 folgendes 97: Von den Capellen weiß ich so viel, daß die Capelle, die gleich bey der Kirch steht, und die noch vollkommen gut ist, dem Heyl. Jacovo alß Patrono gewidmet geweßsen, weil man auch alle Jakobitag eine Kirchweyh in Roßstall hat; Gottesdienst ist wohl bey viel Menschenalter nicht darinnen gehalten, und deßwegen endlich zur Registratur gemacht worden 98. Es muß aber noch eine Capelle hier geweßen seyn, weil noch im Dorff Roßtstall, außen, wo man gegen Weinzierlein zugeht, einige Häuser auf ihrem Grund, die Cappel genennt werden, auch daselbst ein Hoff ist, deßen Innhaber allzeit der Cappel Bauer genennt wird. Sie muß St. Bartholomeus geheyligt geweßen seyn, weil wir in Roßstall so gar die dritte Kirchwey am Bartholomei Tag haben.

Es wird vermutet, daß sich in der Kappel auch der Roßtaler Siechkobel (Krankenhaus für Aussätzige) befand, zu welchem ein Zehnt von Volkersdorf, jetzt Gutberg, gehörte 99.

Die Einrichtung von Siechkobeln war eine gesundheitspolizeiliche Maßnahme. Durch die Kreuzzüge wurde eine ansteckende Krankheit, der Aussatz, nach Europa verschleppt und namentlich in Deutschland sehr verbreitet. Die ärztliche Kunst versagte und man sah sich gezwungen, die ekel- und mitleiderregenden Kranken von den Gesunden zu trennen und sie in Siechhäusern unterzubringen, sie auszusetzen. Mangel ließ man die Siechen nicht leiden, denn in der ekelhaften Krankheit erblickte man den gleichsam nach außen getriebenen Sündenschmutz. Man nannte die Aussätzigen Gottes liebe Arme. Auch auf das Seelenheil der Unglücklichen war man bedacht. Das Laterankonzil von 1197 sprach den Aussätzigen das Recht zu, eigene Kirchen und Kirchhöfe zu haben. man findet deshalb in der Nähe der Siechkobel, die gewöhnlich an wichtigen Verkehrsstraßen lagen, kleine Kirchen und Friedhöfe. Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die schreckliche Krankheit in Deutschland wieder ab.


Nachrichten von Pfarrern

Die Nachrichten über Geistliche gehen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Damals versahen die Inhaber der Roßtaler Pfarrstelle gar oft ihren Dienst nicht selber; sie ließen sich durch Vikare vertreten. Solche Geistliche heißt man Pastores veri.

Pastores veri waren dahier: 100

  1. 1420 Heinrich Peheim,
  2. 1450 Wilhelm von Reichenau, Dompropst Aystedt,
  3. Johannes Kautsch, Domherr zu Augsburg, † 1462,
  4. Thomas Pirkheimer, des Stuhles zu Rom Protonotarius und Referendarius, Rat der Herzöge Johannes und Sigmund von Ober- und Niederbayern,
  5. Dr. Endres von der Klingen, † 1494,
  6. Eberhard von Rabenstein, Domherr zu Bamberg, 1494
  7. Theodorich von Rheda, Propst zu St. Severin in Erfurt. Dieser war der letzte Pastor verus in Roßtal.

Vikare für die Vorgenannten 101

  1. Johannes Neff, seit 1469, † 4. XI. 1512,
  2. 1511 Pfarrherr Ferber, hernach Dechant im Stift Ansbach,
  3. 1511 Konrad Meyer und Wolfgang Link, Kapläne,
  4. 1512 Stephan, Kaplan,
  5. 1513 Balthasar Jung,
  6. 1514 und 1517 Konrad Wenger,
  7. 1515 Konrad Bayer, Pfarrverweser,
  8. 1520 Ambrosius Enk,
  9. bis 1528 Thomas Appel (Beginn der Reformation in R.) Appel nennt als seinen Widersacher, der die Gemeinde gegen ihn aufhetzt, den Frühmesser in Buttendorf, Hans Sutor.

Geistliche nach der Reformation 102

A. Auf der ersten Pfarrstelle:

Johann Lazarus, † 1546, früher Pfarrer in Schopfloch,
1547-1582 Wolfgang Hofmann,
1584-1608 Sebastian Schuler,
1608-1612 Georg Aigenbeck aus Feuchtwangen,
1613-1620 Michael Treu, † 17. XI. 1620,
1621-1639 Johannes Balthasar Bernhold,
1640-1642 Paulus Christian Spiegel aus Halle in Sachsen,
1643-1659 Martin Kettner,
1660-1674 Stegmann, vorher in Wettelsheim,
1674-1697 Johann Georg Vogtherr aus Gunzenhausen,
1697-1731 Ernst Georg Schülin, vorher in Prichsenstadt 103
1731-1734 Magister Johann Heinrich Schülin, Sohn des vorigen Pfarrers,
1735-1747 Abraham Heinrich Lips, † 17. III. 1747,
1748-1762 Friedrich Wilhelm Wolfßhofer aus Ansbach,
1762-1783 Karl Friedr. Theodor Zinn,
1783-1793 Johannes Jakob Klett,
1794-1829 Heinrich Sigismund Eberhardt, † 14. VI. 1829,
1830-1846 Friedrich Jakob Ludwig Böswillibald,
1846-1861 Johann Ulrich Hühne aus Hof, † 25. II. 1861,
1861-1870 Johann Leonh. Kündinger,
1871-1879 Johann Wilh. Fuchs, früher in Ammerndorf,
1879-1885 Christian Lotzbeck,
1886-1888 Georg David Ludwig Theodor Fischer,
1889-1900 Karl Philipp Friedr. Schirmer aus Windsheim,
1900-1903 Pfarrverweser Arnold, später in Brasilien, dann in Füssen,
1903-1920 Johannes Friedrich Grün, † 6. XII. 1920;
seit 1. Oktober 1921 Friedrich Sauer, geb. 19. Febr. 1867 zu Michelau (Ofr.).

B. Auf der zweiten Pfarrstelle

1534 Kaplan Jakob Keutheimer,
1534 Pfarrverweser Georg Brösel,
1538 Kaplan Stephan Bernet,
1541-1547 Kaplan Valentin Ebner,
1547 Georg Pörner,
1550 Kaplan Benedikt Kepner in Buttendorf,
1550 Kaplan Leonhard Kettner,
1551 Kaplan Kilian Bysenhard,
1561-1563 Diakon Nikolaus Preusinger,
1565 Georg Beihel,
1569 Georg Luntz aus Ehingen,
1572 Hieronymus Crato,
1577 Jakob Luntz, Kaplan,
1577 Kaplan Benedikt Deubelius,
1582-1592 Johann Neumeyer aus Weiltingen,
1592-1601 Michael Bermuth,
1601-1609 Friedrich Scherzer; diesem starb 1602 ein Kind an der Pest;
1609-1615 Matthäus Zielmüller aus Wassertrüdingen,
1617 Kaplan F. Treu,
1620 Georg Agricola aus Lauf,
1620-1632 Georg König von Hirschlach; 1632 wurde er von Kroaten unweit Neuses in Stücke gehauen; nach dem Tode Königs wurde die zweite Pfarrstelle aufgehoben und erst 1698 wieder errichtet;
1698-1702 Johannes Strebel, † 17. April 1703,
1703-1723 Joh. Balthasar Geier aus Regensburg, geb. 3. Mai 1677,
später in Büchenbach 104
1723-1731 Mag. Joh. Heinrich Schülin, Sohn des hiesigen Pfarrers, (1726) war Informator des Erbprinzen,
1731-1750 Johann Samuel Bibelt aus Ansbach, † 10. Juli 1750,
1751-1771 Christoph Philipp Mögelein aus Hechlingen,
1771-1790 Joh. Christoph Jakob Flechtner, † 14. XI. 1790,
1791-1795 Sigmund Christian Stieber,
1795-1807 Johann Alexander Heidenreich,
1808-1818 August Gustav Herrnbauer aus Adelhofen,
1818-1828 Stephan Ried,
1828-1833 Heinrich Großmann, später in Windsheim,
1834-1849 Dr. Heinrich Dambacher aus Oettingen,
1850-1863 Georg Veit Schaitberger,
1863-1868 Johann Fischer,
1868-1876 Johann Leonh. Götz,
1876-1879 Karl Karrer,
1879 bis
31. Okt. 1882
verwest durch Pfarrer Lotzbeck,
1. Nov. 1882 bis
1. Sept. 1886
Carl Heinrich Thomas Hecht,
1889-1891 Karl Siegmund Wilhelm Freiherr von Ebner,
1891 Verweser Bernhard Pfister,
1. Jan. 1892 bis
1. Dez. 1895
August Leopold Johann Memmert,
1895-1896 Verweser Gustav Kuhlmann,
1896-1916 Ernst Christoph Keller,
seit 1. mai 1917 Siegmund Vogtherr, geb. 9. Febr. 1870 zu Heilsbronn.

Mesner

1586 Gös.
1603 Brügel.
1637 Hans Baßler, der bei grassierender Pest, weil schon infiziert, als Totengräber und Meßner zugleich aufgestellt wurde.
1640 Stephan Groß;
1650 Matthias Groß, Sohn des Vorgenannten.
1653 Jakob Rasching.
1674 Michael Groß. Derselbe bekommt eine bes. Belohnung aus der Kirchenstiftungskasse für Verjagung der Hunde aus dem Kirchhof bei grassierender Pest.
1731 Joh. Bartholomäus Müller.
1748 Joh. Martin Müller, Sohn des Vorgenannten.
Dann Martin Müller, Sohn des Joh. Martin Müller.

Die beiden Pfarrhäuser

Die Erbauung des ersten Pfarrhauses mit seinem schönen Giebelfachwerk fällt in die dunkle Vorzeit. In einem Balken des obersten Bodens fand sich die Nachricht eingeschnitten: 1438 durchaus repariert; es ist also schon lange Zeit vor 1400 entstanden und neben dem Schloß wohl das älteste Wohngebäude des Ortes. Ob es von Anfang an als Pfarrhaus benützt wurde, kann nicht mehr festgestellt werden, wohl aber diente es schon um 1400 dem Geistlichen als Wohnung. Die Roßtaler Pfarrbeschreibung enthält hierüber folgende Mitteilung: Im Salbuch der Burggüter zu Roßtal, die zum Schlosse Cadolzburg gehörten (Konf. A. 1414 S. 579) ist angeführt das Hochhaus, da der Pfarrer eingesessen ist; nach seiner Gestalt und Bauart steht dieses Haus noch heute als Pfarrhaus. Das Pfarrhaus war vor der Reformation und noch 1563 ohne Nachbargebäude, weshalb zum Schutze gegen Einbruch und Ueberfall um einen Zaun gebeten wird; die Markgräfl. Kammer gibt Holz aus dem herrschaftl. Wald. Das Pfarrhaus enthielt auch vor der Reformation (Konf. A. 1462) die ständige Wohnung für den Kaplan.

Das zweite Pfarrhaus ist ein hübsches, teils massiv teils in Fachwerk ausgeführtes Gebäude mit einem kleinen Hausgärtchen und einem Hinterhof. An der Außenseite der Westwand ist in 1 Meter Höhe die Jahrzahl 1538 eingemeißelt. In der unteren Kammer links der Haustüre befand sich an einem Quaderstein der Westseite die Inschrift: JOHANN HARTING hic fuit diaconus 1564.

1698 wurde das Kaplanhaus wieder gebaut.


Stiftungen 105

I. Die Pfarrer Eberhard'sche Wohltätigkeitsstiftung

  1. Entstehungszeit: 9. Februar 1825
  2. Zweck der Stiftung:
    1. Unterstützung von Roßtaler Witwen,
    2. Unterstützung armer Konfirmanden und Schulkinder aus Roßtal
    3. Unterstützung Armer.
  3. Die Stiftung ist auf Angehörige der evang. luth. Konfession der Pfarrei Roßtal beschränkt.
  4. Die Verwaltung führt der jeweilige 1. Pfarrer in Roßtal.
    Aufsichtsbehörde: Bez. A. Fürth.
  5. Vermögensstand: 5414,06 Mark Kapitalien insgesamt.

II. Die Paulus Fischhabersche Wohltätigkeitsstiftung

  1. Entstehungszeit: 25. Januar 1841 und 30. Januar 1843.
    Zweck der Stiftung: Zur Erhaltung eines gestifteten Kronleuchters in der Kirche und zu dessen Ausstattung mit Kerzen jährlich 7 fl. von den Renten der Stiftung. Zur Erhaltung und Renovierung des Grabsteines des Stifters jährlich 1 fl. von den Renten der Stiftung. Verteilung an Alte, Arbeitsunfähige oder Waisen.
  2. Die Stiftung beschränkt sich auf die Gemeinde Roßtal.
  3. Die Verwaltung führt die Kirchenverwaltung Roßtal.
  4. Vermögensstand: 2327,59 Mark Kapitalien insgesamt.

III. Die Conrad Helmreichsche Wohltätigkeitsstiftung

  1. Entstehungszeit: 3. Februar 1892
  2. Zweck der Stiftung:
    1. Unterstützung von gering bemittelten und würdigen Personen
    2. Verteilung an bedürftige, gering bemittelte, alte, besonders kranke Personen mit Ausschluß von conscribierten Armen.
  3. Die Stiftung ist beschränkt auf die Angehörigen der evangelischen Konfession in der Gemeinde Roßtal und des Ortes Wimpashof.
  4. Die Verwaltung führt der Armenpflegschaftsrat und der I. Pfarrer in Roßtal.
  5. Vermögensstand: 10 631,31 M Kapitalien insgesamt.
  6. Höchstbetrag der Unterstützung an einzelne Personen: 10 M, Ausnahmen zulässig.

IV. Die Filial-Kirchenstiftung Weitersdorf

  1. Entstehungszeit: 1819
  2. Zweck der Stiftung: Die Zinsen sind zu verwenden zur Bestreitung der Gebühren des Pfarrers und Organisten; sodann zur allmählichen Anschaffung der nötigen Kirchengerätschaften und endlich als Beitrag zu den Unterhaltungskosten.
  3. Die Verwaltung der Stiftung führt die Kirchenverwaltung Weitersdorf in Roßtal.
  4. Vermögensstand: 613,70 M Kapitalien insgesamt.

V. Marg. Lämmermannsche Wohltätigkeitsstiftung

  1. Entstehungszeit: 22. Juni 1881
  2. Zweck der Stiftung: Unterstützung einer armen und würdigen Person am Todestage des Stifters.
  3. Die Stiftung ist beschränkt auf evangelisch-lutherische Angehörige der Gemeinde Gutzberg.
  4. Die Verwaltung führt der I. Pfarrer in Roßtal. Aufsichtsbehörde. Bezirksamt Fürth.
  5. Vermögensstand: 552,99 M Kapitalien.

Zu erwähnen ist noch

die Mäginsche Familienstiftung

  1. Stifterin: Kunigunda Elisbaetha Mägin, die am 17. Nov. 1829 eltern- und kinderlos in einem Alter von 50 Jahren 11 Monaten und 7 Tagen starb.
  2. Bestandteile der Stiftung:
    1. „Das Burgschlößlein“ zu Roßtal samt Eingehörungen,
    2. ein Kapitalstock von 9000 fl.
  3. Rendant über alle Einnahmen und Ausgaben war der Ortsvorsteher Heinrich Eckstein.
  4. Als Erben waren vorwiegend Verwandte eingesetzt. Außer diesen erhielten die Gotteshauspfleger 100 fl.; für den Altar wurden 2 große Messingleuchter gestiftet, auf denen der Name Kunig. Elis. Mägin angebracht ist. Die Armen von Roßtal bekamen jährlich 10 fl. und für 5 fl. wurden nützliche Schulbücher angeschafft.
  5. Zeitdauer: Die Familienstiftung löst sich nach einer 40jährigen Verwaltungsperiode bestimmungsgemäß auf.

Das Schulwesen

Wann die hiesige Schule eingerichtet wurde, ist urkundlich nicht festgelegt. Die älteste Nachricht über ein Schulhaus ist in einem Gült- und Zinsregister 106 enthalten, das 1474 angefangen wurde. Dort heißt es (Seite 2): Ein gut Schuelhauß, Ist des Gotshauß aygen mit aller zugehornung, ist zum meßenampt verordnet hatt etwo geben Funfzehen pfennig und Ein halb pfund Wachs. Solches gut hatt auff der Hoffreeyt Ein Hauß, Ein Stadel, Ein pachoffen, Ein gertlein Hinter dem Stadel, mit einer mauer umbfangen 107.

Nach obiger Beschreibung wurde zunächst das sogenannte Kantoratsgebäude (Hs.-Nr. 67) als Schulhaus für die Gesamtschülerzahl der Pfarrei benützt und Roßtal hatte nur einen Lehrer. Dieser mußte 1506 Hennengult für ein Haus und 1 fl Handlohn 108 zahlen.

Für die Verrichtung der Nebengeschäfte in der Kirche war ein Mesner angestellt, dem eine Dienstwohnung zustand. Am 14. Januar 1725 klagt der Mesner Johann Bartholomäus Müller über das baufällige Mesnergebäude. Er schildert den schlechten zustand mit folgenden Worten: … in deme solches Elendes Köbelein schon gegen 300 Jahre stehet und anfangs nur zu einem thorköbelein gebauet gewesen, hernachmals ein kleines Stüblein, Cämmerlein und Küchlein darein, zu einer Meßnerswohnung gemacht worden, alles sehr eng ist, und leyder! so beschaffen, daß bey eraignenden großen Winden, man in größten Sorgen darinnen lebet, daß der Wind es übern Hauffen werfen dörffte? oder auch ohne Wind einfallen möchte 109.

Trotzdem aber wurde vorerst kein neues Mesnerhaus gebaut. Mit Schreiben vom 9. September 1748 bat auch Johann Martin Müller, der adas Mesneramt von seinem Vater übernommen hatte, einneues haus zu errichten. Er schrieb:

Es stehet das alte gebäude wohl schon 200 Jahre, ist nur zu einem Wacht-Häußlein gebaut worden und ist durch daß Alter gänzlich eingegangen, so das wan ich dasselbe bewohnen sollte müßen, weder ich noch die Meinigen eines natürlichen Todes sterben würden, in dem starcker Sturm Wind oft daßselbe schon so starck bewegt haben, daß die darinnen wohnende geglaubet es werr schon gefallen. Deßen werden das hießige Löbl. Richter Amt und Pfarrvicariat die gegründesten Zeugnisse geben können …

Es wird angenommen, daß obiges „Torköbelein“ dort stand, wo sich heute das sog. Mesnergebäude (Hs.-Nr. 74) befindet.

1810 wurde die Schule geteilt und

  1. eine Kantorats- und Knabenschulstelle und
  2. eine Mädchenschul- und Mesnerstelle

errichtet.

Ueber den Umfang des Knaben- und Mädchenschulhauses gibt „die Gemeindestatistik der Volksschulen zu Roßtal“ von 1833 110 Aufschluß. Dort heißt es:

A. Schullocalität der Knabenschule:

a. Schulstube ist im oberen Geschoß, 9 ' hoch, 34 ½ ' lang und 30 ½ ' breit, sehr hell und geräumig.
b. Lehrerwohnung, ist gleich neben der Schulstube im 2ten oder oberen Geschoß mit einer Nebenkammer, Küche - im untern Geschoß, ebenfalls 9 Schuh hoch, ist auch eine Stubem, nebst Stall. Das ganze Hauß ist, wie es der hier anliegende Grundriß giebt 53 ' lang und 33 ' breit.

Im Jahre 1864 erhielt das Kontoratshaus einen zweiten Stock, welcher auf 2500 fl. kam.

B. Lokalität der Mädchenschule

Diese ist 37 ' lang und 28 ' breit. Der untere Erdgeschoß ist 9 ' hoch und enthält eine Stube nebst Alcov, als des Lehrers Wohnung, nebst einer Küche.

Der obere Geschoß ist 8 ' hoch und enthält die Schulstube, welche 20 ½ ' breit und 36 Schuh lang ist und sich durch das ganze Haus erstrecket. Neben der Schulstube ist noch ein kleines Kämmerlein, wie der Grundriß ergibt.

Außer diesen Localitäten ist noch ein kleiner Stall angebaut.

Nachtrag (mit rötlicher Tinte): ad B. Dieses Gebäude wird durch einen neuen Anbau und Errichtung eines zweiten Lehrzimmers, dann einer Kammer vergrößert, mit einem Kostenaufwand von 852 fl. -, welcher zur Hälfte von der Schulgemeinde, r. der Local-Schulclasse, und zur andren Hälfte von der Kirchenstiftung bestritten wird. Die alte Schüpfe und der daneben stehende Schweinestall, wurden weggerissen. Leider enthält diese Notiz kein Datum, und auch Rechnungen, die hierüber näheren Aufschluß geben könnten, sind noch nicht aufgefunden. An der Außenseite trägt der angebaute Westgieben die Buchstaben M. E. (Matthias Eckstein, Maurermstr.?), die Jahreszahl 1838 und eine mit einem Hammer gekreuzte Zweispitz.

