Klostergarten im Museumshof

Flaschenkürbis – Cucurbita

Die unreifen Früchte werden vielfach gekocht als Sommergemüse verwendet. Vielmehr aber die reifen ausgehöhlt zum Aufbewahren von Nahrungsmitteln und Flüssigkeiten. Die reifen Kerne werden bei verschiedensten Blasenerkrankungen undProstataleiden geschätzt. Auch der Kürbis wächst aus unscheinbarem Samenkorn hochstrebend empor, wirft mit schildförmigen Blättern riesige Schatten und entsendet Ranken aus zahlreichen Zweigen. Und wie der Efeu mit seinem Laub die hohe Ulme umwindet, vom Erdenschoß an seine weiten Arme um den ganzen Stamm schlingt und bis zum höchsten Wipfel die rissige Rinde in der Hülle seiner grünen Blätter verbirgt, oder wie sich die Rebe, die man im Baumgarten zieht, an einem Baum hochrankt und die Äste oben mit Trauben behängt und aus eigener Kraft hoch emporstieg – man sieht, wie die rötliche Traube an fremdem Zweig herabhängt und Bacchus auf grünen Stockwerken lastet, die Ranken sich breiten und oben das Laubdach durchdringen –, gerade so erhebt sich auch mein Kürbis aus schwachem Spross empor, klammert sich an den aufgestellten Gabelstützen fest, die ihm Halt verleihen, und umgreift seine Erlenstützen mit den sich krümmenden Ranken. Damit ihn aber kein tobender Sturm losreißen kann, streckt er ebenso viele Ranken aus, als er Knoten treibt, und weil jede Ranke oben eine Doppelranke hervortreibt, fassen diese die Stütze allenthalben von rechts und von links. Und wie Mädchen beim Spinnen die weiche Wolle auf die Spindel hinüberziehen und im weiten Kreisen der Spindel den Faden Reihe um Reihe in schönen Windungen aufspulen, so umschnüren die greifenden Ranken mit windenden Fesseln die runden Zweige des Klettergerüstes und umwickeln sie augenblicklich; sie lernen es auch, mit fremder Hilfe die steilen Dächer gewölbter Hallen in luftigem Flug zu übersteigen. Und wer vermag die Früchte, die überall an den Zweigen hängen, würdig zu preisen? Sind sie doch durchweg in sicher gestalteter Form gebildet, wie wenn man gedrechseltes Holz sieht, das mitten auf der Drehbank gleichmäßig geglättet wurde. Die Früchte hängen zunächst an zierlichem, länglichem Stiel und tragen am dünnen Hals gewaltige Körper. Nun weitet sich die riesige Last zu gewichtigem Wanst, und alles wird Bauch, und alles wird Wanst, und innen wachsen, gesondert, im höhlenreichen Kerker zahlreiche Kerne heran, die dir eine ebenso zahlreiche Ernte versprechen. Und solange der Kürbis noch zart ist und bevor der Saft, den das Innere der Frucht birgt, beim Nahen des Spätherbstes vertrocknet und die Schale ringsum verholzt, sehen wir oft die Früchte mit anderen köstlichen Speisen auf den Tisch gelangen; in heißer Pfanne saugen sie sich mit fettem Schmalz voll, und häufig bieten die vollgesogenen Scheiben einen köstlich mundenden Nachtisch. Lässt man jedoch die Frucht am Mutterstock den Gluthauch der Sommersonne erdulden und schneidet sie reif mit dem Messer, dann kann die gleiche Frucht zu dauerndem Gebrauch als Gefäß gestaltet werden, indem wir aus dem mächtigen Bauch die Eingeweide entfernen und die Innenseite vorsichtig mit dem Eisen ausschaben und glätten. Manchmal lässt sich ein reichlicher Schoppen in der bauchigen Höhlung unterbringen, oder sie fasst sogar mehr als die Hälfte eines ganzen Maßes. Verschließt du das Gefäß mit klebrigem Pech, bewahrt es dir lange noch frisch des gütigen Bacchus Geschenke.
Walahfrid Strabo, 7 Flaschenkürbis