Sonderausstellung »Eisenbahn in Roßtal«

Der geplante Rangierbahnhof Roßtal-Heilsbronn

I. Die Planung des Rangierbahnhofes

So fing es an

Gegenstand dieser Dokumentation ist der von der Deutschen Bundesbahn geplante Rangierbahnhof im Raume Roßtal-Heilsbronn.

Die betroffene Bevölkerung und die betroffenen Gemeinden erfuhren von diesem Vorhaben erstmals am 28.7.1973 durch die Presse. In den „Nürnberger Nachrichten“ und der „Fränkischen Landeszeitung“ wurde von einer Pressekonferenz in Nürnberg berichtet, in der ein Bundestagsabgeordneter das Projekt Roßtal-Heilsbronn der Öffentlichkeit vorstellte. Unmittelbar danach hat am 1.8.1973 im Rathaus der direkt beteiligten Gemeinde Roßtal eine Aussprache stattgefunden, an der die Landtagsabgeordneten Tauber und Schnell, die Bürgermeister der Gemeinden Roßtal, Weitersdorf und Buchschwabach sowie Markträte der Gemeinde Roßtal teilnahmen.

In ernster Sorge um die Belange der betroffenen Bevölkerung wurden erste Maßnahmen zur Verhinderung dieses Projektes besprochen und eingeleitet. Am 15.8.1973 fand eine weitere Aussprache zwischen den Vertretern der Gemeinde Weitersdorf und des Marktes Roßtal statt.

Am 28.9.1973 fand in der Turnhalle Roßtal eine Bürgerversammlung statt.

Diese Bürgerversammlung hat unmißverständlich erkennen lassen, daß die gesamte betroffene Bevölkerung mit allen rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Errichtung des geplanten Rangierbahnhofes kämpfen wird. In der Turnhalle Roßtal erschienen zwischen 700 und 800 Personen. Die Turnhalle war restlos überfüllt. Viele Bürger fanden keinen Einlaß.

Im Rahmen dieser Bürgerversammlung erhielt die betroffene Bevölkerung erstmals Auskunft über den Umfang des Projektes durch Herrn Direktor Meyer von der Bundesbahndirektion Nürnberg.

Einstimmig wurde eine Resolution gefaßt, in der die Bevölkerung der Gemeinden Roßtal, Buchschwabach und Weitersdorf sich mit aller Entschiedenheit gegen einen Rangierbahnhof im Raume Roßtal-Heilsbronn wendet.

Alle verantwortlichen Behörden, Organisationen und Volksvertreter wurden aufgerufen, gemeinsam dieses Vorhaben bereits in den Planungsanfängen zu verhindern.

Ferner wurde beschlossen, eine Bürgerinitiative gegen die Errichtung des Rangierbahnhofes zu gründen.

Die konstituierende Sitzung des Bürgerkomitees Roßtal gegen den Rangierbahnhof fand am 26.10.1973 statt.

Im Rahmen der Arbeit des Bürgerkomitees stellte sich folgender Sach- und Planungsstand heraus:

Zunächst hatte die Deutsche Bundesbahn die Durchführung des Raumordnungsverfahrens für den Standort westlich der Neubaustrecke Feucht-Roth betrieben. Der Bayerische Landtag faßte jedoch am 8.5.1973 einen Beschluß, durch den die DB zur Vorlage weiterer Standortvorschläge für einen neuen Rangierbahnhof im Raum Nürnberg aufgefordert wurde.

Gegenstand dieser Dokumentation ist der Vorschlag Roßtal-Heilsbronn.

Aufgrund der Entschlossenheit der gesamten Bevölkerung, gegen den Rangierbahnhof anzukämpfen, hat sich das Komitee die Aufgabe gestellt, alle Möglichkeiten zur Verhinderung auszuschöpfen. Insbesondere dient diesem Zweck die vom Bürgerkomitee erarbeitete Dokumentation über Wissenschaft, Landwirtschaft, Raumordnung, Lärmschutz, Forstwirtschaft und Naturschutz.

Umfang der Planung

Der neue Rangierbahnhof muß auf eine Leistungsfähigkeit von 12000 Waggons/Tag ausgelegt werden und damit zwei Ablaufsysteme erhalten, die in ihrer Ablaufrichtung gegenläufig sind.

Die Zahl der 12 000 Waggons/Tag zeigt lediglich die ein- und auslaufenden Waggons an. Die Zahl der zu rangierenden Waggons liegt bei ca. 16 000.

Der Flächenanspruch für den Rangierbahnhof beträgt 400 ha. Das Projekt wird ca. 8 km lang und 1 km breit sein.

Bei diesem Flächenanspruch bleibt es jedoch nicht. Die Auswirkungen des Gesamtprojektes sind beträchtlich. Neben der eigentlichen Rangieranlage sollen entstehen:

  1. eine viergleisige Trasse Roßtal-Nürnberg,
  2. ein leistungsfähiges Straßennetz zur Erschließung des Rangierbahnhofes,
  3. 110-kV-Leitungen mit Umspannwerk zur Versorgung des Rangierbahnhofes,
  4. eine Wagenreinigungs- und Entseuchungsanlage,
  5. ein Betriebswerk und Betriebswagenwerk.

Man kann also nicht die Rangieranlage gesondert sehen. Sie ist nur ein Teil eines wesentlich größeren, in die Gebietsstruktur und Ökologie erheblich eingreifenden Gesamtkomplexes. Das Gesamtprojekt erfordert eine Fläche von 600 bis 700 ha.