1833 und auch noch viele Jahre später gehörten folgende 19 Orte zum Roßtaler Schulsprengel:

Roßtal,
Buttendorf,
Clarsbach,
Großweißmannsdorf,
Herboldshof,
Kastenreuth,
Kernmühle,
Neuses,
Oberbüchlein,
Oedenreuth,
Sichersdorf,
Stöckach,
Trettendorf,
Unterbüchlein,
Weinzierlein,
Weitersdorf,
Wimpeshof,
Gutzberg,
Loch.

Die Orte Gutzberg und Loch hatten die Erlaubnis, ihre Kinder in die Schule nach Oberweihersbuch zu schicken. Mit Regierungsentschließung vom 3. Mai 1839 wurde den beiden Orten gestattet, daß ihre Kinder noch fernerhin die ihnen näher gelegene Schule zu Oberweihersbuch besuchen durften.

1884 wurde der Schulsprengel Großweißmannsdorf und 1896 der Sprengel Wintersdorf gebildet.

1908 wurden die Orte Herboldshof, 1922 Neuses und die Kernmühle nach Ammerndorf und 1927 nach Buchschwabach umgeschult.

Nachrichten von Lehrern und Kantoren 111.

a) Lehrer bis 1809

1534Otto Kometer.
1549Andreas Höfflich.
1566-1607 Georg Beck, Lehrer und Gerichtsschreiber, † 1612.
1612Moderer.
1612-1639 Michel Haslacher, Lehrer und Gerichtschreiber.
1636Georg Glaser.
1642Georg Schöbel von Göttingen.
1644Michel Engelhardt, † 12.4.1656.
1657Heinrich Geist, 1658 nach Roth versetzt.
1658Ulrich Maderer, früher in Dohnbülwelcher darzu gnugsam qualificirt und weil Er zuvor auch im Ministerio gewesen, in nothfällen bißweilen eine predigt und andre Kirchenactg Verrichten helffen kann …
1665-1708 Joh. Kaspar Beyerlein (Beurlein), Sohn des Pfarrers Joh. Caspar Beurlein zu Rohr, früher in Windsfeld, hatte die Absicht, nach Straßburg zu gehen, um dort weiterzustudieren, wurde am Abend von der Abreise bei Wörth (Nürnberg) durch einen bößen und verwegenen Buben in heimtückischer Weise verletzet, dass darüber sein rechter Arm erlahmet. Er bat, ihn entweder zu einenn lateinischen Schuldienst oder Cantorey zu befördern. † 1714.
Bis 1708 Johann Georg Glaser, dessen Vater Herrschaftl. Zöllner zu Veitsbronn war 1702 verheiratete er sich mit Margareta Beurlein und wurde mit Schreiben vom 6. Oktober 1702 seinem Schwehrvatter dem alten Beyerlein zu Roßstall auf Ansuchen, zu einem Substituten beygeordnet …
1708-1740 Georg Krobe von Colmberg, ab 1708 in Roßtal. Er klagt 1725 über den schlechten baulichen Zustand des Schulhauses.
1740-1741 Gottfried Schamberger. Derselbe war 18 Jahre vorher am Weisenhaus in Ansbach angestellt. † 7.4.1741.
1741 Georg Christoph Schiedmeyer, verheiratet mit einer Tochter Schambergers.
1742-1809 Georg Christoph Konrad.

b. Nach 1810

aa) Kantoren und Knabenschullehrer

1810-1843 Johann Michael Gatterer, vorher in Rohr, † 23. III. 1843.
1843-1863 Joseph Albrecht Schneider, vorher in Mkt. Erlbach, † 8. IV.1863.
1863-1882 Georg Bernhard Haas, vorher in Rügland, geb. 13. III. 1801, † 28. VIII.1882.
1882-1888 Johann Kaspar Walther, vorher Mädchenschullehrer dahier. 1888 kam er als Leiter an die Erziehungsanstalt Veilhof-Nürnberg.
1888-1906 August Arnold, † 16. III.1921, seit 15. April 1906 Oberlehrer Wilhelm Albert Kreiselmeyer, vorher Lehrer in Mörlbach.

bb) Mädchenschullehrer und Mesner

1810-1837 Franz Müller.
1838-1856 Johann Baumgärtner, † 25.I.1856.
1856-1868 J. Friedr. Ludwig, † 16. V. 1868.
1868-1882 Kaspar Walther, 1882 wurde er Knabenschullehrer und Kantor.
1882-1900 Ernst Gottlob Rohn, geb. am 25,.XII.1852 zu Zirndorf, † 27. VII. 1900 zu Roßtal. Vater desselben: Eugen Rohn, Lehrer in Zirndorf und Lehrberg; † 12,. IV. 1873. Vater des letzteren: Johann Leonh. Rohn, Lehrer geb. 1797 zu Herrnwinden, † 1883 zu Zirndorf.
1900-1914 Martin Sigling, † 18. XI. 1914.
1915-1925 Eduard Grimm (pens.)

c. Hilfslehrer (=innen), bezw. Verweser (=innen) auf der 3., 4. und 5. Lehrstelle

1875/76 Hutzelmann
1879 Teufel S.
Götz
1881/83 Haag
1882/83 Schildknecht
1884/86 Hüttinger W. H.
1885 Schwemmer F.
1886/88 Reichel
1889/91 Hufnagel Joh.
1889 Leidel Friedr.
1890/93 Süß Karl
1892/93 Städtler Karl
1894 Lutz August
Schön Friedr.
1894/97 Funk Wilh.
1895/99 Ortegel Gg.
1897/00 Kollert Kug.
1898/01 Goppelt Leonh.
1900/02 Link Jakob
1900/01 Gsänger M.
Hyder Pauline
1901/05 Düll Luise
1904 Fluhrer Gg.
Holzinger
1905/06 Ortner Michael
1906/08 Bock F.
1907/18 Schmidt Hans
1907 Nothacker
1908 Kohl W.
1908 u. 10 Kreß W.
1910 Engelhardt O.
1911/12 Kästel
1912/15 Thoma Leonh.
1915/17 Simon Marie
1917/19 Morgenroth E. (Frl.)
1918/19 Friedel Elsa
1918 Meyer Johann
1920/23 Ammon Hans
1924/25 Wolkersdorfer
1921/27 Sauer Johanna
1925 Löhr Paul

d. zur Zeit amtierende Lehrer (1927)

  1. Oberlehrer Albert Kreiselmeyer (Wohnung im sog. Knabenschulhaus),
  2. Hauptlehrter Adolf Rohn, (Wohnung im sog. Mädchenschulhaus),
    Sohn des Ernst Gottlob Rohn,
  3. Lehrer Hans Fuchs aus Nürnberg,
  4. Lehrer Friedrich Ritter aus Nürnberg,
  5. Lehrer Ludwig Groh aus Nürnberg.

Das Schloß

Ueber die Erbauung des Schlosse, das in alten Schriften Burgstall 112 genannt wird, sowie über seine Geschichte sind größere zusammenhängende Aufzeichnungen nicht vorhanden. Doch finden sich in einer Reihe von Urkunden und alten Druckschriften Angaben, die ein fast lückenloses Bild ergeben.

Das Schloß mit seiner Umgebung zählt wohl zu den ältesten Teilen des Ortes. 1292 kaufte der Nürnberger Burggraf Friedrich III., von denen Herren von Heydeck das medio aevo berühmte Schloß und jetzige dem Hochfürst. Onolzbachischen Oberamt Cadolzburg incorporirte Richtamt Roßstall 113. Der Amtmann in Roßtal hieß damals Wirento 114.

Um 1400 war das Schlußgut im Besitz der Wohlmershausen; in einer historisschen Nachricht wegen der Zugehörigkeit von Vincenzenbronn zum Richteramt Roßstall, um 1620 verfaßt, findet sich folgende Mitteilung: Es habenn auch von Alters alle Innwohner zue Roßstahl die ehehafft besuchenn müssen wie dann ein Wohlmershäuserischer unnterthann Anno 1425 vom Dorffschmiedt deß Danngelkorn halber von dem Ehegericht verklagt worden.

Anno 1503 hatt Marx vonn Wollmerhausenn den halb Hoff allhier verkaufft vnnd hat ein Kalb 5 lb. unnd 1 Sümmera Korn 13 lb. goltenn 115.

Schloss

Als Hans von Leonrod zu Leonrod der Aeltere am 1. Juni 1504 verschiedene Güter, Gült, Zins und Lehenschaft zu Fürth an die Stadt Nürnberg verkaufte, schrieb er am Schlusse des Briefes: Vnnd hab zw merer sicherheit mein aygen in sigel dor an gehangen und dor zw mit fleyß peten den erbarn und vesten Marx von Wolmerßhausen zw rostal meinen lieben schwager das er sein in sigel zu eben mein zw zeucken an den briff gehangen hat, das ich genannter tag nach Pfingsten nach cristi gepurt funfhundert und im vierten iar. (1504)

1514 verkaufte Ludwig von Wolmershausen seinen Sitz und Bauhof zu Roßtal, am Kirchhof gelegen, mit anderen Gütern an Gebhard von Zedwitz um 500 Gulden.

Ab 1622 116 war das Schloß Roßtal im Besitze der Herren Ayrer 117, deren Nürnberger Vorfahren, Hans und Fritz Ayrer, zwei Jahrhunderte früher Lieferanten der Mönche Heilsbronn waren (butiri, keß, saffaran, weinperlen) 118. Im südlichen Seitenschiff der Klosterkirche zu Heilsbronn befindet sich eine kleine Gedächtnistafel mit dem Wappen der Ayrer und der Schrift: Ao. 1635 den 24. Januarii vershied in Gott der Wolledel und Best her Laurentius Ayrer uff Rostall, Ihr Hochfürtl. Durchl. Zu Brandenburg bestelter Richter und Verwalters Verweßer des Closters Hailsbron, dem Gott g. (genade.)

1690 verkauften die Ayrer ihre Roßtaler Güter an den Markgrafen Georg Friedrich von Ansbach, und dieser veräußerte sie schon zwei Jahre darnach, also 1692, an Gabriel von Furtenbach. In diesem Jahre wurde ein Salbüchlein angelegt, das Größe und Umfang des ganzen Schloßgutes genau beschreibt 119.

1717 erwarb der Edle Lorenz von Schmiedel zu Nürnberg die Roßtaler Lehensgüter um 11600 fl. Rhein; dazu kamen noch 400 fl. Leikauf.

1731 kaufte der Markgraf Karl Wilhelm Friedrich (der wilde Markgraf) die obigen Lehensgüter zurück 120.

Als weitere Besitzer des Schloßgutes nennt Pfarrer Wolßhofer in seine 1760 verfaßten Schrift: Kurze Nachricht von dem Orth Roßtal …

Herrn Rat Sommer und dann
Herrn von Heistermann.

Ein Bergrücken zwischen dem oberen Espan und Weitersdorf heißt noch heute Heistermannsbuck.

Um 1820 war das Roßtaler Schloß im Besitze der Familie Mägin 121.

1870 wurde es mit seinen Zugehörungen verstrichen und kam in den Besitz des Herrn Matthias Eckstein; ab 26. September 1878 war Herr Michael Eckstein, Baumeister, Eigentümer, und seit 1. September 1908 gehörte es Herrn Baumeister Hans Eckstein (seit 1924 Bürgermeister).

Eine genaue Beschreibung des Schlosses und aller Zugehörungen um 1700 enthält das bereits erwähnte Saalbüchlein über den Frey adelichen Sitz zu Roßtstall Für Gabriel Von Furtenbach, Von Zwicken uf Hummelsberg und Rostall, angefangen Anno 1692.

Zum Burgstall gehörten:

  1. ein Halbhof mit 8 Tgw. Wiesen und zwei kleinen Weiherlein nebst deren Wasserabfall, dann 60 Morgen zehentbahre Felder und 30 Morgen Holz;
  2. die Vogteilichkeit auf dem Burgstall, nicht aber auf dem Halbhof;
  3. das Recht zur Niederjagd auf den eigenen Feldern und Wiesen und in den eigenen Wäldern;
  4. die Befreiung von Zinß, Gült, Steuer und anderer Beschwehrung, auch der Durchzugs-Costen, Ein- und Winterquartier;
  5. war Herr von Furtenbach des Umbgeltgs von bier und Wein, so viel er nehmlich zu sein und seiner Familie Haußtrunk vonnöthen, enthoben;
  6. bekam der neue Schloßbesitzer den in den Kirchen zu Roßstall zu dem Burgstall gehörigen und von denen Herren Ayrern in possessione gehabten Kirchen-Stuhl und eingeraumbt auch eine Begräbnuß in den Kirchen …
  7. Zum Schloß gehörten auch die gemeine Huth und Weyd, wie mit alters Herkommens, exclusive einigen Schafs-Viehs, sowie noch verschiedene kleine Rechte.

Schon 1692 hatte der Burgstall drei Stockwerke mit fünf Stuben, zwei Küchen, 10 Kammern, drei großen Söllern, einem großen Keller und zwei Böden zu Tobackhenck. Er lag mitten in einer großen Hofraith und hatte Küchen, Blumen- und Baumgarten, alles zusammen ein starken Morgen groß.

In der Hofraith stand auch ein gefängnisthurn. 1694 wurde mit einem Kostenaufwand von 156 fl. eine Stallung für fünf Pferde, zwölf Kühe und einige Kälber erbaut und auf dieser ein guther Halm- oder Säth-Boden eingerichtet.

Ferner ist an solche Stallung Ao. 1709 erbaut worden.
Eine neu gebauete Scheurn gar bequem zur Frucht, Heu und Streu zu gebrauchen, auch die Kutschen und Wägen trocken darinnen zu halten, hat gekostet 132 fl.

Außerdem wurden errichtet ein Schweinestall, der auf 18 fl. kam, und ein Bachoffen.

Der Schloßbesitzer hatte auch das Recht, ein thorhäußlein oder Wohnung für einen Bedienten auf dieser Hofraith zu bauen.

Ueber den zum Burgstall gehörigen Bauernhof, den sogen. Halbhof wird berichtet:

Darauf stehet in einer Zimblichen Rofraith Ein großes Bauernhauß, weilen es aber sehr baufällig gewesen und die Bauerey bißher von dem Bugstall aus versehen, sind nebst einer Wohnung für eine Bedienten darein gerichtet worden, Vier Zinßwohnungen, aus welcher jeden Jährl. Bestandgeld gereichet wird, acht gulden Kayßerl., dann Fünfzehen Kreutzer für eine Fastnachthennen. Ferner stehet auf solcher Hofraith Eine sehr große Scheuern, worinn auch eine stallung zur not zu gebrauchen, gerichtet worden.

Dann sind die Halbhofs Beständner berechtigt, in der Rahnischen Wittib Bachoffen bachen zu dörffen, müssen aber den Bachoffen mit unterhalten helffen.
Dieser Halbhof nun liegt auf dem Platz an drayen Orthen auf die gemeind, und mit dem Virten an Hannß Rahn Wittib stoßend.

Ein Notamen von 15. September 1735 122 zum Roßtaler Burgstall und Preuhauß enthält folgende Angaben:

5. die taffern Gerechtigkeit soll man erlauben oder weinigstens
6. dasjenige, so auf dermalig beständners Mechings Hauß, dahin transferiren zu dörffen, zu dem Ende man Jährl.
7. ein gewißes Umbgeld davor zum Castenambt Cadolzburg Und vor den hfft. schutz ein geldst. zu geben …

Nach dem Totenregister der Pfarrei Roßstall von 1781 war Georg Albrecht Maechin Tabernwirt und Gastgeber zur goldenen Sonne.

Auf Grund dieser Angaben darf angenommen werden, daß es sich bei dem Bauernhof um das jetzige Gasthaus zur Sonne, Hs.-Nr. 55, handelt. Die Verbindungstür vom Tanzsaal desselben zum Vereinszimmer trägt die Jahreszahl 1701. Die Scheune enthält heute noch den Viehstall.


Ein alter Zeuge der Vergangenheit

Turm des Roßtaler Kastells

Turm des Roßtaler Kastells
Holzschnitt von Dr. W. Funk - Nürnberg nach einer Photographie
von Heinrich Haas - Roßtal

An der nordöstlichen Ecke des Schloßhofes stand in früher Zeit ein Festungsturm, der 1692 als Gefängnisturm beizeichnet wird. Als Herr Kaufmann Peipp 1911 die Hinterseite seines in den Schloßberg eingebauten Hauses freilegen ließ, fand man den unterein Teil des Turmes vor, der vermutlich ein Ueberrest des alten Kastells ist.

Das Turmfragment hat eine äußere Höhe von 4,1 Metern, über der Erde einen Durchmesser von 4,4 Metern, in derselben einen solchen von 4,8 Metern. Der Innenraum zeigt eine lichte Weite von 3 Metern und eine Höhe von 4,4 Metern. Nach oben schließt der Raum mit einem Gewölbe ab, das von einer mit einer Steinplatte überlegten Oeffnung von cka 80x60 Zentimetern Größe durchbrochen ist 123. Der Turmstumpf ist gut erhalten und dient, nachdem er einen seitlichen Eingang erhalten hat, dem genannten Eigentümer als Keller.


Die Badstube zu Roßtal

Wenn heute von den Bädern in unseren großen Städten gesprochen und geschrieben wird, dann ahnen wohl die wenigsten Leute, daß im Mittelalter selbst in ziemlich kleine Orten des Frankenlandes Badstuben eingerichtet waren. Nach den Blättern für Frankische Familienkunde, Heft 3, von 1926, hatten z. B. die Hahnenkammorte Auernheim, Degersheim und Hüssingen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges je eine Badstube.

Schon Karl der Große hatte in seinem Lande die Errichtung von Bädern empfohlen. Berühmt waren damals die Bäder zu Aachen. Allgemein verbreitet wurden die Badestuben erst durch die heimgekehrten Kreuzfahrer, die auf ihren langen Wanderungen die Sitten und Gebräuche des Orients näher kennen lernten. In den Badestuben unseres Heimatlandes wurde auch geschröpft und Ader gelassen. Badetag war gewöhnlich der Samstag. Als sich im 16. und 17. Jahrhundert allerlei ansteckende Krankheiten im Lande bemerkbar machten und die Verbreitung derselben durch die Badestuben sehr begünstigt wurde, gingen die letzteren ihrem Verfall entgegen. Die Bader verlegten sich nun mehr auf jene berufliche Tätigkeiten, die sie heute noch ausüben.

Auch Roßtal war, wie aus einer Notiz im Salbuch des Amtes Cadolzburg vom Jahre 1464 124 zu entnehmen ist, frühzeitig mit einer padstub versehen. Dort heißt es: Die padstub gibt alle jar 4 pfunt mynner 8 pfenn.

Diesen gulten hat Peter Haller schon 1445 beschrieben.

Nähere Ausführungen über das Badhaus, seine Zugehörungen und Lasten enthält das Sal- und Lagerbuch des Richteramts Roßtal von 1532 125. Der Wortlaut derselben ist folgender:

Hans Mader
Bader

Gibtt Jerlich der Herrschaft Vonn der Badtstuben 3 ortt 3 schilling 8 Heller Inn geldte Michaelis. Solche Badtstuebe ist der Herrschaft Zinßlehen Unndt deß Baders Erbe hatt machtt daßelbig Zue verkauffen, so Ungefehrlich hundert guldten werth ist, wurdt bestandten Unndt gibt handtlohn wie Ein ander Im Ambtt. Er raist 126, Er Steuertt,
gibt die gemeine Umschlege,
Gibt Henckergeldt.
Er gibt auch Jerlich In Cuntzen Burkhards Hoffe Acht zehen Pfennig Von Einem Keller Unndt Gertlein bey solcher Badtstuben gelegen. Hatt uff der Hoffrayt 127) Ein Wonhauß, darinnen die Badtstuben, Ein Stadell, Ein Schweinestall, Ein Packoffen, aller Hofraytt ein halben morgen Umbfangen.

Treibt mit seinem Viehe für den gemeinen hirtten, Vnndt hatt so offt man in gemein hölzern Außlaubt, Nemblich, In der Nutzung ein halb Lach, Inn dem Oeßung Undt Viechten, Jedem ein gleiche Lach, Undt sonst alle gemeintliche Rechte, wie ein Anderer.

Auf dem Rande obiger Beschreibung im Salbuch finden sich folgende Bemerkungen:

Nunc 1289 Stephan Prew 1651.
Nunc Jakob Herzog 1667. Goerg Rupp 1681, † 1682; nunc Michel Braun, Bader 1685, Hanns Daniel Müller 1692, nunc Peter Schwalber Ao. 1704, vide hieneben. Johann Ostertag A. 1712.

Gibt also obiger Müller Jährl. Walb. 12 Kr. ½ von 1 Fastenachthennen. Mich. - 30 Kr. Erbzinnß.

