Sonderausstellung »Flechtwerk aus Naturmaterialien«

Die Materialien

Weide

Die Weide war und ist das wichtigste Flechtmaterial.

Die Weide wächst vorwiegend auf feuchten nährstoffreichen Böden. In Franken wird sie oft an Bächen als Randbepflanzung angebaut.

Die Weidenruten werden in der Saftruhe in den Monaten November bis Februar geerntet.

Die Weide wird auf vielerlei Arten geflochten: ungeschält, geschält, gesotten, als Vollweide, halbiert oder für die Feinflechterei in ganz schmale Streifen geschnitten.

Die geschälte Weide ist das am häufigsten verarbeitete Material in der Korbflechterei.

Die ungeschälte Weide wird für robuste Korbwaren verwendet.

Für weniger benötigte Qualität genügt die halbierte Rute.

Die geschälte Weide ist ganz hell.

Um einen rötlich-braunen Farbton zu bekommen, werden die ungeschälten Ruten 4–5 Stunden gekocht, erst danach geschält. Durch das Sieden dringt die Gerbsäure in die Rinde ein und Farbe ist erreicht.

Die wichtigsten Techniken der Weidenflechterei sind:

Bast

Bast ist die Faserschicht zwischen Holz und Rinde der Bäume. Von der Raffiapalme auf Madagaskar kommt der bis heute verwendete Bast. Es ist die zähe Schutzschicht der Oberseite der Palmblattrippen und lässt sich sehr gut färben. Die Farbpalette von natur, gelb, rot, braun bis dunkelbraun ermöglichen schöne Farbeffekte! Zierschalen und Körbchen waren in der Zeit von ca. 1920–1940 sehr beliebt.

Seegras

Seegras wird zu einer Schnur gedreht und ist problemlos zu verarbeiten und ein sehr haltbares Material für Stühle, Kinderwagen, Truhen u. v. m.

Peddigrohr

Peddigrohr wird aus der tropischen Rattanpalme gewonnen und ist ein leicht zu verarbeitendes und beliebtes Flechtmaterial.

Holz

Die Spankorbmacherei, bei der meist breite Fichtenholzspäne verarbeitet werden, wurde erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts gehandhabt und war bis zum 1. Weltkrieg sehr beliebt.

Die Spankorbmacherei hatte ihren Ursprung im Erzgebirge.

Die Spankorbmacher wenden die Technik des Holzspaltens an. Sie verarbeiteten im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts und bis zum 1. Weltkrieg meist Fichtenholz, später Pappelholz oder anderes Weichholz.

Das Holz wurde früher nach Jahresringen aufgespalten; heute werden die Späne mit einer Furnierschneidemaschine gefertigt.

Stroh

Langhalmiges Stroh wird zu gleichmäßig dicken Wülsten gedreht und mit gespaltenen Weidenruten zusammengehalten.

Stroh wurde bei uns hauptsächlich für Backnäpfe, Bienenkörbe und diverse Behältnisse verwendet. Aus gesundheitshygienischen Gründen dürfen Backnäpfe aus Stroh seit 1960 nicht mehr verwendet werden.

Geflochtene Strohzöpfe verzierten häufig den Korbrand.

Nur noch wenige beherrschen das alte Handwerk der Strohflecherei.

Binse

Die Binse ist eine Grasart und wächst mit Vorliebe in sumpfigen Gegenden sowie an See- und Flussufern. Sie erreicht eine Höhe von bis zu 4 Meter.

Für Flechtzwecke sind die Meer- oder Salzbinse und Waldbinse besonders geeignet.

Die Binse wird gerne für das Flechten von vorwiegend für Stuhlsitzflächen genutzt.

Palmblatt

Für die Palmblattstrickerei wurde kubanisches Palmblatt als Flechtstoff importiert. Die Hochzeit der Palmblattverarbeitung lag von 1850 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges in Franken in einigen Gemeinden im Steinachtal in Oberfranken. Um 1950 erlebte die Palmblattstrickerei eine Renaissance; um 1960 verschwand diese Flechttechnik in Franken.

Typische Erzeugnisse der Palmblattstrickerei waren Reisekörbe und -taschen, Besteckkörbchen, Brotkörbe, Einkaufskörbe, Handtaschen, Ablagekörbe für den Schreibtisch und Weinheber.