Sonderausstellung »100. Geburtstag LUDWIG GROH«

Foto Ludwig Groh

Ein Schulmann mit Musenkuss

Die Roßtaler würdigen ihren Komponisten zum 100. Geburtstag

ROSSTAL (sch) – Eine Hommage hat der Heimatverein Rektor Ludwig Groh zugedacht, der am 4. Oktober 2000 hundert Jahre alt geworden wäre. Der Museumshof mit seinem Pflegerpaar Elisabeth und Herbert Knoll würdigt dieses Ereignis mit einer Sonderschau, die am Kirchweihsonntag, dem 13. August, um 10.30 Uhr eröffnet wird. Sie zeigt wichtige Lebensbilder und Arbeiten des Lehrers, Komponisten, Dirigenten, Malers und Dichters, zusammengestellt von seinen ehemaligen Schülern.

Ludwig Groh verstarb am 11. November 1971, fünf Jahre nach seiner Pensionierung als beliebter Rektor. 1925 war er als Junglehrer nach Roßtal gekommen, fast drei Generationen unterrichtete er an der Roßtaler Volksschule, zu deren Leiter er 1948 berufen wurde.

Die Liebe zur Musik verließ ihn sein ganzes Leben nicht, so wurde in seinen Klassen sehr viel gesungen. In mehrstimmigen Sätzen erklangen viele Lieder zur Freude der Kinder, in den Konzerten zur Vorweihnachtszeit auch für die Eltern und Einwohner. Unvergesslich dabei die Aufführungen der „Heinzelmännchen aus Köln“ oder der „Puppenfee“. 1928 gründete Groh mit einigen seiner Berufskollegen und anderen musikbegabten Bürgern das Orchester der „Musikfreunde Roßtal“ und leitete es bis zu seinem Tode. 123 musikalische Aufführungen waren die Bilanz nach viereinhalb Jahrzehnten Arbeit.

Groh beherrschte meisterhaft Klavier, Orgel, Geige und Flöte und bildete kostenlos den Orchesternachwuchs aus. 1930 übernahm er auch die Chorleitung des Männergesangvereins 1869, brachte seine Sängerschar auf ein beachtliches Niveau. Noch in guter Erinnerung sind seine Operetten-Inszenierungen beim „Liederkranz“, beispielsweise das „Weiße Rössel“, oder beim Turnverein ein ‚Stück Theatergeschichte’.

Zum 600-jährigen Markt Jubiläum schenkte Groh seinen Roßtalern ein von ihm geschriebenes und in Töne gesetztes „Spiel aus der Vergangenheit: Die verschollene Glocke“. Als sein Lebenswerk für seine Wahlheimat gilt die Oper „Der Richter von Horsadal“ zur Jahrtausendfeier Roßtals 1955. Weniger bekannt dürfte sein, dass der Pädagoge in seinen Mußestunden auch Romane schrieb während seine Lieder und Chorwerke sogar im Rundfunk gesendet wurden.

Dem Kantor von St. Laurentius brachte seine Bekenntnistreue (er wollte sein Kirchenamt nicht aufgeben) in den letzten Kriegsmonaten noch die Wehrmachts-Einberufung ein. In russischer Kriegsgefangenschaft musste er Eispickeln bei der sibirischen Eisenbahn. Auch von diesem „Abenteuer“ erzählte er der Nachwelt. Die Sonderschau über Ludwig Groh geht bis Oktober.

Quelle: Fürther Nachrichten