Sonderausstellung »Vom Kienspan zur Glühbirne«

Im Spiegel der Presse

Leuchtende Schau

Ausstellung in Roßtal: »Vom Kienspan zur Glühbirne«

von Sabine Rempe

Erhellend ist die neue Sonderausstellung des Heimatvereins im Roßtaler Museumshof: Bei »Vom Kienspan zur Glühbirne« stehen Lichtquellen im Mittelpunkt. Eröffnung ist am Sonntag.

ROSSTAL – „Es werde Licht.“ Das steht schon in der Bibel. Leider fehlt darin die Gebrauchsanweisung. Doch schon in der Altsteinzeit entzündeten die Menschen Kienspäne, wenn sie die Nacht erhellen wollten. Die vierkantig oder flach gespaltenen Stücke aus besonders harzreichem Holz waren bis ins 19. Jahrhundert im Gebrauch. In Roßtal sind nun zwei Kienspanlampen aus jenen Tagen zu sehen. Dabei dreht es sich um ganz schlichte Halter, in die ein glimmendes Holzstück geklemmt werden konnte.

Die simplen Vorrichtungen können für sich beanspruchen, den Zündfunken für die aktuelle Sonderschau gegeben zu haben: „Eine von diesen Lampen stand im Fundus des Museums, daraus entspann sich die Idee, die Geschichte des Lichts weiterzuverfolgen“, erklärt Luise Handschuch, die gemeinsam mit Anita Nagel die Ausstellung konzipiert hat.

Womit den Roßtalern früher ein Licht aufging: Luise Handschuch (li.) zeigt den Kienspanhalter, Anita Nagel eine Petroleumlampe. Ab Sonntag eröffnet die Sonderschau »Vom Kienspan zur Glühbirne« im Museumshof.      Foto: Sabine Rempe

Öllampen und Fackeln

Noch weit entfernt vom praktischen Griff nach dem Lichtschalter unserer Tage sind auch die antiken Öllampen, die in den unterschiedlichsten Ausführungen im Museumshof begutachtet werden können. Seit langer Zeit im Gebrauch sind daneben Fackeln, die, mit Harz, Pech oder Tierfett bestrichen, für eine Weile das Dunkel vertrieben. Die exemplarische Fackel, die in der Schau gezeigt wird, ist nicht zuletzt ein Beweis für die weitreichende Organisation, die hinter einer solchen Sonderausstellung steht: „Wir haben uns nach der Fackel bei den Planern der Kinderzeche in Dinkelsbühl erkundigt und freundlicherweise eine bekommen“, freut sich Anita Nagel.

Fantasie und Kreativität waren stets gefragt, wenn die Finsternis verbannt werden sollte. Ein schönes Beispiel ist dafür ein Modell der sogenannten Schusterkugel: Mit einer Glaskugel, die mit Wasser gefüllt wurde, versuchte man, das diffuse Licht der Sonne oder auch einer Kerze auf den Arbeitsplatz zu fokussieren. Was für ein mühsames Unterfangen das war, kann man sich leicht vorstellen.

Aufgabe des Nachtwächters

Ebenso einleuchtend erscheint, welche Erleichterung die Einführung funktionsfähiger Petroleumlampen mit sich brachte. Auf einem alten Foto ist ein öffentliches Prachtexemplar zu erkennen, das in der Roßtaler Schulstraße positioniert war. Fürs Entzünden und Löschen, sagt Luise Handschuch, war einst wohl der Nachtwächter zuständig.

In den Vitrinen sind – sorgsam beschriftet – nun viele Exponate zu bewundern, die vor allem eines deutlich machen: Unser Alltag ist in diesem Punkt auf jeden Fall um einiges einfacher und sicherer, als der unserer Vorfahren. Denn selbstverständlich mussten nicht nur Kerzen, die zum Beispiel in Leuchtern aus Bauernsilber die guten Stuben heller machten, sorgsam überwacht werden.

Wirklich handlich waren auch Karbidlampen nicht, die unter anderem für Fahrzeuge oder als Signale verbreitet waren.

Mit der Entwicklung der Glühlampe kam der große Umschwung. Plötzlich wurde Licht auf Knopfdruck verfügbar. Immer und überall. Aus den Anfängen dieser Entwicklung, die für uns längst beinahe selbstverständlich erscheint, stammen zum Beispiel die Lichtschalter aus Bakelit, die in Roßtal zu sehen sind.

Den Zeitgenossen, die ehedem nicht erkannten, welche Vorzüge der Fortschritt mit sich bringt, bläute schon damals Werbung die passende Erkenntnis ein: „Jeder Ehemann hat die Pflicht, seiner Ehefrau das Leben so angenehm wie möglich zu machen – deshalb sei am besten alles elektrisch im Haus.“ Eine historische Reklame verkündete diese vollmundige Botschaft einst allen zögernden Männern.

Dass längst nicht jedermann damals mit der Handhabung des neuen Luxuslichts auf Anhieb vertraut war, zeigt eine Tafel, die in einem New Yorker Hotel darauf hinwies, man möge bitte nicht versuchen, „Edisons Elektrisches Licht mit einem Streichholz zu entzünden“.

Offensichtlicher war dagegen wohl der Gebrauch der ersten elektrischen Christbaumkerzen, die ebenfalls in einem Schaukasten bestaunt werden können. Gleich daneben dürfen Besucherkinder in Roßtal selbst testen, welcher Zauber einer Glühbirne inne wohnt: Anknipsen. Ausknipsen. Anknipsen…

Quelle: Fürther Nachrichten vom 08.08.2014 FLL/Seite 3

Der Museumshof ist jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Internet: www.heimatverein-rosstal.de/