Nota: Hanns Daniel Müller, Bader hat auf diesen Keller ein neu Hauß gebauert, und das Badrecht herüber gezogen mit übernehmung einer Fastnachthennen á 12 ½ Kr. und 30 Kr. Erbzinnß pro novo canone, dargegen die hienebige alß Badstuben hauß, das graß Pentlein, Backoffen, halbfisch Stuben den Keller im obig. neu erbauten hauß, die halbe Holz-Lohe im gemein nuzen an Peter Schwalbern von Buchschwobach verkaufft mit der condition, daß Schwalber die 3 orth 3 ßl. 8 Heller alten zinnß vor sich allein zahlen, nicht minderso obige 18 Pf. in Burckardts nun Friedrich ottenshoff in Roßstall auch abführen solle, das übrige aber alß Liechtmees Steur und andere Cammer Schuldigkeiten in Bedde Zu gleichen Theilen contentieren wollen, alles nach Laut Protocolli und gndster. Ratific. vom 12. und 13. Dezember 1704.

Nach obigen Angaben war die Badstube wahrscheinlich im Hause Nr. 44 neben der großen Quelle an der Schloßmauer. –

Die späteren Besitzer des Badhauses wurden nach Urkunden zusammengestellt, die sich noch im Besitze des gegenwärtigen Hauseigentümers Heinrich Meyer befinden.

Seit 1772: Georg Christian Mayer, Chirurg, dessen Vater seines Glaubens wegen aus dem Salzburgischen ausgewandert war. In der Leichenpredigt für Frau Anna Mayer ist die Angabe enthalten, daß sich dieselbe am Dienstag, den 31. August 1773 mit Georg Christian Mayer verheiratete.

Seit 1819: Johann Thomas Meyer, Chirurg. auszug aus dem Kaufvertrag des Heinrich Ludw. Meier von 1842, vom Kgl. Landgericht Kadolzburg: Johann Thomas Meier hat laut Kaufvertrag vom 28. Juni 1819 das Soldengütlein Nr. 44 zu Roßtal … …und übergibt, sammt der, nah der Conceßionsurkunde vom 1. Dez. 1838, auf dem Anwesen zu Roßstall Nr. 44 haftenden realen Bad oder Barbiergerechtigkeit, die oben aufgeführten Realitäten an Heinrich Ludwig Meier …. Die Uebergabe erfolgt am 1. De. 1842 …

Seit 1842 Heinrich Ludwig Meier ) Brüder
Seit 25. Nov. 1868Leonhard Meyer )

Zur Zeit hat Roßtal zwei Friseure:
Albert Bachmann und
Gustav Hirschmann.


Häuser mit altem Holzfachwerk.

Neben dem ehemaligen Badhaus steht ein kleineres Gebäude mit der Nr. 43, das durch sein festes Holzfachwerk besonders auffällt. Im Kataster ist es als Wirtsgütl mit realer Zapfenwirtschaft bezeichnet, welches 1847 von Johann Michael Kalb um 1300 fl. erstanden wurde. Diesen Gesamtbesitz kaufte 1858/59 mit Ausnahme des realen Zapfenwirtschaftsrechtes der Webermeister Michael Silberhorn in Roßstall 129.

Außer diesem Wirtsgütl, den bereits beschriebenen beiden Pfarrhäusern und dem Burgstallschlößlein sind noch zu erwähnen die Gastwirtschaft zur Sonne (orginelle Fenster an der Süd- und Westseite!), ferner die Gastwirtschaften zum weißen Lamm und zur Kanne und die Bäckerei Insenhöfer ihres schönen Holzfachwerkes wegen.


Vom Schießwesen

Roßtal hatte schon vor einigen hundert Jahren eine Schießanlage. Ueber das Alter derselben ist wenig bekannt; sie hat sicher schon um 1700 bestanden.

Im Saalbüchlein über den Frey adel. Sitz zu Roßstall, angefangen 1692, findet sich (Seite 94/95) folgende Aufzeichnung:

Johann Jakob Hofmann Gerichtgs-Bürgermeister Zu Roßstall zinßet Jährlich zu Michaelis Einen Mezen Korn und zehen Kreutzer von Einer Morgenfeld am Osing zu Roßstall neben dem Eychersteig, stoßet an das Roßstaller gemeind Holz, die Clarspacher und sogenannte Kegetsfelder.

Welcher Morgfeld lange Jahr öd gelegen Er aber solchen wegen gehabtger Bemühung Bey augensscheinen Von mir Ao 1701 den 9. Dez. pro recompence 130 darüber auch einen Lehenbrief bekommen, die Pflichte abgeleget, und für den Lehenbrief Ein golden Dreißig Kreutzer bezahlt hat. …

Nach seinem absterben (1705) 131 ist das Lehen mir wieder heimgefallen, habs zum Schießhaus hier Verehrt, die Schützenmeister aber habens mir wieder heimbfallen laßen.

Ueber den Betrieb beim Schießen gibt noch eine Schüß-Schüzen-Rechnung von 1733 Aufschluß 132, welche die Verordneten Schützenmeister Simon Warnegg und Johann Georg Weining aufgestellt hatten.

Auszug aus obiger Rechnung:

Laut hiebey liegenden Registers, sind die 6 Sonntäg über Von 35 Schüzen an legg Geldern á 4 Kr. gefallen und erhoben worden 14 fl.
An dem Haupt- und Kirchweyheschüßen und von 94 Mann an leeg geldern auch á 4 Kr. gefallen und erhoben worden 6 fl. 16 Kr.

Summa an Leeg Geldern
20 fl. 16 Kr. – Pfg.

Der Schießplatz wurde noch im 19. Jahrhundert benützt. Er diente vorwiegend der Bürgerwehr zum Uebungsschießen.

Der Scheibenstand war am Schießbuck und zwar dort, wo heute das Haus Nr. 172, Besitzer Herr Hans Blümlein, steht; das Schießhaus stand 70 Meter südwestlich hievon am Clarsbacher Weg. Eine zirka 200 bis 300jährige Linde zeigt noch heute den Ort des Schützenstandes an.

Am 6. Mai 1838 beschloß die Gemeindeversammlung, das Bürgerschießhaus soll, weil erstlich das Bürger-Militär in Ruhestand versetzt ist und keine Schützengesellschaft mehr besteht zweitens weil es mutwillig ruiniert und bestohlen, so daß kein Ziegel mehr auf dem Dache, noch Läden oder Thüren mehr sicher sein, zum Abbruch öffentlich auf dem Strich verkauft werden. 14 Tage später, am 21. Mai 1838 trat eine kleine Schätzkommission in Tätigkeit.

Drei Männer aus der Gemeindeverwaltung, nämlich der Gemeindepfleger Christoph Nüchterlein und die beiden bevollmächtigten thomas Kandel und Georg List, letzterer zugleich als Sachverständiger, schätzten den Wert des Schießhauses mit Einschluß des Schießstandes auf 77 fl. 20 Kr. Der Strich fand am 26. Mai 1838 statt. Das Statutenbuch für die Gemeinde Roßstall enthält unter der Nummer 64 das Strichprotokoll, nach welchem Michael Weiß das Schießhaus um 95 fl. und Thomas Kandel das kleine Häuschen, welches bloß der Schießstand war, um 8 fl. 40 Kr. erwarben. Nach den Verkaufsbedingnissen mußte der Abbruch bis längstens Ende Oktober geschehen sein und der Platz durch die Käufer von Steinen und Schutt gehörig gereinigt werden.

Nach dem Jahre 1838 wurde der Schießplatz, wenn auch vielleicht die Schützengesellschaft als solche vorübergehend nicht bestand, noch bis in die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts zum Scheibenschießen benützt. 133. Das Hauptschießen war immer am Kirchweihmontag. Es fanden sich dazu Schützen aus Roßtal und den umliegenden Orten, aus Clarsbach, Ammerndorf, Stöckach, Kernmühle usw. ein. Für die Schützen wurde zum Festschießen eine Laubhütte errichtet und diese mit Bänken und Tischen versehen. Der letzte Zieler war Herr Zißler, H.-Nr. 69.

Nach dem Kriege 1870/71 wurde der Zimmerstutzenverein Deutsche Eiche gegründet, der als ein grünes Reis am Baume der alten Schützengesellschaft anzusehen ist. Seit Herbst 1926 hat derselbe am Bahnhofe Roßtal eine zeitgemäße Schießanlage mit 4 Ständen.


Jagd 134

Schon im Mittelalter unterschied man eine hohe 135 und eine niedere Jagt. Zur hohen Jagd rechnete man den Hirsch, manchmal auch das Reh, das Schwarzwild, den Bären, Wolf und Luchs, das Auer- und Birkgeflügel, den Fasan und den Reiher, zur niederen Jagd Hasen, Füchse, Feldhühner, Wachteln, Lerchen, Enten, Krammetsvögel …, manchmal auch Rehe. Das Recht der Hochjagd behielten sich die Markgrafen; die niedere Jagd in unserer Gegend stand dem Kloster Heilsbronn zu. Die Wildbahn für dieses umfaßte alle zunächst um Heilsbronn gelegenen Fluren und Waldungen, erstreckte sich südlich bis an die Aurach, nördlich bis gegen Cadolzburg, Roßstall, Ammerndorff und Buttendorf, östlich gegen Schwabach bis Prünst und Gaulnhofen.

Markgraf Georg Friedrich war ein Jagdliebhaber und ließ das Wild besonders hegen. Als er 1603 starb, lebte seine Leidenschaft in allen nachfolgenden Markgrafen, also fast 200 Jahre, fort. Zwar ließ Joachim Ernst, der Nachfolger des Vorgenannten, bei seinem Regierungsantritt 1603 in den Wildfuhren Bonhof und Münchzell 132 Hirsche niederschießen und verkaufen, das Pfund zu 7 Pfennigen; allein dadurch wurde der übergroße Wildstand kaum merklich gemindert und somit auch nicht das Wehklagen des Landvolks und die zahl der Wilderer. Albrecht (1634–1667), der Sohn des Joachim Ernst, befahl auf Bitten und Klagen seiner Untertanen, den Wildstand zu konstatieren. In dem Berichte über die Wildbahn Bonhof hieß es: Die Zahl kann nicht genau angegeben werden. Aber gewiß ist, daß oft 30 bis 40 Schweine so ungescheut auf einen Acker kommen, daß sie durch Schreien und Schläge nicht abgetrieben werden können. Im Januar 1675 hielt Johann Friedrich in Heilsbronn drei Tage lang Wolfs- und Luchsjagd, im Juli große Hirschfaist.

Wölfe gab es um diese Zeit nur noch in den besonders großen Wäldern. Zur Vertilgung derselben trug vor allem eine Verordnung vom 24. Nov. 1643 bei, nach welcher jedem, der einen Wolf gefangen, ein Reichstaler und die Haut, oder statt derselben noch ein weiterer Reichstaler versprochen wurde. Einhundert Jahre früher waren die Wölfe in unserer Gegend ziemlich häufig. 1541 brachte der Müller von Göddeldorf einen Hirsch, der von Wölfen unter das Mühlrad getrieben und dadurch getötet worden war, nach Heilsbronn.

Auf das Vorkommen obengenannter Tiere in der näheren Umgebung von Roßtal deuten nachgenannte Flurnamen hin.

An der Weinstraße Clarsbach-Oedenreuth befindet sich einen Kilometer östlich von Clarsbach bei Höhe 409 die Eselsheide, die 1692 als Eberslohe bezeichnet wird.

Unweit Trettendorf liegt am Wege nach Roßtal in Höhe Wimpashof ein Acker, Besitzer die Herren Hörlein und Ringel-Roßtal, der heute noch im Volksmund der Hirschenzaun heißt. Auf das Vorkommen von Hirschen bei uns deutet auch der Flurname Hirschhüll bei Weitersdorf und bei Fernabrünst hin. Zwischen Raitersaich und Gottmannsdorf ist eine Hirschleiten. Noch im 18. Jahrhundert gab es bei uns Hirsche; um 1720 war Barthol. Majer hirschenhirt zu Wintersdorf und am 23. Juli 1722 wurde Friedrich Stober aus Regelsbach von seinem Vettern Michael Stober beym Hirschenhüthen ohne alle Ursach mit einer Holzaxt erschlagen 136.

Einen Kilometer nordwestlich der Gottmannsdorfer Hirschleite zieht sich der Wolfsgraben hin. Oestlich Rohr ist der Wolfbuck, südwestlich von Großhabersdorf ein Wolfsgraben.

Auf der Niederjagd war nicht viel zu finden. Unter den Hasen räumten nicht nur die Raubtiere der Gegend, sondern auch die Jagdberechtigten gründlich auf. Solche saßen auch in Roßtal. Eine Gedenktafel über der südöstlichen Kirchentüre zu Roßtal mit der Auferstehung Christi enthält die Inschrift: Anno 1693 den 25ten Nov. verschied in Gott seelig, der Ehrvest und Mannhaffte Herr Johann Christoph Schwartz des Weidwercks und der Jägerei Liebhaber. Es ist dies der älteste mit Namen bekannte Jöger unserer Gegend.

Mit Abnahme der Wölfe, Füchse und Dachse nahm die Zahl der Hasen und Rehe auffallend zu. In einer Kreßschen Entschließung von 1772 wegen des Kanzlei-Zinslehengutes Eben- oder Oedenreuth z. B. wird über das an denen Feldfrüchten und Schlaghölzern großen Schaden Thuende viele Wild geklagt. 1783 und 1784 fanden durch die großen Winterkälte viele Hasen den Tod; sie vermehrten sich aber sehr rasch wieder und es fanden große Jagden statt.

Die großen markgräflichen Jagden bei welchen die Bauern tage lang Treiberdienste leisten mußten und bei denen nicht selten ganze Aecker mit Feldfrüchten verwüstet wurden, hörten erst auf, als die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth 1791 mit Preußen vereinigt wurden. Dann ging auch der Wildstand allmählich auf ein erträgliches Maß zurück.

1854 betrug der jährliche Jagdpacht für Roßtal 25 fl. 15 Kr. Um diese Zeit kosteten ein junger Hase 18 Kr., ein alter Hase 30 bis 45 Kr., ein Huhn 15 Kr.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das häufige Vorkommen von Fischottern an der Bibert bei Weinzierlein auffallend. Am 29. Mai 1885 fing der Fischwasserpächter Schwemmer mittels eines Tellereisens ein prachtvolles Exemplar. Gewicht 20 Pfund. Zwei Jahre später am 16. Juli wurde von den Herren A. Eckert und Schick eine männliche Fischotter, die 19 Pfund schwer war, erlegt. Im Vorfrühling 1892 gelang es dem Mühlenbesitzer und Jagdpächter Redenbacher von der Kernmühle, eine Fischotter zur Strecke zu bringen, die gerade im Begriffe war, auf einer Sandinsel in der Mitte der Bibert einen stattlichen Hecht zu verzehren. So verging fast kein Jahr, in dem nicht diese Fischräuber bemerkt wurden.


Fischzucht

Auf Anregung des um das Wohl seiner Gemeinden so sehr verdienten Bezirksamtmannes Loose von Fürth wurde 1894 in Roßtal ein Versuch mit Forellenzucht gemacht. In dem der Gemeinde gehörigen oberen Espanweiher, der seitwärts eine sehr starke Quelle hat und zur Forellenzucht vorzüglich geeignet erschien, wurden am 14. März durch 3 Herren des Fischereivereins Fürth 3500 Stück Forellenbrut eingesetzt. Die Eier waren im Dezember 1893 aus der Fischzuchtanstalt Starnberg bezogen und im Schulhofe der Realschule Fürth ausgebrütet worden. Die Forellen entwickelten sie im Espanweiher ohne künstliche Fütterung vorzüglich und der Gemeinde war auf diese Weise eine nenneswerte Einnahmequelle erschlossen worden.

Später wurden ähnliche Versuch im oberen und mittleren Mühlbach gemacht, die ebenfalls gut gelangen, und es ist sehr zu bedauern, daß man im Weltkrieg wieder von der Forellenzucht abkam 137. Der mittlere Mühlbach enthält auch Krebse.


Obstbau

Die Gegend um Roßtal hat viele Hügel mit geschützten Abhängen, die sich für den Obstbau sehr gut eignen und das ist der Hauptgrund, warum sich schon sehr frühzeitig dieser wichtige Nebenzweig der Landwirtschaft entwickelte. Der Gemeinderechnung von 1814/15 ist zu entnehmen, daß in Roßtal damals folgende Obstsorten vertreten waren:

Bergamotten, Bock-, Herren-, Schmalz-, Tafel-, Trum-, Wasser-, Winter- und Zwiebelbirnen, ferner

Blau-, Borster-, Leder-, Robiner und Süßäpfel.

Einzelne Sorten davon erhielten sich bis auf den heutigen Tag.

Wichtig für die Anpflanzung von Obstbäumen war auch nachfolgender Gemeindebeschluß vom 7. Dezember 1851.

Laut Gemeindebeschluß 138 vom heutigen Datum soll jeder neu angehende Untertan in der Marktgemeinde Roßtal, welchem die Aufnahme dahier zugeteilt worden ist, auf die Gemeindeplätze Bäume setzen, und das können Frucht- oder Nutzholzbäume sein; die Einteilung derselben ist:

  1. Ein Grundbesitzer oder Gewerbetreibender, welcher in der Marktgemeinde Roßtal schon gebürtig ist, hat drei dergleichen Bäume auf passende Gemeindeplätze zu setzen und fürs Fortkommen zu sorgen, damit derselben diese Bäume, wenn dieselben gut gediehen sein, der Gemeindeverwaltung vorzeigen kann, weil dieser keine Aufnahmsgebühren zu zahlen hatte.
  2. Einer in dergleichen Eigenschaft wie ersterer, der von einem anderen Distrikt dahier die Aufnahme erhielt und sich hier ansässig macht, hat die gesetzlichen Aufnahmsgebühren an die Gemeindekassa Roßtal zu entrichten und zwei dergleichen Bäume zu setzen.
  3. Und ein Taglöhner, der ebenfalls von einem anderenDistrikt hereinkommt und die Aufnahme erhielt, muß seine gesetzlichen Aufnahmsgebühren an die Gemeindekassa berichtigenund einen Baum auf die Gemeindeplätze setzen.
  4. Derjenige Taglöhner, welcher von hier gebürtig ist und sich die Aufnahme dahier erwirbt, hat ebenfalls zwei junge Bäumchen auf die Gemeindeplätze zu setzen, weil dieser keine Aufnahmsgebühren an die Gemeinde zu entrichten hatte.
  5. Alle diejenigen, welche Bäume gesetzt haben und solche, etwan einmal Früchte tragen, diese Früchte demselben verbleiben, welcher den Baum gesetzt hatte, so lange selbiger lebt, aber mit der ausdrücklichen Bedingung, daß die Bäume nicht beschädiget werden dürfen.

Daß diesen Beschluß bestätiget, folgen nun die Unterschriften des Vorstehers und zweier Mitglieder der Versammlung, g. f. w. o.

Steigmann, Vorsteher.
Johann Haller Michael Wißerner.

Von den Obstsorten, die gegenwärtig gebaut werden, sind zu nennen:

  1. Birnen:
    Gute Graue, Köstliche von Charneux, Williams Christbirne, Boscs Flaschenbirne, der Katzenkopf, Gute Luise, Pastorenbirne, Diels Butterbirne, Stuttgarter Geißhirtle, Nelkenbirne, Zwiebelbirne, Süßbirne, Gellerts Butterbirne.
  2. Aepfel:
    Charlamowsky, Apfel aus Croncels, Goldparmäne, Weißer Astrachen, Geflammter Kardinal, Schöner von Boskoop, Landsberger Reinette, Baumannsreinette, Großer Bohnapfel.
  3. Zwetschgen:
    Berühmt ist die Roßtaler Hauszwetschge, die wegen ihres hervorragenden Geschmackes, ihrer Große und sonstiger guter Eigenschaften namentlich auf den Obstmärkten in Nürnberg und Fürth mit Vorliebe gekauft wird.
    Sehr gut gedeihen auch die Wangenheimer Frühzwetschge und die Italienische Zwetschge.

Seit 1894 hat Roßtal einen Obstbauverein. Am 17. Dezember des genannten Jahres hatten sich auf Einladung des Pfarrers August Memmert viele Landwirte aus Roßtal und den umliegenden Orten im Fischhaberschen Gasthause versammelt. Zu dieser Versammlung waren auch Bezirksamtmann Loose aus Fürth, ein eifriger Förderer aller gemeinnütziger Bestrebungen, und Pfarrer Engelhardt aus Eschenbach, Schriftführer des Mittelfränkischen Obstbauvereins, erschienen. Pfarrer Engelhardt sprach über Zweck und Nutzen der Obstbauvereine und wies darauf hin, daß gerade die hiesige Gegend sich wegen ihrer hohen und teilweise geschützten Lage für den Obstbau ganz vorzüglich eigne. Hierauf verbreitete sich Bez. A. Loose an der Hand eines Gutachtens des bekannten Pomologen Abel von Triesdorf über die Fehler und Mißstände im hiesigen Obstbau und erklärte, wie dieselben beseitigt werden könnten.

