In der Presse:
Zeitlose Rezepte aus dem Klostergarten

Kräuterpädagogin Marion Reinhardt führte durch die mustergültige Anlage am Roßtaler Heimatmuseum

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Wogegen hilft das? Kräuterpädagogin Marion Reinhardt (rotes T-Shirt) weiß es und erläutert es den Teilnehmerinnen im Garten des Roßtaler Heimatmuseums.Foto: Burghardt

VON FLORIAN BURGHARDT

Ob Husten, Hautentzündungen oder Motten im Kleiderschrank – die Nonnen und Mönche des Mittelalters hatten schon vor über 1000 Jahren gegen fast alles ein Hausmittel parat. Welche Kräuter auch heute noch wirksam gegen Alltags-Wehwehchen sind und wie man klösterliche Arznei selbst zubereiten kann, erklärte die Fürther Kräuter-Pädagogin Marion Reinhardt bei einer Führung durch den Garten des Roßtaler Heimatmuseums.

ROSSTAL – „Die meisten Menschen kennen Salbei als Zutat in der Küche oder als Inhaltsstoff von Hustenbonbons. Dass er als Tee oder Creme zubereitet aber auch gegen Schweißausbrüche in den Wechseljahren hilft, das wissen nur die wenigsten“, gibt Marion Reinhardt bei ihrem Rundgang im Rahmen der Bayern-Tour Natur preis.

Die Kräuter-Pädagogin aus der Kleeblattstadt ist begeistert von der heilenden Wirkung natürlicher Medizin. Speziell derer, die auf klösterlichen Rezepten beruht. Gerade erst hat sie eine Weiterbildung im Bereich der Pflanzenheilkunde abgeschlossen und stieß bei den Recherchen zu ihrem Buch über die schönsten Kräutergärten Bayerns auf den Garten im Hof des Roßtaler Heimatmuseums. Dieser nämlich entspricht genau dem Idealbild eines klösterlichen Kräutergartens, wie ihn der Reichenauer Mönch Walahfrid Strabo im Jahre 840 in seinem Lehrgedicht Hortulus beschrieben hat. Von 24 Heilpflanzen und deren Anordnung ist darin die Rede und unter Kräuterkundlern gilt er bis heute als maßgeblich.

Dass der von ihm gepflegte Klostergarten – auch wenn es in Roßtal nie zum Bau eines Klosters kam – ein so musterhaftes Beispiel abgibt, freut Reinhard Baumann, einen von nur zwei männlichen Teilnehmern des Rundgangs mit 28 Interessierten. Der andere ist Rolf Kloiber. „Ich finde es schade, dass man so achtlos an vielen Pflanzen vorbeigeht, und sie eigentlich essen oder anderweitig nutzen könnte“, schildert er die Motive für seine Teilnahme. Auch die weibliche Besucherschar zeigt sich sehr interessiert an den Ausführungen der Kräuter-Pädagogin. Jede zweite schreibt mit oder fotografiert mit dem Handy die Infotafeln vor den 24 Beeten.

Beim Wermut angekommen, informiert Reinhardt darüber, dass dieser im Mittelalter bei weitem nicht nur Grundlage für die Herstellung von Absinth war. Auch als Schutz gegen Motten im heimischen Kleiderschrank kam er zum Einsatz und wurde nicht zuletzt als Heilmittel gegen Verdauungsbeschwerden eingenommen. „Damals sagte man über den Wermut: Was bitter im Mund, im Magen gesund“, meint Reinhardt lachend.

Doch bei aller Belustigung über die damaligen Weisheiten und Sprichworte – die Wirkung vieler der alten Rezepte ist bis heute ungebrochen. Vor rund 1500 Jahren hatte Benedikt von Nursia – der Begründer des Benediktinerordens – die Klöster in die Pflicht genommen, sich um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu kümmern. „Eine Forschungsgruppe der Universität Würzburg zum Thema Klostermedizin hat sich dann mit etlichen dieser alten Rezepte beschäftigt und sie auf ihre heutige Anwendbarkeit getestet. Das Ergebnis: Viele klösterliche Heilmittel sind auch heute noch nützlich und hilfreich“, erklärt die Kräuter-Pädagogin.

Da probieren aber bekanntlich über studieren geht, durften die Teilnehmer der Führung nach der Besichtigung der Beete auch selbst noch Mörser und Köcher in die Hand nehmen. Unter Reinhardts Anleitung wurden in der anliegenden Scheune Rosenbalsam gegen Hautunreinheiten und Sandorn-Pastillen gegen Husten und Halsschmerzen hergestellt. Die Ergebnisse ihrer Produktion durften die Teilnehmer zusammen mit den Rezepten mit nach Hause nehmen.

Quelle: Fürther Nachrichten vom 12.6.2015, FLL S. 3