Klostergarten im Museumshof

Rose – Rosa

Die Blütenblätter werden zur Herstellung von Rosenöl in der Parfümindustrie und zu Rosenwasser für Marzipan und Lebkuchen verwendet. Die Früchte der Rose sind die sogenannten Hagenbutten. Sie haben eine entzündungshemmende und zusammenziehende Eigenschaft, so dass man sie gern in Früchtetees zur Vorbeugung von Erkältungen verwendet. Wäre ich nun nicht zu müde, noch weitere Wege zu gehen, und schreckte mich nicht der mühsame Bau eines neuen Liedes, müsste ich die kostbaren Sträucher der Rose mit Gold vom Pactolus und mit schimmernden Edelsteinen der Araber schmücken. Weil unserem Germanien tyrische Purpurfarbe fehlt und auch das weite Gallien sich nicht des leuchenden Purpurs zu rühmen vermag, schenkt uns die Rose zum Ausgleich jährlich in Fülle ihren purpurroten Blumenflor, von dem man sagt, er habe gleich anfangs die Blüten aller Pflanzen an Kraft und Duft übertroffen, so dass man die Rose mit Recht die Blume der Blumen nenne. Sie teilt dem Öl, das man nach ihrem Namen benennt, ihre Kraft mit, und kein Mensch weiß es oder kann sagen, wie oft dieses Öl bei der Behandlung sterblicher Menschen Nutzen bringt. Der Rose gegenüber bieten die ruhmreichen Lilien ihre Blüten dar, deren atmender Duft die Lüfte noch weiter durchdringt. Wenn aber jemand die leuchtenden Knospen der schneeigen Blüten zerreibt, wird er staunend gewahr, dass auf der Stelle jeder Verlass auf den Duft des daran haftenden Nektars rasch verloren ging. Dies bedeutet, dass selige Jungfräulichkeit im Vertrauen auf ihren Ruf blühend erglänzt, aber nur, wenn keine Not der Sünde sie vertreibt und die Glut verbotener Liebe sie nicht brach, in ihrem Duft erglüht. Ging jedoch die Zier ihrer Reinheit verloren, wird ihr Duft in üblen Geruch umschlagen. Diese beiden lobwürdigen und ruhmreichen Blumenarten sind nämlich schon seit Jahrhunderten Sinnbilder der höchsten Ruhmestitel der Kirche, die im Blut des Martyriums die Gabe der Rosen pflückt und die Lilien als leuchtendes Zeichen strahlenden Glaubens trägt. Mutter und Jungfrau du, Mutter mit fruchtbarem Reise, Jungfrau mit reinem Glauben, Braut nach des Bräutigams Namen, Braut du, Taube und Hort, Königin, treue Gefährtin, pflücke Rosen im Streit, brich Lilien im glücklichen Frieden! Aus dem Königsstamm Jesse ent-spross dir eine Blüte, Erlöser allein des alten Stammes, dessen Urheber er ist. Er weihte die Lilien durch seine Lehre und herrliches Leben, färbte die Rosen im Tod, hinterließ Frieden und Kämpfe seinen Anhängern auf Erden, vereinte in sich die Tugenden beider und verhieß für beider Triumph den Lohn auf ewig.
Walahfrid Strabo, 26 Rose