Dann wurde zur Gründung des Vereins geschritten. Demselben treten sofort 55 Mitglieder bei. In die Vorstandschaft wurden gewählt: als 1. Vorstand Pfarrer Aug. Memmert, als 2. Vorstand Lehrer Gottlob Rohn, als Kassier Schlossermeister Georg Burk, als Schriftführer Konrad Nüchterlein, als Ausschußmitglieder Bürgermeister Friedr. Bauer, Schloßbesitzer Michael Eckstein, Sattlermeister Konrad Nüchterlein, Bürgermeister Mich. Horneber von Neuses und Ortsführer Adam Keller von Clarsbach.

1898 wurde in Roßtal auch ein Bienenzuchtverein gegründet, der nunmehr mit dem Obstbauverein verschmolzen ist.


Naturdenkmäler

Jede Landschaft hat besondere Reize, von denen einzelne allerdings nur bei genauerem Zusehen bemerkt werden. Dies trifft vor allem bei jenen Naturdenkmälern zu, die etwas abseits von Wegen stehen. Gar oft werden solche Zeugen aus alter Zeit, die ihrer Umgebung ein eigenes Aussehen verleihen, ohne zwingenden Grund zerstört, so daß es Pflicht eines jeden Naturfreundes ist, die Allgemeinheit auf ihre Schönheit aufmerksam zu machen.

Im Pfarrgarten zu Roßtal, unweit des Kettenbrunnens, steht ein alter Nußbaum, der seiner Größe und Schönheit wegen wert ist, geschützt zu werden. Der Stamm hat in 1 Meter Höhe einen Umfang von 4,75 Meter und 2,50 Meter hoch. Mächtige Aeste tragen ein undurchdringliches Blätterdach. Ohne Zweifel ist dieser Nußbaumriese der älteste Baum seiner Art in der ganzen Gegend.

In der Nähe desselben befindet sich ein Kornellkirschenbaum. Sein Stamm hat in Manneshöhe zwar nur 1 Meter Umfang und der Kronendurchmesser beträgt 7 bis 8 Meter. Doch hat dieser Baum ein beträchtliches Alter und ist eine Seltenheit, weil die Kornelkirsche fast ausschließlich in Strauchform vorkommt. Der Baum erfreut jeden Vorübergehenden im Frühling mit seinen zahlreichen gelben Blüten und im Sommer und Herbst mit seinen leuchtenden, roten Früchten.

Bemerkenswert ist auch die schöne Linde am ehemaligen Schießplatz. In ihrem Schatten übten sich einst die Bürgerschützen im Scheibenschießen. Sie ist so ein Zeuge vergangener Zeiten.

Dort, wo von dem Fuhrwege Roßtal-Trettendorf der Weg nach Wimpeshof abzweigt, steht etwas erhöht auf einer Erdzunge eine Föhre, die durch ihre eigentümlich geformte, dichte Krone auffällt. Während die Föhren gewöhnlich eine spitzige, fichtenähnliche oder schirmförmige pinienartige Krone besitzen, ist dieselbe bei der genannten Föhre fast eirund. Die Aeste sind knorrig ähnlich denen der Eiche.

Außerdem sind noch die Eichen im Winkel zu erwähnen, von denen jene, die dem Galgen am nächsten stand, die sogenannte Trudeneiche, mit ihren auffallend langen Aesten schon 1880, die stärkste 1890 gefällt wurde. Von den noch stehenden zwei großen Bäumen in der Nähe der Winkelbrücke hat der größere einen Stamm von 4,20 Meter Umfang und eine riesige Krone mit über 25 Meter Durchmesser.


Sitten und Gebräuche

Allgemeine Sitten

Eine Reihe alter Sitten und Gebräuche hat sich bis in die Gegenwart erhalten; viele aber sind in Vergessenheit geraten.

Eine längst vergessene Sitte im Oberamt Cadolzburg, zu dem auch das Amt Roßtal gehörte, erwähnt Joh. Bernh. Fischer in seiner Statistischen und topographischen Beschreibung des Burggrafentums Nürnberg …, erschienen 1787. Er schreibt (S. 66):

Die Einwohner sind größtenteils sehr arbeitsam, gesellig und freundschaftlich. Auch fehlt es unter selbigen nicht an vermöglichen Bauern. Verschiedene besitzen sogar zwanzig bis dreißigtausend Gulden Vermögen. Ihre Kleidung ist reinlich, besonders bey der bemittelten Gattung der Bauern und Landwirte. Seidene Halstücher decken öfters den Busen der ländlichen Mädchen. Die sogenannte nürnbergische bäuerliche Tracht, welche die schönsten Mädchen äußerst verunstaltet, kommt je länger je mehr ab. Gegenwärtig tragen sich die meisten Weibspersonen bürgerlich, oder nach ihrem Ausdruck: städtisch. Mannspersonen tragen beinahe durchgängig runde Hüte, um welche sie ein breites seidenes Band schlingen. Unverheiratete Mannspersonen von verheirateten zu unterscheiden, darf man nur ihre Hutbänder betrachten. Diese tragen schwarze, und jene grüne Bänder. Das grüne Band ist dadurch für immer verloren, wenn der Unverheiratete als Fornicant bestraft wird. Er muß alsdann, gleich dem Verheirateten das schwarze Band um den Hut schlingen.

Bei Taufen

Das Hänseln

Zur Taufe lud der Pate zwei oder fünf Begleiter ein. Diese versammelten sich in seinem Hause und legten ihm, wenn er noch unverheiratet war, ein farbiges Seidenband, an welchem Geldstücke befestigt waren, um den Hals. Man nannte diesen Akt das Hänseln.

Dann gingen alle ins Taufhaus und zogen mit in die Kirche. Das Geschenkband, Hänselband genannt, wurde vom Gehänselten den ganzen Tag über getragen.

Auch die Jungfrauen übten diese Sitte, die bis ungefähr 1865 in Roßtal nachgewiesen werden kann.

Bei Hochzeiten

Ein Kammerwagen darf zwischen 11 und 12 Uhr nicht gefahren werden. Sollte er aber doch unterwegs sein, so muß eine Stunde angehalten werden.

Der Kammerwagen muß, wenn er vom Brauthaus abgeht, drei Mal anfahren.

Wenn auf dem Kammerwagen Porzellan oder Glas zerbricht, so bedeutet das Glück.

Schreiner, die den Kammerwagen begleiten, binden sich ein geblumtes rotes Taschentuch ins obere Knopfloch ihres Kittels.

Vereinzelt kommt es noch vor, daß sich Frauen das Taschentuch an den Schürzen- oder Rockbund knüpfen. Diese Sitte erinnert, wie die vorhergehende an eine Zeit, in welcher die Kleidungsstücke noch keine Taschen hatten.

Wenn die Neuvermählten die Kirche verlassen, wirft der angehende Ehemann in der Nähe der Brauttüre Geldstücke aus. Die Kinder grapschen danach.

Das Geldauswerfen ist auch noch bei den Taufen Sitte. Hier geschieht es durch den Taufpaten.

Wenn Braut und Bräutigam von der Kirche zurückkehren, bekommt jedes von ihnen ein volles Glas Wein. Sie stoßen nun beide die Gläser an und wer von ihnen dann zuerst ausgetrunken hat, erhält für alle Zukunft das Hausrecht.

Am Hochzeitstage essen Braut und Bräutigam aus einem Teller, manchmal auch nur mit einem Besteck; er hat das Heft in der Hand (Gabel und Messer), sie den Löffel.

Das Hennen-Erreiten.

Eine genaue Beschreibung enthält nachstehende Urkunde 139.

Durchlauchtigster Marggraff,
Gnädigster Fürst und Herr!
Ober-Casten- und Richter-Amt Cadolzburg,
Stadt-Vogtey Amt Langenzenn und Richteramt Roßstall.
Die Abschaffung des gefährlichen Gebrauchs mit dem sogenannten Hennen-Erreiten bei Hochzeiten betr.

Im Oberamt Cadolzburg und, dem Vernehmen nach, auch in mehrern dieß. Hochfürstl. Ober Aemtern, ist bey Hochzeiten das sogenannte Hennen Erreiten, ein äußerst unnüzlicher – dabey aber äuserst gefährlicher und unsinniger Gebrauch, durch welchen sich schon viele Unglücks-Fälle mit Menschen und Viehe ereignet haben, bisher unter den Land-Leuten noch immer nicht abgekommen.

Dieses für Menschen und Vieh gleichgefährliche Unwesen bestehet darinnen, daß so bald der Bräutigam, der mit seinen Gästen zu Pferd seine Braut von ihrem Wohn-Ort in das seinige abholen will, von letzerem eine Strecke weit weggekommen ist, auf ein von ihm gegebenes Zeichen 8, 10 bis 12 Personen von seiner Troupe, je nachdem die Gesellschaft starck ist, mit verhängtem Zügel und in der Stärcksten Carriere, wobey immer das Pferd gespornt wird, daß das Blut an Sporn und Stiefeln hangen bleibt, nach dem Ort, aus welchem die Braut abgeholt wird, zu reiten, derjenige, welche am ersten im Braut Hauß eintreffen kann, erhält von der Braut eine Henne, mit welchem Trophée er alsdann dem Bräutigam entgegen reitet.

Bey Abfarth der Braut aus ihrem Wohn-Ort geschiehet wieder das nehmliche.

In einiger Entfernung von ihrem Ort gibt sie, wie der Bräutigam gethan hat, auch ein Zeichen, worauf wieder Hochzeit Gäste in die Wetten nach dem Ort des Bräutigams reiten, wer nun dessen Hauß am ersten erreicht, bekommt einen Hahn, den er der Braut und Bräutigam auf dem Weg entgegenbringt.

Es ist entsezlich ein solches Pferderennen mit anzusehen. Man glaubt es müsse Roß und Mann Hals und Beine brechen.

Das arme unschuldige Vieh ist dabey höchlich zu bedauern, weil bey diesem unfug die Plage an ihm ausgehet, und überdieß werden allemal die besten Pferde und bestgen Läufer dazu genommen.

Selbst von Leuten die ehehin an dieser Thorheit und unsinnigen Gebrauch Theil genommen haben, ist auch schon oefters dessen Abstellung gewunschen worden.

Nur alleine ich der Beamte zu Roßstall habe submissest anzuzeigen, daß bey solchem Reiten ein nuzbarer vermöglicher dießherrschafftl. Unterthan durch Verderbung seines Fußes unglücklch gemacht, ein Nürnberg. Hintersaßen Sohn aber, der im Reiten mit dem Kopf angestosen, seines Verstandes beraubt worden und noch ist, und seit wenig Jahren wurden 2 recht gute Pferde, wovon das eine zur Fohlen-Zucht marqu. war, zu Schanden geritten. Usw. …

Cadolzbur, Langenzenn und Roßstall, den 10. Nov. 1789.
Ew. Hochfürstl. Durchlaucht
unterthänigst treu gehorsamst
Ehrfeste Falckenhaus.
Johann Georg Rogner.
Johann ….
Johann Friedrich Theodor Kraus.
Johann Samuel Model 140.

Am 15. April 1790 erhielten das Ober-Kasten und Richter-Amt Cadolzburg, das Vogt-Amt Langenzenn und das Richter-Amt Roßtstall die Mitteilung, daß das sog. Hennen Erreiten bei Hochzeiten verboten sei.

Das Göckerlaufen.

Nach dem Hennen Erreiten kam das Göckerlaufen auf.

Wenn die Braut in einem Nachbarort wohnte, stellten sich am Morgen des Hochzeitstages vor dem Hause des Bräutigams mehrere junge Burschen zum Göckerlaufen, einem Wettlauf, auf. Der Bräutigam gab das Zeichen zum Ablauf. Wer das Haus der Braut zuerst erreichte, bekam von der Braut einen mit Groschen uns Sechsern geputzten Hahn als Geschenk. Jedes Geldstück hatte ein kleines Löchlein zur Befestigung.

1863 wurde das Göckerlaufen zum letzten Male, und zwar zwischen Großweißmannsdorf und Regelsbach, ausgeführt.

Bei Beerdigungen

Es ist ein altes Herkommen, daß sämtliche Gestorbene, auch wenn es umständlich sein sollte, durch das Tor unter dem Glockentürmchen auf den Friedhof gebracht werden.

Die Totenbahre darf nicht ohne weiteres auf die Schultern der Träger gesetzt, sondern sie muß dreimal angehoben werden. (Dreieinigkeit!) Bis vor wenig Jahren hatten die Sargträger, gewöhnlich Nachbarn des Verstorbenen, Rosmarinzweige, sogen. Stengel, in den obersten zwei Knopflöchern ihres Fersenklopfers (Gehrocks). Diese wurden nach der kirchlichen Handlung ins Grab geworfen.

Geistliche und Kantor, die beim Leichenbegängnis in unmittelbarer Nähe des Sarges sind, bekommen, sobald die Chorschüler vor dem aufgebahrten Sarg den ersten Vers eines Chorals singen, auf einem Teller je eine Zitrone dargereicht. Diese Sitte stammt aus jener zeit, in der die Pest wütete. Durch den Duft der gedrückten Zitrone solle der Pestgeruch verdeckt werden und der Saft der Zitrone vor Ansteckung schützen.

Etwas Besonderes waren die Beerdigungen bei Nacht 141)

1701 … wurden nachts zwischen 7 und 8 Uhrn in der Kirchen beerdigt Anna Catharina von Furtenbach, H. Gabriel von Furtenbach ältiste Fräulein Tochter, darauff und dags am II. h. Advent mittags die leichpre. verrichtet worden.

1713 d. 18. Nov. wurde begraben Augusta Amalia Gabriela H. Bernhard Heinrichs von Molzahn Töchterl. wurde des nachts ohne sermon in der Kirche begraben nach dem vorher gesungen worden ….

1715 d. 6. Febr. wird Bernh. Heinrich von Molahn Töchterlein Eleonore Catharina Wilhelmina in der nacht begraben.

1718. 6. Febr. wurde nachts H. Lorentz Edlen von Schmiedels … besitzers der Furtenbachischen Güter filia Justina Margaretha in der ihnen von Gnd. Herrschaff … bauten Grabstätte im Chor hiesigen Gotteshaußes beerdigt cum sermone.

Ferner sind noch folgende Beerdigungen bemerkenswert:

1675. Apollonia, weiland Friederich Käsers, geweßenen Bauerns zu Gutzberg hinterlassene Haußfrau, so von Hauß aus aber zu keiner consequenz und nachfolg, besungen worden den 20 Mai. (Erste Nachricht über eine Singleiche).

1702, Nr. 14. d. 2. May wurde Michael Leutner lempischer Vogt zu Edenr., begraben v. herein besungen … (Singleiche.)

1708 d. 25. Aug. ist in Gott entschlafen Helena Rosina H. Gabriel von Furtenbach x. Töchterlein, wurde tags darauff mit einer sermon in der Kirche beerdigt.

Ueber die verschiedenen Beerdigungsarten, wie sie zum Teil auch in Roßtal vorkamen, gibt Johann Bernhard Fischer in seinem 1786 erschienenen Büchlein: Geschichte und ausführliche Beschreibung der Markgr. Brandenb. Haupt- und residenzstadt Anspach x. Aufschluß.

Er schreibt:

In Anspach kann man eilf verschiedene Beerdigungsarten sehen. Nemlich

Portechaisen- und
Kutschenleichen,
Lesleichen,
Sermonleichen,
gabelleichen,
Nachtleichen, mit Fackeln,
Dreyklaßleichen, mit Manns- und Weibspersonen,
Dreyklaßleichen, mit pur Mannspersonben,
Nachmittagsprozeßleichen, ohne Trauerwagen,
desgleichen mit dem Trauerwagen,
und endlich
Adelige Beerdigung.

Die beyden ersten Arten gehören für bürgerliche Kinder von der Geburt bis ohngefähr ins siebende Jahr, nur mit dem Unterschied, daß zur Grabebringung mittelst einer Kutsche vorhero Ministerialerlaubnis eingeholt werden muß.

Lesleichen sind die geringsten x.x.

Sermonleichen sind am gewöhnlichsten. Die Abholung der Leiche geschieht auf eben gedachte Weise, und in der Kirche wird am Altar eine Rede gehalten.

Gabelleichen unterscheiden sich von vorstehender Art allein dadurch, daß neben dem Sarg zween Männer in Trauer einhergehen, deren jeder zwey eiserne Gabeln trägt, auf welche man zu verschiedenen malen den Sarg mit der Bahre stellt, und die Träger ausruhen läßt. Man glaubt, daß durch die öftere Aufstellung des Sarges ein gewisser Staat sichtbar werde.

Nachtleichen mit Fackeln werden erst seit zwey Jahren zur Gewohnheit (Ansbach). Sie geschehen Abends bey Läutung der Torsperre, ohne Kondukt,und müßten für eine Dreyklaß- oder Sermonleiche bezahlt, auch zuvor die Erlaubnis eingeholt werden …

Vom Schlachten

Das Schlachtfest heißt allgemein Schlachtschüssel.

Das geschlachtete Schwein wird nicht gebrüht, sondern gesengt. Der Besitzer fährt es mit einem Schubkarren auf einen freien Platz außerhalb des Ortes, wo vom Metzger mit einem brennenden Strohwisch, der immer wieder erneuert werden muß, die Borsten und Haare abgesengt werden, wobei die Haut schön gebräunt werden soll. Richtiges Sengen will geübt sein.

Die beste Wurst heiß Aefterling, auch Extrawurst. Sie enthält Leberwurstgehäck, unter welches das zerkleinerte Gehirn gemischt ist, und wird stets in den Mastdarm gefüllt.

Die geräucherten Bratwürste, die cka. 20 zentimeter lang sind, heißen lange Seufzer.

Das sogen. Wurstfahren, Wurstbetteln am Abend des Schlachttages durch verkleidete Personen, findet seit Kriegsende nicht mehr statt.

Vom Pfeffern

Noch bis ins 20. Jahrhundert herein wurde am Stephanstag früh (2. Weihnachtsfeiertag) "gepfeffert". Die Kinder benützten hiezu meterlange Wachholderstrauchruten, an deren oberen Enden noch die Zweiglein mit ihren sehr spitzigen Nadeln waren. Mit diesen "Pfefferruten" wanderten sie von Haus zu Haus und schlugen manchmal zart, mitunter auch etwas kräftig Füße und Unterschenkel des Familienhauptes unter Hersagen des Spruches:

Pfefferla, gout g'schmalz'n,
gout g'sal'n,
schmeckt gout.

Das Pfeffern sollte gesund erhalten.

Die jungen Burschen pfefferten mit kleinen Rosmarinstengeln, welche mit grünen, roten und blauen Seidenmäschchen geschmückt waren, das Gesicht von guten Bekannten.

Dreschverse

Wenn gedroschen wurde mit

3 Schlegeln: Schind Katz o, henk d'Haut auf!
4 Schlegeln: Zieg auf, hau drauf!
5 Schlegeln: Der Hirt und sei Frau!
6 Schlegeln: Die Mad hat kan Schörzer!

Mundart in der Roßtaler Gegend

In Roßtal und den umliegenden Orten wird hauptsächlich die Nürnberger Mundart gesprochen.

Beispiele

Aefterling =Hirnwurst
Aehbirn =Erdbeere, Kartoffel
Aerweß =Erbsen
alltriet =jeden Augenblick
aotli =nett
Baunzä =Kartoffelnudel
Böihä =Bier
Böhtleit'n =Gebetläuten
Butzlkouh =Samenzapfen der Nadelbäume
Dackl =Tolpatsch
Douha =Dohle
dumm g'scheit =sehr gescheit
dushäret =schlecht hörend
Flöik =Schürze
Frett'n =Kartoffelhaue
Gackeli =Eier
g'ästimiert =geachtet, geehrt
gättli =bequem
Gaßbuhk =Geißbock
Gerscht'n =Gerste
G'haltä =Behälter, Schrank
gök'n =schaukeln
gouteinert =wohltuend
Goll-Le/icht =Kerze
Grobstah =Grabstein
gscheid dumm =sehr dumm
gwehn =gewesen
Hacksät =Hochzeit
Handstender =Waschschüssel
Handzweln =Handtuch
Hätzel =Elster
Heiter =Pferd
Hitsch'n =Kröte
Hos =Hose
Höieriest =Hühnernest
Hout =Hut
Husch'n =Ohrfeige
Hus'n =Hose
Josephssteft =Narzisse
Kärchäturn =Kirchenturm
Kärwa =Kirchweih
Kätterla =Katharina
Kehtzi =Katze
Kerscht'n =Kirsche
Kläißkupf =Dickkopf
Knoppern =Null beim 66-Spiel
Knötzla =Anschnitt beim Brotlaib
Köichla =Küchlein
Kouschrot'n =Besenginster
Kräzz'n =geflochtener, fast halbkugeliger Korb
Krouha =Krähe
Labi =Laubstreu
Lackl =läppischser Mensch
Lärd =Leonhard
Mich'l =Michael
Mist'n =Miste
Möhlworm =Mehlwurm
Murrä =Mutter
Nemberg =Nürnberg
Omäss'n =Ameisen
die Pahr =Empore
Paus'l =Paul
Rohbärn =Karren
Säulocker =Wiedehopf
Schäpperrod =Motorrad
Schelf'n =Obstschale
Schmotzerla, Schmetzerla=Kuß
Schnärpf'l =spitzes Ende am Schwartenmagen
Schniedla =Schnittlauch
Scholl =Schule
Schoschla, Schoß =Schorsch
Schid Stroh =Bund Stroh
Schta =Stein
Schtudentennägeli =Buschnelken
Schtubet =Bündel Föhrenreisig
trätz'n =necken
Tout =Pate
Touti =Patin
Uffäkläiß =Backwerk, aus mehreren Teilen bestehend
Uffämou =Backwerk
Watsch'n =Ohrfeige
Wast'l =Sebastian
wiez'ln =wälzen
wöist =garstig
Woscht =Wurst
Zwieduärn =Zwiespitz der Maurer

In der Bauernbaber sei Tuti hat mers gem.

