Der Tausender als Putzlappen

Sonderschau in Roßtal befasst sich mit dem Thema
„Geld ist eine schöne Sache“

VON SABINE DIETZ

„Geld ist eine schöne Sache“, findet der Heimatverein und hat die neue Sonderschau diesem Thema gewidmet. 200 Jahre rund ums Geld, das allerdings mit Roßtaler Lokalkolorit, skizziert die Ausstellung im Museumshof, die beim traditionellen Museumshoffest am 11. September, 11 Uhr, eröffnet wird.

ROSSTAL – Was sieben Jahre der Job der früheren Museumspflegerin Hedwig Helmreich war, ist jetzt Teamarbeit. Je nach Interesse können sich einzelne Mitglieder des Heimatvereins als Ausstellungsmacher beweisen: Im ersten Fall, in dem der Heimatverein diese Strategie fährt, sind es Luise Handschuch und Ulrich Grimm, die mit Irmgard Schläger und Gerd-Dieter Ackermann die neue Schau konzipieren.

Den Titel haben sie sich von Goethes Protagonisten aus Wilhelm Meisters Lehrjahren geklaut. „Geld ist eine schöne Sache“, sagt Wilhelm da, als er seinen Arbeitslohn in einem Beutel erhält, durch den „die reizende Farbe neuer Goldstücke schimmerte“. Glänzendes Edelmetall zeigen die Ausstellungsmacher allerdings nicht. Die Kreuzer, Heller und Gulden, die bis zur Reichsgründung 1871 als Zahlungsmittel dienten, sind stumpfe Kupfer-, Nickel- und Silberlinge. Zeitgenössische Gedenkmünzen, die Grimm privat sammelt, stellt er nur als Abrieb auf Papier aus. „Zu holen gäbe es jetzt also auch nicht mehr als sonst im Museumshof“, meint er schmunzelnd.

Er will möglichst viel Information transportieren. So ist die Schau denn etwas textlastig geraten, was allerdings auch nötig ist. Schließlich kann heutzutage kaum mehr einer die Sütterlin-Schrift entziffern, in der die Dokumente verfasst sind, die bis zu den Anfängen Bayerns zurückreichen – als Roßtal dem Landrichter Cadolzburgs unterstand und kommunale Selbstverwaltung ein Fremdwort war.

Ein Kassenbuch etwa belegt, wie akribisch das Landgericht und die Regierung in Ansbach prüften, ob ihnen ein Kreuzer durch die Lappen gegangen war. Selbst kleinste Posten – die nach Ansicht der Oberen zu billig versteigerten Obst-Erträge der gemeindlichen Bäume etwa – hatte Roßtal unter Staatskuratel zu rechtfertigen. „Da wurde ein unvorstellbarer Aufwand betrieben“, sagt Grimm.

Nach Schlagwörtern geordnet bündelt die Ausstellung Exponate zu den Themen Sparen, zu Stiften und Spenden oder zu Geldanlagen. Und belegt nebenbei die Geschichte der Zahlungsmittel von Gulden über Reichsmark bis zu den Milliardenscheinen der Inflation. Eine alte Karte Mittelfrankens dient als Pinnwand für das teils kunstvoll und mit viel Lokalkolorit gestaltete Notgeld, mit dem Städte und Gemeinden der galoppierenden Geldentwertung, als ein Liter Milch 140 Milliarden Mark kostete, begegnen wollten.

Von der grundschuldgestützten Rentenmark, die als Übergangswährung von 1923 bis zur Währungsreform 1948 neben der Reichsmark in Umlauf war, passiert der Streifzug Zahlungsmittel bis zur Gegenwart. Da kommt auch der Tausendmarkschein, den die Banken als Motiv auf einem Fensterputztuch unter die Kunden brachten, zur Geltung. Woher das geflügelte Wort „der ist doch keinen Dreier wert“ stammt, erschließt sich am Drei-Pfennig-Stück aus Reichsmark-Zeiten.

Unter dem Titel Geld-Gier ist ein Vorfall dokumentiert, den der Richter a. D. Grimm „juristisch hochinteressant“ findet und den man dem beschaulichen Roßtal gar nicht zugetraut hätte: Am 26. Mai 1954 erschütterte der nach Ansicht des damaligen Bürgermeisters „brutalste Bankraub, der je in Bayern vorkam“, den Ort.

Die Sparkassen-Filiale war überfallen worden, der Täter erschoss den Kassenbeamten und einen Kaufmann, der ihn verfolgte. Ganz Roßtal war in Aufruhr und forderte fünf Jahre nach der Abschaffung der Todesstrafe durch das Grundgesetz per Resolution deren Wiedereinführung. Bekanntlich ohne Erfolg, der kleine Marktflecken aber machte mit seinem Vorstoß bundesweit Schlagzeilen.

Auch manche Kuriosität haben die Ausstellungsmacher ausgegraben: Fürs Sparen warb der Sparschrank, ein Kasten an der Wand der Gasthäuser. Er ist in durchnummerierte Fächer mit Münzschlitz unterteilt. Wer das Wirtshaus verließ, steckte ein paar Münzen in sein Fach – „vielleicht den Kartelgewinn, den die Frau zuhause nicht im Portemonnaie finden sollte“, wie Grimm erklärt. Am Jahresende war Kassensturz.

Sprechender Münzklang

Die versilberte Spardose anno 1880 aus dem Nachlass von Handschuchs Mutter kommt wie eine Schmuckdose daher und zeigt in ihrem kleinen Format, dass es damals so viel nicht zu sparen gab. Wem das Geld nicht reichte, der suchte Unterstützung bei Gutbetuchten, auch das ist belegt. In den Geldzähltisch aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist eine Marmorplatte eingelassen. Am Klang der auf den Stein fallenden Münzen erkannte der Darlehensgeber, ob das zurückgegebene Geld echt war.

Und weil Geld auch im Spiel schon immer eine Rolle spielte, ist mit dem Brettspiel Monopoly das „Kasino des kleinen Mannes“, wie es Handschuch nennt, vertreten. Den Sinn des Punktlöschers für Kartler, den ein Roßtaler erfand, konnte sie allerdings nicht ergründen: Auf dem kleinen Holztäfelchen sind kreisförmig Punkte angeordnet, die mit einer Scheibe nach und nach abdeckbar sind. Aber vielleicht kann ja einer der Ausstellungs-Besucher dieses Rätsel lösen.

Die Sonderausstellung ist bis 3. März 2012 zu sehen, geöffnet hat der Museumshof jeden ersten Sonntag des Monats von 14 bis 17 Uhr. Beim Museumshoffest am Sonntag, 11. September, bereits ab 10 Uhr.

Den überdimensionalen alten Tausender präsentieren die beiden
Roßtaler Ausstellungsmacher Luise Handschuch und Ulrich Grimm.
Im Museumshof dreht sich alles um 200 Jahre Zahlungsmittel.
Foto: Thomas Scherer

Quelle: Fürther Nachrichten vom 2. Sept. 2011, FLL/S. 5