Kunst am Osterei

Der 25. Ostereiermarkt im Museumshof Roßtal

VON SABINE DIETZ

Der Heimatverein von Roßtal steht für Traditionspflege und hat selbst schon so manchen Brauch wiederbelebt. Zum Beispiel den des Ostereier-Bemalens. Das wird alle Jahres wieder von Januar bis Ostern in der Werkstatt des Museumshofs gepflegt. Immer am Palmsonntag werden die kleinen Kunstwerke verkauft. Auch das ist mittlerweile Tradition. Am 1. April, 10 bis 17 Uhr, findet der Ostereiermarkt zum 25. Mal statt.

ROSSTAL – Auf dem Tisch der gutbürgerlichen Wohnstube anno 1828 in der einstigen Scheune des Gutshofs, dessen Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, hat Anita Nagel zwei große Kartons mit den zerbrechlichen Schmuckstücken bereitgestellt. Eine Gruppe, die sich seit Jahren um einen festen Kern von 16 Eiermalern gesellt, hat sie kreiert. Auch Anita Nagel, die seit acht Jahren den Ostereiermarkt organisiert, gehört zu den emsigen Künstlern.

Wichtige Einnahmequelle

An langen Winterabenden entstehen die zerbrechlichen Kunstwerke, die Anita Nagel (im Bild) und ihre kreative Gruppe am Palmsonntag im Museumshof feilbieten.Foto: Thomas Scherer

An die 1000 verzierte Eier „legen“ sie jedes Jahr, und das seit über zwei Jahrzehnten. Zwischen 1,50 und 35 Euro, je nach Aufwand und Design, kosten die Schmuckstücke. Da ist schon Etliches für die Vereinskasse zusammengekommen. „Der Ostereiermarkt ist die wichtigste Einnahmequelle für den Heimatverein“, sagt Anita Nagel.

Vor ihr hielten die ehemaligen Museumspfleger Elisabeth und Herbert Knoll die Fäden in der Hand. Sie waren es auch, die das Ostereier-Bemalen an langen Winterabenden im eigenen Freundeskreis etablierten – Jahre bevor der Ostereiermarkt 1988 – damals noch im Ötterich'schen Anwesen, dem Sitz des Heimatmuseums, bevor es 1993 in das restaurierte Peipp'sche Anwesen umzog – das erste Mal stattfand. Es heißt, berichtet Anita Nagel, bei einem Skiurlaub mit Freunden habe Herbert Knoll eines Tages befunden: „Wir können nicht jeden Abend nur so zusammenhocken, bald ist Ostern, jetzt werden Eier verziert.“

Anita Nagel kam über die Schwiegertochter der Knolls zu Roßtals Eiermalern und das wie die Jungfrau zum Kinde, erzählt sie lachend. „Das tät' mir auch gefallen“, habe sie ganz spontan reagiert, als Elisabeth Knoll (junior) von ihrem Hobby berichtete. Doch als sie die Werke der Gruppe das erste Mal sah, dachte sie: „Oje, hätt' ich nur nichts gesagt. Da muss ich Gas geben, um mithalten zu können.“

Wie ein Virus

Heute hängt ihr Herz daran: Das Ostereier-Bemalen ist für sie wie ein Virus. Sie bevorzugt die Technik des Perforierens und bohrt mit Zahnarztdiamanten filigranste Muster unter anderem im Stil Gustav Klimts oder Friedensreich Hundertwassers in die Eier. Stundenlang sitzt sie oft an einem Stück, nicht nur im Kreis der Eiermaler, sondern auch zu Hause. „Da hör' ich kein Telefon und keine Türglocke mehr, das ist so entspannend.“

Selbst der ehemalige Club-Profi Kurt Dachlauer ist mit Gattin Angelika dem Ostereier-Bemalen verfallen und zaubert mit Lackstiften bunte Muster auf ausgeblasene Hühnereier. Karl-Heinz Hubbes kratzt hervorragend, findet Anita Nagel. Und Ursula Auerochs ritzt verspielte Blumenmotive in die Eier, wie geschaffen für den Osterstrauß im Wohnzimmer im Stil gediegener Gründerzeit.

Otto Schubert ist der Alleskönner in der Künstler-Runde: „Den kann man alles malen lassen.“ Auf seinen Werken posieren Loriot, Wum und Wendelin, Fred Feuerstein oder die Biene Maja. Die Motive kommen so originalgetreu daher, als wären sie Abziehbilder. Gemalt wird, was gefällt, „da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt“, sagt Anita Nagel. Selbst eine Serie zum „Vogel des Jahres“ hat die Runde etabliert. Sie hat treue Käufer gefunden. Heuer gibt es die Dohle auf dem Ei.

Nicht unerwähnt lassen will Anita Nagel die Unterstützung aus Nürnberg. Werner Rößner, seines Zeichens Werkzeugmacher im Ruhestand, zwirbelt jedes Jahr während des dreiwöchigen Wohnwagen-Urlaubs kleine Kupferdrähte an bunte Fäden, an denen die Ostereier made in Roßtal baumeln.

Um die Drähte zu biegen, hat er eigens eine Maschine entwickelt. „Da könntest du ein Patent anmelden und ein Geschäft damit machen“, hat ihm Anita Nagel schon vorgeschlagen. Doch Rößner hat abgewunken. Er sei Rentner, und als solcher habe er keine Zeit.

Am Palmsonntag sind in der ehemaligen Scheune zwischen Küchenmöbeln und -geräten aus Urgroßmutters Zeiten wieder Verkaufstische aufgebaut, auf denen die Ostereier feilgeboten werden. Die Künstler persönlich verkaufen sie, und die Urheberschaft jedes der zerbrechlichen Kunstwerke ist mit einer Nummer ganz klein am unteren Loch der Eier vermerkt. Welche Nummer jeder Eiermaler verwendet, ist an den Zahlen auf den blauen Schürzen, die sie tragen, abzulesen.

Die Eier vom Kinderbaum, die am Sonntag an kleine Kinder-Gäste verschenkt werden, hat der Nachwuchs bemalt. Vor sieben Jahren hat Anita Nagel die Grundschule um Unterstützung gebeten, einige Kinder und Jugendliche machen noch immer mit. Trotzdem sind bei den Roßtaler Eiermalern Neueinsteiger stets willkommen. Am Können soll's nicht scheitern, „da wächst man hinein“, sagt Anita Nagel. Wer mitmalen möchte, kann sich unter Telefon 09127 7530 an sie wenden.

Quelle: Fürther Nachrichten vom 30.03.2012 FLL/Seite 5