Klostergarten im Museumshof

Wermut – Absinthium

Diese Pflanze ist nicht nur Ausgangsprodukt für einen häufig verwendeten Geschmacksstoff alkoholischer Getränke, sondern auch seit sehr langen Zeiten als begehrtes Heilkraut bekannt. Man rühmt an ihm vor allem die appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung. Er ist fiebersenkend, anregend für die Lebertätigkeit und ein Wurmmittel. Das nächste Beet lässt die Stauden des bitteren Wermuts wachsen, deren zähes Gezweig der Mutter der Kräuter ähnelt. Doch haben die Blätter andere Farbe, und auch die Zweige, wenn sie ausgewachsen sind, anderen Duft; als Getränk schmeckt der Wermut viel bitterer. Doch stillt er brennenden Durst und vertreibt als bewährter Heiltrank mit rühmlicher Wirkung meistens das Fieber. Auch wenn dir im Kopf einmal plötzlich scharfer Schmerz hämmert oder Schwindel dich quält, dann suche dir Hilfe beim Wermut, koche die bitteren Blätter der laubreichen Pflanze, schütte den Absud aus bauchiger Schüssel und begieße damit den Scheitel des Hauptes. Hast du dann die feinen Haare mit diesem Nass gespült, vergiss nicht, einen Bund Wermutblätter darüber zu legen. Dann soll ein weiches Tuch die feuchtwarmen Haare umschlingen, und sind dann nur wenige Stunden vergangen, wirst du neben sonstigen Kräften des Wermuts auch diese Wirkung bewundern.
Walahfrid Strabo, 9 Wermut