Klostergarten im Museumshof

Melone – Pepones



Honigmelonen wachsen in Roßtal nicht.
Deshalb wurde Eisenkraut angepflanzt.
Am gleichen Platz, wo tief in den Boden die üppige Pflanze gesetzt ist, die mein geringes Lied soeben beschrieb, sieht man eine kräftige andere Art von Rankengewächs über die staubige Erde kriechen und runde Früchte tragen. Diese Art von Früchten liegt meist auf trockenem Boden und gedeiht ganz prächtig, verfärbt sich dann in der Sommersonne gelb und füllt die Körbe des Gärtners mit reifer Ernte. Da kann man sehen, dass die einen Melonen von ziemlich schlanker Gestalt sind, andere hingegen durchgehend länglich mit dickem Bauch, die einer NUSS oder einem leicht rollenden Ei gleichen. Sie gleichen wohl auch einer Seifenblase, wie sie manchmal an gehobenen Händen hängt und glänzt, indem sie die Laugef, die ihre Hülle bildet,] kreisen lässt, bevor der frische Schaum in zugeschüttetem Wasser zergeht. Solange aber der Schaum noch zäh zusammenhält zwischen den verschlungenen Fingern, die sich beide in gleichem Eifer aneinander reiben, entsteht ein kleiner Spalt und Ausgang zwischen beiden Händen; spitzt man die Lippen und bläst dort den warmen Atem sanft hinein, treibt er die hohl sich dehnende Masse auf wie eine gläserne Kugel, die gerade dort schwankend fußt, wo die gewölbten Hände von allen Seiten zusammentreffen. Durchdringt nun das Messer das Innere dieser Frucht, lockt es reichliche Bäche von Saft mit Mengen von Kernen hervor. Zerteilt man dann die hohle Frucht mit der Hand in zahlreiche Stücke, erhält der fröhliche Gast herrliche Leckerbissen aus dem Garten; das weiß schimmernde Fruchtfleisch und sein Geschmack erfreuen den Gaumen, und solche Speise macht den harten Backenzähnen keine Mühe; nein, leicht gekaut und geschluckt, kühlt sie aus natürlicher Kraft die Eingeweide.
Walahfrid Strabo, 8 Melone