Ein Mann, der es wert ist, an ihn zu erinnern

Museumshof Roßtal zeigt eine Ausstellung über Ludwig von Leonrod,
Mitwisser der Attentatspläne vom 20. Juli 1944

ROSSTAL – Wer in Dietenhofen im Nachbarlandkreis Ansbach aufwächst, erfährt schon in der Schule, dass die nahe Burg Leonrod beim Versuch, den Graben mit Feuer von Gestrüpp zu befreien, 1651 von ihren Besitzern selbst in Schutt und Asche gelegt wurde. Weniger bekannt war bis vergangenes Jahr, dass dem Adelsgeschlecht mit Ludwig Freiherr von Leonrod ein Mann entstammt, der seine Mitwisserschaft an den Attentatsplänen Claus Graf Schenk von Stauffenbergs auf Hitler mit dem Leben bezahlte. Eine Ausstellung des Dietenhofener Heimatmuseumsleiters Bernhard Thiel informierte darüber. Die Schau kommt jetzt in den Museumshof Roßtal. Warum, erklärt Gerhard Deeg vom Heimatverein.

Gerhard Deeg hat sich in die Biografie Ludwig von Leonrods eingearbeitet und erklärt in Roßtal die alten Fotos und Schautafeln aus Dietenhofen.
Foto: Esterl

Mit der Schau, die Sie sich nach Roßtal holen, geht Ihr Heimatverein als erster im Landkreis Fürth eine Kooperation mit einem benachbarten Verein ein: Wie kam es dazu?

Gerhard Deeg: Das geht auf ein Regionaltreffen der Heimatvereine zurück, bei dem angeregt wurde, Sonderausstellungen untereinander auszutauschen. Schließlich muss nicht jeder das Rad neu erfinden. Noch dazu in Zeiten, in denen alle Heimatvereine kämpfen, weil sie, wie wir in Roßtal, keine Pfleger mehr finden, die sich intensiv darum bemühen, die Leute in die Museen zu locken.

Nur haben die Ausstellungen von Heimatvereinen die Eigenart, dass sie auf die örtliche Historie zugeschnitten sind. Wo ist das Roßtaler Lokalkolorit Ludwig von Leonrods?

Deeg: Zwischen den Herren von Leonrod und denen des Roßtaler Ortsteils Buttendorf gibt es enge Verknüpfungen. Nach bisherigem Kenntnisstand müsste ein Buttendorfer Stammvater der Leonroder gewesen sein.

Heißt das, dass die Leonroder Herren einst Buttendorfer waren?

Deeg: Ganz bestimmt lässt sich das nicht sagen, zu viel ist da noch mit einem Fragezeichen versehen. Aber es könnte durchaus gewesen sein. Auf jeden Fall existierten die Buttendorfer früher, starben aber auch früher aus. Ihr Besitz ging 1465 ans Leonroder Geschlecht.

Seit der Schau in Dietenhofen erinnert eine Messingtafel am Schloss in Dietenhofen an Ludwig von Leonrod. Wer war dieser Mann?

Deeg: Er war ein ganz untadeliger, mutiger Mann und eine vorbildliche Persönlichkeit des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur, der es wert ist, dass man sich seiner erinnert. Mit der Ausstellung wollen wir auch ein Zeichen gegen rechts setzen. Dass das nötig ist, zeigen die Morde der Zwickauer Terrorzelle.

Tatsächlich hatte die Familie keine enge Beziehung mehr zu Dietenhofen. Ludwig von Leonrod hat in München gelebt. Wie kam er an Stauffenberg?

Deeg: Die beiden lernten sich 1926 beim 17. Reiterregiment in Bamberg kennen, wo sie die Stube in der Kaserne teilten. Sie hielten über ihre Bamberger Zeit hinaus Kontakt. Ende 1943 weihte Stauffenberg Ludwig in seine Putschpläne ein.

Leonrod war nicht in die konkrete Vorbereitung des missglückten Attentats eingebunden, was also war sein Verdienst?

Deeg: In den Aussagen Ludwigs vor dem Volksgerichtshof wird deutlich, in welche Gewissensnöte ihn sein Mitwissen stürzte. Er focht innerlich einen fürchterlichen Konflikt aus, weil er den Treueeid auf Hitler geleistet hatte und aufgrund seiner Erziehung in einer Familie, die über Jahrhunderte treu den Regierenden diente, auf Biegen und Brechen vertrauenswürdig bleiben wollte. Doch als gläubiger Katholik wollte er auch nicht zusehen, wie das Volk weiter unter dem Diktator litt. Man weiß dies von einem Gespräch mit seinem Beichtvater, Kaplan Hermann Wehrle. Ihn hat Ludwig gefragt, ob er sich als Mitwisser nicht einer ganz üblen Sünde schuldig macht. Der allerdings beruhigte ihn mit dem Argument, dass Gott die höchste Instanz sei. Vor diesem Hintergrund war Leonrods Leistung, dass er die Attentatspläne vom 20. Juli 1944 geheim hielt. Auch sein Auftreten vor dem Volksgerichtshof muss man ihm hoch anrechnen.

Inwieweit?

Deeg: Ludwig von Leonrod ist, obwohl er wusste, dass es ihn sein Leben kosten würde, in seinen Aussagen der Wahrheit treu geblieben. Er wurde am 26. August 1944 in Berlin-Plötzensee gehängt. Es gibt einen geheimen Mitschnitt des Verhörs, den wir auch in Roßtal zeigen.

Wer ließ da heimlich filmen?

Deeg: Das hatte Hitler selbst veranlasst. Er wollte die Verhöre in der Wochenschau als Abschreckung zeigen, hat es aber dann doch gelassen, weil sie wahrscheinlich das Gegenteil bewirkt hätten. Die Mitschnitte zeigen, wie standhaft die als Verräter angeklagten Männer unter dem Gebrüll und den Schmähungen des Volksgerichtshofpräsidenten Roland Freisler geblieben sind. Vermutlich hätte es eher dazu geführt, dass die Deutschen Respekt vor den Angeklagten gewonnen hätten.

Interview: SABINE DIETZ

Quelle: Fürther Nachrichten vom 4. Mai 2012, FLL/S. 1