Klostergarten im Museumshof

Betonie – Vettonica

Im Altertum war die Betonie ein Allheilmittel. Besonders wirksam ist sie bei Erkältungskrankheiten, Verdauungsstörungen und Durchfall. Äußerlich als Wundheilmittel und zum Wundverschluss. Mag auch auf Bergen und in Wäldern, auf Wiesen und in tiefen Tälern die kostbare Betonie fast überall und allerorten in Fülle stehen, so hegt sie doch auch unser Garten und lehrt sie, auf bebautem Land Kulturpflanze zu werden. Sie hat schon aus aller Munde so viel Lob geerntet, dass meine Muse, wollte sie es noch mehren, gar bald, besiegt von so schwerer Aufgabe, spürte, alles, was sie vorbringe, werde dem Nutzen der Betonie nicht gerecht. Wenn du es etwa unternimmst, sie grün zu deinem Zweck zu pflücken oder sie zu trocknen und für den langen Winter aufzubewahren – ob nun Becher noch gärenden Mosts deine Kehle erfreuen oder dir eher Wein schmeckt, der in langer Mühe geklärt ist –, für all dies wird dir die erstaunliche Kraft dieses Krautes Ersatz bieten. Wir wissen ja, dass manche die Betonie so hoch schätzen, dass sie meinen, sich mit ihren Kräften gegen jeden Schaden schützen zu können, der ihren Körper innerlich angreift. Daher pflegen sie Tag um Tag diese kräftig wirkende Art heilsamen Trankes zu nehmen. Und wenn zudem dein Kopf vom Feind getroffen und verwundet ist und eitert, dann zerreibe die heilige Betonie und lege sie häufig als Umschlag auf; sogleich wirst du die Heilkraft bewundern, wenn die Wunde sich fest verschließt und vernarbt.
Walahfrid Strabo, 21 Betonie