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Markt Roßtal

Landkreis Fürth

Mittelfranken

Bayern

Deutschland
Markt Roßtal
Marktplatz 1

90574 Roßtal
Deutschland

Der Museumshof organisiert sich neu

Nach dem Rückzug der Pflegerin werden die Aufgaben auf viele Schultern verteilt

ROSSTAL - Die Zeit der Museumspfleger ist Geschichte. Nachdem sich Hedwig Helmreich von dem Ehrenamt als Cheforganisatorin aller Aufgaben im Museumshof zurückgezogen hat, fand sich niemand, der ihre Nachfolge antreten wollte. Für ihren Gatten Georg Helmreich sprang Bürgermeister Johann Völkl als Vorsitzender des Heimatvereins ein. Das Programm in dem einstigen Bauernhof, das Besucher weit über die Region hinaus lockt, soll allerdings nicht leiden. Wie es weitergeht, erklären Völkl und der stellvertretende Vereinsvorsitzende Norbert Nagel sowie Geschäftsführerin Irmgard Schläger.

Mit dem Ostereiermarkt am Palmsonntag steht ein alljährlicher Publikumsmagnet des Museumshof bevor. Findet er überhaupt statt?

Völkl: Sicher, das ist kein Problem. Den Markt organisiert seit Jahren Anita Nagel. Heuer ist am 17. April von 10 bis 17 Uhr die österliche Sammlung einer Roßtalerin zu sehen, die Besucher können vier Eiermalern über die Schultern gucken. Fast 1000 Eier haben die Eiermaler aus dem Verein für den Verkauf vorbereitet.

Dann wäre noch das Museumshoffest im September, regelmäßige Öffnungszeiten oder museumsdidaktische Projekte für Schüler. Wie wollen Sie aufrechterhalten, was die Pfleger Hedwig Helmreich und zuvor das Ehepaar Knoll über Jahre mit viel Zeiteinsatz, Herzblut und Engagement organisiert haben?

Völkl: In der Außenwirkung, so hoffen wir, wird sich nichts ändern. Hinter den Kulissen haben wir die Aufgaben, für die bisher ein Einzelner zuständig war, auf viele Schultern verteilt,

Wer kümmert sich denn beispielsweise darum, dass die Exponate nicht verstauben und sich keine Motten in den historischen Textilien einnisten?

Schläger: Bis ins letzte Detail ist das noch nicht besprochen. Wir befinden uns schon noch in einer Umbruchphase. Für die zentralen Bereiche, die Archäologische Sammlung, den Backofen, die hauswirtschaftliche Sammlung sowie für die Projekttage an der Grundschule und die Sonderführungen haben sich vier Leute gefunden. Damit das Haus jeweils am ersten Sonntag des Monats weiter geöffnet werden kann, haben sich 20 Vereinsmitglieder zur Verfügung gestellt. Um Gäste in den Sonderführungen über die Sammlungen zu informieren, wollen wir zur Unterstützung der freiwilligen Helfer noch die ehrenamtlichen Orts- und Kirchenführer gewinnen.

Das ist ja doch eine ganz passable Helfertruppe, die sie mobilisiert haben. Wie erklären Sie es sich da, dass sich keiner mehr für die Museumspflege fand?

Nagel: Das ist ein Phänomen unserer Zeit. Es fehlt nicht an den Leuten, die sich engagieren, nur dauernd mag sich halt keiner mehr einspannen lassen. Lieber bringt man sich vorübergehend ein, projektbezogen und zeitlich begrenzt. Darauf setzen wir auch bei unserer Umorganisation.

Schläger: Und das insbesondere bei der Vorbereitung der Sonderausstellungen. Sie wollen wir über Arbeitsgruppen fortführen. Es muss sich nur immer jemand finden, der sich eines speziellen Themas annimmt und es mit ein paar Unterstützern umsetzt. An Ideen fehlt es nicht. Dem Thema Geld und Währung könnte beispielsweise eine Schau gewidmet sein. Auch zu den 50er Jahren gäbe unser gut gefülltes Depot viel her. Ob's allerdings zwei Sonderschauen jedes Jahr werden, müssen wir abwarten. Vorerst sind wir glücklich, wenn wir eine schaffen.

Nagel: Wir überlegen auch, den Museumshof Sammlern als Forum zu öffnen. Es gibt viele, die gerne einmal zeigen würden, was sie zusammengetragen haben. Und wir hoffen, mit Unterstützung des Kreisheimatpflegers die kleinen Heimatstuben, von denen es etliche im Landkreis gibt, zu vernetzen. Man könnte gemeinsam Sonderschauen konzipieren, die durch die Region wandern.

Völkl: In punkto Vernetzung könnte man noch viel bewegen, um den Tourismus im Landkreis zu fördern, etwa indem man die Funpark-Besucher auf die Spur des Museumshofes lenkt. Da setzen wir auch auf die Ergebnisse des auf Kreisebene frisch installierten Regionalmanagers. Er ist damit beauftragt, touristische Konzepte zu entwickeln. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Es war schon im Gespräch, das Ehrenamt mit dem Salär eines Mini-Jobbers auszustatten. Herr Völkl, stünde da nicht auch die Marktgemeinde in der Pflicht? Schließlich ist der Museumshof ein wichtiger Imagefaktor für den Ort.

Völkl: So weit ist der Gemeinderat noch nicht. Und im Augenblick stellt sich die Frage nicht, das wäre dann zu überlegen, wenn sich doch wieder jemand als Pfleger findet.

Inwieweit werden Sie sich denn persönlich einbringen, werden Sie wie Ihr Vorgänger etwa die Anfragen von Ahnenforschem aus aller Welt abarbeiten?

Völkl: Nein. Herr Helmreich hat sich bereiterklärt, das auch künftig zu erledigen. Auch seine Frau wird dem Verein weiter zur Verfügung stehen. Ich persönlich werde mich aus dem Alltagsgeschäft weitgehend heraushalten müssen.

Was übernehmen sie denn dann?

Völkl: (lacht) Naja, ich würd' mal sagen die Verantwortung. Und die Zeit für Sitzungen oder wichtige Gespräche werde ich mir schon auch nehmen.

Quelle: FN vom 1.4.2011 S. 1/FLL

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