Mir bod'n si!

Roßtaler Kirchweihlieder

  1. Mei Vatä is a Bauer, hat Erdäpfl baut;
    drum bin i a gwachs'n wie's Erdäpfelkraut.
  2. Und lusti macht dursti, machtn Geldbeutel leer;
    drum möchte i, daß mei Geldbeut'l wi a Kälberkuh wär'.
  3. Man i allweil, man i allweil, i krieg an Kaffee;
    sich i allweil, sich i allweil es leer Häfela dosteh.
  4. Do doma af der Bruck, do ziehlt a Bou sei Kärwageld;
    mit der Achs'l hat er zuckt; drei Kreizer ham a gfehlt.
  5. Heut is unnera, heut is unnera, heut is unnera Kärwa;
    wenn mer a ka Geld net ham, mach mer doch an Lärma.
  6. Af die Kärwa mou mer gehi;
    kreigt mer mix, nau schmeckts doch schöi.
  7. Af die Kärwa mou mer steing,
    kreigt mer nix, doch härt mer geing.
  8. Heint is die Kärwa, heint is a Lem, a Lem;
    Hats a scho langa Zeit, kanna mehr gem.
  9. O Roschtl, du bist grouß; und wenn m mol a Kärwa is,
    nou is der Kuckuck lous, a Roschtl, du bist grouß.
  10. Drei Tog is Kärwa, geng mer nit ham, nit ham.
    Drei Tog is Kärwa, geng mer nit ham.
  11. Uf die Kärwa frei i mi, da tanz i mit der Bäueri.
    Die hat an routn Scherzer o, do häng er mi schei tro.
  12. Am Sunta is Kärwa, is nemmer lang drauf,
    dou nem i mei silberia Puttelhaubn auf,
    mei apfelgrün Fleek und mein Papperlesrock;
    nou mouß i dou stehi wie a Nägelesstock.
  13. 2 Paar zriss'na Strümpf und 3 derzu sind 5.
    Hat mir mei Votä a kart'n kafft, und dös senn lauter Trmpf. (Tanz.)
  14. Lang i nei in d'Westertasch'n, bing i nu an Taler raus;
    Musikanten spielt ner auf, der geht ehit nu halbi drauf.
  15. Musikanten spielt ner wacker, spielt mit eure schlauen Köpf;
    wenn mer nou ka Geld mer ham, kröigt ihr alta Hus'nknöpf.
  16. Wou senn die Musikanten, weil mers gar nimmer härt;
    die san in der Küch'n und spiel'n aufn herd.
    (Anspielung auf die lange Eßpause.)
  17. Kaffeela du bist söiß, wenn i mei Strümpf und Schouh verlier,
    Nou bleimer doch mei Föiß, Kaffeela du bist söiß.

Gewerbe

Die ersten Bewohner des Ortes Roßtal waren Ackerbauern und Viehzüchter, die sich alle notwenigen Gegenstände selbst anfertigen und keine besonderen Handwerker brauchten. Der Umstand aber, daß Roßtal schon 954 ein fester Ort, eine Burg, war, läßt vermuten daß sich hier das Handwerk frühzeitig entwickelte.

1425 wird ein Dorfschmied erwähnt 142. Ein Verzeichnis vom 15. Januar 1773 143 führt alle im Jurisdictional-Amt Roßtal wohnenden "Leinenweber-Meister wie folgt auf:

Roßtal

1. Hans Georg Körber mit 2 Stühlen
2. Konrad Grillenberger mit 1 Stuhl
3. Wilhelm Nußbeck mit 1 Stuhl
4. Johann Zißler mit 1 Stuhl
5. Leonhard Weiß mit 2 Stühlen
6. Hans Gg. Mizam mit 1 Stuhl
7. Barthel Keller mit 2 Stühlen
8. Conrad Schmidts Wb. mit 2 Stühlen
9. Georg Weiß mit 3 Stühlen
10. Michael Knod mit 2 Stühlen
17 Webstühle

sind sämtl. Ansbachisch.

Oettenreuth

11. Philipp Plaßhnik mit 1 Stuhl
12. Leonh. Plaßnick mit 1 Stuhl

sind Nürnberg.

Weißmansdorff

13. Georg Stedler mit 2 Stühlen

ist Nürnberg.

Buchschwobach

14. Hannß Rogners Wb. mit 1 Stuhl
15. Georg Rogners Wb. mit 1 Stuhl

sind Nürnberg.

Müncherlbach

16. Leonh. Bettutschnick mit 2 Stühlen

ist Nürnberg.

Am 11. August 1815 wurde ein Familienverzeichnis 144 angefertigt, das 162 Familien mit 683 Seelen aufzählt und folgende Berufe enthält:

1. Bader 1 18. Sattlermeister 1
2. Baumwollenfabrikant 1 19. Schlossermeister 1
3. Baumwollenspinner 1 20. Schmiedmeister 2
4. Bäcker 3 21. Schneidermeister 5
5. Branntweinbrenner 1 22. Schmalhirt 1
6. Büttnermeister 2 23. Schuhmachermeister 3
7. Färbermeister 1 24. Schuhmacher 6
8. Gemeindehirt 1 25. Schreinermeister 1
9. Glasermeister 1 26. Schreiner 1
10.Hafnermeister 2 27. Tafernwirt 2
11.Maurermeister 2 28. Wagnermeister 1
12.Maurer 12 29. Webermeister 9
13.Melber 1 30. Weber 7
14.Metzgermeister 2 31. Zapfenwirt 3
15.Metzger 3 32. Zimmermeister 2
16.Müllermeister 1 33. Zimmergeselle 3
17.Musiker 1 Berufe in Sa.: 87

1846 hatte Roßtal 158 Häuser, 206 Familien mit 945 Selen 145.

Damals gab es hier folgende Gewerbe:

1 Bader, 5 Wirte, 2 Schmiede, 3 Bäcker, 1 Mühle, 1 Büttner, 1 Branntweinbrenner, 1 Färber, 1 Glaser, 2 Hafner, 2 Maurer, 2 Melber, 4 Metzger, 1 Oelschläger, 1 Nagelschmied, 1 Sattler 2 Seiler, 6 Krämer, 9 Schneider, 13 Schuhmacher, 5 Schreiner, 19 Weber, 2 Zimmermeister, 1 Garküche, 1 Schlosser, 2 Wagner, 1 Hebamme.


Kriegslasten 1806-1815. 146

(Auszüge aus den Rechnungen.)

Rechnung über die durch das Cantonnement des Französischen Militärs in der Gemeinde Roßstall verursachten Kriegslasten in den Jahren 1806, 1807 und 1808.

Praemiß. Zur Verpflegung des franz. Militärs sind im jahr 1806 folgende Kapitalien aufgenommen worden, nämlich 100 fl. von Herrn Pfarrer Eberhard, dahier, 750 fl. von Dorothea Mösnerin in Weitersdorf 850 fl., welche aber samt den davon abgefallenen zinsen im Jahre 1808 wieder zurückbezahlt worden sind. In das Magazin zu Ammerndorf wurde geliefert: 1 Sra. Habern 36 fl. - Kr. 12 Ztr. Heu á 3 fl. 36 fl. - Kr. 2 Ztr. Stroh á 1 fl. 2 Kr. 2 fl. 4 Kr. 74 fl. 4 Kr. Nach Raitersaich desgl. 20 Mtz. Habern 24 fl. - Kr. 8 Ztr. Heu á 3 fl. 24 fl. - Kr. 48 fl. - Kr. Zu dem Armee-Corps des Marschall Neu geliefert: Für Waitzen-Mehl 10 fl. 54 Kr. Für Roggen-Mehl 4 fl. 52 Kr. Für Habern 34 fl. - Kr. Für Heu 15 fl. 12 Kr. 64 fl. 58 Kr. Nach Schwabach geliefert: Einen fetten Ochsen - - (ist die Auslage ersetzt worden durch das Rentamt Cadolzburg). 30 Metzen Haber á 1 fl. 30 fl. - Kr. 10 Ztr. Stroh á 1 fl. 12 Kr. 12 fl. - Kr. 148 Stck. Brod zu 3 ½ Pfd. á 10 14 fl. 48 Kr. Die Maria Barbara Knollin bekam für die Unterhaltung der Wachtstube auf 100 Tage die Summe von 50 fl. Michael Knoll erhielt für die Unterhaltung der Prison auf die Zeit des französischen Cantonnements 15 fl. "Den Soldaten vom 94. Rgt. mußten 30 St. neue Hüthe angeschafft und bezahlt werden 33 fl. 40 Kr: Dem Militär vom 95. Rgt. zu einer neuen Fahne 1 fl. 24 Kr. Für die Artilleristen mußten 67 ¾ Ellen leinentuch bezahlt werden 21 fl. 3 ½ Kr. Desgl. für 41 Paar neue Schuh á 2 fl. 30 Kr. 102 fl. 30 Kr. Ingleichen requirierte das Militär vom 94. Lin. Inf. Rgt. zu neuen Beinkleidern 54 fl. - Kr. Für feine Leinwand für Offiziere vom 94. Reg. 10 fl. - Kr. Für Wein am Geburtsfeste des franz. Kaisers 16 fl. - Kr. Dem Schlosser Schmidt für die Ausbesserung der Gewehre 9 fl. - Kr. S. Tit. VIII 247 fl. 37 ½ Kr." Der hiesige Baumwollenfabrikant Jacob Klett liquidiert in der attestirten Anlage für Schaden, welcher ihm während 75 Tagen dadurch verursacht worden ist, daß er den Fechtboden in seinem Hause haben mußte, und für Dolmetschen während der Einquartierung 34 fl. 30 Kr. Dem Friedrich Burk für 3 ¾ Pfund Honig für kranke Pferde á 48 Kr 3 fl. - Kr. "Ausgaben. Recapitulatin fl. Kr. Tit. I. Auf Verpflegung der Kriegstruppen 15 109 42 Tit. II. Auf Fourage Abgaben für Milit. Pferde 826 48 Tit. III. Auf Lieferungen 358 50 Tit. IV. Auf bezahlte Ausschläge zu Lieferungen - - Tit. V. Auf Unterhaltung der Wachtstuben und Prison 74 - Tit. VI. Für verlorene Pferde und Wagen 553 7 Tit. VII. Für Kostenbeiträge zum Lazarett - - Tit. VIII. Auf Requisition des französ. Milit. 247 37 ½ Tit. IX. Auf Magazinskosten und Botenlöhne 19 11 Tit. X. Ad Extraordinaria 267 18 17 456 33 ½ mit Worten siebzehntausend vierhundert fünfzig sechs Gulden 33 Kr. 2 Pf." Rechnung j über die Kriegskosten in den Jahren 1809 und 1810 in Roßstall. tit. I. Auf Unterhaltung des Militairs. Besage der besonders geführten Einquartierungs-Listen sind im Jahr 1809/10 folgende Kriegsvölker dahier verpflegt worden, nämlich: Den 26. März: 5 Stabsoffiziere á 5 fl. 25 fl. - Kr. 4 Offiziere á 4 fl. 16 fl. - Kr. 3 Sergeanten á 2 fl. 6 fl. - Kr. 56 Gemeine á 1 fl. 56 fl. - Kr. Den 27.-29. do. 2 Offiziere á 4 fl. 8 fl. - Kr. 3 Wachm. u. Fourier á 2 fl. 6 fl. - Kr. 35 Gemeine á 1 fl. 35 fl. - Kr. Si. 152 fl. - Kr. Den 30. März: 3 Mann über Mittag á 20 Kr. 1 fl. - Kr. Den 31. März: 1 Stabsoffizier 5 fl. - Kr. 1 Capitain 5 fl. - Kr. 1 Lieutenant 4 fl. - Kr. 46 Gemeine 46 fl. - Kr. Den 1. April: 1 Stabsoffizier 5 fl. - Kr. 1 Capitain 5 fl. - Kr. 2 Sergeanten 4 fl. - Kr. 45 Gemeine 45 fl. - Kr. Den 2. April: 2 Stabsoffiziere 10 fl. - Kr. 2 Sergeanten 4 fl. - Kr. 37 Gemeine 37 fl. - Kr. Den 3. April ferner 2 Offiziere á 4 fl. 8 fl. - Kr. 2 Sergeanten á 2 fl. 4 fl. - Kr. 36 Gemeine á 1 fl. 36 fl. - Kr. Den 4. April: 2 Offiziere 8 fl. - Kr. 2 Sergeanten 4 fl. - Kr. 34 Gemeine 34 fl. - Kr. Den 5. do. 1 Offizier 4 fl. - Kr. 2 Wachmeister 4 fl. - Kr. 54 Gemeine 54 fl. - Kr. Den 7. April: 2 Staabsoffiziere á 5 fl. 10 fl. - Kr. 2 Offiziere á 4 8 fl. - Kr. 2 Fouriere 4 fl. - Kr. 47 Gemeine 47 fl. - Kr. Den 8. April 2 Staabsoffiziere 10 fl. - Kr. 2 Offiziere 8 fl. - Kr. 2 Fouriere 4 fl. - Kr. 48 Mann 48 fl. - Kr. Den 13. April: 3 Offiziere á 4 fl. 12 fl. - Kr. 89 Gemeine 89 fl. - Kr. Den 15. April: 2 Offiziere á 4 fl. 8 fl. - Kr. 121 Unteroffiziere und Gemeine 121 fl. - Kr. Den 6. Juli: 1 Offizier fl. 4 fl. - Kr. 63 Gemeine 63 fl. - Kr. Sa. tit. I 915 fl. - Kr. Tit. II. Auf Unterhaltung der Militair-Pferde. In der Periode von 1809/10 wurden dahier unterhalten und verpflegt nämlich: Am 26. März: 74 Pferde á 1 fl. 74 fl. - Kr. Am 30. März: 35 Pferde 35 fl. - Kr. Am 1. April: 47 Pferde 47 fl. - Kr. Am 2. April: 38 Pferde 38 fl. - Kr. Am 3. April: 38 Pferde 38 fl. - Kr. Den 4. April: 39 Pferde 39 fl. - Kr. Den 5. April: 60 Pferde 60 fl. - Kr. Den 7. April: 52 Pferde 52 fl. - Kr. Den 8. April: 53 Pferde 53 fl. - Kr. Unter diesen Pferden sind 58 begriffen, für welche doppelte Rationen abgegeben werden, mußten, weswegen nachzuholen sind 58 fl. - Kr. Sa. Tit. II. 494 fl. - Kr. Tit. X ad Extraordinaria. Den 31. März 1809 wurden 3 französische Offiziere in dem hiesigen Orte 3 Tage lang verpflegt; die Kosten, welche dies Einquartierung verursachte, betragen laut der Anlage 36 fl. 12 Kr. Totale der Ausgaben 1788 fl. 36 Kr. eintausend siebenhundertachzig acht Gulden 36 Kr. Belege zu den Kriegskosten Rechnungen von Roßstall für die Jahre 1809 bis 1814147). Nr. 13. bezw. 8. "Nach einer Höchsten Verfügung des Königlichen General Commisariats vom 19. Dezember vorigen Jahres, deren Vollziehung die in dieser Epoche eingetrettene französische Einquartierung redartirte hat das Landgericht zum Bedarf der Königlichen Garnison in Nürnberg 1617 Zentner Heu 925 Zentner Stroh zu liefern, welche bis zum 25. dieses Monats beendigt seyn muß. Der Gemeinde-Vorsteher zu Roßtal erhält daher den Befehl, die der dortigen Gemeinde zugeteilte Natural Rate von 41 Ztr. Heu 23 ½ Ztr. Stroh schleunigst an die Königl. Kasernen-Verwaltung in Nürnberg abzuliefern, wobei zugleich bemerkt wird, daß die Lieferung in ungebundenem Heu gemacht werden muß. Für die Vergütung, welche nach aproximative 148) Berechnung der Marktpreise erfolgt, wird das Landgerecht vorzüglichen Bedacht nehmen. Cadolzburg, den 5. März 1813. Königl. Baierisches Landgericht. L. S. Steeb. Richtig abgeliefert Nbg., 26. März 1813". (Unterschrift unles.) Kriegskosten=Rechnung der Gemeinde Roßstall pro 1814 bis 1816. tit. I. Für Verpflegung der Mannschaft. Den 27. März 1814: Kaiserl. Russisch. Cuirassir. 1 Major zu 5 Mann 1 Capitain 4 Mann 1 Wachtmeister á 2 Mann Gemeine 111 Mann 122 den Mann zu 1 fl. 122 fl. - Kr. Den 31. März und 1. April 1814: Kaiserl. Russisch. Kosacken auf 2 Tage. 1 Major á 5 M. 10 Mann 2 (?) Junker á 2 M. 4 Mann 1 Wachtmeister á 2 M. 4 Mann 155 Mann auf 2 Tage 310 Mann Sa 328 Mann 328 fl. Den 11. und 12. Juni 1814: Kaiserl. Russ. Inf. Staab 1 Obrist 1 Major 16 Offizier 2 Junker 326 Mann G. 348 Mann 348 fl. Den 27. Juli 1814 279 Ranzionierte über Nacht á 30 Kr. 139 fl. 30 Kr. Den 27. und 28. Mai 1815: Kaiserl. Russisch. Husaren auf 2 Tage: 3 Offiziere á 3 Mann 18 Mann 4 Wachtmeister á 2 Mann 16 Mann 166 Gemeine 332 Mann 366 Mann 366 fl. - Kr., der Mann á 1 fl. gerechnet. Den 18. und 19. Juni 1815, wieder auf 2 Tage: Ksrl. Russ. Infant. 2 Comp. 6 Offiziere á 3 Mann 36 Mann 2 Feldwaibels á 2 M. 8 Mann 449 Mann á 1 M 898 Mann Sa 942 Mann 942 fl. - Kr. Den 20. Juni 1815: den Staab einer Kais. Russ. Infanterie, bestehend in 2 Obristen á 6 Mann 12 Mann 1 Major á 5 Mann 5 Mann 14 Offiziere á3 Mann 42 Mann 15 Junkers, Feldwaibl á 2 M. 30 Mann An Gemeinen 633 Mann Sa 722 Mann 722 fl. - Kr. Den 21. Juni: Kaiserl. Rußisch. Inf. Staab 2 Obristen á 6 M. 12 Mann 1 Major á 5 M. 5 Mann 19 Offiziere á 3 M. 57 Mann 6 Junker á 2 M. 12 Mann An Gemeinen 544 Mann Sa 630 Mann 630 fl. - Kr. Den 21. Oktober 1815: Kaiserl. Ruß. Wladimir-Ulanen, nämlich 1 Major á 5 M. 5 Mann 2 Capitains á 4 M. 8 Mann 2 Lieutenant á 3 M. 6 Mann 1 Wachtmeister á 2 M. 2 Mann Gemeine 103 Mann Sa 124 Mann 124 fl. - Kr. Den 22. und 23. Oct. auf 2 Tage: Kaiserl. Ruß. Pohln. Ulanen: 1 Major 5 Mann 4 Offiziere á 3 M. 12 Mann 5 Wachtmeister 10 Mann 98 Mann 98 Mann 125 Mann 125 fl. - Kr.)149 Sa Tit. I. 3846 fl. 30 Kr. Tit. II. Auf Verpflegung der Miliair Pferde. Den 31. März und 1. April 1814 für die Pferde der Rußischen Kosacken erkauft 126 Rationen Heu á 10 Kr. 21 fl. x. x. Für die Ruß. Cüraß am 28. Mai 1815 für 45 Rationen á 30 Kr. 20 fl. 30 Kr. x. x. Tit. XII. Ad Extraordinaria. Den 21. Jan. 1814 für die Portugiesen nach Cadolzburg 109 fl. 22 ¾ Kr. Den 10. Dez. nach Langenzenn zu dem Ausschlag über die Verpfleg. Kosten der Italiener 34 fl. 24 Kr. Im Monat Junii 1815 haben die Rußen zum Dürren des gefaßten Brodes 39 Backöfen dahier geheizt, für deren ieden 1 fl. in Aufrechnung gebracht wird, da sie auch Holz dazu erhielten 39 fl. - Kr. x. x.

