Sonderausstellung
60 Jahre Katholische Pfarrei Christkönig Roßtal

Diaspora auf Roßtals zweitem Kirchenhügel

60 Jahre katholische Pfarrei Christkönig: Neue Sonderschau im Museumshof dokumentiert Entwicklung

Neben Infos zur Kirchenbau-Geschichte und Pfarreientwickung hat Ulrich Grimm liturgische Geräte und Gewänder in die Ausstellung integriert.
Foto: Scherer

von SABINE DIETZ

In der katholischen Pfarrei Christkönig haben sich Vertriebene hauptsächlich aus dem Sudetenland mit dem Gotteshaus an der Sichersdorfer Straße eine neue geistliche Heimat geschaffen. Sie waren und sind im evangelisch geprägten Roßtal in der Minderheit. Die neue Sonderausstellung des Heimatmuseums gewährt Einblick in Entstehung und Geschichte der Gemeinde, die 1954, drei Jahre nach dem Bau von Christkönig, eigenständige Pfarrei wurde.

ROSSTAL – Dass die Eröffnung in eine Zeit fällt, da ein Bischof Tebartz-van Elst Schlagzeilen schreibt und publik wird, das gleich in der Nachbarschaft ein Pfarrer nicht mit seiner Gemeinde klarkommt, quittiert Ausstellungsmacher Ulrich Grimm mit einem Schulterzucken. Solche Querelen kennen Roßtals Katholiken auch, der Abschied von Pfarrer Wolfgang Jägers Vorgänger erst vor zwei Monaten war von deutlichen Misstönen begleitet. Doch Grimm (71) macht religiöses Leben nicht an der Figur eines Geistlichen fest, sondern an der Gemeinschaft der Gläubigen.

Die Eröffnung der Ausstellung hat ohnehin eine davon unabhängige Vorgeschichte. Sie ist letztlich das Begleitprodukt der Arbeit an einer Pfarrchronik, die Grimm zum 60. Weihejubiläum des Gotteshauses auf dem „zweiten Roßtaler Kirchenhügel“ anpackte. 2011 sei der runde Jahrestag untergegangen, berichtet der pensionierte Richter Grimm. „Dann schreib' ich halt ein bisschen was“, nahm er sich vor. Aus dem „Bisschen“ wurden mit Unterstützung diverser Koautoren, darunter stellvertretender Bürgermeister Anton Engelhard, 375 Seiten. Seit dem Martini-Markt liegt das Buch mit dem schlichten Titel »Katholische Pfarrei Christkönig Roßtal« vor. Als Begleitband zur Ausstellung ist es für 20 Euro zu haben.

Alte Urkunden, Fotografien oder Planskizzen, die Grimm für das Buch zusammengetragen hat, tauchen nun auch in den Vitrinen im Museumshof auf. Konzipiert hat er die Schau orientiert an der räumlichen Aufteilung einer Kirche. Im vorderen Bereich gibt es Informationen zum Altarraum, dorthin führen rechter Hand Fakten zu Pfarrsprengel oder Kirchenbauten. Etwa zur Theresienkapelle an der Bleistraße, die 1927 aus einer Scheune entstand, und etwa 50 Katholiken, die damals in Roßtal lebten, als Zentrum diente.

Auch an die Barackenkirche, die griechisch-katholische Ukrainer in einem Lager bei Raitersaich bauten, erinnern Bilder: 1949 ging sie an die Seelsorgestelle Roßtal für die Heimatvertriebenen, die nach ehemaligen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in dem Lager unterkamen. 1957 wurde die Barackensiedlung aufgelöst, das Kirchlein blieb für die Katholiken Buchschwabachs, Clarsbachs und Raitersaichs erhalten.

Mit dem Bau der Kirche »Maria Königin«, geweiht 1959, in Clarsbach wurde es überflüssig und an eine Gemeinde in der Pfalz verkauft. Seit der Auflösung der Pfarrei Großhabersdorf-Dietenhofen zum 1. November hat Christkönig nun ein drittes Gotteshaus: St. Walburga in Großhabersdorf. Die Zahl der Mitglieder wuchs von 2800 auf 3400.

Blickfang zwischen derlei ist eine geschnitzte Madonna aus Roßtaler Eichenholz, die einst einen Seitenaltar von Christkönig schmückte. Doch die wuchtige, überlebensgroße Figur der Künstlerin Ursula Fonk fand keine rechte Wertschätzung: Sie wanderte von einer Ecke zur anderen, stand vorübergehend sogar im Freien, berichtet Grimm. Pfarrer Joseph Zankl, der Pfarrer, unter dem Christkönig mit viel ehrenamtlichen Einsatz der Gläubigen gebaut und drei Jahre nach der Weihe eigenständige Pfarrei wurde, gab dem Künstler Herbert Bessel den Vorzug. Dessen Altargemälde ziert seit 1957 Christkönig, in der Folge gestaltete er das komplette künstlerische Programm im Kirchenraum.

An der zweiten Längswand dann der Blick ins gemeindliche Leben: Ein kleiner Ehrenplatz gebührt dabei den Niedernbronner Schwestern, die seit 1958 in Roßtal Dienst am Nächsten taten, etwa in der Krankenpflege oder im Kindergarten, der unlängst rundum saniert und um eine Krippe erweitert wurde. Das VW-Käfer-Modellauto verknüpft Grimm automatisch mit Schwester Ehrenfrieda, 18 Jahre düste sie damit unermüdlich durch Roßtal, bevor sie 2004 Abschied nahm. Frauenbund, Chöre und St.-Georg-Pfadfinder, das ökumenische Aushängeschild der Pfarrei (Grimm), werden hier außerdem gestreift.

Der hintere Bereich des kleinen Ausstellungsraums zeigt, was üblicherweise die Sakristei birgt: Hinter Glas schimmern liturgische Geräte wie Monstranz und Weihrauch-Fass, bestickte Kaseln zeigen die exklusive Kleiderpracht der Kleriker. Darunter hat Grimm Andachtsgegenstände drapiert, die Flüchtlinge 1946 aus dem Sudetenland mitbrachten: Dass sie ihr Fluchtgepäck mit den Engelsfiguren oder der bunt gefassten Mutter Gottes belasteten und unter widrigsten Umständen unversehrt nach Roßtal schafften, ist für ihn ein Beleg für die tiefe Verwurzelung der Vertriebenen in ihrem Glauben.

Eröffnet wird die Ausstellung im Museumshof (Schulstraße 13) am Sonntag, 1. Dezember, 13.30 Uhr. Zu sehen ist sie bis April immer am ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

Quelle: Fürther Nachrichten vom 29.11.2013