Sonderausstellung »Eisenbahn in Roßtal«

Wilhelm Fehn †

Die Eisenbahn in Roßtal

Mitten durch Roßtal führt die Eisenbahnlinie Nürnberg–Ansbach–Stuttgart. Der Markt hatte nicht nur einen Bahnhof mit Rangiergeleisen und einen Güterbahnhof, sondern auch eine Haltestelle an der Wegbrücke. Im Nahverkehr fuhren die Züge bis zum Bahnhof, dort rangierte die Lokomotive und der Zug kehrte, an jeder Station anhaltend, wieder zurück nach Nürnberg. Das „Aansziigla“ war dabei besonders beliebt. Es gab ferner Schnellzüge, die den Ort durchflitzten, Eilzüge die nicht überall, doch am Roßtaler Bahnhof anhielten und auch weiterführende Bummelzüge. Das waren die Gefährlichen, denn mancher Roßtaler hat, wenn er müde von der Arbeit nach Hause fuhr, ein kleines Nickerchen gemacht, und ist erst wieder in Wicklesgreuth oder in Ansbach aufgewacht. Es braucht nicht weiter erwähnt zu werden, was das für Unannehmlichkeiten mit sich brachte.

In 15 km Entfernung liegt im Ausstrahlungsbereich Nürnbergs der Markt Roßtal. Es gab mannigfaltige Verbindungen mit der Stadt. Viele Roßtaler Bürger verdienten sich dort den Lebensunterhalt ihrer Familien. Die Morgenzüge waren jeden Werktag vollgestopft von Menschen, die alle in Geschäfte, Büros und Fabriken fuhren. Außer mit dem Fahrrad gab es damals fast keine andere Möglichkeit in die Stadt zu gelangen. Auch Selbständige fuhren, meist mit den Mittagszügen, nach Nürnberg, um ihre Lieferungen dorthin zu bringen. Da konnte man z. B. den Schneidermeister Weiß begegnen, wenn er die fertigen Anzüge seiner auswärtigen Kundschaft, die in ein schwarzes Tuch eingeschlagen waren, über dem Arm zum Bahnhof trug. Es gab natürlich auch Hausfrauen, die des größeren Angebots wegen nach Nürnberg kamen, um dort ihre Einkäufe zu tätigen. So hatte, außer den wenigen gutsituierten Damen, die zu ihrem Vergnügen ins Kino oder in ein Cafe fuhren, fast jede Fahrt mit Handel und Gewerbe zu tun. Urlaubsfahrten gab es jedoch kaum und wenn doch, dann wurden sie von den Besserverdienenden als Bildungsreisen getarnt.

Aus:
Wilhelm Fehn: Der Marktflecken Roßtal – Roßtal im Wandel der Zeiten, seine Menschen und seine Geschichten, Kehlheim 1988.