Wiederholung aller Ausgaben

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Tit. I. Für Verpflegung der Mannschaft 3846 fl. 30 Kr.
Tit. II. auf Verpflegung der pferde 106 fl. 46 Kr.
Tit. III. Lieferungen - - - -
Tit. IV. auf bezahlte Lieferungen - - - -
Tit. V. Unterhaltung der Wachstuben - - - -
Tit. VI. Für verlorenen Anspann 159 fl. 40 Kr.
Tit. VII. Für Lazareth-Kosten - - - -
Tit: VIII. Für Requisitionen - - - -
Tit. IX. Für Magazins-Kosten - - - -
Tit. X. Militair-Fuhren 923 fl. 50 Kr.
Tit. XI. Für Botengänge - - - -
Tit. XII. ad extraordinaria 926 fl. 59 ¼ Kr
Totale: 6355 fl. 10 ¼ Kr.

Mauereinsturz 1866

Grabrede

bei der Beerdigung
der in der Nacht vom 15. auf 16. März 1866 zu Roßstall durch einen Mauereinsturz verunglückten sieben Personen.
Gehalten von
dem zweiten Pfarrer Fischer.

Auf Bitten der beschädigten Hinterbliebenen und zu ihrem Besten dem Drucke übergeben.

Druck von Julius Volthart in Fürth.

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Ein einziger Schlag kann Alles enden, und Fall und Tod beisammen sein, - haben wir schon manchmal aus unserm Gesangbuch in jenem Gotteshause gesungen, wenn wir gekommen waren von dem Grabe eines lieben Bruders oder einer theuern Schwester, die nach einer Krankheit von wenigen Tagen wider Erwarten schnell dem Tode erlegen sind. Ein einziger Schlag kann alles enden, und Fall und Tod beisammen sein, - sprach ich bei mir selbst und vielleicht Manches unter Euch mit mir, als ich am vergangenen Freitag nach dem Passionsgottesdienste die Unglücks- und Trauerstätte betrat, wo diese nun eingesargten Leiber so schnell und bedauernswerth von ihren Seelen getrennt worden sind. Es war in der Schreckensnacht, die allen Einwohnern Roßstalls unvergeßlich bleiben wird, vom vergangenen Donnerstag auf den Freitag um die eilfte Stunde, als sich ein gewaltiger, unheilvoller Mauereinsturz aus einer Höhe von mehr als 50 Fuß auf ein Haus warf, dasselbe zerschlug und unter seinen Trümmern zwei Familien aus elf Gliedern, die zum Theil im süßen Schlummer, zum Theil im wachen Zustande sich befanden, lebendig begruben, und überdieß noch ein anderes nebenstehendes Haus fast gänzlich zerstörte, dessen Bewohner sich jedoch unter Gottes gnädiger Handleitung retten konnten, während in dem völlig zertrümmerten Hause sich sieben Paar Augen nicht mehr öffnen, das Tageslicht nicht mehr erblicken sollten. Diese traurige Siebenzahl bestand aus einem greisen Vater, seinem verheirateten Sohne mit drei Kindern und zwei Kindern einer andern Familie. Ein einziger Schlag und - sieben Herzen hatten zu schlagen aufgehört, ein einziger Schlag und - sieben Seelen waren in einem Augenblicke aus dem Lande der Lebendigen hinweggenommen. Ist hier nicht des frommen Dichters Wort auf die genaueste, freilich auch auf die traurigste Weise erfüllt: Ein einziger Schlag kann Alles enden, und Fall und Tod beisammen sein.

Das donnerähnliche, in die stille Nacht schaurig hineindröhnende Gekrache hatte die meistens schon in tiefen Schlaf versunkenen Nachbarn aufgeschreckt, und Viele eilten auf die Straße, ohne daß sie bei der tiefdunkeln Nacht die Größe des Jammers überblicken konnten, und sonach den schauervollen Vorfall mehr ahnen mußten. Zudem ließ sich nicht bestimmen, ab alle oder einzelne der Verschütteten den Geist aufgegeben haben. Mit großer Anstrengung und unter eigener Lebensgefahr wurde bei dem schwachen Scheine der Laterne die Noth- und Liebesarbeit begonnen, so daß bald - Dank dem Herrn und diesen edeln Menschenfreunden - ein Ehepaar mit einem Säugling aus der Todesgefahr und Todesangst erlöst und in Sicherheit gebracht werden konnte. Aber ihre beiden älteren Söhnchen hatten die Augen für immer geschlossen. Doch die lieben Nachbarn und Ortseinwohner durften nicht rasten; denn noch war deine Familie von sechs Häuptern tief im Schutt begraben. Bei fortgesetzter, eifriger Arbeit hörte man auch bald eine menschliche Stimme aus dem wilden Trümmerhaufen heraus flehentlich um Hilfe rufen. Wie gerne hätte Liebe und Theilnahme im Augenblicke alle Hindernisse hinweggeräumt! Allein die Hindernisse waren mächtig und die Arbeit schwierig; zudem konnte man auch bei der völligen Dunkelheit der Nacht und dem schwachen Lichte nicht immer wissen wo man am ersten vortheilhaft angreifen sollte. So vergingen acht lange, lange Stunden, bis die Heißerbetene und sehnsuchtsvoll erwartete Hilfe gebracht werden konnte. Aber hier traf man nur noch Eine lebendige Seele an, eine Frau im Todähnlichen Zustande, die ihres Ehegatten, ihrer drei Kinder und ihres Schwiegervaters beraubt war. Stark beschädigt achtete sie nicht der Wunden, Striemen und Bäulen, sondern trauerte nur über den Verlust eines treuen Gatten und lieber Kinder, indem sie einmal über das andere Mal ausrief: Ach, mein Mann war so gut, meine Kinder waren so gut! jetzt sind's Alle fort!" Gesund und frohen Muthes hatte sie sich mit den Ihrigen zur Ruhe gelegt, im bejammernswerthesten Zustande war sie ohne dieselben aus den Trümmerhaufen ihres Hauses gezogen worden. Wer war unter uns, dem bei dem Anblick dieses Jammers das Herz nicht blutete? Wer hegte nicht die herzlichste Theilnahme bei dem Gedanken an dieses erschütternde Ereigniß? Ja die herzlichste Theilnahne wurde durch thatkräftige Hilfe bei der Rettung an den Tag gelegt, und es werden Namen genannt, wie Schwarz, Schaller, Heinlein, Belian und mehrere andere, deren Gedächtniß in Segen beleiben wird. Der Herr vergelte es ihnen und bewahre sie vor Schaden an Leib und Leben, an Gut und Ehre! So groß jedoch der Jammer ist, so wollen wir nicht allein weinen und trauern, sondern auch dem Herrn danken, denn er hat Wunder gethan vor unsern Augen. Wir müssen es als ein Wunder des Herrn ansehen, daß vier Häupter aus der Todesnoth gezogen werden konnten. Der mitgerettete Mann äußerte sich deßhalb auch dahin: Wenn Gott seine Hände nicht über uns ausgebreitet hätte, dann wären auch wir verloren gewesen. Ja wohl, der Herr hat seine starke Hand über diese vier Häupter ausgestreckt, daß sie aus dem schreckenerregenden Trümmerhaufen, wenn zum Theil auch schwer verletzt, lebendig herausgebracht werden konnten. Der Herr hat seine Wundergüte auch an der im nebenstehenden hause wohnenden Familie bewiesen, daß ihr an Leib und Leben kein Unfall zustoßen durfte, obgleich das Haus fast völlig zerstört und wirklich unbrauchbar geworden ist. Mögen diese Geretteten, so lange ihr Odem geht, loben Gott, den Allerhöchsten, der ihnen seine Wunder schauen ließ.

Ueber die Kindlein aber, die an ihrem letzten Lebensabend vielleicht mit dem heil. Vater Unser auf den Lippen eingeschlafen sind, wollen wir am wenigsten trauern; denn über sie haben wir die süßeste und sicherste Hoffnung, daß sie nun in Jesu Armen ruhen. So gewiß es ist, daß sie in das Antlitz ihres Heiland blicken, der sie schon in der Taufe auf seine Arme nahm, sie herzte und segnete. Er herzet und segnet sie wieder und erquicket sie ewiglich. Auch in Hinsicht der beiden Männer hoffen wir christlich, daß sie sich in Jesu Namen niedergelegt und mit Gebet eingeschlafen sind. Wer sich aber betend zu Jesu bekennt, zu dem bekennt Er sich segnend. Wer mit Jesu schlafen geht, mit Freuden wieder aufersteht, - mit Freuden wieder aufersteht, sei es im Diesseits oder im Jenseits, auf Erden oder im Himmel. Und so vertrauen wir zu dem unaussprechlichen Erbarmen Gottes, daß auch sie den Frieden gefunden haben, der höher ist, denn alle Vernunft, und daß ihre Seelen umflossen sind von himmlischer Klarheit.

Doch auch wir wollen aus dem schmerzlichen Ereigniß einen Gewinn ziehen, nämlich den, daß wir uns die Ermahnungen des Herrn recht tief einprägen: Wachet, denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird. Wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet! Gar oft können's wir erfahren, daß des Menschen Sohn erscheinet zu der Zeit, da man's nicht meinet. Ein einziger Schlag kann Alles enden, Alles entscheiden! Wohl uns, wenn wir alsdann wohlbereitet, wenn unsere Namen im Buche des Lebens verzeichnet sind. Endlich wollen wir auch des Dankes nicht vergessen, des Dankes für alle Liebeserweisungen Gottes und für die bisherige Bewahrung vor Schaden an Leib und Leben, an Gut und Ehre. Aber wir wissen, daß es mit dem "Herr, Herr sagen" nicht gethan ist, auch nicht mit süßen Worten und Gefühlen, denn in Christo Jesu gilt der Glaube, der durch die Liebe thätig ist. Und wenn nun ihr Lieben aus der Nähe und Ferne, wenn in diesen Tagen mit Bewilligung des königl. Bezirksamtes Fürth durch die hiesige Gemeindeverwaltung Boten zu Euch gesendet werden, so nehmet sie freundlich auf und bedenket, daß sie für die Beschädigten im Namen Jesu zu Euch kommen, im Namen Jesu, der da spricht: Was ihr gethan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir gethan. Das walte der Dreieinige. Amen.

Personalien

im Betreffe der am 15. März 1866 Nachts gegen 11 Uhr, zu Roßstall im Hause Nr. 50 verunglückten, theils gestorbenen, theils geretteten Schneider- und Silberhorn'schen Eheleute und deren Kinder.

A. Verunglückt und gestorben sind:

  1. Johann Schneider, Altsitzer, Wittwar, 68 Jahre alt;
  2. dessen Sohn, Adam Schneider, Gütler, Ehemann, 34 Jahre 9 Monate 23 Tage alt;
    dessen sämtliche Kinder:
  3. Barbara Schneider, 7 Jahr 10 Monate 24 Tage alt;
  4. Johann Michael Schneider, 4 Jahre, 3 Monate, 6 Tage alt;
  5. Johann Georg Schneider, 2 Jahre 1 Monat 19 Tage alt;
    ferner:
  6. Georg Konrad Silberhorn, 5 Jahre 9 Monate 18 Tage alt, und
  7. Johann Konrad Silberhorn, 3 Jahre 11 Monate 23 Tage alt.

B. Verunglückt, aber gottlob gerettet worden sind:

  1. Maria Elisabetha Schneider, Ehefrau des oben unter Nr. 2 genannten Adam Schneider, geborne Ringler;
  2. Heinrich Silberhorn, Webergeselle, Vater der oben unter Nr. 6 und 7 genannten Söhne;
  3. dessen Ehefrau Anna Silberhorn, geborene Körber, Mutter, und deren jüngstes Kind:
  4. Sabina Barbara Silberhorn, 1 ½ Jahre alt.

Lied: 515, 1.

Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen;
Wen suchen wir, der Hülfe thu daß wir Gnad erlangen?
Das bist Du, Herr alleine.
Uns reuet unsre Missetat, die Dich, Herr, erzürnet hat.
Heiliger Herr Gott, heiliger, starker Gott,
Heiliger, barmherziger Heiland, Du ewiger Gott,
Laß uns nicht versinken in des bittern Todes Noth.
Kyrie eleison!

Roßstall, den 22. März 1866.
Kündinger, königl. I. Pfarrer.

Nachtrag

Herr Leonhard Hegendörfer, jetzt (1926) 67 Jahre alt, gibt noch an:

Das Unglück ereignete sich in der Nacht vom 15. auf 16. März 1866. Das Wetter war schön und es regnete nicht, (wie so oft angenommen wird). Dort wo jetzt die hohe Schloßmauer steht, war die vordere Front der zerstörten 2 Wohnhäuser und einer Scheune. Hinter diesen Gebäuden waren noch kleine Hofräume, so daß die alte Festungsmauer fast senkrecht zum Schlosse und zu dem danebenstehenden kleinen Hause des Herrn Arlt (später in der Kappel wohnhaft) cka 16 Meter emporstieg.

Das Haus Nr. 51, welches dem Gütler Adam Hegendörfer gehörte, wurde stark beschädigt. Sowohl die hintere Mauer als auch die Frontmauer litten so großen Schaden, daß sie nicht mehr das obere Stockwerk und den Dachstuhl getragen hätten, wenn nicht die mit beiden gleichlaufende sogenannte Feuermauer zwischen Wohnzimmer und Küche massiv gewesen wäre. Von den 5 Inwohnern war nur die Großmutter leicht verletzt.

An das Haus Nr. 51 schloß sich östlich ein kleiner Hofraum, an diesen das Unglückshaus Nr. 53 und nach einem kleinen Zwischenraum die Scheune des Herrn Steigmann, die von Hegendörfer benützt wurde, an.

Das Haus Nr. 50 wurde im Erdgeschoß von der Familie Schneider und im 1. Stock von der Familie Silberhorn bewohnt.

Sämtliche Glieder der Familie Schneider, auch der Ehemann Adam Schneider, der eine halbe Stunde vor dem Unglück aus der Kandelschen Wirtschaft heimgekehrt war, wurden verschüttet und bis auf die Ehefrau Maria Elisabetha Schneider getötet. Letztere konnte nach 8 Stunden ohnmächtig zwischen Balken hervorgezogen werden. Das Rettungswerk war schwierig, weil die alte Mauer aus sehr großen, unregelmäßigen Steinen bestand, die nur in zerkleinertem Zustande entfernt werden konnten. Das Zerkleinern an Ort und Stelle aber mußte mit großer Vorsicht geschehen, weil man unter den Trümmern eine menschliche Stimme hörte; es waren die Hilferufe der Frau Schneider, die erst am Morgen befreit werden konnte.

Die alte Mauer war in ihrer Mitte herausgedrückt. Ein Einsturz hatte einen sehr starken dumpfen Schlag verursacht, der noch in dem 3 Kilometer entfernten Buttendorf gehört worden war.


Der Weltkrieg

(1914–1918)

Als im Jahre 1914 englische Mißgunst, französischer Haß und russische Ändergier dem deutschen Volke die Waffen in die Hand zwangen, da zogen auch die Wehrpflichtigen aus Roßtal und den umliegenden Orten mit Begeisterung ins Feld.

Von den nahezu 500 Kriegern aus dem Kirchensprengel Roßtal, die dem Rufe des Vaterlandes gefolgt waren, besiegelten 46 Roßtaler ihre Treue mit dem Tode;

aus Weitersdorf waren es 13,
Weinzierlein 22,
Großweißmannsdorf 9,
Gutzberg 10,
Kleinweißmannsdorf 2,
Clarsbach 5,
Raitersaich 1,
Buschwabach 14 (Gedenktafel in der Kirche zu Buchschwabach).

1922 wurde den toten Helden zu Ehren an der westlichen Friedhofmauer in unmittelbarer Nähe des Kirchturms ein würdiges Denkmal geschaffen, das nachfolgende Namen aufweist:

Roßtal

Jordan L.† 20.8.1914
Ensner G.25.8.1914
Reck J.26.8.1914
Reck G.28.8.1914
Bauer L.29.8.1914
Schopper M.9.10.1914
Deuer J.10.10.1914
Schroth F.8.11.1914
Gugel G.12.11.1914
Schroll E.7.4.1915
Herbst J.17.4.1915
Jordan F.3.5.1915
Bauer F.27.8.1915
Schmidt M.28.9.1915
Schneider J.1.11.1915
Schiffermüller H.7.1.1916
Walther H.10.2.1916
Weber M29.3.1916
Prenzel H.6.7.1916
Gugel J.24.7.1916
Sauer F.24.7.1915
Knoll F.19.8.1916
Silberhorn J. H.31.8.1916
Trenkenschuh H.16.9.1916
Maueröder H.18.9.1916
Pflug M.1.12.1916
Link M.17. 3.1917
Schrodberger K.26.4.1917
Warnick J. G.14.6.1917
Lütteritz J.19.10.1920
Helbig K.30.6.1917
Haspel A.15.7.1917
Knoll F.7.8.1917
Jordan J.11.8.1917
Reck, G.28.9.1917
Helmreich M.12.12.1917
Bauer M.13.4.1918
Walther H.13.4.1918
Bätz L.9.7.1918
Blum G.6.10.1918
Burk H.20.7.1918
Keller Ernst15.10.1918
Bauer J. G.7.6.1919
Herbst M.8.1.1921
Knoll K.9.1.1922
Röck G.7.10.1916

Gemeinde Weitersdorf.

Burk S. † 20.8.1914
Pflug Ch.23.8.1914
Schuhmann J.7.10.1914
Schmidt J. G.24.9.1915
Gastner M.12.10.1915
Blödel A.5.9.1916
Erdel Gg.16.4.1917
Eirich J.25.7.1917
Schwandner G.14.8.1917
Schmidt J. G.4.11.1917
Haberäcker A.25.3.1918
Reißner G.30.3.1918
Bettschmidt L.19.8.1918

Gemeinde Weinzierlein.

Kreß L. † 4.9.1914
Rupprecht K.7.9.1914
Rüffelmacher G.9.5.1915
Rupprecht H.5.9.1915
Brunner J.2.10.1915
Ruffertshöfer L.9.10.1915
Achhammer F.12.10.1915
Sinkel G.4.4.1916
Müller M.1.7.1916
Siegelin M.9.9.1916
Wörlein J.12.9.1916
Wörlein K.15.9.1916
Ittner J.27.9.1916
Insenhöfer J. G.5.10.1916
Weber K.v. 10.1914
Schwarzbeck A.6.7.1917
Daum A.26.10.1917
Siegelin P.1.12.1917
Wagner L.28.3.1918
Kolb M.5.4.1918
Liehret J. A.6.6.1918
Fliehr J.15.10.1918

Gemeinde Großweißmannsdorf.

Reißner J. † 9.10.1914
Brendel G.7.3.1916
Zimmermann H.22.12.1916
List A.12.4.1917
Hildner G.29.7.1918
Hüllner K.20.8.1918
Rößler M.2.10.1918
Hack H.v. 13.3.1915
Staudacherv. 30.10.1915

Gemeinde Gutzberg.

Spitzer J. † 25.8.1914
Brunner J.2.9.1914
Röthenbacher G.6.9.1914
Meth P.7.7.1915
Schiffermüller G.9.1.1916
Lehnert F.1.7.1916
Schmidt F.11.4.1917
Brückner L.10.8.1917

Gemeinde Kleinweißmannsdorf.

Herrmann P.† 9.5.1915
Bierlein M.17.6.1917

Ortsgemeinde Clarsbach.

Röck W. † 10.1.1915
Heckel J.9.5.1915
Herrmann J.9.7.1916
Herrmann G.28.5.1918
Jordan A.18.9.1918

Ortsgemeinde Raitersaich.

Kronberger H. † 18.11.1914

Von der Geldentwertung

Als sich im Jahre 1918 zunächst bei unseren verbündeten und dann auch in unserem Vaterlande selbst Kriegsmüdigkeit zeigte, streckte Deutschland im Glauben an die von dem amerikanischen Präsidenten Wilson aufgestellten 14 Punkte, die unter anderem auch einen Frieden ohne Kriegsentschädigung vorschlugen, die Waffen.

Die Feinde aber diktierten einen harten Frieden, dem zunächst eine langsame, später sich aber in unermeßliche steigernde Geldentwertung folgte. Dieselbe ist aus nachsthenden Tabellen ersichtlich.

