Sonderausstellung »Sprichwörter und Redensarten«

Im Spiegel der Presse

Alles in Butter und dazu Nägel mit Köpfen

Redensarten zum Rätseln:
Die neue Sonderschau im Museumshof Roßtal stellt Sprichwörter bildlich dar

von Reinhard Kalb

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ Der Spruch wird König Friedrich II. zugeschrieben, als er die Kartoffel in Preußen heimisch machte. Irgendwann setzte sich die Knolle als Grundnahrungsmittel durch – und es blieb ein Sprichwort. »Sprichwörter und Redensarten« heißt eine Ausstellung, die das Heimatmuseum Roßtal ab Sonntag, 3. Mai, präsentiert.

ROSSTAL – Ja, was ist denn hier los? Da krabbelt eine Miezekatze aus einem Sack, hängt ein kitschiges Engelsbild mit Sinnspruch windschief an der Wand, nagt ein Gebiss an einem Besen und stehen zwei Stiefel in einer Wanne. Auf dem Regal hockt ein Rabe mit schrill bunten Federn, und im Schrank fehlen einige Tassen. Der Sinn ist klar: Hier werden Sprichwörter plastisch illustriert und der Besucher darf raten, welche gemeint sind. Allzu schwer sollte ihm das nicht fallen, denn in Vitrinen werden zahlreiche Redensarten sowohl in ihrer Bedeutung erklärt, als auch ihre Entstehung beleuchtet.

Und eben plastisch illustriert. So liegt ein Silberlöffel über einem schwarzen Gebetbuch mit historischen Traueranzeigen und Kruzifix. Da hat einer „den Löffel abgegeben“, ist also gestorben. In Zeiten, da einfache Menschen kein Messer mit sich führen durften, gehörte ein Löffel zum wichtigen Besitz. Starb jemand, so ging sein Löffel an den Jüngsten in der Familie über.

Darunter liegt ein Nagelbrett, gespickt mit eingeschlagenen Nägeln. „Nägel mit Köpfen machen“ – das besorgten nur die Schmiedemeister, nicht aber deren Gesellen. Und auf die Arbeit eines Meisters konnten sich die Zimmerleute verlassen.

Wer scheitert, erlebt ein „Fiasko“. „Fiasco“ ist das italienische Wort für Flasche. Eine solche – allerdings leer – bekamen in Italien schlechte Schauspieler umgehängt, während der Edelmime sich mit Lorbeer zierte. Über Frankreich hielt das Fiasko mit Napoleon auch bei uns Einzug.

Ein gedeckter Tisch versammelt gleich ein halbes Dutzend an Redensarten. Das Salz steht neben dem Suppenteller, während die Terrine zum Auslöffeln derselben wartet. Der Senf zum Dazugeben steht schon bereit und ein gläserner Butterquirl sorgt dafür, dass „alles in Butter“ kommt. Letztere Redensart rührt von den Transportmethoden des Mittelalters her: Da Glas zerbrechlich und teuer ist, versenkten es die Kaufleute in Fässern voller Butter. So umhüllt, konnte die fragile Ware selbst die Alpen unbeschadet überwinden.

Biblische Quellen

Wie aber entstehen Sprichwörter? Eine Quelle ist natürlich die Bibel, die seit Luthers Übertragung ins Deutsche unermüdlich vor sich hin sprudelt. Eine weitere sind Zitate großer Männer, die sich verselbständigen, wie etwa „Die Würfel sind gefallen“, von Julius Cäsar.

Und dann gibt es noch die Missverständnisse: Wenn einer nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, dann mangelt es ihm an Grips und nicht am Geschirr. Das hebräische Wort „Toshia“ bedeutet Verstand; wer des Jüdischen nicht kundig war, verstand Tasse. Was aber der Verstand im Schrank statt im Kopf zu suchen hat, ist ein weiteres Rätsel.

Und ursprünglich schoss man durchaus mit Kanonen auf Spatzen, denn das Wort „Canna“ bedeutete eigentlich Schießrohr. Dieser Begriff ging im Lauf der Zeit von der Jagdflinte auf die schwere Artillerie über.

Die Ausstellung hatte der Werbefachmann Jürgen Lehner aus Stein schon vor einigen Jahren konzipiert und bereits mehrfach präsentiert, so auf Burg Abenberg. Doch erst mit den Dekorationen aus dem Fundus des Roßtaler Heimatmuseums entfaltet sie ihren Charme in voller Gestalt.

Und auch Metaphern der Neuzeit dürfen nicht fehlen. Etwa, wenn Quietsche-Entchen über einer Ausgabe der Nürnberger Nachrichten gründeln. Angeblich rührt die Zeitungsente – die falsche Nachricht – von der Abkürzung „NT“ her, was in diesem Fall nicht Neues Testament bedeutet, sondern aufs lateinische „non testatum“ zurückzuführen ist und später auch „not testified“ oder „not true“ meinte. Damit bedachten englische Redakteure eintrudelnde Meldungen von zweifelhaftem Wahrheitsgehalt, bis die Bestätigung und damit die Druckerlaubnis vorlag. Da fragt sich nur noch, welch illustre Sprüche uns das Zeitalter der Handys, i-Phones und Selfies bescheren wird.

Quelle: Fürther Nachrichten vom 30.4.2015 FLL/Seite 5

Die Ausstellung in der Schulstraße 13 ist ab Mai bis in den November an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen. Oder bei Anmeldung unter (091 27) 96 53.