Sonderausstellung »Bibeln«

1992

Sonderausstellung 1992 »Bibeln« Sonderausstellung 1992 »Bibeln«

Die Bibel gewürdigt

In Roßtal ist die Ausstellung wieder abgebaut – Leihgaben nachts im Tresor

ROSSTAL (sch) - Mit bibliophilen Kostbarkeiten aus vier Jahrhunderten hatte das Heimatmuseum im „Jahr der Bibel“ eine sehenswerte Ausstellung arrangiert. Die Schau – zusammengestellt vom Museums-Pflegerpaar Elisabeth und Herbert Knoll mit weiteren Heimatvereins-Getreuen – wurde jetzt wieder abgebaut, die wertvollen Folianten den Leihgebern zurückgebracht.

Nicht nur allein die ungezählten Exponate vom „Buch der Bücher“ mit ihren teilweise aufwendig gestalteten Kalender- und Litaneiseiten mit Prunkinitialen versetzten Kenner und Liebhaber altehrwürdiger Drucke in Entzücken, sondern auch die Miniatur-Bibel auf einem Micro-Chip der Neuzeit. Die umfangreiche Auswahl der „Heiligen Schrift“ (darunter auch Kisuaheli) beeindruckte auch durch das „Äußere“, Schmuck-Einbände mit Elfenbein-, Gold- und Perlmuttverzierungen.

Viele Hausbibeln waren zugleich als Familienchronik geführt, Lebensläufe ganzer Sippen, in sehr schöner Handschrift der Nachwelt vermittelt, eröffneten sich dem Leser.

Umfassend auch die vielen Gebetsbücher beider Konfessionen, als „Erbauungsbücher“ in den Familien geführt. So auch das sogenannte „Starcken“-Buch für die täglichen Gebete und sonstigen Gegebenheiten im Alltag, bei freudigen Ereignissen, bei Taufe oder Hochzeit oder traurigen Vorkommnissen zu Tod, Unwetter und Unheil.

Als „eine Welt, die mit uns spricht“, erwiesen sich außerdem die Originale des Wittenberger Druckers Hans Lufft, der 1534 die Luther-Übersetzung als „Biblia, das ist, die gantze Heilige Schrifft Deudsch“ herausbrachte. Die wertvollsten Roßtaler Leihgaben aus dessen Offizin aus den Jahren 1551 und 1556 wurden allabendlich stets in sichere Tresore gebracht.

Die Bibel- und Gebetsausgaben beider Weltkriege lagen vor und auch die der Bundeswehr. Andachtsbilder von Primizfeiern, Wallfahrten und Beerdigungen, herrliche Wachsstöcke in verschiedenen Formen und Farbgebungen sowie Rosenkränze und Konfirmationskettchen mit Kreuzchen stellten Volksfrömmigkeit so recht dar.

Pfarrer Dieter Koerber hatte in der Ausstellung die Bibel als ein Stück Kulturgeschichte gewürdigt. Warum sollte nicht eines der ältesten und auf jedem Fall das meistverbreitete Buch der Welt

Quelle: Fürther Nachrichten, 18.09.1992