Lebensmittelpreise von 1914–1922 150

Jahr Monat1 Liter Vollmilch1 Ei1 Pfund Rindfleisch1 Pfund Butter
1914 August 20 Pf. 8 Pf. 80 Pf 1,10 M
1916 August 22 Pf. 15 Pf. 1,80 M 1,90 M
1918 August 25 Pf. 20 Pf. 1,90 M 2,50 M
1919 August 42 Pf. 30 Pf. 2,90 M 4,50 M
1920 August 80 Pf. 40 Pf. 5,80 M 6,90 M
1921 August 2,00 M 1,20 M 16,00 M 21,00 M
1922 August 10,00 M 4,00 M 60,00 M 90,00 M
September 16,50 M 200,00 M
Oktober 26,00 M 300,00 M
November 48,00 M 600,00 M
Dezember 100,00 M 1300,00 M

Lebensmittelpreis 1923 151

Monat 1 Liter Vollmilch 1 Pfund Butter
Januar150 M1580–1950 M
Februar150–300 M2400–5000 M
März300–350 M5500–6000 M
April350–500 M6200–7550 M
Mai500–650 M7500–8600 M
Juni650 M8550–13000 M
Juli1500–3000 M15000–41000 M
August6000–70000 M70000–1500000 M
September150000–3000000 M1900000–36000000 M
Oktober6 Millionen–900 Millionen M65 Millionen–15000 Millionen M
November10 Milliarden–140 Milliarden M30 Milliarden–1800 Milliarden M
Dezember160 Milliarden–170 Milliarden M1800 Milliarden–2 Billionen M

Allerlei Wissenswertes. 152

1740
kostete eine Kuh 20 fl., eine Kalbin 8-12 fl., ein Pferd 60 fl., ein Kalb 6 fl.
1760
schreibt der Roßtaler Pfarrer Wolßhofer: Es ist auch ein Rathaus hier gewesen, und stehet noch, aber zum Einfallen.
1809
machten mehrere Roßtaler, darunter Heinrich Eckstein, den Feldzug gegen Oesterreich mit.
1812
An Napoleons unglücklichem Feldzuge nach Rußland mußten sich auch die bayerischen Truppen beteiligen, die zum größten Teil im Feindeslande starben. Unter den wenigen Bayern, die wieder zurückkehrten, befand sich auch der Roßtaler Konrad Nüchterlein, Hs.-Nr. 78.
Am 8. Oktober 1813

trat Bayern im Vertrag zu Ried auf die Seite der (gegen Napoleon) Verbündeten und am 18. Oktober wurden die französischen Heere in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegt. 1814 feierte man in Bayern den Jahrestag der Völkerschlacht ganz besonders und auf vielen Höhen wurden abends von 8-12 Uhr Freudenfeuer abgebrannt. Zum Roßtaler Feuer, das auf der größten Höhe zwischen hier und Clarsbach unterhalten wurde, benötigte man 6 Meß Holz und einige 100 Büschel. Fast die ganze Einwohnerschaft von Roßtal hatte sich hier versammelt und unter Musikbegleitung das Lied: Nun danket alle Gott, gesungen. Von dem bezeichneten Hügel aus sah man mehr den 100 Freudenfeuer.

Noch 1814
besaß die Gemeinde folgende Gebäude:

1 Kuhhirtenhaus Nr. 27,
1 Schweinehirtenhaus Nr. 15,
1 Nachtwächterhaus Nr. 63,
1 Schießhaus,
1 Feuerlösch-Maschinenhäuslein,
1 Feuerleiter-Häuslein.

1814

hatte jeder Beständner an Weidegeldern zu zahlen:

a) für 1 Rind 30 Kr.
b) für 1 Schwein 15 Kr.

1814/15 gingen bei der Gemeinde an Weidegeldern für Schweine 4 fl. 30 Kr. ein. Anmerkg. der Platz in der Nähe des Hauses Nr. 140 in der Kappel heißt noch heute Schweinshall, Schweinshüll.

1817

war eine große Teuerung (Wasserschäden, Hagelschlag).

Am 18. Mai des gleichen Jahres war abends 5 Uhr ein großes Gewitter mit nachfolgender Ueberschwemmung. Ein Blitz schlug in den Kirchturm.

Im Jahre 1817 wurde das Reformationsfest von Herrschaftswegen drei Tage streng gefeiert und zwar am 31. Oktober, 1. und 2. November.

1820
am Donnerstag den 25. Mai, wurde das Plätzlein an der Spitz an Adam Fischhaber um den Preis von 13 fl. verkauft. 34 Schuh lang und 25, dann resp. 21 Schuh breit auf der Spitz neben Weber Wagner.
1820

kosteten die Kälber 3 fl. 30 Kr. bis 6 fl.

Der Durchschnittspreis fü 1 Schäffel Weizen war 10 fl.,
für 1 Schäffel Korn 6 fl. 35 Kr.,
für 1 Schäffel Grste 5 fl. 25 Kr.

Am 26. Februar 1821

baten der Magistrat und die Gemeindebevollmächtigten in Roßtal, die magistratliche Verfassung aufzuheben und die landgemeindliche einzuführen. Noch im gleichen Jahre, am 3. September, war unter dem Vorsitz des Kgl. Landrichters von der Pfordten und in Gegenwart des Marktschreibers Zinck, der Magistratsräte Eckstein und Haller und der Gemeindebevollmächtigten Knoth und Nüchterlein die Abstimmung.

Für die Nuralverfassung stimmten 110 Mann, dagegen nur 1 Mann.

Mit Schreiben vom 6. Oktober 1821 genehmigte die Regierung des Rezatkreises die Umwandlung und bemerkte, daß dieser Rücktritt in die Klasse der Landgemeinden weder den Verlust der wohlerworbenen Marktrechte nach sich ziehen, noch die dereinstige Wiedereinstellung eines Magistrats verhindern solle.

Am 30. April 1821
schlug ein Blitz in den Blitzableiter des Kirchturms, der erst 3 Jahre voher angebracht worden war.
1821
richtiges Nota bey jetziger Weltmode.
Redlichkeit ist aus der Welt gereiset und die Aufrichtigkeit ist schlafen gegangen. Die Frömmigkeit hat sich verstecket und die Gerechtigkeit kann den Weg nicht finden. Der Helfer ist nicht zu Haus und die Liebe liegt krank. Die Guttätigkeit sitzt im Arrest und der Glaub ist ziemlich erloschen. Die Tugenden gehen betteln und die Wahrheit ist schon lang begraben. Der Kredit ist närrisch geworden und das Gewissen hängt an der Wand.
Geduld überwindet alles.
1828
wurden die Eichen am Salamons-Rangen verkauft und dann Föhren angesät.
1839
war der Raupenfraß in den Wäldern so stark, daß der Föhrenwald bei Kloster Heilsbronn ganz dürr wurde.
1840/41
war ein sehr strenger Winter
Das Jahr 1842
war sehr trocken; es regnete nicht vom 27. März bis September.
Am 26. und 27. März 1845
taute es und am 28. und 29. März war das Wasser so groß, daß es die Wasserhöhe aus dem Jahr 1784 an mehreren Plätzen übertraf.
Im Winter 1846/47
gab es große Schneemassen. vom 17. bis 18. April 1847 schneite es besonders stark, so daß am 19. April das ganze Dorf Schnee auswerfen mußte.
Hopfenpreise von 8142-1850
1842 kostete 1 Ztr. Hopfen 100 fl.,
1843 kostete 1 Ztr. Hopfen 66 fl.,
1844 kostete 1 Ztr. Hopfen 92 fl.,
1845 kostete 1 Ztr. Hopfen 50 fl.,
1846 kostete 1 Ztr. Hopfen 43 fl.,
1847,1848 wurde der Hopfen zurückgehalten
1849 kostete 1 Ztr. Hopfen 62 fl.,
1850 kostete 1 Ztr. Hopfen 30 fl.,
1869
wurde an der Spitz ein Grabhügel mit vielen Gebeinen und etlichen Gegenständen, die von Ungarn gestammt haben sollen, aufgedeckt.
1873 (April bis Juli)
auftreten der (Schwarzen) Blattern in Roßtal und Weitersdorf. Die Verstorbenen wurden noch in der gleichen, bezw. folgenden Nacht ohne Leichenkondukt beerdigt. Einsegnung und Predigt folgten am nächsten Sonntag 153.
1873-75
Bau der eingeleisigen Bahnlinie Nürnberg-Roßtal-Ansbach-Crailsheim.
Am 1. Juli 1885
schlug ein Blitz in den Blitzableiter des Kirchturms, so daß der Ableitungsdraht stark beschädigt wurde.
1886
wurde die Roßtaler Zehntscheune abgebrochen und an deren Stelle Wohnhaus Nr. 5 aufgebaut.
1887
Bau des zweiten Bahngleises. Lt. Kirchenstiftungsprotokolls vom 1. September 1889 stiftete die Weberswitwe Anna Barbara Wipplinger 200 M, wovon die Hälfte der Zinsen bestimmungsgemäß zur Bestreitung der Kosten für das Läuten in der Neujahrsnacht verwendet wurde.
1890
Herstellung der Bahnunterführung am Clarsbacher Weg.
1893
Wiedererrichtung der Bahnarztstelle Roßtal. Dieselbe wurde dem praktischen Arzt Dr. Fritz Dippold übertragen, † 7. Dezember 1926. Nachfolger des Genannten: Dr. Wilh. Dippold (Sohn des Vorgenannten).
Das Jahr 1893
zeichnete sich durch große Trockenheit aus. Es gab sehr wenig Gras, so daß die Landwirte gezwungen waren, einen Teil ihres Viehes weit unter dem Normalpreise abzugeben.
1893
wurde die Innenkirche renoviert.
Am 7. November 1893
Landwirtschaftliche Wanderversammlung des Bezirkes Cadolzburg-Fürth in Roßtal.
1893/94
Bau der Wegbrücke.
Am 22. April 1894
Landwirtschaftliche Wanderversammlung in Roßtal.
1896
Großes Hochwasser mit Ueberschwemmung des Pelzleins und des unteren Winkelweges.
1896

Roßtal bekommt auf Veranlassung des Lehrers E. G. Rohn Vorortszüge und für diese eine neue Haltestelle an der Wegbrücke.

Auf Antrag des Pfarrers Ernst Keller und des Lehrers E. G. Rohn beschloß die Kirchenverwaltung am 29. Januar die Errichtung eines Stiftungsbrunnens für das 2. Pfarrhaus und das der Kirchenstiftung gehörige 2. Schulhaus, nachdem sich die Eheleute Zapf zur unentgeltlichen Abtretung eines geeigneten Platzes bereit erklärt hatten. Die Ausschachtung des Brunnens nahm der Maurer Gg. Lehnert, Hs.-Nr. 72, unentgeltlich vor. Die Schachttiefe beträgt 20,50 m, der Wasserstand 0,82 m.

Das Wasser des Stiftungsbrunnens hat folgende Zusammensetzung:

Unter 100 l Wasser

Trockenrückstand 33,00 g
Kaliumpermanganat 0,55 g
Chlor 1,77 g
Chlornatrium (Kochsalz) 2,92 g
Salpetersäure 3,50 g
Salpetrige Säure ohne
Ammoniak ohne

1899/00
Herstellung der Bahnunterführung am Weitersdorfer Weg.
1902
Herstellung der Bahnunterführung am Sichersdorfer Weg.
1908
wurde durch Pfarrer Johannes Friedr. Grün der Verein für Gemeindediakonie gegründet.
1910
Einrichtung des elektrischen Lichtes in Roßtal.
1911
Erwarb der Diakonieverein ein Anwesen an der Wegbrücke.
1912
erbaute derselbe einen Saal und richtete eine Kinderschule ein.
1912
starb der letzte Nachtwächter Enner (= Andreas) Müller.
1924
Gründung des Posaunenchors.
1925
hatte Roßtal 1447 Einwohner.
1925
errichtete die Gemeinschaft Roßtal einen Betsaal.
1926
Pflasterung verschiedener Wegstrecken in der Ortschaft. Verbreiterung der Richtersgasse und des Buttendorfer Weges. Verbesserung des Clarsbacher Weges. Bau eines Hauses an der Spitz für die Feuerlöschgeräte.
1927
Ausbau des Weges im Hagen. Erbauung und Einweihung der katholischen Kirche in der Felsen (25. Sept.).
Am 7. Juni 1927:
Frühjahrswanderversammlung des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Fürth-Cadolzburg; großer historischer Festzug.
13. November 1927:
Einweihung des neuen Friedhofes und der Leichenhalle in Großweißmannsdorf.
23. November 1927:
Der Mittelfränkische Kreistag bewilligt für den Schulhausneubau in Roßtal 51 000 Mark.

Münzen, Maße und Gewichte um 1800 154

Münzen

1 Reichstaler hat 1 ½ fl. Rheinisch oder 22 ½ Batzen.
1 Preußischer Taler hat 1 ¾ fl. Rheinisch (1 fl. 45 Kr.)
1 Preußischer Gulden hat 1 fl. 10 Kr.
1 fl. hat 4 Ort, oder 15 Batzen, oder 20 Groschen, oder 60 Kr.
1 Batzen hat 4 Kr. oder 16 Pf.
1 Quintlein hat 3 ¾ Batzen, 5 Groschen oder 15 Kr.
1 Groschen hat 3 Kr. oder 12 Pf.
1 Kr. hat 4 Pf. oder 8 Heller.
1 Pf. hat 2 Heller.

Getränkmaße

1 Fuder hat 12 Eimer oder 396 Viertel oder 792 Maß.
1 Eimer hat 33 Viertel oder 66 Maß in Wein und Bier.
1 Eimer Honig hat 64 Maß.
1 Tonne Honig hat 99 Maß.
1 Viertel hat 2 Maß.
1 Maß hat 4 Viertelein oder 2 Seidlein oder 8 Achtelein.

Getreidemaße

1 Simra hart oder glatt. Getreide, als: Korn, Kern, Erbsen, Linsen, Wicken
hat 2 Malter oder 16 Metzen Stadt- und Herrschaftsmaß.

1 Simra rauh. Getreide, als: Dinkel, Gerste, Haber
hat 16 große oder 32 kleine Metzen.

1 Simra Hirse hat, wenn er noch in Bälgen ist, 26 Metz; wenn die Bälge davon sind, aber 16 Metz.

1 Simra hat 2 Malter
1 Malter hat 8 Metzen
1 Metze hat 4 Diethaufen
1 Diethaufe hat 2 Diethäluflein
1 Diethäuflein hat 2 Maß
1 Simra hat 256 Maß

Handelsgewicht

1 Pfund hat 2 Mark
1 Mark hat 8 Unzen
1 Unze hat 2 Lot
1 Lot hat 4 Quentchen
1 Quentchen hat 4 Pfg.-Gewicht
1 Pfg.-Gew. hat 2 Hellergew.


Sagen.

1. Sage von der unterirdischen Kirche

Die unterirdische Kirche (Krypta) hat 12 Säulen, welche an die 12 Apostel erinnern sollen. Sie stand in alten Zeiten ebenso wie andere Kirchen über dem Erdboden. In einem Kriege benützen verrohte Soldaten die Kirche als Pferdestall. Wegen dieser Entweihung versank sie in den Boden, so daß man ein anderes Gotteshaus darüber bauen mußten.

2. Die große Glocke zu Roßtal

Nach der Sage wurde Nürnberg von Roßtalern gegründet. Die Auswanderer hatten beständig Sehnsucht nach der großen Glocke ihres Geburtsortes und hätten sich gerne in den Besitz derselben gesetzt. Als der Reichtum Nürnbergs immer größer wurde, versprachen die Nürnberger dem Orte Roßtal für die Glocke so viele Taler, daß man den Weg zwischen beiden Städten in einer Reihe damit hätte belegen können. Doch die Roßtaler verzichteten auf das Geld und behielten lieber ihre Glocke.

3. Die vernagelte Glocke

Im Jahre 1585 bekam der Nürnberger Glockengießer Pankraz Bömer von den Roßtaler Gotteshauspflegern den Auftrag, für die Kirche eine Glocke zu gießen. Dieselbe fiel sehr groß aus und soll so laut geklungen haben, daß dadurch die Kinder in den Wiegen aufwachten und der Pfarrer in der Kirche nicht mehr verstanden wurde.

Abhilfe mußte geschaffen werden. Ein findiger Kopf schlug in das Glockenungeheuer einen dicken Nagel ein, so daß demselben die Hauptgewalt genommen war. Es ist nur schade, daß diese Glocke im Laufe der Jahrhunderte wiederholt umgegossen werden mußte, sonst könnte man noch heute die vernagelte Stelle bewundern.

4. Die verschollene Glocke.

Als während des Dreißigjährigen Krieges sich die Feinde der Gegend von Roßtal näherten, vergruben einige Ortseinwohner die große Glocke im Galgengraben. Nach Beendigung des Krieges waren alle diejenigen, welche die Glocke vergraben hatten, nicht mehr am Leben. Vom Hörensagen wußte man zwar, daß die Glocke im Galgengraben stecke, doch niemand konnte sie auffinden.

Damals gab es in den großen umliegenden Wäldern viel Wild und vor allem auch viele Wildschweine. Durch die Wühlarbeit eines Wildschweines soll die Glocke wieder ans Tageslicht gekommen sein. - Viel bekannt ist das Verslein, das manche Leute aus dem Summen der großen Glocke heraushören wollen:

Ein Wildschwein hat mich ausgegrab'n,
Ein Kräuterweib 155 hat mich g'fund'n,
Man hat mich wieder nach Roßtal getrag'n,
In Roßtal muß ich brumm'n!

5. Vom Siebenuhrläuten im Winter

Seit vielen Jahren wird von Michaeli bis Fastnacht jeden Abend die große Glocke zehn Minuten lang geläutet. An diesen Brauch knüpft sich folgende Sage:

Zwei Edelfräulein gingen einst im Spätherbst spazieren und verirrten sich im Buttendorfer Wald. Nach langem Umherirren hörten sie den Klang einer Glocke, auf den sie zugingen. Es war der Klang der Roßtaler Gebetglocke. Todmüde kamen die Verirrten in Roßtal an, wo sie sich rasch von ihrer Erschöpfung erholten. Aus Dankbarkeit stifteten sie die Mittel zum Siebenuhrläuten im Winter. -

Die Kirchenstiftung Roßtal besitzt bei Nürnberg-Gebitzenhof ein Grundstück, dessen Erwerb mit dieser Sage in Verbindung gebracht wird.

Große Aehnlichkeit mit obenstehender Sage hat folgende (dem 3. Band der Landes- und Volkskunde Bavaria entnommen):

So wird auch im Markte Roßtal zunächst der Bibert zur Herbstzeit Abends um sieben Uhr geläutet. Drei Fräulein, die sich verirrt, wurden durch den Klang der Glocken zu Roßtal zurecht geführt und stifteten zum Danke hiefür die mittlere Glocke in die Kirche.

6. Die 2 ältesten Sagen von Roßtal.

Die 2 ältesten Sagen von Roßtal sind einem Rechtsgutachten entnommen, das in einem Streit zwischen den Richterämtern Roßtal und Cadolzburg wegen der Zugehörigkeit von Vincenzenbronn um 1620 gefertigt wurde 156).

I. Wann nur der Gaul Flügel gehabt hat!

Sonsten wird viel von der Kirchen gesagt, als daß wo sie jetzt stehet, hab ein Pferd eine Glocke ausgescharret, darumeben man unter diese noch ein Kirchlein da vor Augen gebauet, item dasselbe Pferd sei von der Spitzen außerhalb den alten Wall vom Felsen, darinnen man die Fußstapfen vor 3 Jahren noch weisen können und von einem Maurer im Steinbrechen verworfen worden, bis gen Reytterach auf einen Sprung gesprungen, und von Reuttersach gen Gottmannsdorf, dahin man das Kirchlein erbaut, doch mags glauben wer da will, wann nur der Gaul Flügel gehabt hat.

II. Von der Hunnenschlacht

So hält man auch dafür, welches auch am glaublichsten, als die Stadt von den Hungern und Matzen (Davon der Hungern- und Matzenberg seinen Namen bekommen), sei belagert worden, da habe ein Herzog aus Bayern dieselbe entsetzt, auch den Feind albereit geschlagen, und als er die victory gesehen, sei er auf die Walstatt, die Erschlagenen zu sehen, geritten, (welches ihm doch durch sein Gemahl oder andere getreue Räte widerraten worden,) der darauf von einem unter den Toten und Verwunden liegenden Hungern, der seinen Bogen noch gespannte gehabt mit einem Pfeil durch das Visier geschossen, und also verwund worden, daß er des Todes sein müssen, … solches hatte sich der Feind wieder an die Stadt gemacht und dieselbe erobert, der Herzog aber wäre, wo jetzt die Kirche stehet, begraben worden.

Legende vom heiligen Laurentius

Die Kirche zu Roßtal ist dem heiligen Laurentius geweiht, der im Jahre 257 Diakon und Verwalter des Kirchenvermögens in Rom war.

Von diesem wird folgende Legende erzählt. Bei einer Christenverfolgung verlangte von ihm der kaiserliche Präfekt in Rom die Schätze der Kirche. Laurentius bat um 3 Tage Zeit. Am 3. Tag erschien er mit vielen Armen, die von der römischen Gemeinde versorgt wurden, beim Präfekten. Dieser war hierüber voll Zorn und ließ Laurentius am 10. August 261 auf einem eisernen Rost lebendig verbrennen. Still ertrug derselbe die großen Qualen und nach einiger Zeit sagte er nur die Worte: Wendet mich; ich bin auf einer Seite genug gebraten. Bald danach verschied er.

Der heilige Laurentius wird aus obigem Grunde immer mit einem kleinen Rost in der Hand dargestellt.


Ausflüge nach Roßtal

I. Mit dem Kraftwagen nach Altenberg oder Zirndorf.

Zu Fuß: Leichendorf, Wintersdorf, Weinzierlein, 1 ¼ Std. (Steinkreuz an der Haltestelle, 2 Hünengräber im Erlach, Doktorsbrunnen im Espan, ¾ Std Std.) - Roßtal, ¾ Std. (alte Laurentiuskirche mit schönem Oelberg, Krypta, befestigter Friedhof, 2 alte Ziehbrunnen mit Brunnenhaus, schöne Fachwerkbauten, riesiger Nußbaum und Kornelkirschenbaum im Pfarrgarten, Tummelplatz unter den großen Eichen im Winkel).

Rückweg. An den sieben Quellen bei der Bahnunterführung vorüber nach Sichersdorf, ¾ Std. - Oberbüchlein Unterbüchlein, Gutzberg, ½ Std. (großer Bauernhof mit sehr schönem Fachwerkbau; Fasanen auf den Feldern). - Oberweihersbuch, Unterweihersbuch, Stein 1 ¼ Std. (Bleistiftfabrik).

Mit der Bahn oder dem Auto zurück nach Nürnberg.

II. Mit der Bahn bis Ammerndorf

(Große Mühle mit prächtigem Giebelfachwerk, Schnitzereien).

Zu Fuß: Neuses, ¼ Std. (Gedenksäule am Wiesenweg. NB! Wiesenweg meistens sumpfig. Großes Steinkreuz in der Ortschaft.) - Buttendorf, ½ Std. (Gräben des alten Wasserschlosses noch sichtbar). - Roßtal ¾ Std. (Siehe Bemerkg. bei Ausflug I!)

Rückweg. Weitersdorf, ½ Std. (schöne Lage, alte Kapelle). - Anwanden, ½ Std. (Faber-Castellsches Gut Wolfgangshof). - Rehdorf, Oberasbach, ¾ Std.

Von hier zurück mit dem Nahzug.

III. Mit der Bahn nach Reichelsdorf.

Zu Fuß: Dietersdorf, ¾ Std. – Nemsdorf, Hengdorf, ¾ Std. (Großbienenzüchter Groß, Honig!) – Regelsbach, ¼ Std. – Klein- und Großweißmannsdorf, ½ Std. (2 alte Steinkreuze am westlichen Ortsausgang.) – Roßtal 1 Std. (Siehe Bemerkg. bei Ausflug I!)

Zurück mit der Bahn nach Nürnberg.

IV. Bahnfahrt Nürnberg–Heilsbronn

(Klosterkirche mit zahlreichen Grabstätten von Hohenzollern und fränkischen Adeligen)

Zu Fuß Bonnhof, Bürglein (Schwalbennester an den Häusern an einem Gebäude über 50 Stck.), Wendsdorf (schön gelegen), 1 ½ Std. - Fernabrünst, Roßtal, 1 Std. (Siehe Bemerkg. bei Ausflug I!)

Zurück mit der Bahn oder zu Fuß.

V. Mit der Bahn bis Cadolzburg

(Kirschenblüte); Ammerndorf, 1 Std. Fortsetzung: Siehe Ausflug II !)

VI. Fußtour:

Endstation der Linie 2: Gustav-Adolf-Straße-Großreuth, Gebersdorf, ½ Std. - Rednitzbrücke, Unterasbach, Oberasbach, Rehdorf, Anwanden, 1 ¾ Std. - Auf der nördlichen Seite der Bahnlinie entlang bis Roßtal, ¾ Std. (Siehe Bemerkung bei Ausflug I!)

Rückweg. Roßtal-Weinzierleiner Weg, über die Fichte, Urles, Lind (Linder Grube - Flora!), 1 ¼ Std. - Oberasbach, Unterasbach, Gebersdorf, 1 ½ Std. - Großreuth, Sündersbühl, 1 Std.


Anmerkungen

1 siehe Abschnitt Mundart in der Roßtaler Gegend!
2 Mon. Boica, Bd. 48m, S. 230
3 Merian: Topogr. Franconiae.l
4 Geogr. Statist. Topogr. Lexikon von Franken. 1801. IV. Bd., S. 416
5 Sal- und Lagerbuch des aufgel. Richteramts Roßtal 1532
6 Rechtsgutachten Vincenzenbronn.
7 Mon. Boica Bd. 48, S,. 263
8 Sal- und Lagerbuch des Richteramts R. de anno 1532
9 Rep. 11. Ansbacher Historica Nr. 325
10Nach Stillfried, bezw. Muck.
11Hocker, Heilsbr. Antiquitätenschatz, Seite 59
12"Geschlechtsregister der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken …" Von Joh., Gottfr. Biedermann. P. A. Bayreuth x 1747, Tabula CLXXIX
13Der Stammvater dieser Linie war Caspar von B., … 1343.
14Mon,. Boica Bd. 48.
15Sal- und Lagerb. des Richter-A. Roßtal 1532, Blatt 33
16Rep. 213 Nr. 68.
17Mündliche Ueberlieferung!
18Geogr. Stat. Top,. Lexikon von Franken. 5. Bd., S. 467 (1802)
19Mon. Boica Bd. 48.
20Statist. Handbuch von Vetter. S. 70
21Rep. 1b. Nr. 730
22Handschriftensammlung, IV. Bd., S. 79, Staatsarchiv Nürnberg.
23Rechtsgutachten Vincenzenbronn.
24Rechtsgutachten Vincenzenbr.
25Rep. 213.
26Roßtaler Sterbereg. von 1679, Nr. 40: Johann Humser, Bierbrauer zu Weinzürl, Und gerichtsverwandter zu Roßtal, starb den 14. Nov.
Sterbereg. von 1791, Nr. 13: den 11.Martii frühe um ½ Zweiuhrn verstarb seelig H. Johann Gg. Humser …..H. Johann Humsers des Raths zu Roßstall und Bierbrauer zu Weinzierlein, ehel. Sohn ein Vorn. schöner iung mensch ….
27Stat. u. Trop. Beschr. Fischer, 1787
28Pfarrbeschreibung Roßtal
29Sal- und Lagerbuch von 1532
30Georg Muck, Geschichte von Heilsbronn, 1879, Seite 137
31"Der 19. Abt Arnold (1357-85)."
32Nach Stillfried S. 221 "einschwarzer Stiefel mit goldener Krone auf silbernem Felde".
33J. U. Schmeller, Bayer. Wörterbuch, 1872, II. B., Seite 180.
34Mon. Boica, Band 48, Teil I, Neue Folge: Band II, Teil 1.
35Rep. 220, Nr. 68, Kanzleilehen von Kreß.
36Salbuch 1692, Seite 140.
37Rep. 220, Nr. 70, Kanzleilehen Kreß.
38Mon. Boica, Bd. 48, Seite 265.
39Topographia Franc. - Merian 1648.
40Salbuch 1692.
41Mitgeteilt dch Herrn Hptl. H. Schmidt-Großweißm.
42Rep. 213, Nr. 18.
43Salbuch 1692.
44Geogr. Stat. Top,. Lexikon von Franken. 1801.
45Ein Kupferstich über den Ort selbst und über das Innere der Kirche findet sich in Norica, Delsenbachische Prospecte, erschienen 1715 (Stadtbibliothek Nürnberg).
46Geogr. Stat. Top,. Lexikon von Franken. 1801.
47Siehe Rechtsgutachten Vincenzenbronn, S. 10!
48Sal- und Lagerbuch des Richter-A. Roßtal, 1532
49Handschrift Wolßhofer, 1760
50rep. 213, Nr. 66, Rentamt Cadolzburg.
51Bayer. Wörterbuch von Schmell-Fromman, 1872, I. Bd. Seite 679!
52Verlag Andreä Endters sel. Erben 1738. (Stadtbibl. Nürnberg).
53Siehe Widukind von Corvey, Res gestae Saxoniae!
54Rechtsgutachten Vincenzenbronn: Anno 1428 …..vff dem Matzenberg seinnd 3 morgen aigenns Acker vmb 19 fl verkaufft, eine Kuhe hat 13, 16 vnnd 17 lb, ein Sümmera Korn 18 lb. goltenn, Einn Wolmersheuserischer Hoff 50 fl.
55Rechtsgutachten wegen Vincenzenbronn (um 1620) Seite 1b: … dann, daß es ein Stadt gewesen bezeugets solches ein alte Urkundt Anno 1226m, so die Puttendorff gebenn, zue dem giebts ein altes buch, daß Alß man vff ein zeit daß fluchen verbotten, Ist zur straff gesetzt worden, wo einer in einem fluch überwiessenn wordenk, derselb alle weeg ein fud Stein zur Stadtmauern hat führen, oder sich sonsten am leib strafen laßen müssen!
56Fr. Stein, Geschichte Frankens, S. 219.
57Monum. Zollerana, 652.
58Mon. Zoll.
59M. J. M. groß, burg- und Marggr. Brand. Landes- und Reg-Historie, 1749. Seite 203!
60In dem nun folgenden Datum befindet sich ein Schreibfehler; es ist der 24. März genannt. weil sich in der Urkunde der Titel Kaiser vorfindet und die Kaiserkrönung am 5. lApril erfolgte, so ist auch hier wie in anderen gleichzeitigen Urkunden der 5. April 1355 einzusetzen. - Im Sal- und Lagerbuch des Richteramts Roßtal von 1532 wird Roßtal als Stadt bezeichnet. Blatt 16: Item wer allso Verbotten wurdte Unndt auß dem Pott gienge, Unndt sendet oder schicket der Vogtt oder Burger dem Jemandt nach, die do schlugen oder Verwundeten denn der do Verpotten were, Unndt fuhreten In wieder Inn die stadt, die hetten daran nichtt gefrevelt, … Blatt 17: "… daß soll ein würth Pußen mit sechzig Pfennigen, Unnd den dem Er den wein giebet auch mit sechzig Pfennigen, daß gefelt vogtt halbs Unndt der stadt halbs"
61Diese Richter haben in Cadolzburg gewohnt.
62Rep. 213, Nr. 67, Rentamt Cadolzburg.
63Joh., Bernh. Fischer, Stat. u. Top. Beschreibg. …, 1787, Seite 75-79.
64"Anno 1504 würdt Bolckersdorf daß erste maahl Gutzberg genannth."
65J. B. Fischer, Stat. u. top. Beschreibg. … 1787, Seite 88! "
66Wörterbuch Schmeller, I Bd. ehaft, Adf., gesetzlich, nachdem Gesetz zulässig. Das Ehaft Recht, der Innbegriff, die Sammlung aller örtlichen Satzungen, Rechte und Pflichten einer Gemeinde und ihrer Glieder als solcher. Die Ehafte, Ehaften; was durch Satzung oder Herkommen für eine Person oder Communität Recht oder Pflicht ist.
67Sal- und Lagerbuch des Richteramts Roßtal, 1532, Blatt 5 u. f.
68Rechtsgutachten Vincenzenbronn: Vonn 1420 seinnd bis auff denn 1510. jahr alle 14 Tag verhörtäg gehaltenn, Anno 1510 aber seind solche Monathlich zuhaltenn angefangen wordenn.
69Item = ingleichen, gleichfalls, ferner.
70Leichte Körperverletzung
71Die Chroniken der fränkischen Städte. Verl. Hirzel-Leipzig 1864. III. Bd. Seite 149 (Sigmund Meisterleins Chronik).
72Bartholomäi war damals nicht am 25., sondern am 24. August.
73Dr. Hegel, Die Chroniken der deutschen Städte, II. Bd., S. 159
74Dr. Hegel, Die Chroniken der deutschen Städte, II. Bd., S. 194, 202.
75Zu Kleinhaßlach, R.
76M. J. H. S. P. R, Leben und Geschichte des w. D. M. Georgens, 1729, Seite 28
77noch 1544 wurde Roßtal zum V. Würzburgischen Archidiakonat, das die Kapitel Windsheim und Zenn (Langenzenn) umfaßte, gerechnet. (Erbhuldigungseinnahmebuch des Melch. Zobel, Bischofs von Würzbg. u. Herzogs zu Franken, Würzburg.)
78J. B. Fischer, Stat. u. top. Beschreibg. des Burggrafentums Nürnberg, 1787; Seite 272.
79Steinsäule bei Neuses.
80Pest?
81U.= und.
82Mitgeteilt durch Oberlehrer Wilh. Funk - Nürnberg.
83Der Flurname „Wind“, womit ein Wald zwischen Roßtal und Clarsbach südöstlich der Bahnlinie bezeichnet wird, deutet auf wendische Ansiedlung hin. (Bayer. Wörterbuch von J U. Schmeller.) 4 km südwestlich der „Wind“ ist das alte Dorf Wendsdorf.
84Näheres über die Frage, wer war Herzog Ernst, enthält der 8. und 9. Jahresbericht des histor. Vereins v. Mittelfr. 1837/38.
85Rechnung Seite 138.
86Arbeitslöhne von 1520: Ein Handwerksmeister hatte pro Tag 50 Pf. oder 1 lb. 20 Pf., ein guter Geselle 42 Pf. oder 1 lb 12 Pf., ein anderer Geselle 30 Pf. oder 1 lb. - Pf., ein Taglöhner 22-24 Pf., -.-. (Stiftungsrechn. Roßtal von 1518, Seite 215.)
87Siehe 9. Jahresbericht de hist. Vereins in Mittelfr. 1838, Seite 25!
88Franconia Rediviva von Melch. Adam Pastorius, 1702
89Ansbacher historica, Rep. 110, Nr. 325.2
90Als Kurfürst Friedrich I. 1440 auf der Kadolzburg verstarb, zog Elisabeth in das von ihrem Gemahl erbaute Schloß zu Ansbach, welches ihr von demselben als "Wittum" vermacht war.
91Von van Dyk; K. Museum zu Berlin.
92Siehe Sagen!
93Siehe Nr. 836! No. 876 2. Juli 1586 Pangratzen Bömer, rotschmid, soll man die begerte fürschrifft an herren Georg Friederichen, marggrafen zu Brandenburg, wegen seiner den gotshauspflegern zu Rostall zu groß gegossener glocken halben ableinen …
94In dieser Rechnung heißt es Seite 4 B: Vff den Glockengießer.
18 fl. ½ ort 1/3 Pf. Georg Herolden Stück- vnnd Glockengießern in Nürmberg, für 4 neue Glockenschwengel, wegen (wiegen) der erst 12 ½, der andere 26, der dritt 51 vnd der Vierdt 105 lb …, zusammen 194 ½ lb Zu 7 Kr Nürmbergisch.

… 120 fl alls gedachtem Glockengießer, alß den rest an den Glocken, an 100 Reichsthalern, vnd 7 fl ½ ort 19 Pf einen Jahrszins davon, den 29. Martii. Anno 1631 Juli. … Summa 162 fl. 1 hlr.
95Geb. 1678; 1687 König von Ungarn; 1690 zum röm. König gewählt. 1702 beteiligte sich derselbe an der Belagerung von Landau
96Der Torturm trägt die Jahreszahl 1494.
97Rep. 122 Nr. 198, Seite 4 b, Ansbacher Salbücher.
98Diese Kapelle wurde zu Anfang des 19. Jahrhunderts abgebrochen.
99Rechtsgutachten Vincenzenbronn, Seite 9 b: Anno 1504 würdt Volckersdorff daß erste maahl Gutzberg genannth.
100Aus der Roßtaler Pfarrbeschreibung (Pfarrer Grün).
101Aus der Roßtaler Pfarrbeschreibung; siehe auch Histor. und Topogr. Nachricht von dem Fürstentum Brandenb. Onolzb. von Gottfr. Stieber, 1761; Seite 669-680.
102Aus der Pfarrbeschr.
103Ein Sohn desselben war der Graf Johann Siegmund von Schülin, Kgl. dänischer würcklicher geheimer Rath zu Coppenhagen.
104Ueber die Pietisterey in Roßstall siehe Rep. 122, 198; Urk. S. 6!
105Aus dem Pfarrarchiv Roßtal. Die Vermögensangaben sind aus der Vorkriegszeit.
106Fragmenta …
107Hier sind auch die Schulgrundstücke beschrieben.
108Roßt. Kirchenstiftungsrechnung von 1506.
109Rep. 232 Nr. 5921, Reg. v. Mittelfr., K. d. J.
110Im Besitze der Gem. R.
111Rep. 232 Nr. 5921 und Roßtaler Pfarrbeschreibg.
112Das Burgstall; Stätte, auf welcher ein Schloß steht, gestanden hat oder zu stehen kommen mag. (Schmeller, I. Bd. S. 277.)
113Siehe Burg- und Marggr. Brdbg. Landes- und Reg. Hist. Von M. Groß!
114Gg. Muck, Geschichte von Kloster Heilsbr., Seite 88: Durch Kauf erwarb unser Abt …. 1301 von dem Amtmann Wirento in Roßstall einen Zehnten in Ammerndorf,. (13. Abt: Heinrich von Hirschlach 1282-1317).
115Rechtsgutachten Vincenzenbronn. (Das Dorf Wolmershausen mit dem Stammhaus der Wolmershausen liegt im Oberamt Creilsheim).
116Dr. Wilhelm Götz, Handbuch von Bayern.
117Erster Besitzer war Hermann Ayrer, Leibarzt des Markgrafen,. - Fensterscheibe in der nördl. Kirchenmauer: Christoff Hainrich Ayrer … 1628.
118Dr. R. G. Stillfried, Kloster Heilsbronn, 1877, Fußnote S. 221.
119Rep. 122, Nr. 87, Ansb. Salbücher.
120Siehe Inschrift auf der großen Glocke.
1211926 wurde vom Friedhof Roßtal ein alter Grabstein entfernt, der die Inschrift trug: … Franz Albrecht Mägin gewesenen Tabernen Wirth u. 40jähr. Amtsburgermeister zu Roßstall … und in einem Alter von 86 J. seine Laufbahn vollendete … Er starb am 28. September 1779. Ab 1780 war Georg Albrecht Mächin Gerichtsbürgermeister. Dieser hatte die Gastwirtschaft zur goldenen Sonne.
122Rep. 213, Nr. 67.
123Fränkische Zeitung, Mai 1911
124Mon. boica. Bd. 48, S. 259.
125Siehe Blatt 81 und 82!
126Rais und Steuer-Milizdienst und Steuer. Raisgeld = Kriegssteuer. Der Raiser = Mann, der zu Felde zieht. (Schmeller, II. Bd. S. 39).
127Die Hof-Rait: Der Hofraum bei einem landwirtschaftl. Gebäude. (Schmeller, II. Bd., Se. 172).
128Nunc = jetzt, gegenwärtig.
129Das Zapfenwirtschaftsrecht wurde lt. Anmeldeprotokolls Nr. 659 und gericht. Vertrags vom 24. Juni 1859 vom Gastwirt und Melbermeister Johann Eckert von Roßstall um 800 fl. erworben.
130Belohnung
131Sterberegist. 1705, Nr. 33: 19. Oktober wird begraben H. Hohann Jacob Hoffmann, Bürgermeister, allhier.
132Rep. 213, Nr. 67
133Mündl. Mitteilung des Herrn Georg Link, sen.
134Nach Muck, Geschichte von Kloster Heilsbronn, 1879, und B. Fischer, Statistische und topogr. Beschreibung des Burggrafentums Nürnberg …
135Jagd der hohen Herren.
136Pfarrmatrikel Roßtal.
137Das Salbuch von 1692 nennt als Teil des Schloßgutes Ein Weyherlein, das Forellenweyerlein in der Schlödi Wiesen.
138Orthogr. geändert!
139Rep. 233, Nr. 1585
140Richter zu Roßstall.
141Siehe die Roßtaler Sterberegister!
142Siehe Abschnitt Das Schloß!
143Rep. 213, Nr. 68, Rentamt Cadolzb.
144Im Besitz der Gemeinde Roßtal
145Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfr. …
145Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfr. … B. Redakteur E. Vetter in Ansbach, 1846. Selbstverlag; Seite 68!
146Die Rechnungen über die Kriegskosten sind im Besitz der Gemeinde Roßtal.
147unvollständig
148approximativ = annähernd.
149Fehler im Original! 2 Tage!
150Preise auf einem mittelfr. Dorfe.
151Die Zahlen sind einer mittelfr. Molkereirechnung entnommen.
152Zum Teil der Familienchronik es Herrn Adam Eckstein entnommen.
153Siehe Roßtaler Sterberegister von 1873 Nr. 26, 24, 36, 41!
154Aus der Familienchron. des Herrn Adam Eckstein
155auch Bettelweib
156Rep. 143a, Richteramt Roßtal, S. 2a!